Einzelkritik: Schalke 04 - Borussia Mönchengladbach 1:1 (1:1)

Es war mehr drin

von 32. Spieltag: Schalke 04 - Borussia MG 1:1

Zakaria, Hazard, Stindl und Raffael - die Protagonisten des Führungstores (Foto: Lars Baron / Bongarts / Getty Images)

Beim 1:1 auf Schalke war für Borussia Mönchengladbach - mal wieder - mehr drin. Doch letztlich mussten die Gladbacher mit dem einen Punkt zufrieden sein, der zudem teuer bezahlt wurde.

Yann Sommer: Blieb ruhig bei Rückpässen, wo er nur wenig Verarbeitungszeit hatte. Einen verlängerten Freistoß hielt er gut, genauso wie den Schuss von Konoplyanka nach der Pause. Beim Elfmeter noch mit den Fingerspitzen dran. Note 2,0.

Nico Elvedi: Ließ sich im ersten Durchgang nach ungünstigem Zuspiel von Stindl den Ball von Konoplyanka abluchsen, was gefährlich wurde. Nach einem Annahmefehler ließ Elvedi den Ball ins Seitenaus rutschen. Vorne mit einer guten Gelegenheit, als sein Linksschuss zur Ecke gelenkt wurde. Hatte die größte Chance in der zweiten Halbzeit, als er kurz vor der Torlinie nicht schnell genug reagierte. Dazu mit der verunglückten Flanke, die an die Latte klatschte. Defensiv mit Problemen gegen Konoplyanka, der zugegebenermaßen ein sehr guter Dribbler ist. Wenn Tempo und Qualität auf ihn zukommen, werden Elvedi die Grenzen aufgezeigt. Note 4,0.

Matthias Ginter: Kritisieren kann man den Nationalspieler nur in der Situation, als er Konoplyanka nicht halten konnte und dieser zum Abschluss kam. Da wirkte Ginter nicht spritzig genug. Ansonsten war er der König der risikolosen Kurzpässe (102 - Passquote 98%) und wartete meist mit sauberen Zweikämpfen auf. Note 3,0.

Jannik Vestergaard: Spielte zwei, drei lange Bälle zum Gegner, die nicht unbedingt sein mussten, aber auch keinen Schaden verursachten. Ein kurzer Aufbaufehlpass nach dem Wechsel hätte dagegen schwerwiegende Folgen haben können. Ansonsten der Mann mit den meisten Ballkontakten (137!), einer Passquote von 96% und mit exzellentem Zweikampfverhalten gegen Burgstaller, der nicht nur aufgrund seiner Nationalität hervorragend ins Burgtheater Wien passen würde. Leider fiel der Schiedsrichter auf Burgschauspieler Burgstaller herein und zeigte Vestergaard Gelb nach einer Allerweltsaktion - was eine Sperre des Gladbacher Abwehrchefs zur Folge hat. Note 2,5.

Oscar Wendt: Auch der Schwede hatte viele Ballkontakte (110) und wartete mit einer Passquote von 94 % auf. Für ein Foul im Anschluss an einen der wenigen Fehlpässe sah er Gelb. Nach dem Seitenwechsel spielte er zu kurz auf Vestergaard, wobei er diesen Fauxpas selbst wieder korrigierte. Stark ein Anspiel auf Hazard und auch die Elvedi-Chance leitete Wendt mit seiner Hereingabe ein. Dennoch musste er sich vergleichsweise oft auf Rückpässe oder abgebrochene Angriffe beschränken, weil vor ihm alles dicht war. Die Option, angesichts des kompletten Schalker Rückzugs auf Dreierkette umzustellen und Wendt nach vorne zu schieben, wurde nicht genutzt. Note 3,0.

Christoph Kramer: Startete sehr bissig in die Partie und gab die richtige Anwort auf die aggressive Schalker Herangehensweise. Der frühe Platzverweis für Bentaleb änderte die Gemengelage komplett. Schalke zog sich zurück und überließ den Borussen das Mittelfeld, Kramer war nun eher als Spielgestalter gefragt. Seine Passquote war stark (97%), allerdings setzte er nur wenig Akzente. Kramer verpasste es in einer Szene nach der Pause, aus relativ freier Position zu schießen. Sah die fünfte Gelbe Karte für das im Nachhinein mit Elfmeter geahndete Handspiel, obwohl allein aufgrund der kurzen Distanz keine Absicht vorliegen konnte. Note 3,5.

