Hahn: Bruch des Schienbeinkopfes und Riss des Außenminiskus

»Es war ein ganz fieses Ding«

Created by von Marc Basten, Jan van Leeuwen und Nadine Basten
Das war heftig - Geis gegen Hahn (Foto: Olaf Kozany / TORfabrik.de)

Das war heftig - Geis gegen Hahn (Foto: Olaf Kozany / TORfabrik.de)

Fünf Siege hintereinander - mit dem 3:1 über Schalke 04 egalisierte Borussia Mönchengladbach am Sonntagabend den Fehlstart in die Saison. Es war ein gelungener Abend, wäre da nicht die böse Verletzung von André Hahn.

Es war ein Schockmoment im Borussia-Park, als Johannes Geis zehn Minuten vor dem Ende mit gestrecktem Bein André Hahn regelrecht die Knochen zertrümmerte. Die Rote Karte für den Schalker war mehr als gerechtfertigt, André Hahn wurde noch am Abend ins Krankenhaus gebracht.

»André ist keiner, der bei Kleinigkeiten rumschreit«, sagte ein sichtlich mitgenommener Granit Xhaka nach dem Schlusspfiff. »Deshalb gehe ich davon aus, dass da was Schlimmes passiert ist. Es ist immer scheiße, wenn was am Knie ist«.

»Es war ein ganz fieses Ding«, bestätigte Max Eberl, der sich, wie alle Gladbacher, mit Vorwürfen in Richtung Geis zurückhielt. »Er war bei uns in der Kabine und hat sich nach der Nummer von André erkundigt«, sagte Eberl. Und Schalke-Coach Breitenreiter berichtete, dass er Geis »völlig fertig« angetroffen hätte.

Am frühen Abend gab es noch keine genauere Diagnose. »Ich weiß nur, dass André wahrscheinlich relativ lang keinen Fußball mehr spielen kann«, sagte Max Eberl. Johannes Geis wird dagegen beim Pokalspiel am Mittwoch spielberechtigt sein.

In der Nacht bestätigten sich dann die Befürchtungen: André Hahn erlitt einen lateralen Bruch des Schienbeinkopfes und Riss des Außenminiskus im linken Knie. Er wird Montag im Krankenhaus Neuwerk in Mönchengladbach operiert und fällt mindestens bis zum Ende der Hinrunde aus.

Diese schlimme Aktion trübte die Stimmung der Borussen deutlich, die sich eigentlich vorbehaltlos über den fünften Sieg in Folge in der Bundesliga freuen sollten. »Es war ein intensives Spiel, das wir nach hinten heraus auch in der Höhe verdient gewonnen haben«, resümierte Max Eberl.

Tatsächlich beherrschten die Borussen den aktuellen Tabellendritten in der ersten Halbzeit komplett. Die Schalker hatten sich weit zurückgezogen, bekamen dennoch nur selten Zugriff auf die Borussen. »Wenn wir den Ball verloren haben, haben wir ihn direkt wieder zurückgeholt. Das war ganz stark«, meinte Oscar Wendt.

»Wir haben in der ersten Halbzeit sehr gut gespielt, mit viel Bewegung und Positionswechseln«, freute sich André Schubert. »Wenn wir das offensiv so gut spielen, dann sind wir schwer zu greifen. Wir haben eine Mannschaft mit hohem Potential und sind in der Offensive immer wieder in der Lage, 1:1-Situationen zu lösen. Das ist dann auch nicht so leicht zu verteidigen«.

Borussia baute das Spiel extrem über die beiden Innenverteidiger Jantschke und vor allem Christensen auf, die sich immer ganz weit auf die Außenbahnen schoben. Die etatmäßigen Außenverteidiger rückten derart weit nach vorne, dass sie fast zum Flügelstürmer avancierten, während Traoré und Johnson ständig rochierten. »Wir haben hinten sehr gut rausgespielt und uns durch viele Flachpässe oder lange diagonale Pässe befreit«, sagte Julian Korb.

Der Rechtsverteidiger findet sich in der neuen Ausrichtung plötzlich immer öfter im gegnerischen Strafraum wieder. Eine richtig gute Schusschance hatte Korb, als er an Fährmann scheiterte. Dann holte er den Elfmeter mit einem Dribbling im Strafraum heraus und setzte schließlich in der Schlussphase mit seinem ersten Bundesligatreffer den Schlusspunkt. »Ich spiele jetzt deutlich höher und bin näher am gegnerischen Tor. Das gefällt mir ganz gut«, grinste Korb.

»Es ist gewollt, dass sich die Außenverteidiger so weit vorne einschalten«, unterstrich André Schubert. Da durch aufmerksames Verteidigen der gesamten Mannschaft hinten keine Lücken entstanden, war die außerordentlich hohe Positionierung von Korb und Wendt ein erfolgreicher Schachzug.

Dass Borussia, nachdem Lars Stindl den Elfmeter per ›Nachkopfball‹ verwertete, nicht vor der Pause für klarere Verhältnisse sorgte, war bis zur 45. Minute der einzige Schönheitsfehler einer starken ersten Halbzeit. Doch dann schenkte man den Gästen kurz vor dem Gang in die Kabinen noch den Ausgleich. Christensen war es letztlich, der aus kurzer Distanz ins eigene Tor traf. Einen Vorwurf konnte man dem jungen Dänen keinen machen.

Dem war der Ausgleich offensichtlich auf den Magen geschlagen, denn er musste sich kurz vor Anpfiff des zweiten Durchgangs mehrfach übergeben, wie André Schubert zu berichten wusste. Und so ganz gefestigt wirkten auch die anderen Borussen nicht, denn die erste Viertelstunde nach der Pause gehörte klar den Gästen.

In dieser Phase hätte das Spiel gänzlich kippen können. »Da hatten wir ein bisschen Unruhe im Spiel«, meinte Schubert. Doch ein gut aufgelegter Yann Sommer (Schubert: »Die muss ein guter Torwart auch halten«) bewahrte sein Team vor einem Rückstand. Nach und nach bekamen die Fohlen das Geschehen wieder in den Griff. »Die Mannschaft hat sich aus einer im Spiel komplizierten Situation gelöst - und das mit Bravour«, lobte Max Eberl.

Die Folge war das 2:1, durch einen wunderbaren Freistoßtreffer von Raffael. »Den Geniestreich wie den von Raffa haben wir gebraucht«, freute sich Granit Xhaka. »So einen Freistoß macht nicht jeder«.

Es folgte der Tritt gegen Hahn und die Rote Karte für Geis, kurz darauf machte Julian Korb den Deckel auf die Partie.

Schon geht der Blick auf den Mittwoch, wo es im Pokal wieder gegen Schalke geht. »Wir wollen eine Runde weiterkommen«, gab Granit Xhaka die Parole aus. Der Schweizer wird Borussia in der Arena wieder als Kapitän aufs Feld führen. Trotz der Rückkehr von Tony Jantschke in die Startelf ist Xhaka weiter Spielführer. »Der Trainer hat mir vor dem Spiel gesagt, dass ich Kapitän bleiben werde«, sagte Xhaka. »Er hat auch mit Tony gesprochen und er war einverstanden. Der Trainer sieht, dass mir das sehr gut tut«.

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