Einzelkritik 14. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Bayern München 2:1 (0:0)

Vom Rande des Abgrunds zum späten Triumph

von Einzelkritik 14. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Bayern München 2:1 (0:0)

Aufgereiht Jubeln - Stefan Lainer, Nico Elvedi und Ramy Bensebaini (Foto: TORfabrik.de)

Borussia Mönchengladbach wackelte gegen Bayern München, fand aber beachtenswerterweise in die Spur und sicherte sich letztlich einen glücklichen, aber nicht unverdienten Heimsieg über den Rekordmeister. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Ein turbulenter Nachmittag für den Keeper, der bei den Chancen von Müller und Lewandowski (2) keine Abwehrmöglichkeit hatte - doch die Bayern zielten daneben. Nach dem verdeckten Schuss von Müller lenkte Sommer den Ball mit einer super Parade um den Pfosten. Kurz darauf rutschte ihm der leicht abgefälschte Schuss von Kimmich unter dem Knie hindurch, ehe er sich blitzschnell drehte und den Ball mit dem ‘E.T.-Finger’ noch auf der Linie stoppte. Wäre er drin gewesen, hätte auch noch eine Überprüfung durch den VAR stattfinden müssen, weil mindestens ein Münchener im Abseits stand und Sommer die Sicht versperrte. Nach der Pause verschätzte sich Sommer bei einer Davies-Flanke. Beim Gegentor flatterte der Ball und Sommer stand auf dem falschen Fuß - dennoch muss er den Treffer auf seine Kappe nehmen. In der Schlussphase klärte er gemeinsam mit Zakaria in höchster Not gegen Kimmich. Bei seinen Pässen und Abschlägen mit gewisser Streuung. Zwei Bälle landeten im Seitenaus, dafür brachte er einen Abschlag im ‘argentinischen Stil’ perfekt zum Mitspieler. Note 3,0.

Stefan Lainer: Hatte zu Beginn einige Mühe mit Coman und gestattete dem Franzosen mehrfach, den Ball in den Strafraum zu bringen. Nach zwanzig Minuten, als Tolisso raus musste und Perisic kam, rückte Coman auf die andere Seite. Gegen Perisic bekam Lainer etwas besseren Zugriff. Nach einem gelungenen Haken gegen Perisic folgte ein uninspirierter langer Ball ins Nichts, wenig später zog Lainer eine Flanke zu nah vors Tor. In der zweiten Halbzeit hatte er Glück, dass ein Tritt gegen Davies nicht mit der 5. Gelben Karte geahndet wurde. Etwas später wurde Lainer von Perisic ausgespielt, bekam dabei den Arm des Kroaten ins Gesicht und holte sich eine blutige Nase. Vom läuferischen Einsatz her war es wie immer in Ordnung, in Bezug auf Zweikampfverhalten und Offensivaktionen hat man Lainer schon deutlich stärker gesehen. Note 4,0.

Matthias Ginter: Zurück nach seiner Verletzungspause und ohne jegliche Anpassungsprobleme. Er war direkt mehrfach gefordert. So griff er sauber gegen Lewandowski ein und bekam trotzdem einen Freistoß gegen sich gepfiffen, aus dem der Pole fast getroffen hätte. Ginter räumte viele Flanken der Bayern souverän per Kopf ab. Vor dem Müller-Schuss, den Sommer um den Pfosten lenkte, köpfte er dem Bayern den Ball allerdings genau vor die Füße. Im Passspiel ordentlich und richtigerweise auch mal mit ein paar langen Bällen. Zweimal spielte er im Aufbau gefährlich den gedeckten Mitspieler (Stindl, Hofmann) in der Mitte an. Im Verlauf der zweiten Halbzeit verteidigte Borussia insgesamt höher und Ginter schob sich einige Male gut vor den Gegenspieler. So stand sein energischer Ballgewinn an der Basis des Angriffs, der zur Ecke vor dem 1:1 führte. In der Schlussphase spielte er noch einen Sahnepass auf Lainer auf der rechten Seite. Note 3,0.

Nico Elvedi: Gemeinsam mit Ginter gerade vor der Pause im Abwehrzentrum viel beschäftigt. Auch er musste bei den zahlreichen Flanken der Münchener oft in Luftkämpfe. Elvedi lieferte sich ein Laufduell mit Coman, bei dem er zunächst Sieger blieb, doch als Coman eher zufällig doch noch den Ball sichern konnte, hatte Elvedi schon abgeschaltet. In der zweiten Halbzeit rückte auch Elvedi weiter raus und ging energisch in die Zweikämpfe. Dabei zeigte er sich standhaft im Infight mit Lewandowski und kam ohne Foulspiel aus. Im Passspiel um Risikovermeidung bemüht und nahezu fehlerlos. Vorne tauchte er nach einer Freistoßflanke von Herrmann gefährlich am langen Pfosten auf. Note 3,0.

