Einzelkritik: Celtic Glasgow - Borussia Mönchengladbach 0:2

Internationales Format

Created by von Jan van Leeuwen und Marc Basten
›Rocket Man‹ André Hahn (Foto: Andy Buchanan / AFP / Getty Images)

›Rocket Man‹ André Hahn (Foto: Andy Buchanan / AFP / Getty Images)

Borussia Mönchengladbach überzeugte beim 2:0 bei Celtic Glasgow mit einer sehr abgeklärten Vorstellung. Die arg geschwächte Mannschaft verkaufte sich prima und mit großer Selbstverständlichkeit. Kein Borusse fiel leistungsmäßig ab, wie auch die Einzelkritik belegt.

Yann Sommer: Musste nur einmal wirklich parieren, als er im ersten Durchgang einen Freistoß aus der Distanz mit einer Hand zur Ecke lenkte. Darüber hinaus fast nur als mitspielender Torwart gefordert, der mit mehreren äußerst präzisen Abschlägen bzw. Abwürfen auf die Seiten zu gefallen wusste. Einmal lief er aufmerksam aus seinem Kasten und klärte, ein anderes Mal zweifelte er kurz und blieb dann stehen. Im zweiten Durchgang auch bei hohen Bällen gut zupackend. Vor der Pause ließ er sich nach einer ›Kerze‹ im Fünfmeterraum wegdrücken, wo er sich energischer hätte behaupten müssen. Note 3,0.

Julian Korb: Hatte in der Anfangsphase in zwei, drei Situationen defensiv Probleme gegen den hochgelobten Sinclair, ließ im weiteren Verlauf aber nichts mehr anbrennen. Ausnahme die Chance von Sinclair kurz vor der Pause, als der im Rücken von Korb nach einem überraschenden Steckpass durchstarten konnte. Ansonsten war Korb aufmerksam, kleinere Stellungsfehler korrigierte er direkt. Er unterband mehrfach Umschaltmöglichkeiten der Schotten durch frühes Zustellen und war im Spiel nach vorne an vielen, teilweise sehr flüssigen, Kombinationen beteiligt. Note 3,0.

Nico Elvedi: Wartete als rechter Innenverteidiger mit gutem Stellungsspiel auf. Er funkte mehrfach mit gutem Timing und großer Stabilität dazwischen. Auch bei hohen Bällen aufmerksam und mit gutem Kopfballspiel. Stand nach der Pause in mehreren Eins-gegen-Eins Duellen seinen Mann, als er den Gegenspieler geschickt zur Seite abdrängte. Klasse, wie er in einer Aktion Höhe der Mittellinie vor den Gegner kam und direkt einen Konter einleitete. Note 2,0.

Jannik Vestergaard: Wurde in der Luft unerwartet wenig gefordert, aber auch am Boden hielt er gut dagegen. In den Zweikämpfen war er stabil, erst in der zweiten Halbzeit sah er zweimal nicht so gut aus. In einer Situation wurde er getunnelt und in einer weiteren Szene ließ er sich vom eingewechselten Roberts fast einen Knoten in die Beine dribbeln. Stark war Vestergaard bei Ballbesitz: Er hatte das Selbstvertrauen, auch unter Bedrängnis die Sechser anzuspielen. Wenn er sich mit Ball selber befreien musste, sah es hier und da etwas risikobehaftet aus, doch er löste diese Situationen - auch durch geschickte Körperdrehungen - mehr als ordentlich. Note 2,5.

Oscar Wendt: In der ersten halben Stunde hatte er ein paar Probleme mit dem flinken Forrest, der einige Male in Richtung Grundlinie durchstarten durfte. In einer Situation verpasste Wendt an der Seitenlinie gegen Forrest den Zugriff auf den freien Ball. Mit zunehmender Spieldauer wurde Wendt defensiv immer stabiler. Im Spiel nach vorne mehrfach mit dabei und mit seiner überlegten Ablage bereitete er die Chance von Traoré vor. Wendt agierte im Aufbau- und Kombinationsspiel unaufgeregt. Sein Passspiel - auch mit rechts - war sehr ordentlich. Note 3,0.

Tobias Strobl: Ein mehr als gelungenes Comeback nach der Verletzungspause. Strobl war sehr ›erwachsen‹ in seinem Auftreten, agierte ruhig und mit Übersicht, zügig und zielgerichtet. Er zögerte nie und wusste immer, wohin mit dem Ball. Seine Fortsetzungen waren flott, die Pässe sicher und gleichzeitig mit der richtigen Fahrt, um Tempo aufzunehmen. Als ›Störfaktor‹ im Mittelfeld neben Kramer mit vielen guten Balleroberungen. Traute sich situativ ganz mit nach vorne: Nach einem Doppelpass drang er in den Strafraum ein, später versuchte er es mit einem Schuss von der Strafraumgrenze und nach dem Seitenwechsel mit einem Schlenzer. In der kurzen Drangphase der Schotten vor dem 0:2 mit einem Ballverlust in der Vorwärtsbewegung, der folgenlos blieb. Note 1,5.

