Einzelkritik 3. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - RB Leipzig 1:3 (0:1)

Reife und Cleverness fehlten (noch) gegen Leipzig

von Einzelkritik 3. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - RB Leipzig 1:3 (0:1)

Denis Zakaria im Duell mit Timo Werner (Foto: TORfabrik.de)

Borussia Mönchengladbach machte bei der 1:3-Heimniederlage das beste Saisonspiel und zeigte viele Facetten des Fußballs, wie er in Gladbach etabliert werden soll. Ein (zu) starker Gegner und individuelle Fehler kosteten letztlich ein mögliches Erfolgserlebnis.

Yann Sommer: Zwei Paraden gegen Schüsse von Sabitzer waren klasse, auch die Reaktion aus kurzer Distanz gegen Poulsen. Als mitspielender Torwart ohne Probleme, einmal agierte er etwas riskant, als er mit einer kurzen Kombination ausverteidigen wollte. Einen Pass spielte er in die Mitte zu einem Gegner, ansonsten waren seine Abschläge und Spielfortsetzungen sehr präzise. Beim ersten Gegentor hätte er möglicherweise früher herauskommen können, allerdings konnte er die Passivität von Ginter nicht vorausahnen. Dass Werner ihn tunnelte, war unglücklich. Beim 0:2 lief Werner alleine auf ihn zu und schoss eigentlich eher schwach - dieser Ball war haltbar, Sommer hatte die Hand auch noch dran. Beim letzten Treffer war für den Keeper nichts zu machen. Note 3,0.

Stefan Lainer: Erneut ein Auftritt mit einer Intensität, wie man sie in Gladbach bislang nicht gekannt hat. Stark, wie er nie locker lässt und immer spritzig dranbleibt, wenn er mal ausgespielt wird. Lainer legte nicht nur die größte Distanz aller Borussen zurück, sondern zog auch die mit Abstand meisten Sprints an. Vorne bereitete er mit einer ‚Schuss-Hereingabe‘ die Chance von Embolo vor, weitere gefährliche Hereingaben folgten – so u.a. die Flanke, die Orban an die Latte lenkte. Selber schoss er einmal harmlos aus der Distanz. In der Nachspielzeit brachte Lainers feine Flanke fast den Ausgleich. Im Passspiel suchte er meist die direkte und vertikale Lösung, was zu einiger Streuung führte. Note 2,5.

Matthias Ginter: Seine beste Szene hatte der Nationalspieler im gegnerischen Strafraum, als er mit Raffinesse zur Chance von Plea ablegte. Ansonsten war Ginter an allen drei Gegentoren maßgeblich beteiligt – im negativen Sinne. Beim ersten unterschätzte er zunächst die Situation, blieb dann unerklärlich passiv gegen Werner und schien anschließend die Schuld beim vermeintlich zögerlichen Sommer zu suchen. Beim vorentscheidenden zweiten Treffer sah er zu spät, dass Werner hinter ihm durchstartete und den Ball vor ihm weg spitzelte. Bei aller Klasse von Werner – mit mehr Wachsamkeit und Körperspannung hätte Ginter Werner stoppen können. Vor dem 0:3 schätzte er einen hohen Ball völlig falsch ein und lieferte unfreiwillig einen perfekten Assist in den Lauf von Werner. Note 4,5.

Nico Elvedi: Der aufmerksamere der beiden Innenverteidiger, dem aber auch von Werner die Grenzen aufgezeigt wurden. Beim zweiten Gegentor hatte Werner schon richtig Fahrt aufgenommen und rannte dem eigentlich nicht langsamen Elvedi locker flockig davon. Im Nachhinein wäre es wohl besser gewesen, Elvedi hätte Werner gecheckt, als dieser noch zu erreichen war. Ansonsten löste der Schweizer einige Situationen mit gutem Stellungsspiel und auch gewonnenen Laufduellen. In der Spieleröffnung sicher – er spielte die meisten Pässe mit einer Quote von 94%. Zumeist waren dies allerdings risikolose Kurzpässe. Note 3,0.

