Einzelkritik 1. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Schalke 04 0:0

Noch deutlich Luft nach oben bei Borussia

von Einzelkritik 1. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Schalke 04 0:0

Unglaubliche Dynamik und Energie - Denis Zakaria war gegen Schalke der beste Borusse (Foto: TORfabrik.de)

Beim torlosen Remis gegen Schalke zum Auftakt konnten die Borussen defensiv über weite Strecken überzeugen, offensiv und vor allem fußballerisch gibt es dagegen noch deutlich Luft nach oben. Die Einzelkritik zum Bundesligaauftakt.

Yann Sommer: Hatte relativ wenig zu tun und es bedurfte keiner Glanztat des Keepers, die weiße Weste zu behalten. Zwei, drei Pflichtaufgaben löste er ebenso souverän wie das Abfangen hoher Bälle. Als Raman bei Schalkes Großchance alleine auf ihn zulief, reichte es, dass Sommer böse guckte. In den Spielaufbau wurde der Keeper zwar phasenweise von den Innenverteidigern einbezogen, doch insgesamt wurde deutlich weniger der Weg über Sommer gesucht, als noch in der Vorsaison. Note 2,0.

Stefan Lainer: Begann etwas hektisch und leistete sich in der Anfangsviertelstunde einige Flüchtigkeitsfehler. Im weiteren Verlauf stabilisierte sich der Österreicher und machte ordentlich Betrieb auf der rechten Seite. Lainer startete durch, sobald sich die Möglichkeit bot. Das war gut zu erkennen in der Szene, als Bénes den Ball per Hackentrick freispielte und Lainer blitzschnell schaltete. Seine Flanken und Hereingaben waren von unterschiedlicher Qualität. Die fehlende Abstimmung kommt in dieser Findungsphase nicht unerwartet, dennoch agierte er hier und da überhastet. Eine Passquote von 48% unterstreicht das. Spielerische Unzulänglichkeiten kompensierte Lainer mit unbändigem Einsatzwillen. Er suchte ständig die Zweikämpfe und bedrängte die Gegenspieler, die er dadurch mehrfach aus dem Tritt brachte und zu Fehlern nötigte. In der 89. Minute sah er die Gelbe Karte. Note 3,0.

Matthias Ginter: Lieferte eine aufmerksame und saubere Partie im Abwehrzentrum ab. Bei mehreren langen Bällen antizipierte er gut und lief den Gegner ab, ohne in einen Zweikampf gehen zu müssen. Einen Konteransatz der Schalker erstickte er im Keim, als er im richtigen Moment aus der Abwehr trat. Dieses energische Vorwärtsverteidigen sollte künftig noch öfter praktiziert werden. Im Spielaufbau solide und mit einigen guten Anspielen auf Lainer. Von seinen langen Pässen blieb der eine oder andere hängen. Note 2,5.

Nico Elvedi: Bis auf einen misslungenen Pass ins Seitenaus und einem unterschätzten hohen Ball vor der Nastasic-Chance war es eine gute Partie des Schweizers. Er musste einige Male ins direkte Duell mit Burgstaller, der extrem unangenehm zu Werke geht, ständig provoziert und lamentiert. Elvedi ließ sich nicht locken und behielt die Oberhand. In mehreren Situationen konnte Elvedi mit seinem Tempo die Gegenspieler stellen und mit kompromissloser Zweikampfführung punkten. Er hatte die meisten Ballkontakte auf dem Platz, wobei er im Aufbauspiel nur ganz selten das Risiko suchte. Wenn er steil spielte, war auch das Tempo der Pässe richtig gut, seine Querpässe auf Ginter hätten teilweise etwas mehr Schärfe vertragen können. Zwei-, dreimal kam er gut vor den Gegner und trieb den Ball dann ein Stück nach vorne. Note 2,5.

