Einzelkritik 33. Spieltag: SC Paderborn - Borussia Mönchengladbach 1:3 (0:1)

Ein Pflichtsieg bringt Borussia ganz nah ans Ziel

von Einzelkritik 33. Spieltag: SC Paderborn - Borussia Mönchengladbach 1:3 (0:1)

Die endgültige Entscheidung - Lars Stindl erzielt das 3:1 (Foto: Poolfotos / Dirk Paeffgen)

Letztlich war der 3:1-Erfolg von Borussia Mönchengladbach beim Absteiger SC Paderborn souverän. Ein lockerer Spaziergang zum Pflichtsieg war es allerdings nicht. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Ein relativ ruhiger Nachmittag für den Goalie, obwohl Paderborn durchaus einiges nach vorne unternahm. Allerdings kam nur ein Schuss wirklich gefährlich auf den Kasten und der war drin. Der Ball von Sven Michel war so gut platziert, dass Sommer keine Abwehrchance hatte. Ansonsten gab es drumherum ein paar kleinere Aufgaben für Borussias Keeper, die er ohne Probleme löste. Am Ball war er gewohnt sicher, nur nach einem Rückpass von Jantschke im ersten Durchgang geriet Sommer in leichte Bedrängnis und zehn Minuten vor Schluss hatte er etwas Glück bei einer Klärungsaktion gegen Mamba. Note 3,0.

Stefan Lainer: Startete sehr bissig in die Partie, hatte aber auch ein paar kleinere Schwierigkeiten. So passte er in der ersten halben Stunde zweimal unbedrängt ins Seitenaus und wirkte am Ball hier und da etwas hektisch. Gegen den Ball vor der Pause mit einem wichtigen Block und einer guten Klärungsaktion. Der Österreicher lieferte sich einige griffige Duelle mit dem schnellen Antwi-Adjei. Kurz vor dem Seitenwechsel rutschte ihm bei einer Flanke der Ball über den Fuß und landete weit im Aus. Im zweiten Durchgang zunächst mit ordentlichem Vorwärtsdrang, ehe er sich nach der Führung und in Überzahl zurücknahm und das Spiel klug mit abwickelte. Note 3,0.

Matthias Ginter: Der Abwehrchef erledigte seinen Job unaufgeregt. Paderborn zeigte sich einige Male gefällig am und im Gladbacher Strafraum, doch Ginter behielt zuverlässig die Ruhe. Zweimal blockte er Schussversuche gut weg, auch in der Luft gab er sich keine Blöße. Im Spielaufbau mit hoher Passsicherheit und auch dem Versuch, den langen Ball zu spielen. Mit einem wunderbaren Diagonalpass auf Bensebaini stand Ginter an der Basis des dritten und entscheidenden Treffers. Lediglich beim Ausgleichstor sah er nicht gut aus, als er offensichtlich die Dynamik beim Doppelpass des Torschützen Michel unterschätzte und nicht mehr störend eingreifen konnte. Note 3,0.

Tony Jantschke: Der Vertreter von Elvedi zeigte sich wie erwartet zuverlässig und gelassen. In den direkten Duellen schnappte er zu, auch wenn er einmal mit einer Grätsche deutlich zu spät kam und dafür Gelb sah. Beim Gegentor konnte er gemeinsam mit Ginter nicht mehr rechtzeitig reagieren. Am Ball machte es Jantschke über weite Strecken solide. Ausnahmen bildeten ein etwas zu kurzer Pass auf Sommer, ein Fehlpass unter Bedrängnis mit links zum Gegner und ein weiter Pass ins Nichts nach einer guten halben Stunde. Zehn Minuten vor dem Ende unterschätzte Jantschke das Tempo von Mamba in seinem Rücken - Sommer klärte letztlich. Note 3,5.

