Einzelkritik 11. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Werder Bremen 3:1 (2:0)

Ein überragender Sommer und Tore im richtigen Moment

von Einzelkritik 11. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Werder Bremen 3:1 (2:0)

Patrick Herrmann erzielt das 3:0 gegen Werder Bremen (Foto: TORfabrik.de)

Borussia Mönchengladbach geht mit einem verdienten Sieg über Werder Bremen in die Länderspielpause. Die Gladbacher mobilisierten zum Ende der stressigen englischen Wochen nochmals alle Kräfte. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Der Garant für den Sieg mit einer überragenden Leistung. Gleich dreimal wehrte er brandgefährliche Schüsse von Rashica ab, dazu parierte er den Flugkopfball von Eggestein mit einem Weltklassereflex. Der gehaltene Elfmeter gegen Klaassen war eine Schlüsselszene, auch wenn der Strafstoß schwach geschossen war. Darüber hinaus überzeugte Sommer mit einer einwandfreien Strafraumbeherrschung und soliden Abschlägen und Weiterleitungen. Beim Gegentor in der Nachspielzeit ohne Chance. Note 1,0.

Stephan Lainer: Schon nach wenigen Sekunden bediente er Thuram mustergültig mit einer für Lainer typischen Hereingabe von der rechten Seite. Mehrfach schaltete er sich in der Folgezeit nach vorne ein. In manchen Momenten wirkte er etwas hektisch, aber mit seiner Vehemenz machte er den Bremern zu schaffen. Den Freistoß vor dem 1:0 ‚zog‘ Lainer geschickt. Defensiv mit dem einen oder anderen Problem gegen Bittencourt. Sah Gelb für eine etwas übertriebene Grätsche im gegnerischen Strafraum. Wirklich erstaunlich, mit welchem Elan Lainer auch weit in der zweiten Halbzeit noch die Linie entlang sprintete. Note 3,0.

Matthias Ginter: Leitete gleich zu Beginn die Chance für Thuram mit einem beherzten Vorstoß ein. Im Verlauf der Partie rückte er ein paarmal mit in die gegnerische Hälfte auf. Im Spielaufbau zwar hier und da mit Ungenauigkeiten, aber mit dem feinen weiten Ball aus der Zentrale auf Thuram leitete Ginter das 2:0 ein. Defensiv sehr stabil in den direkten Duellen, allerdings musste er den agilen Rashica einige Male ziehen lassen. Von der Körpersprache her wusste Ginter zu gefallen und strahlte die notwendige Entschlossenheit aus. Note 3,0.

Nico Elvedi: Hatte gemeinsam mit Ginter gegen Rashica und Osako einige knifflige Aufgaben zu lösen. In mehreren Situationen schob sich Elvedi geschickt vor Osako, fing den Pass ab und schaltete schnell um. Einmal wagte er sogar einen Sololauf weit in die gegnerische Hälfte. Nach einer scharfen Hereingabe an den Fünfmeterraum rettete Elvedi mit hohem Eigentorrisiko, später blockte er zweimal in brenzligen Situationen. Bei gegnerischen Standards oder hohen Hereingaben wachsam – nur einmal schaltete er bei einer Bremer Kopfballchance zu spät und entschuldigte sich anschließend bei den Kollegen. Note 3,0.

Rami Bensebaini: War motiviert bis in die Haarspitzen und lief von Beginn an auf Hochtouren. Schon nach vier Minuten hatte er zwei Fouls auf seinem Konto und oft ging er schlichtweg ungestüm zu Werke. Auf der anderen Seite eroberte Bensebaini mit seinem wilden Spiel mehrfach den Ball und suchte direkt den Weg nach vorne. Mit viel Entschlossenheit und Wucht platzierte er den Kopfball zum 1:0 – das war eine ganz starke Aktion und nicht so einfach, wie es im ersten Moment aussah. Kurz darauf hätte er fast einen Treffer nachgelegt, als er zunächst energisch den Ball eroberte, nach vorne rannte und nach einem Doppelpass mit Thuram nur ganz knapp über das Tor schoss. Nach dem Seitenwechsel verursachte er unglücklich den Elfmeter, als er beim Kampf um den Ball von Gebre Selassie leicht gestoßen einen Schritt nach hinten machte und dabei Osako auf den Fuß stieg. Obwohl er dafür Gelb sah, blieb Bensebaini auch weiterhin im Kampfmodus. Kurz vor Schluss wurde er zu ‚Sensebaini‘ und sah für sein kopfloses Einsteigen Gelb-Rot. Note 3,5.