Oscar Wendt: Lieferte vor allem defensiv eine sehr solide Leistung ab und hielt die Seite in Zusammenarbeit mit Elvedi und Neuhaus dicht. Am Ball unterliefen ihm zwei, drei Stockfehler ohne Folgen, ein Ballverlust des Schweden stand an der Basis der Halb-Chance für Caligiuri. Im Aufbauspiel war er sehr oft eingebunden, Wendt hatte nach Elvedi die meisten Ballkontakte. Insgesamt ließ es Wendt in Bezug auf Sprintaktionen deutlich ruhiger angehen als sein Pendant Lainer auf der anderen Seite, dafür war seine Passquote auch deutlich höher. Note 3,0.

Denis Zakaria: Wurde als alleiniger Sechser aufgeboten und machte seine Sache ausgezeichnet. Er war fast immer zur Stelle und durchschaute die Schalker Versuche, wenn sie ihre Stürmer erreichen wollten. Zakaria fing mehrfach die Bälle ab, reparierte die Ballverluste der Kollegen und zog dann mit raumgreifenden Schritten los. Es war phasenweise sehr beeindruckend, wie der Schweizer durchs Mittelfeld raste. Herausragend sein Sprint über fast das gesamte Spielfeld, an dessen Ende Thuram vertändelte. Auch der Pass zur letzten Chance von Plea kam von ihm. Dass nicht alles gelang, war aufgrund des großen Aktionsradius verständlich, dennoch war Zakaria der beste Gladbacher an diesem Abend. Note 2,0.

László Bénes: Rückte aufgrund der Verletzungen von Hofmann, Kramer und Strobl sowie des kurzfristigen Abgangs von Cuisance in die ‘Pole-Position’ und übernahm die Rolle des Achters im rechten Mittelfeld. Dort ging er sehr engagiert zu Werke und gefiel mit vielen kleinen Balleroberungen. Er war sichtlich darauf aus, schnörkellos zu spielen, was er bei einigen Direktpässen zeigte, die er mit richtig Fahrt nach vorne spielte. Klasse sein Hackentrick, mit dem er Lainer freispielte. Hier und da überpacte Bénes etwas, so wie bei seinem Einsteigen an der Außenlinie, als er einen Schalker unabsichtlich im Rutschen abräumte und dafür Gelb sah. Vor der Pause wurde ein Schussversuch aus guter Position gerade noch geblockt, im zweiten Durchgang setzte er einen gezirkelten Schuss etwas hoch an. Einen Freistoß brachte er leider zu kraftlos aufs Tor. Insgesamt hat Bénes körperlich schon zugelegt, doch in einigen direkten Duellen wurde deutlich, dass er in Sachen Zweikampffestigkeit noch Steigerungsbedarf hat. Note 2,5.

Florian Neuhaus: Als linker Achter aufgeboten brachte er sich in der Anfangsphase einige Male in Bedrängnis, weil er sich mit dem Ball am Fuß nach innen orientierte und dabei attackiert wurde. Neuhaus überstand die Situationen zwar, doch beschwor er damit unnötige Gefahrenmomente herauf. Genauso wie bei der Aktion, als er sich verzettelte und dann nur noch per Handspiel korrigieren konnte, für das er die Gelbe Karte sah. Zweimal löste Neuhaus sich stark mit Körpertäuschungen, bei einer Aktion verfehlte er das Abspiel, als er in den Strafraum vorgedrungen war. Insgesamt fehlte es ihm sichtlich noch an Frische und Durchsetzungsvermögen. Nach gut einer Stunde wurde Neuhaus durch Johnson ersetzt, kurz zuvor war er bei einer Umschaltaktion unaufmerksam und bekam nicht mit, was hinter ihm passierte. Note 4,0.

