Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - FC Barcelona 1:2 (1:0)

Gut, aber nicht gut genug

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Der Moment (Photo by Alex Grimm / Bongarts / Getty Images)

Der Moment (Photo by Alex Grimm / Bongarts / Getty Images)

Am Ende waren es Kleinigkeiten, die das Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC Barcelona zugunsten des Favoriten entschieden. Die Gladbacher machten vieles richtig, aber es reichte letztlich nicht ganz.

Yann Sommer: Kam zunächst gut ins Spiel, parierte Schüsse von Neymar und Suarez sicher und hatte nur bei einem abgefälschten Rakitic-Schuss etwas Mühe. Nach dem Wechsel bei den Gegentoren allerdings ursächlich beteiligt. Beim Ausgleich kauerte er im Eck, anstatt zum Ball zu gehen und machte sich zudem noch klein, so dass er sich letztlich vergeblich gegen den hohen Schuss von Arda Turan streckte. Auch die Ecke vor dem Siegtreffer hätte Sommer möglicherweise durch energisches Handeln und Kommunikation mit den Vorderleuten verhindern können. Das Tor ging dann klar auf seine Kappe, als er den Ball prallen ließ. Stark war dann noch die Parade beim Heber von Arda Turan. Note 4,5.

Julian Korb: Eine bärenstarke Leistung als rechter Mann in der Dreierkette. Brachte Neymar mit fairen Mitteln fast zur Verzweiflung. Sehr schnell, spritzig, bissig, griffig und trotzdem in fast allen Situationen mit kühlem Kopf agierend. Wählte die richtigen Momente, um sich mit nach vorne zu schieben. Positionell sehr stark, im Zweikampf sowieso. Rettete nach Suarez-Pass vor dem einschussbereiten Alcacer. War machtlos, als Iniesta einen Pass hinter seinem Standbein um ihn herum spielte und hätte Neymar bei dessen Zuspiel zum Ausgleich vielleicht etwas mehr unter Druck setzen können. Beim 1:2 war er zwar bei Piqué und Sommer, konnte aber nicht mehr eingreifen. Note 1,0.

Andreas Christensen: Wurde bei der großen Suarez-Chance vom Uruguayer ›weggeschultert‹ - da sah er nicht gut aus. Ansonsten jedoch mit einer reifen und abgeklärten Vorstellung. Bemerkenswert, mit welcher Selbstverständlichkeit er agierte - unbeeindruckt von den großen Namen der gegnerischen Stürmer. Gewohnt stark im Stellungsspiel und mit den richtigen Zugriffen, wenn es erforderlich war. Im Passspiel hochkonzentriert und klar, ohne dass er unnötiges Risiko einging. Note 2,0.

Nico Elvedi: Leitete die Suarez-Chance mit einem Kopfballquerschläger ein. Ansonsten machte es der junge Schweizer über weite Strecken ordentlich. Richtig stark war er, wenn es darum ging, ohne Schnörkel zu verteidigen. Er brachte eine gewisse Robustheit mit, aber auch ein gutes Tempo. Exemplarisch, als er in der zweiten Halbzeit Suarez an der Seitenlinie ablief. Beim Ausgleich fehlte ihm ein Schritt gegen den Torschützen, doch das Neymar-Zuspiel war perfekt. Beim Eckball vor dem 1:2 schaltete er etwas zu langsam, um Suarez noch am Schuss hindern zu können. Note 2,5.

Christoph Kramer: Der einzige Weltmeister auf dem Platz spielte wie einer. Er ließ die Mitspieler zaubern und beackerte derweil das gesamte zentrale Feld. Kramer kämpfte, grätschte und holte Bälle im Verbund, wobei er oft der Rudelführer war. Die Laufwege stellte er geschickt zu, behauptete viele Bälle und traf im Direktspiel meistens die richtigen Entscheidungen. Im zweiten Durchgang schwanden etwas die Kräfte, doch er hatte noch seine Aktionen. So den Spitzenpass auf Johnson in der Schlusssequenz. Note 1,5.

Mo Dahoud: Spielte, als ob es seine ›Formdelle‹ nie gegeben hätte. Sehr präsent, giftig bei der Balleroberung und -Behauptung und sehr zielorientiert im Umschaltspiel. Ließ unnötige Mätzchen fast komplett sein. Den Überblick verlor er in einer Situation im ersten Durchgang, als er vorne ›stören‹ wollte, dabei aber Iniesta in seinem Rücken anspielbar ließ. Der bekam prompt den Ball und es entstand eine Großchance für Barcelona. Doch zum überwiegenden Teil stimmte Dahouds Raumaufteilung. Klasse, wie er vor dem 1:0 den Ball eroberte und der Assist zu Hazard war schlichtweg perfekt. Danach drehte er in einer Situation Neymar richtig schwindelig - großartig. Nach der Pause konnte er das Niveau bei Kontern nicht mehr erreichen, was er zuvor mit Raffael an den Tag gelegt hatte. Note 1,5.

