Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - Hertha BSC 1:0 (1:0)

Knapp aber verdient

von Redaktion TORfabrik.de
Großer Jubel um und mit László Bénes nach dem Tor des Tages gegen Hertha BSC (Foto: Maja Hitij / Bongarts / Getty Images)

Großer Jubel um und mit László Bénes nach dem Tor des Tages gegen Hertha BSC (Foto: Maja Hitij / Bongarts / Getty Images)

Borussia Mönchengladbach konnte beim 1:0-Erfolg über Hertha BSC besonders in der zweiten Halbzeit überzeugen. Der Sieg war knapp, aber verdient für die Fohlenelf. Ein Spieler ragte heraus.

Yann Sommer: Borussias Keeper war auch an diesem Abend, wie schon in den letzten Wochen, der Rückhalt seiner Mannschaft. Klasse seine Reaktion beim Schuss von Pekarik. Hatte das Glück des Tüchtigen beim Freistoß an die Latte. Bei Ecken und Flanken war Sommer fangsicher und sprungstark. Perfekt gelang ein weiter Abwurf auf Elvedi. Als mitspielender Torwart vor einige Herausforderungen gestellt, aber selbst den nicht einfachen Rückpass von Dahoud nach der Pause verarbeitete er technisch einwandfrei. Nur einmal im ersten Durchgang, als Sommer den Ball flach in die Mitte spielte, musste man kurz die Luft anhalten. Note 2,0.

Nico Elvedi: Hatte auf seiner rechten Abwehrseite hier und da kleinere Schwierigkeiten beim Positionsspiel, bekam diese im Verlauf der Partie jedoch immer besser in den Griff. In den direkten Duellen war der Schweizer wachsam und eroberte mehrfach den Ball. Im Spiel nach vorne zunächst etwas mutlos - wie nach dem tollen Abwurf von Sommer. Nach der Pause gefiel er durch vermehrtes Vordringen in den Berliner Strafraum. Einen Tempo-Gegenstoß der Herthaner erstickte er im Keim mit bemerkenswerter Überlegenheit im Sprint. Note 3,0.

Andreas Christensen: Man kann nur hoffen, dass Chelsea ihn an diesem Mittwochabend nicht gesehen hat, denn sonst kann man in Gladbach alle Hoffnungen auf eine mögliche Ausdehnung des Leihgeschäftes begraben. Was Christensen zeigte, war einfach großartig. Grandioses Kopfballtiming, überragendes Positionsspiel, immer im richtigen Moment am oder vor dem Gegenspieler und mit blitzsauberer Zweikampfführung. Selbst unter großem Druck löste er die Situationen seelenruhig, mit Auge und Technik gleichermaßen. Er war der Borusse mit den meisten Ballaktionen und brachte 98,2 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler. Das ist Ligabestwert in dieser Saison. Note 1,0.

Jannik Vestergaard: Eine mehr als solide Partie des langen Dänen. Zwar ›klärte‹ er einmal per Kopf zu einem Gegenspieler, ansonsten war er in den Luftduellen eine Bank. Ließ wieder den einen oder anderen Angreifer von sich abprallen, diesmal passte auch das Timing beim Herausrücken. Nach dem Seitenwechsel klärte er mit einer eminent wichtigen Grätsche gegen einen einschussbereiten Berliner. Im Spiel nach vorne gingen hin und wieder Kleinigkeiten daneben, doch seine Pässe waren insgesamt sehr präzise und klar. Mit einem tollen Pass auf Hazard stand er an der Basis des ersten Hofmann-Pfostentreffers. Bei eigenen Standards mehrfach mit dem Kopf am Ball, ohne ihn jedoch kontrolliert aufs Tor zu bekommen. Note 2,5.

Oscar Wendt: Ein Tänzchen auf dem Ball an der Seitenlinie ging in die Hose, doch er konnte die Situation zumindest noch auf Kosten eines Eckballs korrigieren. Ansonsten mit einer abgeklärten Vorstellung. Wendt bot sich immer wieder vorne links an, wenn Hofmann sich anderweitig orientierte. Setzte einmal energisch am Strafraum nach und überraschte die Berliner, als er über rechts im Strafraum für Unruhe sorgte. Sein Schuss flog knapp am langen Pfosten vorbei. Hinten aufmerksam, wenn auch unterlegen im Laufduell mit Esswein vor dessen Großchance. Note 3,0.

Mo Dahoud: Startete mit einem Traumpass auf Hofmann und auch in der Folgezeit war er sehr aktiv. Man spürte den Druck, den er nach Bekanntgabe seines Wechsels hatte und der noch größer wurde, weil er plötzlich der ›erfahrenere‹ der beiden Sechser war. Aber Dahoud hielt dem Stand und spielte voller Selbstvertrauen. Abstimmungsprobleme gab es dennoch, was dazu führte, dass Berlin einige Umschaltaktionen bekam, die nicht abgesichert wurden. Ein paar Ungenauigkeiten kamen hinzu, dennoch löste Dahoud die nicht einfache Aufgabe sehr ordentlich. Note 2,5.