Denis Zakaria: Spielte eine ganz starke erste Halbzeit, mit mehreren überragenden Balleroberungen unterband er Schalker Umschaltaktionen und trieb dann das eigene Spiel an. So wie vor dem 1:0, als er zunächst den Ball gewann und dann einen genialen Pass auf Hazard spielte. Sah die 10. Gelbe Karte in der 38. Minute und war danach Staatsfeind Nummer 1 auf Schalke und ›playing on the edge‹. Nach einer günstigen Fifty-fifty-Entscheidung bei einem Zweikampf, als ganz Gelsenkirchen die Todesstrafe zu fordern schien, wurde Zakaria mal wieder vorsichtshalber ausgewechselt. Note 2,5.

Jonas Hofmann: Zu Beginn umtriebig und einige Male auch gut über die Seite durchgekommen, aber die Anspielmöglichkeiten waren nicht vorhanden. Gegen die tief stehenden Schalker ohne wirkliche Ideen. Bei einem der wenigen Tempodribblings in den Strafraum rutschte er aus und ließ sich dann abdrängen, weil der Ball etwas versprang. Bei Schalker Ballbesitz machte er die Wege zurück, um Elvedi gegen Konoplyanka zu helfen. Räumte elf Minuten vor dem Ende das Feld für Traoré. Note 4,0.

Thorgan Hazard: Bot vor der Pause eine starke Leistung, war sehr aktiv und kam immer wieder über die linke Bahn durch. Klasse der Sololauf vor der Großchance von Raffael. Tolle Aktion vor dem Führungstreffer, als er dynamisch nach innen zog und und genau im richtigen Moment den Steckpass auf Stindl spielte. Nach der Pause allerdings deutlich schwächer, weil er überall auftauchte, wo er eher wenig zu suchen hatte. Flexibilität ist okay, aber planlos herumstreunen und das Zentrum verdichten, war wenig hilfreich. Hazard hätte das Spiel an der Seitenlinie konsequenter breitziehen sollen. Er hatte noch eine Chance mit einem verunglückten Volleyschuss und als er in der Schlussphase von Raffael gut angespielt wurde, war sein Start beim Lauf in den Strafraum schon zu langsam, so dass die Möglichkeit verebbte. Note 3,5.

Raffael: Zog zu Beginn ein eigentlich gelbwürdiges Foul und verballerte dann eine Riesenchance, als er den Ball nicht richtig traf. Etwas später beim Treffer zum 1:0 hatte er wenig Mühe. Nach der Pause mit einem guten Pass auf Hazard, ansonsten wurde vom Brasilianer zu wenig erzwungen. Dabei ist er doch eigentlich der Mann schlechthin, der mit einer Einzelaktion kurzfristig noch höhere Überzahl schaffen könnte. Note 4,0.

Lars Stindl: Zunächst ein paar mal schwach im Infight, dann wehrhaft gegen Bentaleb. Die Theatralik von Stindl war unnötig, eine Tätlichkeit war der Schlag mit der flachen Hand auf Stindls Kopf allemal. Dass sich ausgerechnet die Schalker über die vermeintliche Schauspielerei mokieren, ist schon allerhand. Vor dem 1:0 legte Stindl mit viel Übersicht auf Raffael ab. Etwas später im Zweikampf im Strafraum knickte er böse um und verletzte sich schwer. Stindl fällt leider den Rest der Saison aus und fehlt bei der WM - gute Besserung, Capitano! Ohne Note.

Michael Cuisance: Ersetzte den verletzten Stindl und übernahm auch dessen Position. Leider gelang dem jungen Franzosen nicht eine wirklich zielführende Aktion. Mit etwas Schönspielerei ist es nicht getan, was nicht nur Naldo deutlich machte, als er Cuisance einfach ›abprallen‹ ließ. Auch in der Rückwärtsbewegung zu lässig. Er verursachte zwei Freistöße in gefährlicher Position. Bei einem eigenen Freistoß auf halbrechts legte er eine Vorbereitung hin, als wäre er Ronaldo - inklusive Bodenbearbeitung, Schritte zählen, durchpusten und Hüftstand. Der Ball jedoch erreichte niemanden von den Kollegen. Note 4,5.

Tobias Strobl: Kam für den rotgefährdeten Zakaria ins Spiel. Dessen Dynamik hatte Strobl bei weitem nicht, trotzdem war er durchaus präsent. Ein Verlagerungsball flog ins Seitenaus, dennoch war er bemüht, Lösungen durch Pässe in die Tiefe zu finden. Selbstverständlich fehlt noch einiges an Spielpraxis, aber Strobl fügte sich ordentlich ein. Ohne Note.

Ibrahima Traoré: Kam für Hofmann und sorgte für ein wenig Wirbel, ohne dass dabei etwas herauskam. Zwei eher halbherzige Flanken, ansonsten lief er sich fest oder wurde abgelaufen. Traoré fehlt - verständlicherweise - noch eine Menge. Ohne Note.

 

von Redaktion TORfabrik

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