Ramy Bensebaini: Wurde durch seinen Kopfball - bei dem er sich gut frei lief und mit Präzision wuchtig abschloss - sowie den verwandelten Foulelfmeter in der Nachspielzeit zum Mann des Tages. Dass er beim Strafstoß keine Nerven zeigte, ist dem Algerier hoch anzurechnen. Aufgrund der Tatsache, dass Neuer in der Ecke war, bedurfte es eines perfekt geschossenen Elfmeters, den Bensebaini lieferte. Darüber hinaus hatte der Linksverteidiger vor allem im ersten Durchgang so seine Probleme. Beim Lupferfreistoß auf Lewandowski schlief er und als Coman auf Benseabainis Seite wechselte, geriet er einige Male ins Hintertreffen. So bereitete Coman die Müller-Chance vor, nachdem er Bensebaini ausgespielt hatte. Läuferisch und vom Einsatz her war es tadellos, was er lieferte. Im Verlauf der Partie zeigte er einige technisch feine Ballannahmen, denen er dynamische Antritte folgen ließ. Vier Minuten vor Schluss hatte Bensebaini eine weitere Kopfballchance. Note 3,0.

Denis Zakaria: Bekam als alleiniger Sechser in der ersten halben Stunde überhaupt keinen Zugriff. Er konnte nur hier und da versuchen, herum zu stochern. Bei Ballbesitz der Bayern konnte er nicht vorrücken, weil sich Lewandowski zurückfallen ließ und Zakaria damit band. So gab es im Zentrum für die Bayern viel Raum, sich aus dem Pressingansatz der Borussen heraus zu kombinieren. Nach der Umstellung auf 4-2-3-1 nach 30 Minuten bekam Zakaria mit Hofmann an seiner Seite etwas mehr Stabilität, auch wenn er sich einmal den Ball von Lewandowski abluchsen ließ. Vor dem Pausenpfiff bekam er im eigenen Strafraum einen Schuss von Perisic an den angelegten Ellenbogen - zum Glück wurde die Handspielregel in diesem Fall vernünftig ausgelegt. Beim Gegentor ließ sich Zakaria von Müller vor dem Zuspiel auf Perisic etwas einfach verladen. Als die Borussen danach aktiver wurden und schließlich das Heft in die Hand nahmen, wurde auch Zakaria auffälliger. Er rettete in höchster Not gemeinsam mit Sommer gegen Kimmich und eroberte mehrfach stark den Ball. Zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit sah er für ein Foul an Müller die 5. Gelbe Karte und fehlt damit in Wolfsburg. Note 4,0.

László Bénes: Als rechter ‘Achter’ in der Raute aufgeboten, sollte Bénes beim Anlaufen auf den gegnerischen Linksverteidiger - in diesem Fall Alfonso Davies - gehen. Das machte Bénes auch, allerdings zu forsch. Er erwischte den Münchener mit gestrecktem Bein und sah eine berechtigte Gelbe Karte. Im Nachlauf forderten einige Experten sogar eine Rote Karte, was jedoch übertrieben gewesen wäre. Dennoch schränkte die frühe Verwarnung (6. Minute) Bénes sichtlich ein. Er bekam keinen Zugriff auf den flinken Davies und kam selbst nicht zur Entfaltung, weil er schnell attackiert wurde. Mit der Umstellung auf 4-2-3-1 rückte Bénes in die Mitte der offensiven Dreierreihe, bekam hier etwas mehr Spielanteile und lieferte auch das Zuspiel auf Plea zum ersten Torschuss. Zudem besetzte er nun den Raum, in dem Thiago zuvor viele Freiheiten hatte. Allerdings blieb Bénes in seinen Aktionen fehlerbehaftet. Beim Gegentor schaltete er komplett ab und schaute nur zu, obwohl er zumindest in Nähe von Perisic hätte laufen können. Nach 58 Minuten wurde er durch Embolo ersetzt. Note 4,5.

Jonas Hofmann: Spielte links in der Mittelfeldraute und lief zunächst meist vergeblich den Bayern hinterher. Sein Klärungsversuch wurde zur Vorlage bei der ersten großen Bayern-Chance, vor dem ‘Sommer-Finger’ wurde er von Kimmich sehr einfach überspielt. Nach dem Systemwechsel rückte er als Sechser neben Zakaria. Hier griffiger und direkt nach der Pause mit zwei starken Balleroberungen. Allerdings führte er bei der Entstehung des 0:1 auch einen Alibi-Zweikampf gegen Lewandowski und trabte dann sehr langsam und ziellos mit zurück. Seine gut getretene Ecke verwertete Bensebaini zum Ausgleich. Als Borussia mehr und mehr die Initiative übernahm, war Hofmann ein wichtiger Faktor. Er sammelte schlau die Bälle ein, verteilte sie kontrolliert und mit Auge und zeigte sich nun auch widerstandsfähig im Zweikampf. Dazu machte er weiterhin weite Wege und war der laufstärkste Borusse. Sah Gelb für ein notwendiges taktisches Foul nach eigenem Ballverlust. Note 3,5.