Christoph Kramer: Rotierte wieder in die Startelf und machte von Beginn an im Mittelfeld seine Wege. Mehrere Balleroberungen waren stark, dazu spielte er einige Male zügig und vertikal weiter. Sein Aktionsradius ging vom Aufbauspiel zwischen den beiden Innenverteidigern bis hin zu Dribblings rechts vorne im gegnerischen Sechzehner. Ein Distanzschussversuch war etwas zu optimistisch. Nach einer knappen halben Stunde lief Kramer ‚unrund‘ und musste kurz darauf ausgewechselt werden. Die Diagnose: Zerrung am Innenband im Knie. Ohne Note.

Denis Zakaria: Bot im defensiven Mittelfeld erneut eine starke Leistung. Die Aktion in der 38. Minute, als er sich links an der Außenlinie überragend aus der Umklammerung mehrerer Gegenspieler befreite, war zum Niederknien. Zakaria eroberte im bekannten Stil mehrfach den Ball und startete einige Male seine Läufe mit raumgreifenden Schritten. In der zweiten Halbzeit legte er ein tolles Solo hin, sein Zuspiel landete jedoch in den Hacken von Plea. Zakaria bereitete mit seinem Pass auf Herrmann das 3:0 vor, seinen beiden eigenen Abschlüssen fehlte es an Präzision. Nach der Pause blockte er ganz wichtig im eigenen Strafraum gegen Bittencourt. Mit seinem Tempo konnte Zakaria mehrfach die Gegenspieler ablaufen. Als Rashica ihn einmal abschüttelte, war ein Foul im Spiel. Note 2,5.

Patrick Herrmann: Schrieb natürlich die Geschichte des Spieltags: Am Freitag wurde er erstmals Vater, am Sonntag schnürte er einen Doppelpack. Viel mehr geht eigentlich nicht. Dabei war Herrmann zu Beginn der Partie selten zu sehen, hatte nur wenige Ballaktionen und fiel allenfalls durch Störaktionen des Bremer Aufbauspiels auf. Das änderte sich spätestens mit dem Treffer zum 2:0. Da reagierte er wachsam und überlegt – der Abschluss war perfekt und konnte auch nur auf die Art funktionieren, wie Herrmann es machte. Danach wirbelte er zeitweise wie aufgedreht. Seinen zweiten Treffer markierte er mit einer einfachen und geradlinigen Aktion: Ein zügiger Antritt, die Erkenntnis, dass der Gegenspieler zaudert und dann ein trockener Abschluss. Etwas später zirkelte er einen Freistoß aus 25 Metern stark aufs Tor, doch Pawlenka parierte ebenso spektakulär. Auch danach war Herrmann sehr viel unterwegs, die Statistik weist ihn als den laufstärksten Akteur auf dem Platz aus. Note 2,0.

László Bénes: Als zentraler Mann im Mittelfeld sehr viel unterwegs und sehr präsent in den Zwischenräumen. Bénes machte viele intelligente Läufe und hinter nahezu jeder Aktion war eine Idee zu erkennen. Ein Distanzschuss landete über dem Tor. In manchen Situationen wirkte Bénes noch ein wenig hektisch, aber er gewinnt fraglos immer mehr an Profil und Akzeptanz. Nach 59 Minuten musste er ausgewechselt werden, weil er bei einem feinen Spielzug zu wendig für Sahin war, der ihm böse aufs Sprunggelenk trat. Bénes konnte nicht mehr auftreten und musste halb vom Platz getragen werden. Die Diagnose ist zum Glück nicht so schlimm wie erwartet: Es soll sich ‚nur‘ um eine Prellung des Sprunggelenks handeln. Note 3,0.

