EINZELKRITIK: BAYER LEVERKUSEN - BORUSSIA MÖNCHENGLADBACH 2:0 (1:0)

In allen Belangen unterlegen

von 26. Spieltag: Bayer Leverkusen - Borussia MG 2:0

Zum Verzweifeln (Foto: Patrik Stollarz / AFP / Getty Images)

Borussia Mönchengladbach hatte in Leverkusen wenig entgegenzusetzen, obwohl das Spiel vom Ergebnis her bis zum Ende offen war. Bei den Borussen war vor allem das Offensivspiel mangelhaft.

Yann Sommer: Fünf Schüsse bekam der Goalie auf sein Tor, die er sicher parierte. Allerdings fehlte den Versuchen, u.a. von Bender in der Anfangsphase, die Schärfe. Bei den beiden gefährlichen Situationen in der ersten Halbzeit - inklusive des Gegentreffers - war Sommer machtlos. Als nach der Pause ein Kopfball von Alario am Tor vorbei flog, rüttelte er seine Vorderleute gestenreich wach. Seine Abschläge gingen meist auf die rechte Seite, nicht immer fand er einen Abnehmer. Beim Gegentor in der Nachspielzeit ohne Abwehrchance. Note 3,0.

Tony Jantschke: Wirkte zunächst gegen Bailey und dann gegen Volland komplett überfordert. Nicht nur vom Tempo her hatte Jantschke nichts entgegenzusetzen, auch sein Timing im Zweikampf passte nicht. Ihn zog es immer nach innen, wenn Bayer am Ball war und er ließ den Weg über den Flügel offen. Bei der Riesenchance von Volland genauso im Kopfballduell unterlegen, wie vor dem 0:1. Mit dem Ball wusste er nichts anzufangen, neun von siebzehn Pässen kamen an, davon waren sieben Quer- oder Rückpässe. Dass er sich bei einem Leverkusener Konter Zakaria zur Hilfe holte, weil er selbst keine Chance im Sprint hatte, war vernünftig. Wurde in der 71. Minute mit der Systemumstellung und der Einwechslung von Cuisance erlöst. Note 5,0.

Matthias Ginter: Relativ unauffällige Partie des Innenverteidigers. Hatte Probleme bei einem Kopfballduell mit Bender, ansonsten sowohl in der Luft als auch am Boden mit solider Zweikampfführung. Er spielte die meisten Pässe aller Borussen, einer misslang gründlich, blieb aber ohne Folgen. Etwas eigenartig Ginters Rolle beim ersten Gegentor: Nur auf den Ball fixiert entfernte er sich immer weiter von Alario und stand schließlich weit im eigenen Tor, als der Argentinier traf. Note 3,5.

Jannik Vestergaard: War hinten zwei-, dreimal im richtigen Moment zur Stelle, u.a. rettete er, bevor es nach Kramers Ballverlust brenzlig wurde. Mehrfach rückte Vestergaard früh aus dem Zentrum auf die Seite. In einer Situation setzte er nicht gut nach und spazierte nahezu unbeteiligt zurück, während es im Sechzehner brannte. Beim Kopfball von Alario nach der Pause blieb er wie angewurzelt stehen. In den Luftkämpfen ansonsten Sieger - außer in den drei Kopfballduellen mit Jonathan Tah (zwei offensiv, eins defensiv), die er verlor. Knickte bei seinem ersten Foul gegen Havertz in der 57. Minute böse um, brach sich den Mittelfuß und biss dennoch bis zum Schluss auf die Zähne. In dieser Szene hätte er dennoch Gelb sehen müssen, was dann bei seinem zweiten Foul zehn Minuten später der Fall war. Note 3,5.

Nico Elvedi: Hatte zu Beginn auf seiner linken Seite wenig Probleme, klärte dafür ein-, zweimal aufmerksam im eigenen Strafraum. Als Bailey die Seite wechselte, wurde es ungemütlich. Sowohl bei der Flanke zur Kopfballchance von Volland als auch bei der Hereingabe zum Führungstor ließ sich Elvedi zu einfach überspielen. Später wurde er bei einem Leverkusener Angriff getunnelt. Einiges ging zu schnell für Elvedi. Offensiv nur am Anfang ein paar Mal zu sehen, ansonsten nicht mal ansatzweise beteiligt. Note 4,5.

Christoph Kramer: Fing mit einer guten Grätsche und Ballgewinn gegen Alario an, danach häuften sich allerdings die Ballverluste. Kramer ließ sich oft zwischen die Innenverteidiger fallen, um aufzubauen. Zumindest war er bemüht, neben seiner kämpferischen Einstellung auch fußballerisch etwas in die Wege zu leiten. Sah Gelb nach einem Einsatz mit gestrecktem Bein. In der Schlussphase schob er nochmal kräftig mit an, ohne dass die Bemühungen von Erfolg gekrönt waren. Kramer spielte durch, droht aber nun mit einer Knieverletzung auszufallen. Note 3,5.

