Einzelkritik 12. Spieltag: 1.FC Union Berlin - Borussia Mönchengladbach 2:0 (1:0)

Die letzte Entschlossenheit fehlte den Borussen

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Patrick Herrmann hatte die größte Chance der Borussia - sein Kopfball landete am Pfosten.

Das 0:2 bei Union Berlin sollte Borussia Mönchengladbach nicht aus der Bahn werfen. Allerdings wurde deutlich, dass man es sich nicht erlauben kann, auch nur mit einem Hauch weniger Entschlossenheit zu Werke zu gehen. Der fehlende Punch vor dem gegnerischen Tor war ausschlaggebend für die Niederlage. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Bei beiden Gegentoren war Borussias Schlussmann machtlos, beim Pfostenschuss konnte er ebenfalls nur hinterherschauen. Ansonsten wurde Sommer noch zweimal geprüft - den Schuss von Andersson nach der Pause sicherte er im Nachfassen. Eine Flanke pflückte er problemlos. Bei seinen Abschlägen sehr linkslastig, entweder auf den freien Wendt oder den gedeckten Thuram. Ein Versuch über die rechte Seite landete im Seitenaus. In der zweiten Halbzeit beteiligte sich Sommer mehrfach außerhalb des Sechzehners an der Ballzirkulation im Spielaufbau. Note 3,0.

Stefan Lainer: In der Anfangsphase auffällig im Spiel nach vorne und mit der schönen Flanke zur Kopfballchance von Thuram, nachdem er sich zuvor durchgewuselt hatte. Beim Gegentor konnte er Ingvartsen, der in seinem Rücken gestartet war, nicht entscheidend folgen, um die Flanke zu unterbinden. Danach mit mehreren überhasteten Aktionen, die zu Ballverlusten führten. Auch im Zusammenspiel mit Herrmann fehlte es einige Male an Präzision. Besonders Lainers Flankenversuche und Hereingaben nach der Pause wirkten kopflos und verpufften nahezu vollständig. Die Einsatzbereitschaft stimmte wie immer, doch die Umsetzung ließ diesmal zu wünschen übrig. Note 4,0.

Matthias Ginter: War der Akteur mit den meisten Ballkontakten. Im Aufbauspiel machte es Ginter solide, wenn auch mit einiger Streuung. Immerhin versuchte er ab und an, mit einem langen Ball oder einem etwas riskanteren Pass etwas zu forcieren. Defensiv wackelte er gefühlt mehrfach bei hohen Bällen und bei zwei, drei Strafraumaktionen der Unioner. Doch wirklich anbrennen ließ Ginter nichts. Beim 0:1 rückte er zunächst raus in Richtung Flankengeber Ingvartsen, um dann doch im Halbraum zu bleiben, wodurch die Staffelung im Zentrum nicht mehr vorhanden war. Note 3,5.

Nico Elvedi: Eine grundsolide Partie des Schweizers bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung nach einer Stunde. Zu Beginn der zweiten Halbzeit zog er sich bei einer Grätsche gegen Ujah eine Verletzung zu, die ihn etwas später zum Aufgeben zwang. Bis dahin im Passspiel sehr sicher, allerdings beschränkte er sich fast ausschließlich auf den sicheren Kurzpass. In zwei Situationen zog er mit Ball über die Mittellinie. Beim 0:1 ohne Schuld - er war in der Mitte bei Andersson. Note 3,0.

Oscar Wendt: War aktiv, hatte über 100 Ballkontakte und zog die meisten Sprints auf Gladbacher Seite an. Eine Flanke in Richtung Herrmann war gut, ein Freistoß aus dem Halbfeld geriet zu kurz. Zwei oder drei Duelle entschied er mit Cleverness für sich, in mehreren Zweikämpfen fehlte jedoch die Bissigkeit. Beim Gegenangriff zum 0:1 schätzte der Schwede die Situation falsch ein. Er hatte Ujah die ganze Zeit im Blick und es wäre möglich gewesen ihn zu stellen, wenn Wendt den Sprint durchgezogen hätte. So aber konnte Ujah ungestört durchlaufen und einköpfen. Note 4,0.

