Einzelkritik 28. Spieltag: Werder Bremen - Borussia Mönchengladbach 0:0

Bei Borussia mangelte es an Überzeugung

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Viel Einsatz, aber keine Tore: Borussia spielt 0:0 in Bremen (Foto: Poolfotos/Dirk Paeffgen)

Beim torlosen Remis in Bremen wechselten bei Borussia Mönchengladbach Licht und Schatten in einer Regelmäßigkeit, dass das Unentschieden ein folgerichtiges Resultat ist. Für mehr fehlte es den Borussen an Überzeugung. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Stand mehr im Blickpunkt als erwartet und sammelte vor allem mit seinen Reaktionen auf der Linie Pluspunkte. So hielt er den Klaassen-Schuss von der Strafraumgrenze, parierte den gefährlichen Rashica-Freistoß und war auch beim Rebound von Friedl mit einer Fußabwehr zur Stelle. In der vorletzten Minute hielt Sommer beim Flachschuss von Selke den Punkt fest. Ein paar Minuten zuvor hatte er allerdings seine fußballerischen Fähigkeiten überschätzt und verlor im Dribbling gegen Friedl und Bittencourt den Ball. Das ging so gerade nochmal gut - genauso wie wenig später ein Ausflug mit Ball am Fuß auf die Seite, den er mit einem Fehlpass beendete. In der Schlussphase faustete Sommer einen ‘Fangball’ vor die Füße eines Bremers, was ebenfalls folgenlos blieb. Note 3,5.

Tony Jantschke: Gab sein Debüt nach der Corona-Pause - es war erst sein vierter Einsatz im Jahr 2020. Als rechter Mann der Dreierkette lieferte er einen gewohnt zuverlässigen Job ab. Einige Male kam er mit sehr gutem Timing vor den Gegenspieler und klärte. Die Zweikämpfe führte Jantschke mit Übersicht, aber auch der notwendigen Aggressivität. Den Klaassen-Schuss vor der Pause fälschte er noch leicht ab, später sah er Gelb, als er bei einem Bremer Konter abseits des Balles den wegsprintenden Gegenspieler foulte. Das war Jantschkes 5. Gelbe Karte, so dass er im Heimspiel gegen Union fehlen wird. Im Passspiel machte er es weitestgehend solide - sieht man von zwei, drei kleineren Unachtsamkeiten ab. Allerdings war Jantschke auch kein Beschleuniger im Aufbauspiel. Nach 71 Minuten machte er Platz für Bensebaini. Note 3,0.

Matthias Ginter: Löste seine Aufgaben als zentraler Mann der Dreierkette routiniert. Im ruhigen Stadion verstärkt sich der Eindruck, dass Ginter als Chef und Organisator der Abwehr etwas lauter werden könnte. In den Luftduellen stand der Nationalspieler seinen Mann, am Boden ließ er Bittencourt einmal etwas zu einfach zum Schuss kommen. Bei der Klaassen-Chance blieb er in einer unübersichtlichen Situation ruhig und klärte zur Ecke. Kurz vor Schluss gelang Ginter eine wichtige Rettungstat per Kopf. Ginter hatte mit Abstand die meisten Ballkontakte aller Borussen und überzeugte mit einem grundsoliden Passspiel. Nur der eine oder andere lange Ball fand keinen Abnehmer. Vorne wurde er von Klaassen im Strafraum umgerissen - ein möglicher Elfmeterpfiff blieb aus. Note 2,5.

Nico Elvedi: Eine dezente und bei eigenem Ballbesitz vor allem auf Fehlervermeidung gepolte Leistung des Schweizers als linker Mann in der Dreierkette. Meistens passte Elvedi quer und es gab kaum einen Ansatz, ernsthaft die vertikale Lösung zu suchen. In einer Aktion ließ er sich in seiner Unentschlossenheit von Sargent ins Seitenaus treiben. Als Jantschke zwanzig Minuten vor dem Ende ausgewechselt wurde, übernahm Elvedi dessen Position rechts in der Kette. Bei der Abwehrarbeit war er weitestgehend stabil, erst in der Schlussphase köpfte er einmal in die Füße eines Bremers und kam anschließend zu spät gegen Klaassen, der Selke vor dessen Großchance bedienen konnte. In der Schlusssekunde verteidigte Elvedi sauber und verhinderte eine mögliche letzte Bremer Chance. Note 3,5.

Stefan Lainer: Wieder vorgezogen im rechten Mittelfeld aufgeboten und mit gewohntem Engagement und Bissigkeit unterwegs. Zu Beginn ging er Rashica einige Male wirkungsvoll ‘auf den Zeiger’, später konnte sich der Bremer besser in Szene setzen. Im Offensivspiel wirkte Lainer etwas hektisch und seine Hereingaben fanden allesamt nicht den Weg zum eigenen Mann. Aus dem Abwehr-Getümmel heraus legte er Klaassen auf, was man Lainer aber nicht zum Vorwurf machen kann. Mit einem guten Linksschuss zwang er Pavlenka zu einer Parade. Nach dem misslungenen Sommer-Dribbling verhinderte Lainer einen Abschluss der Bremer. Note 3,5.

Christoph Kramer: Erster Einsatz nach dem Re-Start für den Weltmeister, der im zentralen Mittelfeld neben bzw. hinter Neuhaus agierte. Er betrieb sein gewohnt laufintensives Spiel und versuchte mit wechselndem Erfolg Bälle zu erobern. Glück hatte er, dass die Aktion gegen Klaassen nicht mit einem Elfmeter geahndet wurde. Einen Ballverlust im Mittelfeld gegen Sargent korrigierte Kramer selber mit beherzten Einsatz. Ein paar gute Kurzpässe hatte er im Repertoire, aber insgesamt bremste Kramer das Umschalt- bzw. Kombinationsspiel zu oft. Im Verlauf der zweiten Halbzeit zollte er dem läuferischen Aufwand (und wohl auch der langen Zeit ohne Spielpraxis) kräftemäßig Tribut. Seine Auswechslung in der 82. Minute kam deutlich zu spät. Note 3,5.

