Einzelkritik 2. Spieltag: Mainz 05 - Borussia Mönchengladbach 1:3 (1:1)

Mit spielerischem Stückwerk zum Auswärtssieg

von Einzelkritik 2. Spieltag: Mainz 05 - Borussia Mönchengladbach 1:3 (1:1)

Alassane Plea ebnete mit seinem verwandelten Freistoß den Weg zum Auswärtssieg (Foto: Christian Kaspar-Bartke / Bongarts / Getty Images)

Das Spiel in Mainz brachte das erhoffte und benötigte Resultat, mit dem Marco Rose und seine Mannen Druck vom Kessel nehmen konnten. Die Leistung war vor allem im spielerischen Bereich noch sehr dünn. Die Einzelkritik zum Auswärtssieg.

Yann Sommer: Wieder der gewohnt sichere Rückhalt, der seine Mannschaft unmittelbar vor der Pause vor einem erneuten Rückstand bewahrte, als er gegen den alleine vor ihm auftauchenden Onisiwo per Fußabwehr bravourös rettete. Beim Gegentor war er chancenlos, da die tückische Hereingabe und die Kopfballverlängerung eine Reaktion nahezu unmöglich machten. Darüber hinaus bei kleineren Pflichtaufgaben gefordert, die er souverän bewältigte. Zweimal kam Sommer nach Steilpässen in den Strafraum rechtzeitig aus seinem Tor und bereinigte die Situationen. Als Anspielstation im Aufbau war der Schweizer eingebunden, wurde aber nicht überstrapaziert. In der Schlussphase parierte er einen Kopfball von Niakhate ganz stark auf der Linie. Note 2,0.

Stefan Lainer: Ging wieder mit einer gehörigen Portion Giftigkeit zu Werke und tackelte mehrfach erfolgreich. Trotz der intensiven Herangehensweise unterlief ihm nur ein Foulspiel - das allerdings unnötig war und zum Freistoß vor dem Gegentor führte. Das machte Lainer mit seinem Treffer zum 1:1 wieder wett, als er aufmerksam reagierte und kompromisslos abzog. Unmittelbar vor dem Pausenpfiff unterlief ihm ein eklatanter Ballverlust, aus dem die Großchance von Onisiwo entstand. An Einsatzbereitschaft und Elan - erneut mit extremer Power über die volle Distanz - ist Lainer nicht zu überbieten. In einigen Situationen wünscht man sich dennoch etwas mehr Besonnenheit. In der Offensive schenkte er zwei, drei Hereingaben hektisch her. Auf der anderen Seite schlug der Österreicher die feine Flanke zur Kopfball-Chance von Thuram und setzte Neuhaus im zweiten Durchgang mit einer präzisen flachen Hereingabe mustergültig in Szene. Seine flachen Schuss-Flanken aus dem Halbfeld sind durchaus eine Waffe, weil sie mit so viel Schärfe kommen. Note 3,0.

Matthias Ginter: Eine solide und souveräne Vorstellung als rechter Innenverteidiger in seinem 200. Bundesligaspiel. Ginter hatte einige klärende Aktionen, sowohl am Boden als auch in der Luft agierte er konzentriert und aufmerksam. Beim Gegentor sah er nicht glücklich aus, weil er zwar an Quaison dran war, ihm aber nichts entgegenzusetzen vermochte. Im Spielaufbau mit drei, vier guten langen Bällen. Vor dem Treffer zum 3:1 leitete Ginter mit seinem weiten Schlag von hinten heraus auf Embolo den Angriff ein. Ansonsten mit seriösen Kurzpässen und ohne Flüchtigkeitsfehler. Note 3,0.

Nico Elvedi: Lieferte sich einige interessante Laufduelle mit Onisiwo, bei denen er die Oberhand behielt. Elvedi klärte gut per Kopf, spielte sichere und risikolose Kurzpässe und leistete sich keinerlei Unaufmerksamkeiten. In der 38. Minute saß er dann plötzlich auf dem Rasen und musste kurz behandelt werden. Wegen anhaltender Übelkeit verließ er noch in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit den Platz und wurde durch Jantschke ersetzt. Note 3,0.

Oscar Wendt: Begann mit einer Klärungsaktion im eigenen Sechzehner, als er den Ball rigoros aus der Gefahrenzone beförderte. In der Folgezeit mit ein paar Problemen in der Raumbesetzung. Wendt rückte mehrfach ein, so dass Brosinski auf der Seite eine Menge Freiraum zum Flanken hatte. In der Vorwärtsbewegung war Wendt zwar oft am Ball, agierte aber eher zurückhaltend. Nach einem leichtfertigen Ballverlust des Schweden konnte Onisiwo einen vielversprechenden Gegenangriff einleiten. Nach der Pause, als Mainz etwas Oberwasser bekam, ließ Wendt die eine oder andere Flanke zu einfach zu. Im weiteren Verlauf spielte es Wendt dann routiniert herunter. Note 3,5.