Denis Zakaria: War der einzige Borusse, der mit dynamischen Aktionen aufwarten konnte. Immer mutig am Ball, nie mit Alibi-Pässen und bei seinen Laufaktionen mit ordentlich Dampf. Er war sich für keine Drecksarbeit zu schade, einmal spitzelte er den Ball im Strafraum aufmerksam weg und zweimal beendete er Konterläufe von Bailey mit Tempo und Timing. Beim 0:1 schaute Zakaria nur auf den Ball und als Volland erfolgreich ablegte, kam er nicht mehr rechtzeitig um Alario zu hindern. Den ersten Fehlpass spielte Zakaria in der 57. Minute, kurz darauf sah er die 9. Gelbe Karte. Machte in der 79. Minute Platz für Drmić. Note 2,5.

Thorgan Hazard: Lief gewohnt viel, blieb jedoch komplett wirkungslos. Abgesehen von der Hereingabe am Ende, die fast zum Eigentor durch Wendell führte, gelang Hazard so gut wie nichts. Er rannte sich fest oder ließ sich im Laufduell sogar von Baumgartlinger abkochen. Auch seine Laufwege waren mehr als eigenartig, die Ecken verpufften wirkungslos. Nach der Einwechslung von Hofmann ging er in die Spitze, wo er nichts auszurichten vermochte. Note 5,0.

Vincenzo Grifo: Kam recht ordentlich in die Partie und hatte in der 6. Minute eine Möglichkeit, aber mit dem ›Kinderschuss‹ konnte er Leno nicht in Verlegenheit bringen. Danach fiel er mit vielen Ungenauigkeiten auf. Zwei oder drei Fehlpässe waren haarsträubend, blieben zum Glück jedoch folgenlos. Grifo zog es bereits früh nach innen um vermeintlich für Kompaktheit zu sorgen, doch er fehlte trotz ordentlicher Laufleistung (11,5 Kilometer) mehrfach als defensive Unterstützung für Elvedi. Richtiges Feuer entfachte der Italiener nicht, auch wenn man in der einen oder anderen Situation schon erkennen konnte, dass er richtig gut Fußball spielen kann. Grifo spielte die 90 Minuten durch, zog sich jedoch eine Dehnung des Kreuzbandes zu und wird ausfallen. Note 4,5.

Lars Stindl: Mit Wehmut denkt man ans letzte Jahr zurück, als Stindl mit reiner Willenskraft der Anführer zur Aufholjagd in Leverkusen war. Im Vergleich dazu war Stindl diesmal nur ein Schatten seiner selbst. Wie immer war die Laufbereitschaft vorbildlich und der Kapitän ließ sich zu keinem Zeitpunkt hängen. Doch in fast allen Aktionen wirkte er unglücklich, Bälle versprangen oder er traf bei seinen Abspielversuchen die falschen Entscheidungen. Lediglich ein gelungener Pass auf Bobadilla blieb haften. Sein eigener Torabschluss in der zweiten Halbzeit blieb ungefährlich. Das einzige, was Stindl gelang, war geschickt zu fallen - er fädelte einige Male gut ein. Note 4,5.

Raúl Bobadilla: Versuchte sich zwar einzubringen, entlockte den Leverkusener Abwehrspielern jedoch meist nur ein müdes Lächeln. Fehlende Geschmeidigkeit und technische Mängel führten dazu, dass er lediglich einmal den Ball mit einer guten Drehung vernünftig halten konnte. Ansonsten verpufften seine unzureichenden Versuche, besonders ärgerlich war ein Fehlpass bei einer Kontersituation, als man zu dritt auf und davon war. Mit einem weiteren misslungenen Abspiel stand er an der Basis des ersten Gegentors. Nach einem geblockten Schuss und drei Fouls in der zweiten Halbzeit wurde er in der 64. Minute von Hofmann ersetzt. Note 5,0.

Jonas Hofmann: Kam für Bobadilla und rückte auf die rechte Seite, wo Hazard vorher kaum etwas zustande brachte. Hofmann brachte Schwung, hatte Zug zum Tor, dachte und handelte vorwärtsgerichtet. Einmal blockte er sogar beherzt im Defensivzweikampf. Hofmann schlug die gefühlvolle Flanke zur Drmić-Chance. Das 0:2 in der Nachspielzeit leitete er mit einem unglücklichen Einsatz mit langem Bein ein. Ohne Note.

Michael Cuisance: Kam für Jantschke, als auf Dreierkette umgestellt wurde. Spielte einen guten Steilpass auf Hazard, passte allerdings auch ins Seitenaus, als er mit einem imaginären Mitspieler kombinieren wollte. Aber wenigstens versuchte er, etwas zu initiieren. Ohne Note.

Josip Drmić: Kam als letzte Offensivoption für Zakaria. Wurde zur tragischen Figur, als er bei der Großchance neben das Tor köpfte. Ohne Note.

 

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