VERLETZUNGSMISERE UND KADERPLANUNG

»Extreme Aufgaben zu lösen«

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Max Eberl Torfabrik.de

Max Eberl hat einige Baustellen (Foto: TORfabrik.de)

Die Bestandsaufnahme in der Länderspielpause nach zehn Rückrundenspielen fällt bei Borussia Mönchengladbach ziemlich ernüchternd aus. Vor allem die Verletztensituation gibt Rätsel auf.

Dank des besseren Torverhältnisses gegenüber dem kommenden Gegner Mainz 05 steht Borussia Mönchengladbach in der Rückrundentabelle nicht auf dem Relegationsplatz. Acht Punkte hat die Fohlenelf im Jahr 2018 geholt - das ist selbst für die verbliebenen Realisten unter den Gladbachfans zu wenig.

Die Fragen nach dem Warum begleiten die Borussen nicht nur im Jahr 2018. Bereits in der Hinrunde gab es in verschiedensten Bereichen Probleme. Diese wurden letztlich durch die 28 Punkte zur Winterpause übertüncht und kommen jetzt im Zuge der Ergebniskrise geballt an die Oberfläche.

Zuvorderst ist da die Verletztensituation zu nennen. »Die Muskelverletzungen, gerade was die Anzahl betrifft, können nicht unbedingt Zufall sein«, fand Matthias Ginter zuletzt deutliche Worte. »Man kann vieles als Gründe anführen - Trainingssteuerung, Trainingsbelastung. Aber ich weiß es selber nicht, sonst hätte ich einen Rat. Letzten Endes sind die Spieler die Leidtragenden. Sowohl die Verletzten, als auch die die spielen. Es hängt jetzt die ganze Mannschaft mit drin, das ist sehr ärgerlich.«

»Ich hoffe, dass jeder Stein umgedreht wird«

»Wir haben nicht mal eine Zweifachbelastung. Das ist dann natürlich schon komisch«, führte Ginter mit einem Kopfschütteln aus. »Ich hoffe, dass jeder Stein umgedreht wird, um nach der Ursache zu forschen.«

»Was Trainingssteuerung, Belastung und Betrachtung der Spielverletzungen betrifft, müssen wir uns in die Analyse begeben«, weiß Sportdirektor Max Eberl. »Aber selbst wenn du analysierst, dass du super hart trainiert hast, heißt das nicht automatisch, dass die Muskelverletzungen daher kommen.«

»Wir müssen einen Ansatz finden, was wir da in der Struktur ändern können«, so Eberl weiter. Dabei hilft vielleicht auch ein Blick zurück in die Zeit unter Lucien Favre, auch wenn man insgesamt Gefahr läuft, hier einiges zu verklären. Fakt ist jedoch, dass gerade Muskelverletzungen unter Favre - trotz Dreifachbelastung - nicht an der Tagesordnung waren.

»Wir müssen in unserer internen Kommunikation besser werden«

Damals, so viel steht fest, war die Zusammenarbeit zwischen Trainerstab, Athletiktrainern und medizinischer Abteilung äußerst intensiv. Gerade durch den ständigen, gleichberechtigten Austausch auf allen Ebenen konnte eine individuelle Belastungssteuerung erfolgen. Da gibt es heute Nachholbedarf, wie Eberl bestätigt: »Wir müssen in unserer internen Kommunikation besser werden. Dass da nicht alles rund läuft, ist ein Faktor.«

»Dieses Jahr haben wir mit den verletzten Spielern extreme Aufgaben zu lösen«, so Eberl. »Wir müssen die Herausforderung annehmen. Das ist keine Sache, die man in irgendeinem Buch lernen kann, sondern das hat mit viel Gefühl und Kommunikation zu tun.«

Die Borussen wollen interne Strukturen ändern, aber nicht den vielen Ausfällen mit einer Aufstockung des Kaders begegnen. »Es gibt Verletzungen, die passieren im Spiel und es gibt welche, wo wir uns wirklich fragen müssen, was man da besser machen kann«, sagt Eberl. »Aber es gilt jetzt nicht, den 30. oder 35. Spieler zu holen. Wir haben einen Kader, der mit 26 Spielern durchaus eine gute Größe besitzt. Die Verletzungssituation wird an der Kaderpolitik von Borussia nichts ändern.«

Es gibt eine Menge aufzuarbeiten bei Borussia und die Planungen für die kommende Saison müssen mit viel Weitsicht durchgeführt werden. In den restlichen Partien der Rückrunde geht es vor allem darum, eine gewisse Stabilität zu erlangen und nicht in die Bredouille zu geraten, kopflose Entscheidungen treffen zu müssen. Die könnten in ihrer Konsequenz noch schmerzhafter sein, als die ganzen Muskelverletzungen.

von Marc Basten und Nadine Basten

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