Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - Manchester City 1:2 (0:0)

Keine Punkte, aber Respekt gewonnen

von Redaktion TORfabrik.de
Patrick Herrmann gegen Aguero (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Patrick Herrmann gegen Aguero (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Borussia Mönchengladbach hat gegen Manchester City trotz der Niederlage keinesfalls enttäuscht. Es war ein über weite Strecken begeisterndes Spiel der Fohlenelf, dem schlichtweg nur die Belohnung durch mindestens einen Punkt fehlte.

Yann Sommer: Startete mit einer super Rettung gegen Aguero, gegen den er aus kurzer Distanz einen frühen Rückstand verhinderte. Bei den weiteren Möglichkeiten, die neben dem Tor landeten, war er immer in der bedrohten Ecke und hätte abwehren können. Pech hatte er beim Ausgleich, weil Christensen unhaltbar abfälschte. Beim Elfmeter chancenlos (leider mit dem Zusatz ›wie immer‹). Er deutete vor der Ausführung mehrfach auf die linke Seite, wohin Aguero auch schoss. Sommer sprang nach rechts. Rettete in der Nachspielzeit gegen Aguero, als er sich ihm entgegenwarf. Prallte dabei mit Wendt zusammen, der ihm das Nasenbein brach. Note 2,0.

Julian Korb: Ließ sich bei der ersten Chance von City von einem Pass ›mit Ansage‹ überraschen. Unbeirrt spielte er munter weiter und gefiel mit hoher Handlungsschnelligkeit. Stellte Sterling oft wirkungsvoll. Ging kein Risiko ein, als er flach zur Ecke klärte. Nach vorne sehr aktiv, herausragend sein phänomenaler Pass in den Lauf von Raffael. Den hätte Andrés Iniesta nicht besser gespielt. Er dachte offensiv und startete oft durch. So beim Tor, als er im richtigen Moment überlief und dann beim Pass auf Stindl Übersicht bewies. Klärte hinter der Linie vor dem Ausgleich, was der Torrichter übersah. Weil Korb schon Gelb hatte und der Druck von City zunahm, wurde Korb ausgewechselt und Johnson übernahm seine Position. Note 2,0.

Andreas Christensen: Bei der ersten Chance der Gäste musste er den Querpass durch die Beine ›schlucken‹. Danach aber fast immer auf der Höhe durch hervorragendes Stellungsspiel. Er durchschaute viele Anspielversuche und fing einiges ab. Im Aufbau sehr sicher. Christensen scheute sich nicht, selbst in die Gasse zu laufen und danach einen freien Mann anzuspielen, wenn ein Pass zuvor zu risikoreich gewesen wäre. Sehr unaufgeregt und stoisch wie einst Patrik Anderson. Ein Fehler im Aufbau wurde von Johnson korrigiert, beim als Eigentor gewerteten Ausgleich kann man ihm keinen Vorwurf machen. Er wollte zentral per Kopf klären, aber angesichts der Wucht des Schusses blieb keine Zeit für eine kontrollierte Aktion. Note 2,5.

Álvaro Dominguez: Der Spanier tut der Abwehr fraglos gut, auch die Abstimmung mit Christensen passt. Dominguez fing an mit einem Fehlpass, der ohne Folgen blieb. Danach sehr konzentriert und ›aufgeräumt‹. Bot sich immer gut an als Anspielstation für Sommer und leitete mit seinem langen Pass auf Raffael dessen Chance kurz nach Wiederbeginn ein. Er war der ›Last-minute-man‹ was Rettungstaten anging. Mehrfach konnte er mit letztem Einsatz kurz vor der Torlinie noch klären. Sah Gelb für Ziehen, nicht für das harte aber saubere Tackling unmittelbar danach. Note 2,5.

Oscar Wendt: Suchte wie gewohnt oft den Weg nach vorne und tauchte mehrfach an und in der gefährlichen Zone auf. Die Abstimmung mit Johnson klappte, der Amerikaner hielt ihm den Rücken frei und umgekehrt. Wendt ging auch beherzt zur Sache, wenn es nötig wurde. Für Herzrasen sorgten Doppelpässe im eigenen Strafraum, die er mit aller Seelenruhe vollführte. In der zweiten Halbzeit zusehends unter Druck gesetzt, nahm er mehrfach hohes Risiko beim Versuch, sich aus der Abwehr herauszukombinieren. Als Jesus Navas kam, wurde es für Wendt richtig ungemütlich. Fast jeder Angriff lief über seine Seite und er musste die Angreifer mehrfach passieren lassen. In der Nachspielzeit erwischte er Yann Sommer mit dem Knie unglücklich im Gesicht. Note 3,0.

Granit Xhaka: Fand eine gute Balance in seinem Spiel, überzog es nicht in den Zweikämpfen und erging sich auch nicht in unnötiger Schönspielerei. Zwei, drei ›unforced errors‹ waren dabei, die ohne Folgen blieben, zudem ging er einmal sehr ungestüm drauf und wurde simpel ausgespielt. Ansonsten strahlte der Kapitän viel Selbstvertrauen aus und traute sich auch Einzelaktionen zu. Stark der Pass in die Nahtstelle zu Herrmann vor dem Führungstreffer. Die Abstimmung mit Dahoud funktioniert, hier und da machte Xhaka auch mal eine klare Ansage an den Youngster. Note 2,5.

