Einzelkritik 6. Spieltag: TSG Hoffenheim - Borussia Mönchengladbach 0:3 (0:1)

Geschlossene Teamleistung und Tore im richtigen Moment

von Einzelkritik 6. Spieltag: TSG Hoffenheim - Borussia Mönchengladbach 0:3 (0:1)

Voller Einsatz - Marcus Thuram mit einer Vorlage und einem Treffer in Sinsheim (Foto: Hasan Bratic / Bongarts / Getty Images)

Borussia Mönchengladbach gewann das Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim verdient mit 3:0. Die Gladbacher profitierten von einer geschlossenen Teamleistung und Toren zum richtigen Zeitpunkt.

Yann Sommer: Eine Schrecksekunde hatte Borussias Keeper in der Anfangsphase zu überstehen, als er einen zentral aufs Tor geschossenen Ball von Posch nach vorne aus den Händen gleiten ließ und Baumgartner den Rebound schenkte. Zum Glück beförderte der Hoffenheimer den Ball aus kurzer Distanz über das Tor. Ansonsten präsentierte sich Sommer sicher, eine Flanke fing er ab und zwei nicht allzu harte Schüsse auf seinen Kasten hielt er sicher. Machtlos war er beim Flugkopfball von Adamyan (knapp vorbei) und beim Pfostenschuss von Rudy in der Schlussphase. Am Ball gewohnt sicher, in zwei, drei Situationen auch weit vor dem eigenen Kasten im Aufbauspiel beteiligt. Note 3,0.

Stefan Lainer: Ließ sich vor der ersten Chance der TSG von Skov überlaufen und sah bereits in der 7. Minute eine Gelbe Karte für ein notwendiges Foul zur Vermeidung eines Hoffenheimer Umschaltangriffs. Kurz darauf kam er bei der Direktabnahme von Baumgartner im eigenen Strafraum einen Schritt zu spät. In den direkten Duellen ging Lainer nicht ganz so bissig zur Sache wie gewohnt, was wohl auch der Verwarnungskarte geschuldet war. Im Spiel nach vorne war er, auch wenn einige Pässe keinen Abnehmer fanden, gerade im Zusammenspiel mit Thuram sehr auffällig. Überragend das Anspiel auf Thuram bei der Entstehung des 1:0. Nach der Pause bereitete Lainer perfekt für Embolo vor, der die Großchance liegenließ. Vor dem 2:0 eroberte Lainer den Ball und legte direkt auf Thuram ab. Stark, wie er dann antrat und sich als Anspielstation für Thuram anbot. Auf den entsprechenden Pass spekulierte Hübner, der sich durch Lainers Lauf von Thuram auf dem falschen Fuß erwischen ließ. So war es ein Assist im doppelten Sinne für Lainer. Note 2,5.

Matthias Ginter: Eine solide und abgeklärte Partie des Nationalspielers. Ginter löste vieles mit gutem Stellungsspiel - in der Anfangsphase lief er nach einer Balleroberung in die gegnerische Hälfte und leitete die erste Abschlussaktion durch Plea ein. Solche Vorstöße - mit entsprechender Absicherung - könnte Ginter ruhig öfter wagen. Nach einem Zakaria-Fehler zu Beginn klärte Ginter gegen Bebou, später rettete er bei der Geiger-Chance im letzten Moment. Zu Beginn der zweiten Halbzeit rasselte er im Kopfballduell mit Baumgartner zusammen, konnte aber nach kurzer Behandlung weiterspielen. Beim Passspiel ordentlich, wobei einige lange Bälle im Niemandsland landeten. Note 3,0.

Nico Elvedi: Eine starke Partie des Schweizers, der sich mehrfach im Zweikampf gegen Bebou behauptete und den flinken Angreifer der Hoffenheimer stellte, ehe dieser seine Schnelligkeit richtig ausspielen konnte. Das Timing von Elvedi war ausgezeichnet, auch bei langen Bällen an und in den Strafraum hatte der Schweizer die Lufthoheit. Da Hoffenheim zumeist über Gladbachs linke Seite angriff, rückte Elvedi mehrfach raus, um zu helfen, was er fast immer mit einer sauberen Aktion schaffte. Note 2,0.