Breel Embolo: Gab gegen seinen Ex-Klub sein Bundesligadebüt für die Borussia auf der offensiven Position in der Mittelfeldraute hinter den Spitzen. Dass dies nicht seine Idealposition ist, wurde schnell deutlich. Er fand nur wenig Bindung zum Spiel, suchte nach Orientierung und wirkte teilweise wie ein Fremdkörper. Als Zehner fehlte ihm die spielerische Komponente - er war kein Ballverteiler oder Spielgestalter. Dazu unterliefen ihm durch teilweise unsaubere Ballbehandlung einige Fehler. Die Großchance für Raman entstand, weil er dem Ball nicht entgegenging. Seine Körperlichkeit und Dynamik blitzte nur ansatzweise auf. Nach 77 Minuten wurde Embolo von Raffael abgelöst. Note 4,5.

Marcus Thuram: Als zweite Spitze agierend war sein Spiel vor allem von kraftvollen Antritten geprägt. Er lief das Aufbauspiel der Schalker an und bei eigenen Angriffen versuchte er mit Wucht an und in den Strafraum zu kommen. Dabei fehlte es ihm jedoch an Intuition, so dass er sich kaum durchsetzen konnte. Seine Handlungsschnelligkeit ist noch ausbaufähig, wie sich nach dem Zuspiel von Zakaria zeigte, als er letztlich den Ball vertändelte. Nach einem Sprint über links brach er ab und anstatt den Ball zum wartenden Wendt zurückzuspielen, verwickelte er sich in einen aussichtslosen Zweikampf. Vor der Pause hatte Thuram eine Kopfballchance nach Plea-Flanke, als er den Ball besser für den hinter ihm lauernden Embolo durchgelassen hätte. Im zweiten Durchgang schoss er eine Lainer-Hereingabe aus dem Lauf drüber und als Nübel den Ball fallen ließ, versuchte es Thuram aus der Drehung. Auffällig die noch vorhandenen körperlichen Defizite: Schon nach 40 Minuten stand er pumpend mit den Händen in der Hüfte auf dem Platz. Erstaunlich, dass der Trainer den mittlerweile auch angeschlagenen Stürmer bis zur 82. Minute auf dem Feld ließ. Note 4,5.

Alassane Plea: Der agilste der drei offensiven Spieler, der sich immer wieder fallen ließ und Bälle forderte. Eigentlich war Plea der Spielmacher, der etwas initiieren wollte und auch konnte. Ein paar Mal war der Franzose nur durch Fouls zu stoppen, in einigen Situationen lief er sich auch fest. Dennoch war er über weite Strecken der fußballerische Alleinunterhalter in der Offensive. In der zweiten Halbzeit hatte Plea zwei Chancen, von denen er eine zwingend nutzen musste. Bei seinem Pfostenschuss hatte er zwar Pech, doch ein Abschluss mit Vollspann wäre die bessere Wahl gewesen. Die zweite Chance war aus dem Lauf etwas zu weich geschossen. Note 3,0.

Fabian Johnson: Wurde in der 63. Minute für Neuhaus eingewechselt und übernahm dessen Achterposition. Johnson war bissig und gewann sofort einen Ball und war im Verbund mit Wendt direkt im Spiel. Er störte gut, wodurch die Chance zum Drehschuss von Thuram entstand. Johnson zeigte mit seinem Einsatz und der Laufbereitschaft, dass er eine seriöse Option ist. Ohne Note.

Raffael: Ersetzte Embolo in der 77. Minute und sofort war mehr Fußball im Spiel. Ein richtig guter Schuss, den der Torwart klasse hielt, brachte leider nur eine Ecke. Wenig später versuchte er es nochmal, doch der Ball wurde geblockt. Raffael setzte ein paar Duftmarken in der (zu) kurzen Zeit, die er hatte. Ohne Note.

Ibrahima Traoré: Kam in der 82. Minute für Thuram, hatte aber nur vier Ballkontakte und konnte sich auf der ungewohnten Position nicht in Szene setzen. Ohne Note.

 


von Redaktion TORfabrik

 

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