Erleichterung nach dem Derbysieg ohne Gegentor

»Mit Inbrunst und großem Herz«

Created by von Marc Basten, Nadine Basten und Jan van Leeuwen
Auf einem guten Weg - Thorgan Hazard (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Auf einem guten Weg - Thorgan Hazard (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Groß war die Erleichterung bei Borussia Mönchengladbach, dass das rheinische Derby gewonnen werden konnte. Vor allem die Tatsache, dass man endlich mal wieder ohne Gegentor blieb, erfreute die Protagonisten.

»Derbysieg, zu Null - was gibt es Schöneres?«, fragte Borussias Keeper Yann Sommer nach der Partie in der Mixed-Zone des Borussia-Parks die wartenden Journalisten. Der Schweizer strahlte: »Es hat lange gedauert, bis wir mal wieder zu Null gespielt haben. Umso schöner, dass uns das im Derby gelungen ist«.

»Die Mannschaft hat beweisen wollen, dass sie auch zu Null verteidigen kann«, lobte Sportdirektor Max Eberl. »Sie haben eine gute Reaktion auf das Spiel in Hamburg gezeigt und mit Inbrunst und großem Herz Fußball gespielt und eben auch verteidigt«.

Gegen die eine Stunde lang sehr passiven Kölner hatten die Borussen zunächst alles komplett im Griff. »Vor allem in der ersten Halbzeit war der Spielaufbau sehr gut, da kam der Gegner nicht so richtig mit zurecht«, lobte Trainer André Schubert. »Wir haben über eine Dreierkette aufgebaut, einer der Sechser ist immer abgekippt. So konnten wir mehrere gute Angriffe inszenieren. Nur hätten wir vielleicht ein, zwei Tore mehr machen können«.

So blieb der letztlich entscheidende Treffer von Mo Dahoud die einzige Ausbeute an diesem Nachmittag. »Unser Problem war, dass wir den Sack nicht früh genug zugemacht haben«, sagte Granit Xhaka. »In der Summe war der Sieg sicher verdient, aber wenn du nur 1:0 führst, musst du bis zum Ende zittern«, ergänzte Max Eberl.

Als der FC aufwachte, gab es in Borussias Defensive durchaus einige Schreckmomente. »Wir waren da, wie schon öfters, zu passiv und lassen dem Gegner zu viel Platz«, bemerkte Yann Sommer. Doch diesmal rissen sich seine Vorderleute zusammen und unterstützten sich gegenseitig. »Ich habe heute wieder die Leidenschaft gesehen zu verteidigen«, sagte Sommer. »Das habe ich in den letzten Spielen etwas vermisst. Da fanden wir es geil, offensiv Fußball zu spielen und viele Chancen zu kreieren, aber es schien eine Last, zu verteidigen«.

»Heute waren wir alle über 90 Minuten konzentriert«, lobte Kapitän Granit Xhaka. »Es war wichtig, zu Null zu spielen«, sagte André Schubert. »Es ist gut zu wissen, dass wir innerhalb einer Viertelstunde zwei, drei Tore machen können. Es ist aber auch gut zu wissen, dass du zu Null spielen kannst, wenn es notwendig ist. Das ist die Balance, die du hinbekommen musst«.

Während Max Eberl die Bedeutung des Derbysiegs hervorhob (»Das kleine gallische Dorf Gladbach hat heute gewonnen«) und die Spieler um die Wette strahlten, stahl sich der ›Mann des Tages‹ davon. Mo Dahoud wollte nicht vor die Kameras und Mikrofone gezerrt werden. »Das ist nicht böse gemeint«, entschuldigte Eberl den Youngster. »Er ist ein Junge, der einfach nur Fußball spielen will. Mo mag dieses Drumherum nicht, auch wenn das dazugehört«.

Daher mussten die Kollegen über den Torschützen sprechen, natürlich gab es nur lobende Worte. »Er ist 20 und bringt eine super Leistung«, sagte Granit Xhaka. »Er ist enorm wichtig für uns und soll so weitermachen«. Alle anderen äußerten sich ähnlich.

Der einzige Wermutstropfen an diesem Samstag war die 5. Gelbe Karte, die sich Lars Stindl einhandelte. Damit fehlt der Angreifer am nächsten Wochenende in Augsburg. »Ich muss ihn mal fragen, ob er nächste Woche etwas Spezielles vorhat«, nahm André Schubert die Sache mit Humor. »Lars war wirklich sehr aggressiv heute«.

In Augsburg muss also das Erfolgsduo Raffael-Stindl verändert werden. Ein Kandidat wäre Thorgan Hazard. »Klar, kann er das spielen«, sagte Schubert, der die positive Entwicklung des Belgiers hervorhob. »Thorgan hat in der Hinrunde einige Dinge nicht so gemacht, wie ich es mir vorgestellt habe. Auch nach vorne nicht, da war alles etwas zu verschnörkelt. Jetzt ist er in seinen Aktionen viel klarer, mit mehr Zug zum Tor, er spielt viel einfacher. Und defensiv arbeitet er ganz anders«.

Gerade das Defensivverhalten wird am nächsten Sonntag in Augsburg im Fokus stehen. »Wir müssen uns auswärts angewöhnen, dass wir nicht alle Mannschaften an die Wand spielen müssen«, sagte Max Eberl. »Wir müssen erstmal eine gute Struktur haben um den Gegner zu ›bekämpfen‹ und darüber unsere Qualitäten auf den Platz zu bringen«.

»Es wäre wichtig, dass wir jetzt konstant spielen und vielleicht eine Serie starten«, forderte Granit Xhaka. »Es kann nicht sein, dass wir nach einem Sieg immer verlieren«.

In der Nachbetrachtung auf das Derby geriet der vorher so groß thematisierte ›Stimmungsboykott‹ zur Randnotiz. Den etwas veränderten Geräuschpegel hatten zwar alle Beteiligten irgendwie wahrgenommen, doch da es an spielbezogenem Support nicht fehlte, gab es nur lobende Worte für die Fans. »Die Leute haben uns auf eindrucksvolle Art und Weise unterstützt«, sagte Max Eberl. »Das hat auch geholfen«.

Copyright © 2000- 2024 TORfabrik.de [Marc Basten] Nachdruck und Weiterverbreitung,
auch auszugsweise, nur mit Genehmigung.

TORfabrik.de ist ein offiziell eingetragenes Magazin bei der
Deutschen Nationalbibliothek (ISSN 1610 - 4919)
Herausgegeben von Marc Basten, Altenkleusheimer Str. 12, 57462 Olpe

Unterstützt durch unseren Sponsor & Partner: tops.net GmbH & Co. KG