Oscar Wendt: Löste auf seiner Seite vieles mit Routine, der Unterstützung von Elvedi und dem fleißigen Plea. Richtig schlecht war nur Wendts Abwehrverhalten zu Anfang der zweiten Halbzeit, als er Kaderabek in seinem Rücken zum Kopfball kommen ließ, ohne überhaupt hochzusteigen. Ansonsten spulte Wendt sein gewohntes Programm ab und suchte - stets dosiert und mit Auge für die Gesamtsituation - auch den Weg nach vorne. Wendt trat alle fünf Ecken der Borussia - alle von der rechten Seite. Die ersten vier vor der Pause versandeten, nach der fünften Ecke des Schweden köpfte Embolo ganz knapp vorbei. Note 3,0.

Christoph Kramer: Rutschte erst auf den letzten Drücker in die Startelf, weil sich bei Bénes beim Aufwärmen die Oberschenkelmuskulatur meldete. Kramer fand aber ohne Anlauf ins Spiel und agierte als zweiter Sechser neben Zakaria. Dort wusste er mit mehreren aufmerksamen Ballgewinnen zu gefallen. Im Aufbauspiel ließ sich Kramer mehrfach zwischen die Innenverteidiger fallen, um die Bälle zu verteilen. Da Hoffenheim nicht früh attackierte, gestaltete sich das zumeist ruhig und fehlerlos. Nach dem Seitenwechsel wurde das System für 15 Minuten gewechselt - Kramer spielte rechts in der Mittelfeldraute. Dort macht er es nicht ganz so gut, so führte Kramers Ballverlust zur ersten Ecke für Hoffenheim. Alsdann wurde wegen eines vermeintlichen Handspiels Elfmeter gegen Kramer gepfiffen, doch der hatte den Ball ›nur‹ ins Gesicht bekommen. Der Schiedsrichter korrigierte sich. Nach hinten heraus, als Borussia mehrere vielversprechende Konterangriffe fuhr, war Kramer mehrfach der Wegbereiter. Note 2,5.

Denis Zakaria: Hatte an diesem Nachmittag seine Stärken vor allem in der Balleroberung. Mehrfach kam der Schweizer vor seinem Gegenspieler an den Ball und unterband Kombinationsversuche der Hoffenheimer durch die Zentrale. Drei oder vier derartige Eroberungen waren überragend. Seine gefürchteten Antritte aus der Tiefe konnte Zakaria jedoch nur im Ansatz starten - auch weil Hoffenheim die Räume zustellte. In der Anfangsphase unterlief ihm ein krasser Fehlpass auf Bebou, als Ginter in letzter Instanz klärte. Die Geiger-Chance sieben Minuten vor der Pause wurde durch eine unsaubere Ballbehandlung von Zakaria eingeleitet. Nach der Pause spielte er eine Viertelstunde als alleiniger Sechser, ehe wieder umgestellt wurde. Zakaria schoss einen Freistoß aus über 25 Metern mit dem Innenrist am Tor vorbei. Bei den Konterangriffen im zweiten Durchgang, u.a. bei dem Angriff vor dem 3:0, war Zakaria involviert. Kurz vor Schluss spielte er bei einem Konter mustergültig auf Embolo, der sich jedoch mit einem Foulspiel selbst um die Chance brachte. Ärgerlich für Zakaria, dass er bereits die 4. Gelbe Karte in dieser Saison sah. Note 3,0.

Marcus Thuram: Spielte im 4-2-3-1 auf der rechten Seite und bei der zeitweisen Systemumstellung nach der Pause als zweite Spitze. Thuram war aktiv, setzte seinen Körper mehrfach gut ein und wusste im Zusammenspiel mit Lainer zu gefallen. Ein Kopfball nach Lainer-Flanke aus dem Halbfeld hatte nicht genügend Wucht, etwas später resultierte eine Neuhaus-Chance (Außennetz) aus einer Kombination von Thuram und Lainer. Das 1:0 bereitete Thuram überragend vor, wobei eigentlich ein Anspiel auf Neuhaus die erste Option gewesen wäre. Dass Thuram noch einen weiteren Gegenspieler aussteigen ließ und fast von der Grundlinie auf Plea passte, hätte man ihm vorgehalten, wenn es nicht gutgegangen wäre. Doch so war es bärenstark. Genauso wie das 2:0, als eigentlich der Doppelpass mit dem durchstartenden Lainer logisch gewesen wäre, doch wieder überraschte Thuram - diesmal mit dem Alleingang und dem trockenen Abschluss. In der 77. Minute räumte er das Feld für Herrmann. Note 2,0.