Christoph Kramer: Lieferte in der Zentrale neben Strobl eine ganz starke Partie ab. Kramer war ständig in Bewegung und spitzelte dutzende Bälle weg. Sah früh Gelb, geriet aber in der Folgezeit trotz unzähliger Duelle nicht mal annäherend in die Gefahr, vom Platz zu fliegen. Er erarbeitete sich eine unglaubliche Präsenz, selbst im Liegen brachte er die Bälle zum Mann. Als Celtic im zweiten Durchgang kurzzeitig Oberwasser bekam, nahm Kramer das Heft des Handels in die Hand und leitete klug die Entlastungsangriffe ein. Dabei Nimmermüde und sehr souverän. Note 1,5.

Ibrahima Traoré: Mit viel Enthusiasmus unterwegs, sorgte er bei den Schotten für einige Verwirrung. Aber auch sich selbst irritierte Traoré, wenn er offensichtlich schon die mögliche Folgeaktion im Kopf hatte und dabei die Konzentration auf die aktuelle Situation litt. Gut war sein Bemühen, den Ball laufen zu lassen, anstatt selbst zu viel mit Ball zu laufen. Hatte eine gute Schusschance, die der Torwart im Nachfassen vereitelte. Ein paar Mal tauschte er mit Hofmann die Seiten. In Zusammenarbeit mit den Kollegen mit einigen guten Balleroberungen und schnellen Umschaltaktionen. Defensiv fleißig, wobei er ab und an etwas überhastet verteidigte bzw. in einer Situation völlig unnötig eine Grätsche auspackte. Seine Standards gerieten zu flach. Note 3,0.

Jonas Hofmann: Rückte etwas überraschend in die Startelf, wo er auf der linken Seite unterwegs war. Dort kombinierte er einige Male gut mit und dribbelte sich bis zum gegnerischen Sechzehner durch. Doch da brach er oft ab und spielte nach innen. Der letzte Tick fehlte, was möglicherweise auch mit der fehlenden Spielpraxis zu tun hat. Hofmann hatte die zweite Chance des VfL, als er nach Vorarbeit von Korb mit seinem Schuss am gegnerischen Schlussmann scheiterte. In der Arbeit gegen den Ball machte er die Wege, agierte jedoch hin und wieder etwas zaghaft. Note 3,0.

Lars Stindl: War vor allem vor der Pause der große Ballverteiler beim blitzsauberen Umschaltspiel der Borussen. Er suchte immer wieder den direkten Weg und versuchte die vertikalen Anspiele in die Schnittstellen. Auf diese Art setzte er mehrere gefährliche Kombinationen entscheidend fort. Vorbildlich sein Einsatz nach Ballverlusten. Stindl war ein kämpfender Spielmacher mit dienender Einstellung. Bewies beim Führungstor den richtigen Instinkt und traf per ›Doppel-Tunnel‹. Stark auch seine Balleroberung, mit der er das 2:0 einleitete. Stindls Vorstellung im Celtic-Park unterstreicht: Er ist ein echter Leader. Note 1,5.

André Hahn: Der Begriff ›Mentalitätsmonster‹ wurde im Vorfeld öfter bemüht in Bezug auf André Hahn. An diesem Abend erfüllte Hahn dieses Klischee voll und ganz. Er ackerte, was das Zeug hielt und holte die ersten drei Ecken raus. Hahn machte gute Sprints in die Tiefe, suchte und fand den Abschluss - doch zunächst scheiterte er noch am Torwart. Vor dem 0:1 setzte er gegen Kolo Touré überragend nach, bei seinem eigenen Tor sprintete er mit Ball am Fuß raketenartig nach vorne und ließ sich auch von den Abwehrversuchen der Gegenspieler nicht aus der Spur bringen. Mit drei ›Turbo-Grätschen‹ an der Seitenlinie übertrieb er es etwas (eine außerhalb des Feldes, zwei gegen Tierney, der sich beim zweiten Mal zurecht beschwerte). Note 2,0.

Nico Schulz: Kam in den letzten fünf Minuten für Traoré. Ging auf links, Hofmann rückte auf die rechte Seite. Hätte in der letzten Szene des Spiels das 3:0 erzielen können, traf den Ball aber freistehend nicht richtig. Ohne Note.

Patrick Herrmann: In der 90. Minute eingewechselt war er noch an der Chance für Schulz in der Nachspielzeit beteiligt. Ohne Note.

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