Mo Dahoud: Auch auf europäischer Bühne erfrischend respektlos. Zurecht vertraute Dahoud in vielen Situationen auf seine Technik. Es tut dem Mittelfeldspiel sichtlich gut, dass Dahoud sich aus Pressingsituationen wegzudrehen und zu befreien weiß. Bemerkenswert ruhig war er im eigenen Strafraum, wenn er angelaufen wurde. Im Spiel nach vorne mit einigen guten Fortsetzungen, wobei nicht alles gelang, wie der zu steile Steckpass auf Raffael. In der einen oder anderen Situation hätte er sich etwas schneller vom Ball trennen können, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Erstaunlich stabil in den Defensivzweikämpfen gegen körperlich überlegene Gegenspieler. So eroberte er einige Bälle, u.a. stand er an der Basis des Konters, der zum Elfmeter führte. Nach der Pause baute er kräftemäßig ab, hielt aber bis sechs Minuten vor Schluss durch. Note 3,0.

Patrick Herrmann: Ist noch nicht wieder ganz der Alte, macht aber zusehends Fortschritte. Herrmann bringt immer eine gewisse Tiefe und ein hohes Tempo ins Spiel, so auch gegen ManCity. Hatte eine gute Schusschance nach dem Konter über Raffael, als er am langen Pfosten vorbeischoss. Dagegen hätte er aus seiner Großchance nach Traumpass von Raffael mehr machen müssen. Der Versuch, Hart mit einem gedrückten Schuss mit dem Innenrist zu überwinden, schlug fehl. Da wäre ein Schuss mit dem Spann die bessere Option gewesen. Herrmann bot sich mehrfach gut zwischen den Linien an, so machte er vor dem 1:0 Platz für Korb, den er gut anspielte. Nach einer Stunde wurde er zusehends müder, zumal er meist auf links spielte und dort viel nach hinten machen musste. Seine Auswechslung kam möglicherweise etwas zu spät. Note 3,5.

Fabian Johnson: Viel unterwegs und aktiv bei den Gegenangriffen nach Ballgewinnen. So spielte er auf Raffael vor dessen erster Chance in der Anfangsphase. Zwei aussichtsreiche Konter ›tötete‹ er, als ihm der Ball versprang und ein Haken misslang. Seine Quote an kleinen Fehlern war etwas zu hoch. Dafür bügelte er einen Christensen-Fehler perfekt aus. Als Korb das Spielfeld verließ, spielte er rechts hinten, was ordentlich funktionierte. Vor dem Elfmeter köpfte er den Ball vor die Füße von Aguero und traf ihn dann beim Versuch, die Sache auszubügeln. Nachher beschrieb er es selber treffend: Es ist ein schmaler Grat zwischen passiv sein und draufgehen - es sind Bruchteile. Note 3,5.

Raffael: Mann des Spiels mit einem Schönheitsfehler: Den Elfmeter hätte er verwandeln müssen. Der selbst Gefoulte und schon in Bielefeld Gescheiterte trat selber an - warum? Ein Eintrag als erster Torschütze in der Champions League? Darüber hinaus lief Raffael wie aufgedreht über den Platz und stellte Manchester mit unwiderstehlichen Soli immer wieder vor ärgste Probleme. Verlor leider das Privatduell gegen Hart nicht nur beim Penalty. Bei Raffaels Großchance im ersten Durchgang und der Möglichkeit unmittelbar nach der Pause blieb der Keeper Sieger. Dennoch war es beeindruckend, wie Raffael aus der Tiefe startete und immer wieder etwas inszenierte. Selbst in der Schlussphase hatte er noch Treibstoff für Sprints. Note 1,5.

Lars Stindl: Wieder mit unglaublichem Laufpensum unterwegs, was eine Menge Defensivarbeit beinhaltete. Auch bei Defensivstandards mit Kopfbällen wichtig, wobei er vor dem Ausgleich einen verlängerten Ball etwas falsch einschätzte. Seine schnellen Weiterleitungen waren das Öl in der Kontermaschine und die lief auf Hochtouren. Wurde elfmeterreif gefoult und bekam Gelb für eine Schwalbe - eine Witzentscheidung. Beim Tor erkannte er die Situation richtig, lief gut ein und traf gewollt sicher. Wäre eigentlich auch ein Kandidat gewesen, den Elfmeter zu schießen. Note 2,5.

André Hahn: Ersetzte den ausgepowerten Herrmann und blieb etwas überraschend links, wo Herrmann in großen Teilen der zweiten Halbzeit spielte. Hahn war die meiste Zeit mit Defensivarbeit beschäftigt, wobei er gerade auf der linken Seite ein paar Probleme im Stellungsspiel hatte. Vorne einmal nachhaltig in Erscheinung getreten, als sein Schuss nach Traoré-Zuspiel zur Ecke abgefälscht wurde. Ohne Note.

Ibrahima Traoré: Übernahm die Position auf der (rechten) Mittelfeldseite von Johnson. Brauchte etwas Anlaufzeit, einmal zog er mit Ball nach innen und passte gut zu Hahn. Ohne Note.

Håvard Nordtveit: Ersetzte den müden Dahoud, ordnete sich hinten mit ein. Richtig auffällig wurde Nordtveit nicht.

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