Denis Zakaria: Wieder als Sechser aufgeboten, machte der Schweizer vor allem bei der Absicherung und als Abräumer einen guten Job. Mehrfach gewann Zakaria den Ball, nach der Pause sogar zweimal in unmittelbarer Folge inklusive eines Vertikalpasses zur Einleitung eines Umschaltangriffs. Oftmals gelang es ihm, Angriffsversuche der Mainzer im Keim zu ersticken, sein Passspiel war sicher und nicht zu risikobehaftet. Das intensive Spiel im dichten Zentrum brachte viele enge Duelle mit sich. Fünf Fouls bekam Zakaria gegen sich gepfiffen, wobei er sich vor der Pause mit einem Revanchefoul um eine Gelbe Karte bewarb, die er letztlich kurz vor dem Ende auch sah. In Luftduellen muss er trotz seiner Größe in puncto Timing noch zulegen. Für seine gefürchteten Antritte aus der Tiefe fehlten diesmal Raum und Gelegenheit. Note 2,5.

László Bénes: Auf der rechten Achterposition zum zweiten Mal in Folge in der Startelf. Bénes klebte zu Beginn sehr an der Außenlinie, fand dann aber immer mehr Bindung zum Spiel und war ausgesprochen aktiv. Seine forsche Art gefiel, genauso wie sein Mut, es auch mal aus der Distanz zu probieren. Seine zwei Schüsse aus der zweiten Reihe verfehlten zwar ihr Ziel, waren aber nicht ungefährlich. Im Zusammenspiel mit Lainer auf dem Weg nach vorne kombinierte der Slowake einige Male gefällig. Gut auch das Zusammenspiel mit Thuram kurz nach dem Ausgleich. In der zweiten Halbzeit, als Borussia eine kurze Drangphase hatte, war Bénes sehr auffällig. Er spielte gute Verlagerungsbälle, sogar funktionell mit dem Außenrist, bot sich an und traute sich auch im gegnerischen Strafraum etwas zu. Auch gegen den Ball agierte Bénes mit der nötigen Bissigkeit und es gelangen ihm mehrere Eroberungen. Mit der Hackenablage beim Plea-Freistoß verdiente er sich einen Assist. Note 2,5.

Fabian Johnson: Kam neu in die Startelf und übernahm, wie schon nach seiner Einwechslung gegen Schalke, die linke Achterposition. Johnson verhunzte nach einer kurz ausgeführten Ecke und gutem Zuspiel von Neuhaus eine freie Schusschance, als er über den Ball trat. Kurz darauf köpfte er im Mittelfeld zum Gegner. Im weiteren Verlauf fand Johnson zwar besser in die Partie und holte u.a. den Freistoß vor dem Ausgleich heraus, doch richtig beleben konnte er das Gladbacher Spiel nicht. Die Ausnahme war ein feiner Steckpass auf Plea im zweiten Durchgang. Insgesamt war Johnson zwar fleißig und bemüht, trug aber zur Spielgestaltung und an fußballerischen Komponenten zu wenig bei. In der 81. Minute machte er Platz für Kramer. Note 4,0.

Florian Neuhaus: Durfte diesmal in der Rolle hinter den Spitzen ran, wo er bei eigenem Ballbesitz einige gute Szenen hatte. So bediente er Johnson nach einer kurz ausgeführten Ecke mit einem mustergültigen Flachpass, trieb den Ball bei einem Angriff flott nach vorne und wäre nach der ‘Wühlaktion’ von Plea am Fünfer fast zum Abschluss gekommen. Den Freistoß vor dem Ausgleich führte Neuhaus gedankenschnell aus. In der Arbeit gegen den Ball wirkte er teilweise sehr zaghaft, auch beim Zulaufen der Räume fehlte die Überzeugung. In der Phase nach der Pause hing Neuhaus durch, technische Fehler und unsaubere Aktionen häuften sich. Er war der logische Auswechselkandidat, doch kurz vor dem geplanten Wechsel fing er sich (Halbchance nach Hereingabe Lainer, Doppelpass mit Bénes). Als dann Thuram signalisierte, dass er raus wolle, blieb Neuhaus im Spiel, steigerte sich und bekam die zweite Luft. Beim Konter zum 3:1 war er mit dem Pass auf Plea beteiligt und in der vierten Minute der Nachspielzeit bereitete er nochmals mustergültig für Plea vor. Note 3,5.