Marcus Thuram: Hätte seinen großartigen Lauf der letzten Wochen eigentlich nahtlos fortsetzen können, ja müssen. Nach wenigen Sekunden ließ Thuram eine 100%ige Chance liegen, als er den Ball aus kurzer Distanz am Tor vorbei bugsierte. Der Assistent hob zwar die Fahne wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung, doch die im Falle des Treffers erfolgte Überprüfung durch den VAR hätte höchstwahrscheinlich ergeben, dass kein Abseits vorlag. Danach zeigte sich Thuram immer mal wieder mit gefährlichen Antritten über die linke Seite, aber es gab auch Sequenzen, in denen wenig von ihm zu sehen war. Als Abnehmer von Ginters langem Ball war er ursächlich am 2:0 beteiligt – die Kopfballablage auf Herrmann war eine ganz bewusste Aktion von Thuram, der dabei von Pavlenka über die Haufen gerannt wurde. Hätte Herrmann das Tor nicht gemacht, wäre ein Elfmeterpfiff fällig gewesen. Nach der Pause hatte er nach Bénes-Zuspiel (bei dem der von Sahin getroffen wurde) eine gute Chance, scheiterte aber an Pavlenka. In der Schlussphase zog Thuram nochmals mehrere Sprints an, die er jedoch nicht finalisieren konnte. Note 3,0.

Alassane Plea: Als zentrale Spitze aufgeboten, ließ er sich oft ins Mittelfeld fallen, um am Kombinationsspiel teilzunehmen. Hier wurde in einigen Phasen deutlich, dass Plea nach der Verletzungspause noch der Rhythmus fehlt. In einer Situation setzte er sich mit einer ganz starken Bewegung durch, spielte dann aber einen unpräzisen Ball in Richtung Thuram. Nach der Pause zeigte er einmal seinen typischen Move von links vor den Strafraum und dann den Abschluss mit rechts – der Ball strich nur wenige Zentimeter am Tor vorbei. Zehn Minuten vor dem Ende konnte er Pavlenka mit einem guten Schuss nicht überwinden. Alsdann machte er Platz für Stindl. Note 3,5.

Jonas Hofmann: Wie schon am Donnerstag musste er bereits nach einer halben Stunde einen verletzten Kollegen ersetzen – diesmal Christoph Kramer. Hofmann übernahm dessen Position im Mittelfeld, brauchte aber einen Moment, um ins Spiel zu finden. Bei seiner ersten Aktion vertändelte er um ein Haar den Ball gegen drei Bremer in einer hochbrisanten Zone. Danach mit viel Laufarbeit und einigen Ballgewinnen, bei denen er Passwege frühzeitig erkannte oder aber dem Gegner den Ball stibitzte. Wenn jedoch ein Gegenspieler mit Ball auf ihn zulief, ließ er ihn mehrfach sehr einfach und widerstandslos passieren. Mit vielen kleinen Anschlusszuspielen – u. a. vor dem 3:0 auf Zakaria, war Hofmann wichtig. Genauso als ‚Temporegulierer‘ in den Phasen, wo Kontrolle angesagt war. Das machte er sehr überlegt und intelligent. Note 3,0.

Florian Neuhaus: Ersetzte den verletzten Bénes in der letzten halben Stunde. Es gab einige Räume, die Neuhaus zu nutzen wusste. Bei zwei, drei Konterangriffen war er die treibende Kraft. Nach Zuspiel von Thuram kam er im Strafraum in eine ansprechende Position für einen eigenen Abschluss, agierte aber nicht entschlossen genug. Ohne Note.

Lars Stindl: Kam in den letzten neun Minuten für Plea und hatte nur noch drei Ballkontakte. Einer davon – nach Vorarbeit von Thuram – hätte ein Tor sein können, doch Pavlenka wehrte Stindls Schuss ab. Auch hier entschied der Assistent auf Abseits, doch die Fernsehbilder ließen sich anders deuten. Ohne Note.

 


von Redaktion TORfabrik

 

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