László Bénes: Eine mehr als gelungene Startelfpremiere des 19-Jährigen. Von Nervosität war nichts zu spüren, er spielte frech drauflos und hatte Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten. Er führte einige Standards aus und traute sich den Distanzschuss zu, der den Keeper überraschte und letztlich den Sieg brachte. Gleichwohl hatte er auch naive Momente, die ins Auge hätten gehen können. So ein Ballverlust wegen allzugroßer Unbekümmertheit oder eine falsche Drehung in den Mann hinein, wo er Glück hatte, dass der Schiedsrichter die Situation abpfiff. Vor dem Freistoß für Hertha kurz vor der Pause ging er unbedacht hin. Ließ sich in der zweiten Halbzeit weiter nach hinten fallen und baute von dort - u.a. mit einem tollen langen Pass auf Herrmann - besonnen auf. Bénes beherrscht es, die Bälle hinter die Abwehrreihe zu passen. Stark, wie er sich am Ball fast immer nach vorne drehte und damit sofort das Spielgeschehen vor sich hatte. Note 2,5.

Patrick Herrmann: Hatte zunächst wenig Entfaltungsmöglichkeiten, der junge Torunarigha verteidigte aufmerksam. Wenn sich mal Raum ergab, stand sich Herrmann, u.a. durch eine schlechte Ballanahme, selbst im Weg. Er kämpfte sich ins Spiel und war vor allem defensiv eine wertvolle Hilfe für Elvedi. Nach der Pause mit einigen guten Szenen und auch offensiv gelungenem Zusammenspiel mit Elvedi. Als er danach wieder etwas mehr abtauchte, wurde er durch Traoré ersetzt. Note 3,5.

Jonas Hofmann: Hätte egoistischer sein müssen bei der Großchance zu Beginn. Da war deutlich die Angst vor dem Scheitern zu spüren, die ihn zum Querpass veranlasste. War danach eine Phase nur wenig eingebunden, obwohl er sich immer wieder mit Sprints in die Tiefe anbot und Räume öffnete. Es zog ihn frühzeitig in die Mitte, wo er in der zweiten Halbzeit richtig aufdrehte. In der starken halben Stunde nach Wiederbeginn war Hofmann der beste offensive Borusse. Mit einem guten Blick für Öffnungen konnte er sich und seine Mitspieler immer wieder in Szene setzen. Innerhalb weniger Minuten traf er zweimal den Pfosten - da ging er mit viel Entschlossenheit zu Werke. In der Schlussphase, als Bénes raus musste, übernahm er dessen Sechser-Position. Die Statistik weist ihn als laufstärksten Gladbacher aus. Note 2,5.

Thorgan Hazard: Bei der ersten Chance kann man ihm nach dem Hofmann-Querpass keinen Vorwurf machen. Alsdann zunächst nur im ›klein-klein‹ auffällig, aber ansonsten wenig zwingend. Nach der Pause mit ein paar Halbchancen, aber es fehlte der letzte Punch. In einer Situation hatte er mittig den Raum zum Schuss, doch er zog nicht ab, sondern ein Abspiel vor. Hazard enttäuschte nicht, aber der fehlende Rhythmus war ihm noch deutlich anzumerken. Note 3,5.

Lars Stindl: Zeigte sich verbessert gegenüber der Partie in Frankfurt, war aber noch deutlich von der Form zu Jahresbeginn entfernt. Mit seinem Zuspiel auf Bénes leitete er zwar das Siegtor ein, doch für seine Verhältnisse ging noch überdurchschnittlich viel schief, sowohl bei Weiterleitungen als auch bei der Ballverarbeitung. Bereitwilligkeit und Einsatz waren vorhanden. Nach der Pause hatte er zwei Schussgelegenheiten, doch Jarstein parierte. In der Schlussphase mit einem wichtigen Kopfball, als er eine Hertha-Ecke aus dem Strafraum beförderte. Note 3,5.

Ibo Traoré: Feierte sein Comeback nach langer Verletzungspause, hatte aber kaum nennenswerte Aktionen. Ohne Note.

André Hahn: Ersetzte Bénes fünf Minuten vor Schluss und spielte auf Hofmanns Position. Er rackerte mit und war am Konter in der Nachspielzeit beteiligt, der nicht zum Abschluss kam. Ohne Note.

Nico Schulz: Einsatz gegen seinen Ex-Club in der Schlussminute, um etwas an der Uhr zu drehen. Hatte immerhin einen Ballkontakt. Ohne Note.

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