Marcus Thuram: Konnte seine Wucht und Körperlichkeit erstmals in der Anfangsphase zeigen, als er bis zur Grundlinie durchkam und den Ball noch vors Tor brachte, wo aber kein Abnehmer war. Der Franzose hatte dann die erste Torchance der Partie, als er nach Lainer-Flanke zum Kopfball kam, den Ball jedoch zu zentral platzierte, so dass der Keeper abwehren konnte. Etwas später schaffte es Thuram nicht, einen feinen Neuhaus-Pass im Lauf zu verarbeiten. Unmittelbar nach dem Ausgleichstor gab es ein gutes Zusammenspiel mit Bénes, bei dem Thuram in letzter Konsequenz etwas zu weit nach Außen getrieben wurde. Ansätze waren also durchaus vorhanden, aber es gab auch einiges an Leerlauf im Spiel des Franzosen. Besonders nach der Pause tauchte er weitestgehend ab und gab dann auch das Signal, dass er nicht mehr konnte. In der 63. Minute wurde er durch Embolo ersetzt. Note 4,0.

Alassane Plea: Wie schon in der Vorbereitung und auch gegen Schalke zu erkennen, holt sich Plea die Bälle deutlich bewusster ab, als in der Vorsaison und agiert so teilweise im Stil eines Spielmachers. Dabei sind seine guten Ideen durchaus erkennbar, auch wenn längst nicht alles gelingt und manches Zuspiel versandet. Seine erste nennenswerte Strafraumszene hatte Plea mit einer ‘Wühlaktion’ gegen drei Mann, dann folgte vor dem 1:1 sein Kopfball, der von Hack mit der Hand aufgehalten wurde. Eine Diskussion darüber erübrigte sich, weil Lainer geistesgegenwärtig schaltete und einnetzte. Nach der Pause tauchte Plea eine zeitweise ab, einen guten Steilpass von Johnson konnte er nicht kontrollieren. In der Phase, als Borussia das Spielgeschehen mehr in die Mainzer Hälfte verlagerte, mischte Plea wieder munter mit. Beim Freistoß zum Führungstor hatte der Franzose das Glück des Tüchtigen, dass der Keeper den nicht sonderlich scharf geschossenen Ball durchrutschen ließ. Beim darauffolgenden Konter zum 3:1 bediente Plea Embolo mit einem perfekt gespielten Pass. In der 92. Minute prüfte er den Torwart mit einem typischen Plea-Schuss aufs rechte Eck, in der vierten Minute der Nachspielzeit hatte er noch eine Großchance, scheiterte aber am Keeper und vergab den Rebound etwas eigensinnig, anstatt auf den freistehenden Kramer abzulegen. Dennoch klar der gefährlichste Offensivspieler der Borussia. Note 2,5.

Tony Jantschke: Ersetzte Elvedi noch in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Obwohl die Umstände alles andere als einfach waren, zeigte sich Jantschke gewohnt unbeeindruckt und erledigte seinen Job vorbildlich. Bei zwei, drei Flanken fehlten ihm die Zentimeter, um an den Ball zu kommen, doch es ging gut. Ansonsten ließ er nichts anbrennen. Stark, wie er nach rund 65 Minuten bei einem Mainzer Konter einen Pass auf Onisiwo abfing und kurz darauf im Infight gegen den Mainzer zentral an der Strafraumgrenze Sieger blieb - das war eminent wichtig. Auch in der 90. Minute verhinderte er mit einem guten Block eine Torchance der Hausherren. Note 3,0.

Breel Embolo: Sollte eigentlich für Neuhaus kommen und hinter den Spitzen spielen, doch weil Thuram nicht mehr konnte, übernahm er dessen Rolle als zweiter Stürmer. Embolo brachte Schwung, auch wenn er sich zunächst zweimal festlief. Sein Antritt gegen drei Mann, mit dem er letztlich den Freistoß zum 2:1 herausholte, war klasse. Beim Angriff zum 3:1 verarbeitete er den Ball zunächst stark mit der Brust und legte so auf Neuhaus ab, ehe er beherzt den Laufweg nach vorne machte und schließlich - mit etwas Glück - seinen ersten Treffer im Trikot der Borussia markierte. Ohne Note.

Christoph Kramer: Ersetzte Johnson in der 81. Minute, als das Spiel so gut wie gelaufen war. Kramer übernahm die Johnson-Position als Achter, wo er durch fehlerfreies Passspiel auffiel. Er sah noch Gelb für Trikotziehen und durfte sich in der Nachspielzeit berechtigt ärgern, dass Plea nicht abspielte, obwohl Kramer frei vor dem Tor stand. Ohne Note.

 


von Redaktion TORfabrik

 

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