Lars Stindl: Begann als zentraler offensiver Mann der Mittelfeldraute. Der Kapitän lief von Beginn an unermüdlich die Bayern an, doch meist ohne Erfolg. Bei eigenem Ballbesitz unterliefen Stindl mehrfach Ungenauigkeiten, einige Verlagerungsversuche misslangen. Nach der Umstellung spielte Stindl zunächst zentral vorne drin, wobei er sich wie gewohnt immer wieder fallen ließ. Nach der Einwechslung von Embolo rückte er wieder eine Position zurück und stellte hier Thiago kalt. Obwohl im Kombinationsspiel weiterhin Sand im Getriebe war, steckte Stindl nie auf und war in kämpferischer Hinsicht absolut vorbildlich. In einer Szene entschied er sich trotz Abspieloptionen für einen Schuss, der geblockt wurde. Einen Ball von der rechten Seite setzte er knapp am langen Pfosten vorbei. In der 85. Minute räumte er das Feld für Raffael. Note 4,0.

Alassane Plea: Startete als zweite Spitze neben Thuram, konnte sich aber kaum in Szene setzen. Er verstolperte einen Ball, den er ›geschenkt‹ bekam und nach einer Balleroberung von Thuram gab es zwischen Stindl und Plea ein Missverständnis. Im Laufduell gegen Alaba auf den ersten Metern sehr schwerfällig, so als ob er im Treibsand starten müsse. Nach einer halben Stunde rückte Plea in der nun formierten offensiven Dreierreihe auf die rechte Seite. Von hier aus mit dem ersten Gladbacher Torschuss in der 41. Minute, der für Neuer kein Problem darstellte. Nach der Pause mit einer guten Flanke auf Thuram und zwei, drei weiteren gelungenen Aktionen. Bekam dann in der eigenen Hälfte von Lewandowski einen Tritt in die Achillessehne und wurde nach 64 Minuten durch Herrmann ersetzt. Note 4,0.

Marcus Thuram: War offensiv der auffälligste Borusse, wobei er zwar einmal den Ball gut gegen Alaba eroberte, sich aber auch mehrmals festlief. Einmal rannte er in Boateng rein, der ihn jedoch förmlich abprallen ließ. Dennoch blieb Thuram dran und zog unermüdlich seine Läufe an. Vor allem nach der Pause kam er mit mehreren Dribblings durch, doch der Abschluss oder letzte Pass blieben aus. Zehn Minuten vor dem Ende wirkte Thuram platt, aber er biss sich durch und holte schließlich in der Nachspielzeit den Elfmeter heraus. Dabei hatte er nach dem eigentlich missglückten Zuspiel von Herrmann schon kurz gestockt, zog dann aber nochmal an, nachdem Kimmich den Ball unkontrolliert verlängerte. Martinez setzte die Panikgrätsche mit beiden Beinen voraus an und Thuram nahm das Angebot dankend an. Note 3,5.

Breel Embolo: Kam nach knapp einer Stunde für Bénes und ging vorne rein, während Stindl die Bénes-Position übernahm. Embolo war zwei Minuten auf dem Feld, da erzielte Bensebaini den Ausgleich. Die Borussen bekamen Rückenwind, auch weil Embolo mit seinen wuchtigen Vertikalläufen die bayerische Defensivreihe ein ums andere Mal in Verlegenheit brachte. Embolo bereite die Stindl-Chance gut vor, hätte dort allerdings am zweiten Pfosten energischer hingehen sollen. Ohne Note.

Patrick Herrmann: Ersetzte in der 64. Minute den angeschlagenen Plea und köpfte unmittelbar darauf nach Hofmann-Freistoß fast das 2:1. Herrmann brachte Schwung, seine direkte Weiterleitung auf Stindl war perfekt. Die Elfmetersituation leitete er mit einem Sprint mit Ball à la Matthäus ein. Der Pass in Richtung Thuram war allerdings nicht gut, doch glücklicherweise machte Kimmich den Ball nochmals scharf. In der Nachspielzeit rettete Herrmann mit einem wichtigen Block gegen Davies. Ohne Note.

Raffael: Wurde fünf Minuten vor dem Ende für Stindl eingewechselt. Bei seinem ersten Solo-Ansatz wurde Raffael von Lewandowski gelegt, der dafür Gelb sah. Mit seinem subtilen Zuspiel (Touch des Tages) auf Herrmann nach Einwurf von Lainer stand er an der Basis des Angriffs zum 2:1. Ohne Note.

 


von Redaktion TORfabrik

 

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