Der 19. Mai 2011

Flashback: Der Moment für die Ewigkeit

von von Marc Basten
Der Moment danach (Foto: Olaf Kozany / TORfabrik.de)

Der Moment danach (Foto: Olaf Kozany / TORfabrik.de)

Vor genau 5 Jahren, am 19. Mai 2011, erbebte der Borussia-Park in seinen Grundfesten. Niemand wird die Atmosphäre vergessen, niemand den Moment, der Igor de Camargo unsterblich machte.

Heute, am 19. Mai 2016 findet wieder ein Relegationsspiel statt. Davon ist Borussia Mönchengladbach als Tabellenvierter meilenweit entfernt. Und doch ist dieser 19. Mai ein besonderer Tag, weil er nochmal vor Augen führt, was in den letzten 5 Jahren alles passiert ist und wie verdammt knapp es damals war. Was wäre wohl gewesen, wenn Igor de Camargo nicht für diesen magischen Moment gesorgt hätte?

Zeit für einen kleinen Flashback: Nachfolgend unser Spielbericht zum ersten Relegationsspiel. Und ein paar Links zu den Originalartikeln von damals rund um die Relegation. So weit weg, und doch so nah...

 

 

Last-Second-Sieg für Borussia

 

Borussias Trainer Lucien Favre vertraute im Relegations-Hinspiel gegen den VfL Bochum im ausverkauften Borussia-Park auf die Elf, die am vergangenen Samstag mit dem 1:1 beim Hamburger SV den 16. Tabellenplatz sicherte.

Die Partie begann sehr schwungvoll, bereits nach 40 Sekunden wurde es zum ersten Mal gefährlich. Jantschke flankte von der rechten Seite, Arangos Kopfball am langen Pfosten wurde abgefälscht und landete auf dem Tornetz.

Die Borussen hielten das Tempo weiter hoch, wollten schnell durch die Bochumer Reihen kombinieren. Doch es schlichen sich immer wieder Ungenauigkeiten ein, so dass die Gladbacher zunächst nicht wirklich gefährlich in den Strafraum des Zweitligisten kamen.

Die Bochumer wiederum versteckten sich keineswegs, sondern suchten selbst den Weg nach vorne. Sie kamen zu einigen Eckstößen und aus einem resultierte ihre beste Chance des ersten Durchgangs. Nach einem Kopfball von Yahia klärte Daems auf der Torlinie (5.).

Die Fohlen waren weiterhin das bestimmende Team, richtigen Druck konnten sie allerdings nicht aufbauen. In der 9. Minute war es Idrissou, der nach Pass von Hanke von hablinks aufs kurze Eck abzog, Torwart Luthe lenkte den Ball ans Außennetz.

Bochum kombinierte derweil durchaus flott durch das Gladbacher Mittelfeld, in dem weder Neustädter noch Nordtveit wirklich Zugriff auf ihre Gegenspieler bekamen. Dass die Gäste fix auf den Beinen waren zeigte sich auch in der 22. Minute, als der VfL nach einer Gladbacher Ecke kontern konnte. Maltritz schloss schließlich aus 16 Metern ab, ter Stegen lenkte das Leder über den Querbalken.

Das Chancenplus lag jedoch eindeutig bei den Gladbachern. Mike Hanke verpasste knapp nach einem Pass von Arango, als sein Schuss geblockt wurde und zur Ecke trudelte. Diese trat Arango, Dante rauschte heran, köpfte allerdings aus fünf Metern über den Kasten (24.).

Zehn Minuten später war es wieder Mike Hanke, der sich von halbrechts mit einem Schuss aufs lange Eck versuchte. Luthe wehrte mit guter Reaktion ab, Neustädter war beim Rebound nicht konsequent genug und schließlich wurde Arangos Nachschuss sichere Beute für den Torwart.

Die letzten Minuten des ersten Durchgangs gehörten dann den Gästen. Sie ließen den Ball laufen, während die Borussen nicht sattelfest wirkten und kaum in die Zweikämpfe kamen. Tormöglichkeiten vermochten sich die Bochumer allerdings keine zu erspielen, so dass es nach einem hektischen aber durchaus unterhaltsamen Spiel mit einem torlosen Remis in die Kabinen ging.

