Freude über ein großartiges Resultat

»Kalt und clever«

Created by von Marc Basten und Jan van Leeuwen
Drei Auswärtstore sollten reichen (Foto: Marc Eich / Bongarts / Getty Images)

Drei Auswärtstore sollten reichen (Foto: Marc Eich / Bongarts / Getty Images)

Mit dem 3:1 bei YB Bern hat Borussia Mönchengladbach die Tür zur Champions League ganz weit aufgestoßen. Nach der Partie waren die Protagonisten spürbar erleichtert, mahnten jedoch zur Besonnenheit.

Als die ersten voreiligen Gratulanten um die Ecke des Stade de Suisse kamen, nahmen die Gladbacher kollektiv die Abwehrhaltung ein. Getreu dem Motto, das Fell des Bären nicht zu verteilen, bevor dieser erlegt ist, verwiesen die Borussen auf den kommenden Mittwoch.

»Bern wird im Rückspiel alles auf eine Karte setzen und wir haben schon die wildesten Dinge erlebt«, sagte Trainer André Schubert und Sportdirektor Max Eberl ergänzte: »Es gibt diese ominöse Gefahr, dass man sich zu sicher fühlt. Wir haben uns eine sehr gute Ausgangslage geschaffen, aber mehr noch nicht. Die erste Halbzeit der Playoffs ist gespielt und wir dürfen nicht anfangen zu glauben, schon was erreicht zu haben«.

Der erhobene Zeigefinger ist durchaus nicht ganz unberechtigt, schließlich war die Partie in Bern enger, als es das Ergebnis ausdrückt. »Es war das erwartet schwere Spiel unter komplizierten Bedingungen«, sagte Yann Sommer. »Der Kunstrasen ist sehr schnell, wenn man einen falschen Schritt macht, ist der Gegner weg. In manchen Situationen haben wir zu viel spekuliert und sind nicht mehr rechtzeitig hingekommen«.

Das war besonders in der Viertelstunde nach dem Wiederanpfiff der Fall. Zuvor hatten die Borussen nach dem Traumstart und dem Treffer von Raffael das Geschehen weitestgehend im Griff. Dies hatte auch etwas mit der Aufstellung zu tun. »André hat mit seinem Trainerteam den Gegner sehr gut analysiert«, lobte Max Eberl. »Sie haben mit langen Bällen operiert und da war es ein wichtiger Schlüssel, dass mit Tobi Strobl und Chris Kramer zwei Große vor der Abwehr gespielt haben«.

»Weil wir letztes Jahr auswärts die Stabilität nicht so hatten, wollten wir erstmal defensiv die Kontrolle über das Spiel gewinnen und aus der Kontrolle heraus dagegenhalten«, erklärte Schubert. »Das ist insgesamt gut aufgegangen«.

»Nach der Führung haben wir das Spiel kontrolliert, ohne selber wirklich zwingend zu werden«, fasste Eberl den weiteren Verlauf des ersten Durchgangs zusammen. Nach Wiederanpfiff erhöhte Bern das Risiko und die Borussen gerieten gehörig in Bedrängnis. Die Folge war der Ausgleichstreffer. »Da müssen wir außen mehr Druck auf den Ball machen und in der Mitte geordneter stehen«, sagte Schubert.

Kurz darauf hätte Hoarau YB um ein Haar in Führung geköpft. »Da hatten wir auch das Quäntchen Glück«, räumte Eberl ein. Alsdann zog Schubert mit André Hahn seinen Joker. Wobei den Coach neben Hahns »mächtiger Torgefahr« vor allem dessen defensive Kopfballpräsenz im Vergleich zu Hazard zum zeitigen Wechsel bewogen hatte.

Nach einer Energieleistung von Stindl vollendete Hahn – aus einer nicht geahndeten, aber deutlichen Abseitsposition heraus – zur erneuten Führung, wenige Sekunden später stellte Raffael mit einem abgefälschten Schuss auf 3:1. »Da waren wir kalt und clever«, freute sich Max Eberl.

Bis auf einige wenige Wackler brachten die Borussen nach diesem Doppelschlag den Sieg über die Zeit. »Wir haben verdient gewonnen, auch weil wir von der Mentalität her sehr gut dagegengehalten haben«, resümierte Eberl.

So richtete sich die Aufmerksamkeit nach dem Schlusspfiff auf die beiden Torschützen. Raffael unterstrich seine Wertigkeit, auch wenn die UEFA ihm unsinnigerweise den zweiten Treffer nicht zuschreiben wollte und diesen stattdessen als Eigentor wertete. »Raffa hat gezeigt, warum es uns so wichtig war, mit ihm zu verlängern«, sagte Eberl.

André Schubert gestand ein, in Bezug auf Raffael etwas unsicher gewesen zu sein. »Am Anfang der Vorbereitung habe ich mir schon ein wenig Sorgen gemacht. Aber alle haben gesagt, „bleib cool, Raffa kommt zum richtigen Zeitpunkt“. Und so ist es«.

Derweil fand sich André Hahn bei Spielbeginn zunächst in prominenter Gesellschaft auf der Bank wieder. »Natürlich hätte ich gerne von Anfang an gespielt, aber der Trainer hat so entschieden«, so Hahn. »Ich denke, ich habe nach der Einwechslung eine gute Antwort gegeben. Wenn man seine Chance hat, muss man sie nutzen. Schieße ich meine Tore, kommt der Trainer nicht an mir vorbei«.

Unterdessen warteten Patrick Herrmann, Jonas Hofmann und Mo Dahoud vergeblich auf ihren Einsatz, Julian Korb und Nico Schulz hatten es nicht einmal ins Aufgebot geschafft. »Die Aufstellung war ein Ergebnis aus Vorbereitungsphase, aktueller Form, physischer Verfassung, Taktik des Gegners und den Platzverhältnissen«, erklärte André Schubert seine letztlich passende Personalwahl.

»Jetzt werden wir voll konzentriert ins Rückspiel gehen, das wollen wir nicht mehr hergeben«, sagte Schubert, der sich einmal mehr beeindruckt von der Unterstützung auf den Rängen zeigte. »Du stehst hier in Bern im Spielertunnel und hörst nur unsere Fans, dann kommst du raus und da ist eine weiße Wand. Das ist phantastisch«. Genauso wie das 3:1-Hinspielresultat.

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