Christoph Kramer: Auf der Sechserposition neben Zakaria begann Kramer auffällig, seine erste Aktion war eine gelungene Balleroberung. Er war sehr umtriebig mit seinen Läufen, schaltete aber bei der Entstehung des 0:1 einen Tick zu spät. Als der Pass in den Rücken von Lainer gespielt wurde, hätte Kramer eigentlich auf den Flankengeber gehen müssen, doch er brach den Lauf dorthin ab - wohl weil er es sich vom Tempo her nicht zutraute, Ingvartsen zu erreichen - und orientierte sich stattdessen nach innen in den leeren Raum. Bei der Aktion vor dem Pfostenschuss der Berliner kam Kramer - auch behindert durch den im Weg stehenden Schiedsrichter - erneut zu spät und legte letztlich noch unglücklich per Kopf für den Schützen auf. Im weiteren Verlauf mit einigen guten Ballergewinnen, aber auch Unsauberkeiten bei der Ballbehandlung. Eine ›Lupferflanke‹ von der Grundlinie fand keinen Abnehmer. Zum Ende der Partie ging Kramer deutlich die Puste aus. Note 3,5.

Denis Zakaria: Hatte in der sechsten Minute die erste Torchance der Partie, als er den Ball am Sechzehner stark annahm und nur knapp am Tor vorbei zielte. Danach bei der Entstehung des 0:1 involviert, als er ein Zuspiel von Plea nicht kontrollieren konnte und so der Berliner Umschaltangriff ermöglicht wurde. Insgesamt war Zakaria trotz vieler Ballkontakte und einer Passquote von 90% nicht so auffällig wie zuletzt. Seine Antritte aus der Tiefe gab es nur im Ansatz, lediglich einmal Mitte der zweiten Halbzeit preschte er länger mit Ball am Fuß nach vorne. Mit regulierenden Klärungsaktionen und mehreren Ballgewinnen aus dem Tempo in der Rückwärtsbewegung heraus war Zakaria defensiv eminent wichtig. Note 3,5.

Florian Neuhaus: Zentral im Mittelfeld aufgeboten, bereitete er mit einem gewonnenen Kopfballduell am Strafraum die Schusschance von Zakaria vor. Später stand er mit einem Ballgewinn und dem ersten Pass an der Basis des Angriffs zur Großchance von Plea, doch ansonsten lief das Spiel weitestgehend an Neuhaus vorbei. Er war zwar viel unterwegs, wirkte aber oft fahrig und unklar in seinen Aktionen. Letztlich kam Neuhaus in einer knappen Stunde Spielzeit auf gerade einmal 29 Ballaktionen - sehr wenig für einen zentralen Mittelfeldspieler. Als ihm nach dem Seitenwechsel ein Fehlpass unterlief und er kurz darauf zögerlich einen Zweikampf verlor, wurde die Auswechslung eingeleitet. Stindl ersetzte Neuhaus nach 58 Minuten. Note 4,5.

Patrick Herrmann: Hatte in der Anfangsphase zwei gute Gelegenheiten: Zunächst stand er nach feinem Pass von Plea halbrechts im Strafraum relativ frei, sein misslungener Lupfer konnte von Subotic problemlos geklärt werden. In der 12. Minute landete sein Kopfball nach Plea-Flanke am Pfosten. Eigentlich hatte Herrmann, der nun wahrlich kein Kopfballexperte ist, alles richtig gemacht - da war viel Pech im Spiel. Auch wenn er sich im weiteren Verlauf einige Male nicht durchsetzen konnte, blieb Herrmann ein Unruheherd. Überragend sein Zuspiel aus zentraler Position auf Plea zu dessen Großchance. Nach dem Seitenwechsel fehlte häufiger die Präzision im Zusammenspiel mit Lainer. In der Schlussphase schwanden bei Herrmann sichtlich die Kräfte - auch deshalb war der Abschluss nach einem tollen Strobl-Pass schwach. In der letzten Viertelstunde, nach der Auswechslung von Thuram, kam er über die linke Seite. Note 3,0.