Oscar Wendt: Machte sein 200. Bundesligaspiel und zeigte zum Jubiläum eine unter dem Strich unauffällige Leistung. Wendt war viel unterwegs und nach Lainer der laufstärkste Spieler, auch was die intensiven Läufe anging. Ein paarmal schob er gut mit nach vorne und leitete u.a. die erste Chance für Plea mit ein. In der Verteidigungsarbeit aufmerksam, einmal glückte ihm eine ‚Altherrengrätsche‘, mit der er einen gefährlichen Leipziger Durchbruch verhindern konnte. Insgesamt hielten sich die Fehler in Grenzen – in der Schlussphase sah er noch die Gelbe Karte. Note 3,5.

Denis Zakaria: Erneut eine starke Vorstellung des Schweizers im zentralen defensiven Mittelfeld. Diesmal agierte er zunächst im Duett mit Neuhaus, wobei Zakaria den Feuerwehrmann gab. Er bügelte mehrfach Ballverluste der Kollegen aus, ging weite Wege tief in den eigenen Sechzehner und war sich für keine Drecksarbeit zu schade. Sein Tempo und die Dynamik konnte er auf dem Weg nach vorne nicht so einbringen, auch weil die Leipziger die Räume geschickt verengten. Dafür räumte Zakaria hinten viel mit Speed ab. Herausragend die Szene, als er sogar Werner in Sachen Schnelligkeit die Grenzen aufzeigte und ihn im eigenen Strafraum umspielte, bevor er dann in entgegengesetzter Richtung mit Ball am Fuß sprintete und einen Angriff einleitete. Als umgestellt wurde, spielte Zakaria zunächst alleiniger Sechser in der Raute, nach Kramers Einwechslung rückte er auf die Acht. Note 2,0.

Florian Neuhaus: Im dritten Ligaspiel der Saison in einer anderen Rolle: gegen Schalke als Zehner, in Mainz als Achter und nun gegen Leipzig als zweiter Sechser. Gerade in der Anfangsphase, als sich Leipzig noch nicht auf die unerwartete Ausrichtung der Borussen eingestellt hatte, eröffnete Neuhaus aus der Zentrale mehrfach gut das Spiel. Einige Male löste er sich elegant und leitete Angriffe ein. Im weiteren Verlauf bekam er weniger Räume, machte seine Sache dennoch ordentlich. In der Defensive aufmerksam, einmal gewährte er einem Leipziger jedoch ohne Gegenwehr die freie Bahn zwischen ihm und Zakaria. Leider konnte er auch die Weltklasse-Vorarbeit von Forsberg zum 0:1 nicht verhindern. Nach der Umstellung auf Raute nach 66 Minuten auf der linken Achterposition unterwegs und dort mit zwei schönen Verlagerungen auf die rechte Seite. In der 77. Minute machte er Platz für Kramer. Note 3,5.

Breel Embolo: Begann etwas überraschend wieder in zentraler Rolle hinter den Spitzen. Der Ex-Schalker begann wie aufgedreht und bekam für ein übles Foul an der Seitenlinie ganz früh eine Gelbe Karte. Nach einem weiteren Foul forderten die Leipziger den Platzverweis, was wiederum Marco Rose aufbrachte, der sich mit dem Co-Trainer der Gäste anlegte. In der Folgezeit geriet Embolo nicht mehr in Gefahr von Gelb-Rot, obwohl er extrem viele Zweikämpfe führte. Bei zwei oder drei Umschaltsituationen hatte er Probleme mit der Ballverarbeitung, mehrfach konnte er sich jedoch mit Wucht und Dynamik durchsetzen. Überragend der Doppelpass mit Plea, als er diesen mit der One-Touch-Außenristvorlage mustergültig bediente. Schwach dagegen sein freier Schuss über den Kasten aus dem Lauf nach der flachen Lainer-Hereingabe. Nach der Auswechslung von Thurman rückte Embolo in die Spitze und hatte dort gleich eine Möglichkeit, als er den Ball in günstiger Position nicht traf und im Nachsetzen auch nicht mehr zum Abschluss kam. Mit dem Kopfballtreffer in der Nachspielzeit sorgte er für den Anschluss und hätte kurz darauf um ein Haar den Ausgleich geköpft. Der Ball flog knapp über den Kasten – einen Vorwurf kann man Embolo nicht machen, weil er stark bedrängt wurde. Note 2,0.