Ibrahima Traoré: An Quirligkeit und Tatendrang kaum zu überbieten. Rannte mit ungeheurem Elan los und versuchte etwas zu forcieren. Er ließ einige hochveranlagte Gegenspieler einfach stehen. Leider fehlte der Abschluss dieser so vielversprechenden Aktionen. Entweder schoss er weit daneben, wenn er nach innen zog, oder er passte nicht, sondern knallte den Ball regelrecht in Richtung Mitspieler. Schade, dass er in diesen Situationen die Hektik nicht ablegen konnte. Überragend war seine Arbeit nach hinten, teilweise agierte er wie ein rechter Verteidiger. Er war Korb eine Riesenhilfe und eroberte mit Schnelligkeit, aber auch richtigem Biss in den Zweikämpfen, unzählige Bälle. Am Ende ging ihm etwas die Luft aus. Note 2,0.

Oscar Wendt: Der Gegenpol zum aufgedrehten Traoré auf der anderen Seite. Nordisch cool spulte er sein Programm ab, kurze Weiterleitungen zeugten von großem Vertrauen in das eigene Können. Im Spiel nach vorne wurde er zunächst einige Male nicht mit einbezogen, weil man wohl den Ballbesitz bevorzugte und das Risiko einer langen Verlagerung scheute. Als er dann in einer Situation den Ball und viel freie Fläche vor sich hatte, bremste er den möglichen Konter unnötigerweise ab. Bei zwei, drei weiteren Gelegenheiten nahm er das Tempo aus dem Umschaltspiel. Ein Fehlpass in der zweiten Halbzeit, als fünf Mann vor dem Ball waren, führte zu einem gefährlichen Konter. Dafür bildete Wendt mehrfach einen guten Kombinationspunkt, um spielerisch aus dem Pressing herauszukommen. Zudem war er an mehreren gemeinschaftlichen Ballgewinnen beteiligt. Beim Ausgleich ließ er allerdings Arda Turan entwischen. Note 3,0.

Thorgan Hazard: War vor Beginn an beherzt unterwegs, seine erste Aktion hätte durchaus zu einem Elfmeter führen können, als Piqué Hazards Hereingabe an die Hand bekam. Der Belgier war sehr aktiv und wurde oft geschickt, weil er sich rechts immer wieder gut für den Steilpass anbot. Mit einem Mann im Rücken hatte er etwas Mühe, sich zu behaupten. Wenn er sich jedoch vom Gegner befreite, war er ein großer Unruheherd für die Katalanen. Torschütze des Führungstreffers, als er zudem gut aufpasste und nicht ins Abseits rannte. Im zweiten Durchgang mehr und mehr defensiv gebunden, die Entlastungsangriffe blieben Stückwerk. Elf Minuten vor Schluss machte er Platz für Herrmann. Note 2,0.

Lars Stindl: Viel mannschaftsdienlicher kann ein Kapitän nicht spielen. Er wartete mit einem riesigen Laufpensum auf, zog sich ständig zurück und stellte dann die Verbindungen her. Herausragend, wie Stindl nach abgefangenen eigenen Angriffen zurück sprintete, um mit zu verteidigen. In den Zweikämpfen präsentierte er sich sehr stabil. Vor dem gegnerischen Tor trat er, was der Interpretation seiner Rolle und der gesamten Ausrichtung geschuldet war, nur einmal richtig in Erscheinung. Vor dem Pausenpfiff hatte er eine gute Schusschance, doch er verzog deutlich. In der zweiten Halbzeit gab er noch einen Schuss ab, aber da war er schon ziemlich platt. Wurde dann auch ausgewechselt. Note 2,5.

Raffael: Der brasilianische Entlastungszug, der zeitweise im Minutentakt fuhr. Raffael kombinierte Leichtigkeit mit Klasse und war ein echter Wirbelwind. Herausragend, wie er trotz heftiger Gegenwehr den Ball sicherte und sich mit einer einzigen Bewegung aus scheinbar ausweglosen Situationen befreite. Höhepunkt das Duell an der Seitenlinie vor der Pause, das war überragend. Aber auch als Balleroberer war Raffael bärenstark. In Zusammenarbeit mit Dahoud bereitete er so das Führungstor vor. Verletzte sich kurz vor dem Seitenwechsel und musste nach wenigen Minuten der zweiten Halbzeit vom Platz. Eine 45-minütige Weltklasseleistung bezahlt Raffael teuer mit einer Zwangspause: Es wurde ein Muskelfaserriss im Oberschenkel diagnostiziert. Immerhin tauschte er nach Schlusspfiff das Trikot mit Landsmann Neymar. Note 1,0.

Fabian Johnson: Hatte die undankbare Aufgabe, Raffael zu ersetzen. Logischerweise konnte er nicht so für Entlastung sorgen wie der Brasilianer, zumal die Mannschaft insgesamt tiefer stand. Johnson hängte sich rein und unterstützte, wo er konnte. Ein guter Durchbruchsversuch wurde von Mascherano per Foulspiel gestoppt. In der Schlussphase kam Johnson nach Kramer-Pass nicht zum Abschluss, weil Mascherano in letzter Instanz dazwischenfunkte. Ohne Note.

Patrick Herrmann: Kam für Hazard, konnte sich aber nicht mehr nachhaltig in Szene setzen, obwohl Borussia in der Schlussphase noch ordentlich nachsetzte. Ohne Note.

André Hahn: Ersetzte den erschöpften Stindl und versuchte es mit einem etwas überhasteten Schuss von der linken Strafraumseite. Ohne Note.

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