Pokalfight ohne Happy End

»Es verliert auch mal die bessere Mannschaft«

von von Marc Basten, Nadine Basten und Jan van Leeuwen
Enttäuschung im Nebel (Foto: Dean Mouhtaropoulos / Bongarts / Getty Images)

Enttäuschung im Nebel (Foto: Dean Mouhtaropoulos / Bongarts / Getty Images)

Die Enttäuschung über das Ausscheiden im Pokal-Achtelfinale gegen Bayer Leverkusen war groß, dennoch verließen die Spieler von Borussia Mönchengladbach nach einer der stärksten Saisonleistungen erhobenen Hauptes den Platz.

Es war nur eine Randnotiz und dennoch bezeichnend für das, wie sich am Mittwochabend im Borussia-Park die Verhältnisse zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen darstellten. Eine Viertelstunde vor dem Ende läuft der Ball vor der Leverkusener Bank ins Seitenaus und Gästetrainer Heiko Herrlich lässt das Leder durch die Beine gleiten, um einen schnellen Gladbacher Einwurf zu verhindern. Denis Zakaria läuft an Herrlich vorbei, touchiert ihn leicht und der legt eine beschämende Schwalbe aufs Parkett.

Später war es auch Herrlich peinlich. »Das ist im Affekt passiert, ich wollte da keineswegs eine Rote Karte fordern. Es sah sicher blöd aus und ich möchte mich dafür entschuldigen.« Dass sich der 46-Jährige zu der Schmierenkomödie hinreißen ließ, erklärte sich aus der Situation auf dem Platz. Eine »Abwehrschlacht«, so Herrlich, lieferte Bayer ab und da war eben jedes Mittel recht, etwas Druck vom Kessel zu nehmen.

Zu diesem Zeitpunkt führte Leverkusen durch das Kontertor von Leon Bailey mit 1:0 und hatte damit den Spielverlauf ziemlich auf den Kopf gestellt. »Wir haben das Geschehen diktiert, hatten viel Tempo drin«, sagte Dieter Hecking anschließend. »Wir waren die bessere Mannschaft«, bestätigte Matthias Ginter. »Von Beginn an haben wir ein sehr gutes Spiel gezeigt«, schloss sich Lars Stindl der allgemeinen Bewertung an. »Wir haben viel investiert und viel richtig gemacht.«

»Die Mannschaft, die kaltschnäuziger ist, gewinnt dann in solchen K.O.-Spielen«

Tatsächlich war es fußballerisch, aber auch von der Leidenschaft her, über 90 Minuten gesehen die wohl stärkste Gladbacher Saisonleistung. Bemerkenswert, angesichts der angespannten Personalsituation und einem zentralen Mittelfeld mit den Rookies Zakaria (21), Oxford (19) und Cuisance (18).

»Unsere Jungen waren wieder sehr, sehr gut«, lobte Hecking. Oxford und Zakaria erhielten mehrfach stehende Ovationen für ihre Balleroberungen, Cuisance begeisterte in der neuen Rolle als offensiver Freigeist. »Was für einen Aufwand Mika betrieben hat, was für einen Spielwitz er hat - das tut uns allen gut«, befand Stindl. »Deshalb ist es schade, dass wir diese Jungs für ihren Aufwand nicht belohnt haben. Aber auch daraus werden sie lernen.«

Gelegenheiten zur Belohnung hatten die Gladbacher an diesem Abend reichlich. Doch immer scheiterten sie an einer fatalen Mischung aus mangelnder Konsequenz und einem wie verhext reagierenden Bernd Leno. »Die Chancenverwertung gehört auch dazu und die war heute wieder nicht gut«, bekannte Matthias Ginter. »Aber so ist es manchmal. Die Mannschaft, die kaltschnäuziger ist, gewinnt dann in solchen K.O.-Spielen.«

»Hätte mir gewünscht, dass Hazard ähnlich cool abschließt wie Bailey«

Die abgezockten Volland und Bailey machten in der 70. Minute den entscheidenden Unterschied aus. Reece Oxford rutschte der Ball bei der Annahme an der Mittellinie unter dem Fuß durch, Volland reagierte brillant und Bailey vollendete eiskalt. »Kein Vorwurf an Reece, er hat ansonsten gut gespielt«, sagte Ginter. »In der Situation war das Pech.«

Auch Denis Zakaria nahm seinen Nebenmann in Schutz. »Es ist schade, aber wir machen alle Fehler. Es ist nicht Reeces Schuld, dass wir ausgeschieden sind.« So sah es auch das an diesem Abend erstklassige Publikum im Borussia-Park: Oxford wurde bei seiner Auswechslung mit großem Applaus verabschiedet.

Das Gegentor war doppelt ärgerlich, schließlich hätte Borussia zu diesem Zeitpunkt längst führen müssen. »Wir hatten eine vergleichbare Situation mit Thorgan Hazard«, erinnerte Hecking an die 51. Minute. »Da hätte ich mir gewünscht, dass er ähnlich cool abschließt wie Bailey.« Doch Hazard scheiterte an Leno. »Das war der Unterschied heute.« »So ist das im Fußball - es verliert auch mal die bessere Mannschaft«, sagte Ginter.

»Alle, die den Videobeweis schlecht finden, sollten sich an diese Szene erinnern«

Borussia versuchte alles - Leverkusen verteidigte mit Mann und Maus und der erwähnten Einlage von Heiko Herrlich. Dass die Gäste sich in der Schlussphase den Gladbachern mit elf Mann entgegenstellen konnten, lag an einer als skandalös zu bezeichnenden Entscheidung von Schiedsrichter Manuel Gräfe.

Der Referee hatte bereits früh den Leverkusener Kai Havertz zurecht mit einer Gelben Karte nach dessen Ellenbogeneinsatz gegen Ginter verwarnt. Acht Minuten vor der Pause knallte Havertz erneut den Ellenbogen ins Ginters Gesicht - Gräfe ließ Havertz mit einer Ermahnung davonkommen. »Wenn er nach der ersten Aktion schon Gelb gibt, dann kann das gar keine andere Entscheidung als Gelb-Rot sein«, echauffierte sich Hecking. »Ich bin keiner, der Karten fordert. Aber da gibt es gar keine zwei Meinungen.« Auch für Matthias Ginter war Gräfes Gnadenakt nicht nachvollziehbar. »Das ist ärgerlich. Alle, die den Videobeweis schlecht finden, sollten sich an diese Szene erinnern.«

Trotz der Enttäuschung ein Fingerzeig für die Rückrunde

»Ich mache auf gar keinen Fall den Schiedsrichter für die Niederlage verantwortlich«, sagte Hecking. »Aber ich kann das nicht nachvollziehen. Das war eine klare Fehlentscheidung. Ich weiß nicht, ob wir mit 11 gegen 10 gewonnen hätten, aber von der Herangehensweise wäre es ein anderes Spiel geworden.«

Es kam einiges zusammen an diesem Abend, dennoch war das Spiel auch ein Lichtblick für die Gladbacher. »Obwohl die Enttäuschung riesig ist, lässt uns die Leistung positiv auf das neue Jahr schauen«, so Hecking. »Wenn wir mit dieser Begeisterung und diesem Elan spielen, können wir vieles erreichen in der Rückrunde - nur leider nicht mehr im DFB-Pokal.«

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