Fabian Johnson: Spielte diesmal rechts in der Offensive in einer durchaus interessanten Rolle. Bei eigenem Ballbesitz war es eine Dreierreihe vorne, wobei Johnson nicht an der Außenlinie spielte, sondern einrückte und Lainer den Weg in seinem Rücken öffnete. Gegen den Ball zog es Johnson noch mehr nach innen und er ging weit mit zurück. Die defensive Abstimmung mit Lainer passte allerdings mehrfach nicht und mehr, als dass er fleißig die Räume zulief und einige Sprints anzog, trug Johnson nicht bei. Er hatte in 74 Minuten Spielzeit gerade einmal 18 Ballkontakte. Fatal dabei die unkoordinierte Aktion kurz nach der Pause, als er den Ball verstolperte und daraus das vorentscheidende 0:2 resultierte. Note 4,5.

Alassane Plea: Als zentrale Spitze wieder mit einem ordentlichen Aktionsradius und der Bereitschaft zum Rennen und Kämpfen. Er hätte die Borussia nach dem Doppelpass mit Embolo per Volley aus elf Metern in Führung bringen können – allerdings war der Abschluss nicht so einfach, wie er vielleicht im ersten Moment aussah. Mehr hätte er auch aus der Chance nach dem Ginter-Zuspiel machen können, als er mit dem Innenrist abschloss und der Keeper abwehren konnte. Ein Freistoß des Franzosen wurde in der Mauer geblockt, bei einem weiteren packte Gulacsi kurz vor der Pause sicher zu. In einigen Situationen zeigte Plea seine Gewandtheit, hier und da fehlte es ihm aber auch an der Griffigkeit – so in der Sequenz kurz vor dem 0:1. Note 3,5.

Marcus Thuram: Spielte auf der linken Seite und war mehr eingebunden als Johnson auf der Gegenseite. In zwei, drei Aktionen vermochte er seinen Körper gut einzusetzen, blieb standhaft und holte u.a. eine Ecke heraus. In Abschlusssituationen kam Thuram allerdings nicht, auch bei mehreren Hereingaben von Lainer war er nicht präsent im Strafraum. In Sachen Zweikampfbereitschaft und Defensivarbeit machte es der Franzose ordentlich. Noch aber fehlt Thuram der richtige Punch. Nach 66 Minuten wurde er von Bénes abgelöst. Note 4,0.

László Bénes: Kam für Thuram und es wurde auf Raute umgestellt. Bénes spielte zunächst hinter den Spitzen, nach der Einwechslung von Raffael dann als Achter auf der rechten Seite. Er spielte zwei, drei gute Verlagerungsbälle mit schönem Drive und schlug die Freistoßflanke zum Anschlusstreffer. Ohne Note.

Raffael: Durfte in den letzten 16 Minuten für Johnson ran und übernahm die 10er-Position. Er spielte ein paar gute Pässe, ein Schussversuch wurde abgeblockt. Nachdrücklich in Szene setzen konnte er sich nicht mehr. Ohne Note.

Christoph Kramer: Kam für Neuhaus in der 77. Minute und rückte auf die Sechserposition. Dort sehr bissig und mit drei gelungenen Tacklings. Ohne Note.

 


von Redaktion TORfabrik

 

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