Florian Neuhaus: Übernahm die Position zentral hinter der Spitze und nach der Pause für fünfzehn Minuten die rechte Seite in der Mittelfeldraute. Neuhaus war viel unterwegs, bot sich mehrfach gut an, agierte aber zögerlich, wenn er den Ball bekam. Nach einer ›Kopfballkerze‹ im gegnerischen Strafraum bekam er etwas überraschend einen relativ freien Nachschuss, traf dabei jedoch nur das Außennetz. Wie schon öfter zu beobachten, konnte Neuhaus im Verlauf der zweiten Halbzeit zulegen. Er war nun präsenter und hatte nach tollem Zuspiel von Plea die Großchance, doch er ›schnibbelte‹ Baumann an. Kurz darauf wurde er im Strafraum von Grillitsch gelegt - durchaus elfmeterwürdig, was auch der Schiedsrichter so sah. Der VAR hätte nicht eingreifen dürfen, denn offensichtlich falsch war der Pfiff auf keinen Fall. Doch er tat es und der Schiedsrichter wich von seiner Entscheidung ab. Das war letztlich nicht weiter tragisch, denn Neuhaus machte kurz darauf nach einem erneut überragenden Pass von Plea aus gleicher Position wie zuvor das 3:0 und damit den Deckel auf die Partie. Drei Minuten später machte er Platz für Raffael. Note 3,5.

Alassane Plea: Spielte auf der linken Seite und gab den ersten Gladbacher Torschuss ab, als er mit seinem typischen Move von links in die Mitte zog und mit rechts in Richtung langen Pfosten zielte - diesmal flach am Tor vorbei. In einer Situation lief sich Plea mit Ball am Fuß fest, monierte aber zurecht in Richtung Neuhaus und Embolo deren falsche Laufwege, so dass ein Anspiel unmöglich wurde. Etwas später gab es im Zusammenspiel mit Neuhaus ein weiteres Missverständnis. Aber Plea blieb im Spiel und war nach Vorarbeit von Thuram zur Stelle, als er den Ball unter Bedrängnis zur Führung über die Linie drückte. Nach dem Seitenwechsel spielte er zunächst als zweite Spitze vorne drin, ehe er sich nach der Rückkehr zum 4-2-3-1 wieder links einordnete. Dort mit einer bärenstarken letzten halben Stunde, weil er die sich bietenden Räume nun in bester Spielmachermanier nutzte. Ein Klasse-Zuspiel auf Embolo hätte ein Tor sein müssen, genauso wie der überragende Pass auf Neuhaus. Einen solchen spielte Plea später nochmals auf Neuhaus, der dann auch traf. Fußballerisch eine Augenweide, zudem arbeitete Plea auch fleißig in der Defensive. Selbst in der 85. Minute beim Stand von 3:0 sprintete er noch mit nach hinten. Note 2,0.

Breel Embolo: Als zentrale Spitze im allerdings sehr flexiblen Gladbacher Offensivverbund aufgeboten. Embolo zog zwar nach Lainer die meisten Sprints an, hatte aber auch einigen Leerlauf in seinem Spiel. Zweimal verarbeitete er den Ball technisch unsauber, was Gegenangriffe zur Folge hatte. Nach der Pause zunächst zentral hinter den Spitzen, danach wieder vorne drin. Den ersten Abschluss hatte Embolo nach der Pause im Anschluss an eine Wendt-Ecke, als er den Ball relativ freistehend knapp neben das Tor köpfte. Noch größer war die Chance in der 61. Minute, als er nach perfekter Hereingabe von Lainer komplett blank war und den Ball nicht richtig traf. Eine weitere glasklare Gelegenheit nach Zuspiel von Plea ließ der Schweizer ebenfalls ungenutzt - er ballerte über den Kasten. Gelungen war die Ablage auf Neuhaus vor der Elfmetersituation und mit einer sauberen Verarbeitung des Sommer-Abschlags stand er an der Basis des 3:0. Dennoch unter dem Strich kein glücklicher Auftritt. Note 4,0.

Patrick Herrmann: Löste in der 77. Minute Thuram ab und sortierte sich auf dessen Position auf der rechten Seite ein. Herrmann sprintete zwar munter mit, kam aber letztlich nur auf zwei Ballkontakte. Ohne Note.

Raffael: Kam in der 86. Minute für Neuhaus in die entschiedene Partie und war einmal am Ball. Ohne Note.

Tony Jantschke: Der letzte Wechsel des Tages in der 88. Minute - Jantschke durfte sich zwei Minuten auf der Rechtsverteidigerposition für Lainer einsortieren. Ohne Note.

 


von Redaktion TORfabrik

 

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