Alassane Plea: War zu Beginn gut im Spiel und brachte Herrmann mit einem perfekten Pass in Position. Kurz darauf flankte er mustergültig auf Herrmann zu dessen Pfostenkopfball. Vor dem Gegentor war es der etwas unsauber gespielte Ball von Plea zu Zakaria, der Union den Umschaltangriff ermöglichte. Danach gefiel Plea durch einige gute Weiterleitungen. Weniger gut sein Zweikampfverhalten, als er sich mehrfach sehr einfach abkochen ließ. Er hatte dann die Riesenchance zum Ausgleich nach Zuspiel von Herrmann, als er den Ball zunächst stark mitnahm und dann alleine aufs Tor zulief. Der Abschluss mit rechts war jedoch sehr schwach. Danach war Plea sichtlich frustriert und haderte, auch weil der Schiedsrichter fast alles laufen ließ, wenn Plea zu Boden ging. Im zweiten Durchgang konnte sich Plea nicht mehr in Szene setzen und blieb ohne weiteren Abschluss. Note 4,0.

Marcus Thuram: Startete mit einem guten Lauf über halblinks, verhaspelte sich jedoch. Nach zehn Minuten hatte Thuram eine richtig gute Kopfballchance nach Flanke von Lainer, doch er traf den Ball nicht optimal, so dass Berlins Keeper halten konnte. Thuram wurde immer wieder von Sommer mit den Abschlägen auf die linke Seite gesucht, doch nur selten vermochte er den Ball gegen die bissigen Unioner zu behaupten. Richtig gut gelang das in der 12. Minute, als Thuram den Ball festmachte und Plea bediente, der wiederum zum Pfostenkopfball von Herrmann servierte. Danach rieb sich Thuram auf, blieb aber weitestgehend wirkungslos. Nach der Pause wirkte er zusehends schwerfälliger und müde, so dass sich die Unkonzentriertheiten häuften. Ein Distanzschuss von der linken Seite war sehr optimistisch und flog weit am Tor vorbei. Nach 78 Minuten wurde er durch Embolo ersetzt. Note 4,5.

Lars Stindl: Kam in der 58. Minute für Neuhaus und ersetzte diesen positionsgetreu. Stindl war zwar deutlich präsenter als Neuhaus und kombinierte einmal stark mit Plea, doch unterliefen ihm auch einige Fehlpässe im Aufbau. Mehrere kluge Weiterleitungen unterstrichen Stindls Spielverständnis, gleichzeitig wurde bei einigen Aktionen sehr deutlich, dass ihm noch eine Menge Spritzigkeit und Dynamik fehlt. In den Schlussminuten sah er Gelb für ein taktisches Foul. Ohne Note.

Tobias Strobl: Musste nach einer Stunde kurzfristig für den verletzten Elvedi aufs Feld und übernahm dessen Position in der Innenverteidigung. Dabei hinterließ Strobl einen ausgezeichneten Eindruck. Er war sehr stabil und abgeklärt in den direkten Duellen, die er alle für sich entschied. Am Ball strahlte er sehr viel Ruhe aus und mit mehreren starken langen Pässen war er eine deutliche Bereicherung im Aufbauspiel. Nur vor dem 0:2 stimmte Strobls Timing nicht, als er rausrückte, aber deutlich zu spät kam, um das Anspiel auf Assistgeber Ryerson zu verhindern. Ohne Note.

Breel Embolo: Kam für Thuram in den letzten zwölf Minuten. Begann mit einem sehenswerten ›Bierdeckel-Dribbling‹ gegen drei Unioner, kam danach aber nicht mehr zum Zuge. Nur bei einer Aktion, als er gut mit nach hinten arbeitete, fiel er auf. Ohne Note.

 


von Redaktion TORfabrik

 

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