Matthias Ginter - Resümee und Ausblick

Ginter - In der Rückrunde unter seinen Möglichkeiten

von Matthias Ginter - Resümee und Ausblick

Matthias Ginter konnte mit dem Verlauf der Rückrunde nicht zufrieden sein (Foto: Lars Baron / Bongarts /Getty Images)

Matthias Ginter erlebte eine Saison, die zum Verlauf der Spielzeit von Borussia Mönchengladbach passt. Nach einer überzeugenden Hinrunde folgte eine maue Rückrunde. Dazwischen lag eine schwere Verletzung, die möglicherweise mit dem Leistungsabfall zu tun hat.

Matthias Ginter startete ausgeruht und mit breiter Brust in die neue Saison. Das WM-Desaster in Russland hatte er gut überstanden, weil er nicht zum Einsatz kam. Dass er bei zwei Weltturnieren nur Zuschauer war, konnte Ginter gut verkraften, weil er beim Neuaufbau der Nationalelf eine Rolle spielen würde. In Mönchengladbach war seine Rolle ohnehin klar zementiert. Nach dem Abgang von Jannik Vestergaard war Ginter nun auch nach außen kommuniziert der klare Abwehrchef.

Entsprechend mitreißend startete Ginter in die Spielzeit. Zum Auftakt gegen Leverkusen legte er eine phantastische Präsenz an den Tag und erhielt die Note 1,5, auch weil er im Passspiel mutiger agierte als noch in der Vorsaison. In den folgenden Wochen spielte Ginter weiterhin auf einem hohen Level. Er trat souverän und stabil auf und auch von der Körpersprache her füllte er die Rolle des Chefs in der Abwehrkette aus. Im Heimspiel gegen Schalke gelang ihm per Kopf der frühe Führungstreffer und selbst wenn Ginter das defensive Chaos im Defensivverbund bei der Niederlage in Berlin nicht ordnen konnte, so fand er sich unter dem Strich weiterhin sehr gut zurecht.

Eine Kiefer- und Augenhöhlenfraktur setzt dem Höhenflug ein jähes Ende

Beim Sieg in München bildete er gemeinsam mit Elvedi ein echtes Bollwerk, wobei Ginter bissig war, aber gleichzeitig auch so umsichtig, dass er nie in ‘Foul-Trouble’ geriet. In der gesamten Saison sah er nur zweimal Gelb - das spricht für sich. Der ehemalige Freiburger löste vieles mit gutem Stellungsspiel und wochenlang bildete er mit Elvedi das stärkste Innenverteidigerduo der Bundesliga. Das alles fand Ende November im Heimspiel gegen Hannover 96 ein jähes Ende. Nach einem höchst unglücklichen Zusammenprall mit Sarenren Bazee musste Ginter mit einer Kiefer- und Augenhöhlenfraktur vom Platz getragen werden.

Nicht nur die Hinrunde war damit vorbei, es bestanden sogar ernsthafte Befürchtungen, dass Ginter erhebliche gesundheitliche Schäden davongetragen haben könnte. Diverse Horrorszenarien bewahrheiteten sich nicht, doch es steht fest, dass Ginter viel Glück im Unglück hatte. Wohl auch um gar nicht erst zu viel darüber nachzugrübeln, arbeitete er vehement an seiner Rückkehr auf den Platz. Er flog mit ins Wintertrainingslager, schmiss die Gesichtsmaske nach wenigen Tagen in die Ecke und kündigte an, zum Rückrundenauftakt in Leverkusen wieder dabei zu sein.

An die Präsenz und Klasse der Hinrunde reichte Ginter nicht mehr heran

An seinem 25. Geburtstag gab er in der BayArena tatsächlich sein Comeback. Ganz der Alte war Ginter noch nicht, was sich weniger in seinem Zweikampfverhalten, als vielmehr bei seinen Ballaktionen zeigte. Da gab es einige ungewohnte Wackler, die sich auch durch die nächsten Wochen zogen. Er war um Fehlervermeidung bemüht, indem er im Aufbauspiel übervorsichtig agierte. Wenn er das Risiko erhöhte, ging es oftmals schief. So richtig fand Ginter nicht in die Spur und bei der ersten Heimniederlage gegen Berlin verschuldete er das vorentscheidende 0:2. Auch danach war er lange nicht so griffig wie vor seiner Verletzung und er schaffte es nicht, der immer mehr ins Trudeln geratenen Mannschaft Stabilität zu geben. Im März verpasste er die Partien gegen Mainz und Freiburg wegen muskulärer Probleme, bei der peinlichen Pleite in Düsseldorf war Ginters Fehler vor dem 0:1 der Anfang vom Ende (Note 5,0). Ginter wirkte frustriert und genervt, was sich etwas besserte, als auf Dreierkette umgestellt wurde.

Dadurch vollzog die Mannschaft eine gewisse Neuorientierung und Ginter schaffte es als rechter Mann der Dreierkette, zumindest wieder etwas Standfestigkeit ins eigene Spiel zu bekommen. Doch an die Präsenz und Klasse der Hinrunde reichte der Nationalspieler weiterhin nicht heran. Das spiegelt sich auch in seinem Notenschnitt wider: In der Vorrunde betrug dieser 2,8 - im zweiten Halbjahr nur noch 3,7. Ob und inwieweit sich die (nicht sichtbaren) Folgen der schweren Verletzung in der Rückrunde bemerkbar gemacht haben, ist von außen nicht zu beurteilen. Objektiv gesehen war der Leistungsabfall, parallel zum Einbruch der Mannschaft, bedenklich groß. Es ist zwar nicht so, dass Matthias Ginter gänzlich enttäuschte, doch er ist von seiner Vita und auch vom eigenen Anspruchsdenken her jemand, der gerade in der schwierigen Phase hätte vorangehen müssen. Das ist ihm nicht gelungen.

Ein Neustart unter Marco Rose

Unter Marco Rose wird es auch für Matthias Ginter (Vertrag bis 2021) in Mönchengladbach einen Neustart geben. Ohne Frage wird der neue Trainer den Nationalverteidiger als feste Größe einplanen und Ginter sollte mit seinen Fähigkeiten in der Lage sein, das aggressive und höhere Verteidigen umzusetzen. Er dürfte einer der Schlüsselspieler sein und sollte, auch ohne übertriebene Erwartungen zu schüren, in seinem dritten Jahr in Mönchengladbach den in der Vorrunde angedeuteten Sprung zum absoluten Führungsspieler endgültig vollziehen.

 


von Marc Basten

 

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