Leider knüpfte die Borussia mit Wiederanpfiff an die Phase vor der Halbzeit an. Das eigene Spiel kam überhaupt nicht in Schwung, während man gleichzeitig keinen Zugriff auf die Bochumer bekam, die weiter meist ungestört kombinieren konnten.

Bochum wirkte in dieser Phase reifer und abgezockter, während das Nervenkostüm der Borussen angeknackst schien. Zum Glück vermochten sich die Gäste nicht mehr als ein paar Halbchancen zu erspielen.

Nach einer Stunde fing sich die Borussia dann wieder, nachdem Mike Hanke mit einem Drehschuss von der Strafraumgrenze endlich ein offensives Lebenszeichen setzte. Lucien Favre brachte in der 67. Minute Igor de Camargo für Mo Idrissou und die Borussia blies nun zu einer Schlussoffensive.

In der 69. Minute rutschte Hanke haarscharf an einer tollen Hereingabe von Arango vorbei, fünf Minuten später wehrte Torwart Luthe einen Kopfball von Hanke nach Ecke von Arango mit starker Flugeinlage ab.

Die Borussen, bei denen noch Matmour für den angeschlagenen Reus kam, versuchten alles, doch das Tor der Bochumer schien wie vernagelt. Auch Dante schaffte es mit einem Kopfballaufsetzer nach Ecke von Arango nicht – der Ball sprang über die Latte (84.). Und auch Arango selbst scheiterte drei Minuten später mit einem Schuss, den Luthe parierte. Und der Bochumer Keeper wuchs über sich hinaus, lenkte sechzig Sekunden später einen Kopfball von Hanke nach Matmour-Flanke mit starker Parade um den Pfosten

Als Bochum in einer dramatischen Schlussphase nochmals vorne auftauchte – Arango unterlief ein böser Fehlpass – mussten die Borussen durchatmen. Ein Distanzschuss von Dabrowski ging nur knapp am Tor vorbei.

Dann kam die Nachspielzeit und das Highlight des Abends. In der letzten Aktion des Spiels warf Nordtveit weit ein, der Ball wurde an den zweiten Pfosten verlängert. De Camargo köpfte gut aufs Eck, doch Luthe wehrte das Leder erneut herausragend zur Seite ab. Zum Glück setzte Juan Arango energisch nach und zog den Ball flach vor das Tor. Dort war Mike Hanke eigentlich einschussbereit, doch er verstolperte. Wahrscheinlich hätte man ihm den Kopf abgerissen, wäre nicht Igor de Camargo so geistesgegenwärtig gewesen, den Abpraller aus acht Metern unter die Latte zu nageln.

Der Last-Second-Treffer war gleichzeitig der Schlusspunkt, denn Schiedsrichter Perl pfiff gar nicht mehr an. Der Borussia-Park erbebte in seinen Grundfesten – die Nervenschlacht fand ein glückliches Ende für Mönchengladbach.

Die Ausgangsposition fürs Rückspiel ist ideal, gewonnen ist es freilich noch nicht. Bochum präsentierte sich als Gegner auf Augenhöhe und es wartet noch ein gewaltiges Stück Arbeit bis zum endgültigen Klassenerhalt.

Kurzstatistik zum Spiel:

Borussia Mönchengladbach: ter Stegen – Jantschke, Stranzl, Dante, Daems – Nordtveit, Neustädter – Reus (84. Matmour), Arango – Idrissou (67. de Camargo), Hanke

weiter im Kader: Heimeroth (ETW), Schachten, Brouwers, Marx, Levels

VfL Bochum: Luthe - Kopplin, Maltritz, Yahia, Ostrzolek - Johansson - Dabrowski , Toski (82. Azaouagh), Freier, Korkmaz (71. Frederico) - M. Aydin (46. Tese)

Tore: 1:0 de Camargo (90.+2)

Gelbe Karten: Neustädter – Toski , Kopplin, Ostrzolek

Schiedsrichter: Günter Perl (Pullach)

Zuschauer: 54.057 (ausverkauft)

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