Gladbach lädt Dortmund zum Konterspiel ein

»Individuelle Fehler«

von von Marc Basten und Jan van Leeuwen
Potential - Mo Dahoud und Julian Weigl (Foto: Olaf Kozany / TORfabrik.de)

Potential - Mo Dahoud und Julian Weigl (Foto: Olaf Kozany / TORfabrik.de)

Der Rückrundenauftakt ging für Borussia Mönchengladbach mit dem 1:3 gegen Borussia Dortmund in die Hose. Nach der Partie reduzierte sich die öffentliche Analyse auf »individuelle Fehler« und einen »starken Gegner«.

Eine Woche ist es her, dass Borussia Mönchengladbach im letzten Testspiel vor dem Rückrundenauftakt beim VfL Bochum fünf Gegentreffer fing. ›Gefällige Offensivkombinationen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mannschaft im Defensivverhalten nach wie vor viel zu viel anbietet. Sollte sich das nicht grundlegend ändern, werden Aubameyang und Reus nächsten Samstag ihre helle Freude haben‹, hieß es im TORfabrik-Spielbericht.

Seit gestern Abend wissen wir, dass die Freude ganz bei Reus und Aubameyang lag. Wobei der Gabuner sogar drei 100%ige Chancen liegen ließ - und trotzdem reichte es zu einem letztlich souveränen Sieg für den BVB.

Während Yann Sommer nach der Partie das Offensichtliche ansprach (»Wir müssen defensiv wieder kompakter stehen«), wollte die sportliche Leitung die Niederlage nicht als Hinweis für grundsätzliche Problematiken in der Gladbacher Ausrichtung gelten lassen. »Es war keine Defensivschwäche und auch kein strukturelles Problem«, sagte Max Eberl. »Es waren individuelle Fehler, die man vermeiden muss«.

»Wir haben Fehler gemacht, die du gegen eine so gute Mannschaft wie Dortmund nicht machen darfst«, erklärte André Schubert. »Beim ersten Gegentor wollen wir ein hohes Pressing spielen, haben eine Überzahl vorne und das Zentrum ist unbesetzt«. Während Raffael, Johnson und Dahoud zu dritt im ›toten Raum‹ liefen, stand Gündogan in ihrem Rücken komplett blank. Und da der überforderte Elvedi (Schubert: »Es gibt keinen Grund, an Elvedi zu zweifeln«) gegen Reus viel zu langsam reagierte, hatte der Ex-Gladbacher freie Bahn für ein schmerzhaftes Tor vor der Nordkurve.

Die beiden anderen Gegentore resultierten laut Schubert aus »Ballverlusten in einem Bereich, wo du sie nicht haben darfst. Wir hatten relativ viele Spieler vor dem Ball und konnten den Konter nicht vermeiden«. »Gegen eine ausgewiesene Topmannschaft haben wir naive Fehler gemacht«, sagte Max Eberl. Dazu gehörte neben den Ballverlusten vor allem die fehlende Absicherung.

Die »Kontervermeidung« sprach Schubert als steigerungsfähig an, genauso wie die »Rückraumsicherung«. Also die Dinge, die Borussia letztlich das Genick brachen und deren Vermeidung angesichts der bekannten Dortmunder Qualitäten eigentlich oberste Priorität hätte haben müssen.

Doch nicht nur die Balance zwischen Offensive und Defensive passte nicht, auch die Spielanlage ließ zu wünschen übrig. »Beide haben hoch gepresst«, sagte Lars Stindl. »Wir wollten das Pressing überspielen, haben immer wieder lange Bälle eingestreut, den ersten Ball zugelassen und sind dann immer wieder angelaufen«. Das funktioniert jedoch nur, wenn direkt Druck auf den Gegner ausgeübt wird. Doch Hummels & Co pflückten die langen Bälle meist unbehelligt und brachten sie zum Mitspieler.

Gleichzeitig zeigten die Dortmunder, wie man es besser macht. Auch sie überspielten die erste Gladbacher Linie mehrfach mit hohen Bällen. Die fing vor allem Nordtveit oft per Kopf ab, doch wurde er so bedrängt, dass er kaum kontrolliert zum eigenen Mann ablegen konnte.

»So ein Spiel wie heute zeigt, dass wir noch lernen müssen«, sagte Eberl. »Der Weg ist noch ein ganz weiter, es gibt noch einiges zu tun«. Wohl wahr.

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