Florian Neuhaus: War der auffälligste Borusse im Weserstadion und an allen nennenswerten Offensivaktionen beteiligt. Ein erster Schuss von der Strafraumgrenze war nicht hart und platziert genug, bei einer Aktion am zweiten Pfosten hatte er nur wenig Raum und auch eine Ablage war nicht möglich. Ein paarmal kam Neuhaus in gute Schussposition, verpasste aber den Moment zum Abschluss. Nach der Pause mit einem schönen Solo, an dessen Ende ihm der Ball beim Schuss etwas vom Spann rutschte. Neuhaus Antritte durch die Mitte mit dem anschließenden Versuch, in die Tiefe zu spielen, waren Borussias gefährlichste Offensivvarianten. Ärgerlich, dass die Bremer bei zwei, drei guten Aktionen noch irgendwie stören könnten. Die Ecken waren nicht scharf genug, einen Freistoß zirkelte er über den Kasten. Ein prima Schlenzer, bei dem Pavlenka schon geschlagen schien, flog knapp vorbei und war gleichzeitig Borussias beste Torchance. Note 2,5.

Oscar Wendt: Auch für den Schweden war es das Startelfdebüt nach der Corona-Pause. Er spielte im linken Mittelfeld und war sehr zuverlässig im Passspiel, mied aber auch ein übermäßiges Risiko. Ein Pass landete beim Gegner, wonach Wendt die Position verließ und daraus eine Ecke für Werder resultierte. Er bereitete die erste Chance des Spiels mit der Hereingabe zu Stindl bzw. Neuhaus vor und lieferte die Flanke zur Kopfballchance für Thuram. Zu notieren war noch eine äußerst schwache flache Freistoßflanke. Nach der Pause im Spiel nach vorne unauffällig und ohne nennenswerte Szene. Nach hinten arbeitete Wendt aufmerksam und laufstark mit. Note 3,5.

Lars Stindl: Spielte neben Plea hinter Thuram, ließ sich aber immer wieder fallen, um das Spiel zu ordnen. Bei einigen Stafetten, vor allem in der Anfangsphase, war Stindl dafür verantwortlich, dass der Ball zirkulierte. Nach der Wendt-Hereingabe ließ er geschickt für Neuhaus durch. In der Folgezeit stellte sich Werder auf den ›Freigeist‹ Stindl besser ein und er konnte sich nicht mehr so entfalten. Er wechselte sich nun mit Plea ab, wenn es darum ging, sich ins Mittelfeld fallen zu lassen. Stindl rieb sich in vielen Duellen auf, hielt dagegen und eroberte einige Bälle. Selbst in Abschlussposition kam er nicht und zwanzig Minuten vor Schluss wurde er von Hofmann abgelöst. Note 3,5.

Alassane Plea: Links neben Stindl unterwegs, war er mehr eingebunden, als zuletzt gegen Leverkusen. Plea setzte Wendt gut in Szene, ein Zuspiel auf Lainer war sehenswert, genauso wie der Pass, mit dem er Thuram auf die Reise schickte. Bei einem Bremer Konter machte er den Weg nach hinten und klärte am eigenen Strafraum. In vorderster Front vermochte Plea sich allerdings nicht in Szene setzen. Einige Male konnte er den Ball nicht behaupten und zu einem eigenen Torschuss kam er nicht. Gegen Ende der Partie nach den Umstellungen etwas aktiver, aber ohne Gelegenheit für den Lucky Punch. Note 3,5.

Marcus Thuram: Als tiefe Spitze aufgeboten, zog es ihn auch immer mal wieder auf die Seiten. Er ‘besorgte’ Gebre Selassie und Veljkovic Gelb und beschwor zumindest mit seiner Körperlichkeit etwas Gefahr herauf, auch wenn er sich letztlich nicht entscheidend durchsetzen konnte. Sein einziger Torabschluss war ein Kopfball nach Flanke von Wendt, als er nicht genug Druck hinter den Ball bekam. Ein vielversprechendes Solo versandete letztlich ohne Abschluss oder Abspiel. In der 82. Minute wurde er für Herrmann ausgewechselt. Note 3,5.

Jonas Hofmann: Ersetzte Stindl in den letzten zwanzig Minuten, konnte sich aber nicht mehr nachhaltig einbringen. Er wurde einmal recht hart gefoult und hatte in der Nachspielzeit Glück, dass ein gefährlicher Ballverlust ohne Folgen blieb. Ohne Note.

Ramy Bensebaini: Kam für Jantschke in die Partie und rückte auf die linke Position der Dreierkette, während Elvedi auf die andere Seite ging. Er mischte bei ein paar Scharmützeln mit und versuchte sich auch zwei- oder dreimal mit nach vorne einzuschalten. Ohne Note.

László Bénes: Wurde für Kramer eingewechselt und spielte zwei gute Pässe, aber leistete sich auch einen unnötigen Fehlpass bei einem Gegenangriff. Ohne Note.

Patrick Herrmann: Löste Thuram in den letzten acht Minuten ab. Alle seine sechs Pässe kamen zum eigenen Mann, mehr konnte er jedoch nicht bewegen. Immerhin rückte Herrmann mit seinem 266. Bundesligaspiel in die Top-Ten der Borussen-Geschichte auf. Ohne Note.

 


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