Michael Cuisance

Etwas mehr Ernsthaftigkeit

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Michael Cuisance beim Spiel auf Schalke (Foto: Lars Baron / Bongarts / Getty Images)

Michael Cuisance ist fraglos die Entdeckung bei Borussia Mönchengladbach. Mit seinen erst 18 Jahren steht der junge Franzose noch unter ‚Welpenschutz‘, dennoch ist etwas mehr Ernsthaftigkeit gefragt.

Als Michael Cuisance im letzten Sommer nach Mönchengladbach kam, war er zarte 17 Jahre alt. Als Talent wurde er angekündigt und behutsam sollte er an den Männerfußball herangeführt werden. Doch schon in der Vorbereitung machte der freche Franzose auf sich aufmerksam. Schnell wurde deutlich, dass Borussia sich da einen Jungen geangelt hat, der richtig gut kicken kann.

Dennoch wäre es wohl darauf hinausgelaufen, dass Michael Cuisance in seinem ersten Jahr in Mönchengladbach allenfalls etwas hereingeschnuppert hätte. Dass er Anfang April 2018 bereits 22 Bundesligaeinsätze in seiner Vita aufführen kann, war ganz sicher nicht geplant. Doch angesichts der anhaltenden Verletzungsmisere war Trainer Dieter Hecking gezwungen, nach Alternativen zu suchen. In Michael Cuisance fand er eine.

Der U19-Nationalspieler zeigte keinerlei Berührungsängste mit dem Bundesligafußball und spielte munter drauflos. Eine klasse Technik, viel Finesse und eine große Portion Unbeschwertheit, wie sie halt nur ein blutjunger Spieler haben kann, ließen ihn flugs zum Publikumsliebling werden. Die Gladbach-Fans, die es in einer Mischung aus Zähneknirschen und Schulterzucken hingenommen hatten, dass der junge Instinktfußballer Mo Dahoud dem Ruf des Geldes gefolgt war, hatten wieder jemanden, dessen jugendliche Spielfreude den oft so verkrampften Fußball zum Vergnügen machte.

Noch steht Cuisance unter ‚Welpenschutz‘

Doch Michael Cuisance war nicht nur als frecher Spaßkicker gefragt. Mehrfach als zweiter Sechser aufgeboten, wurde ihm gleich eine gehörige Portion Verantwortung mit auf den Weg gegeben. Davon ließ sich der gebürtige Straßburger nicht verunsichern, was einen weiteren Qualitätsbeweis darstellte. Dass längst noch nicht alles funktionierte, was Cuisance versuchte, war logisch. Von daher stand er bislang unter einer Art ‚Welpenschutz‘.

Dieser hat auch nach 22 Bundesligaspielen noch seine Berechtigung. Einem 18-jährigen muss man Dinge verzeihen, die man zum Beispiel einem Thorgan Hazard nicht durchgehen lassen darf. Gleichwohl wäre es falsch, permanent beide Augen zuzudrücken. Nicht zuletzt das Spiel auf Schalke, als Cuisance für den verletzten Lars Stindl eingewechselt wurde, hat deutlich gemacht, dass selbst so ein großes Talent für eine gesunde Entwicklung hier und da ‚eingenordet‘ werden muss.

Nicht jede Aktion muss ein Geniestreich sein

Etwas mehr Ernsthaftigkeit ist gefragt. Man darf Cuisance keinesfalls seiner kreativen Fähigkeiten berauben, aber es gilt ihm zu vermitteln, dass nicht jede Aktion ein Geniestreich sein muss. Die großen Spieler zeichnet es aus, dass sie zuvorderst einfach und intelligent spielen und die besonderen Momente mit Bedacht wählen.

Schon am Samstag gegen Freiburg, wo mit Zakaria und Kramer die etatmäßigen Sechser gesperrt sind, könnte Michael Cuisance wieder in verantwortungsvoller Position gefragt sein. Es wäre ein weiterer Schritt in seiner Entwicklung, die so unerwartet schnell vorangeschritten, aber noch längst nicht abgeschlossen ist.

 

von Marc Basten

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