Ramy Bensebaini: Nach seiner Gelbsperre wieder zurück in der Startelf und sehr umtriebig in den ersten Minuten auf dem Weg nach vorne. Als sich das Spiel beruhigte und Paderborn sich zeigte, hatte Bensebaini hinten einiges zu tun. Kurz vor der Pause verschätzte er sich beim Herausrücken in Richtung Ball und musste dann hinter seinem Gegenspieler her. Die Situation konnte er letztlich nur mit einem Foul unterbinden, für das er die sechste Gelbe Karte sah. Nach der Pause in der Druckphase war Bensebaini wieder eifrig mit dabei, später war er zweimal als wirkungsvoller Abräumer im eigenen Strafraum gefragt. Seine Qualitäten kamen beim dritten Tor zum Tragen, als er durchstartete und den feinen Diagonalball von Ginter direkt als Kopfballflanke in die Mitte brachte, die Stindl letztlich verwertete. Sechs Minuten vor dem Ende machte Bensebaini Platz für Wendt. Note 3,0.

Christoph Kramer: Eine wie gewohnt fleißige Vorstellung (11,23 km) des Sechsers, der unermüdlich arbeitete und mehrmals Bälle resolut eroberte. Bei den Pressingsituationen schob er gut mit an, ohne übertrieben zu attackieren. Am Ball mit einigen guten und schnellen Weiterleitungen - so wie vor dem Distanzschuss von Neuhaus in der ersten Halbzeit. Kurz vor dem Pausenpfiff unterlief Kramer ein technischer Fehler - Neuhaus bügelte die Situation aus. Nach dem Seitenwechsel mit einem Distanzschuss, der über das Tor flog. Note 3,0.

Florian Neuhaus: Vor allem im ersten Durchgang mit einem auffällig starken Spiel. Er initiierte aus der Tiefe viele Angriffe, u.a. kam das Anspiel auf Stindl vor dem 1:0 von ihm. Neuhaus überzeugte mit Balleroberungen, behauptete sich auch gegen mehrere Gegenspieler mit Geschick und Robustheit und gestaltete das Vertikalspiel mit gutem Auge und einer großen Passsicherheit. Ein Distanzschuss fast aus dem Stand flog knapp über den Kasten, nach der Pause ein weiterer deutlicher drüber. Weitere Schussversuche blieben hängen oder waren nicht scharf genug - an seinem Abschluss kann Neuhaus noch einiges verbessern. Ansonsten aber mit einer tadellosen Leistung und einem immensen Laufpensum (11,06 km). Vor dem dritten Tor war Neuhaus gut mitgelaufen, verpasste die Hereingabe von Bensebaini jedoch knapp - zum Glück reagierte Stindl vortrefflich. Note 2,0.

Patrick Herrmann: Erzielte nach vier Minuten den Führungstreffer, als er beim Rebound nach dem abgewehrten Embolo-Schuss schnell reagierte und aus spitzem Winkel vollendete. Danach teilweise wie aufgedreht unterwegs, allerdings hier und da zu hektisch. So unterlief ihm in guter Position ein technischer Fehler, womit er sich eine Chance zunichtemachte. Dafür war Herrmann auch in der Rückwärtsbewegung fleißig und eroberte einige Male mit aufmerksamen Zugriff den Ball. In der Drangphase nach Wiederanpfiff setzte Herrmann den Ball mit einer Grätsche, als er eifrig nachsetzte, an den hinteren Pfosten. Kurz darauf versuchte er den Ball nach Neuhaus-Pass von halbrechts über den Paderborner Keeper zu ballern, doch dieser warf sich dazwischen. Eine gute Viertelstunde vor Schluss wurde er von Traoré abgelöst. Note 3,0.

Lars Stindl: War von Beginn an auf Betriebstemperatur und sorgte mit seinem überragenden Direktpass auf Embolo für die Entstehung des 1:0. Als Ballverteiler mit Rücken zum Tor zeigte er Übersicht und Klasse, dazu eroberte mit einer großen Portion Giftigkeit mehrfach den Ball und setzte das Spiel schnell fort. Eine solche Aktion von Stindl ging u.a. der Großchance von Embolo im ersten Durchgang und dem Distanzschuss von Neuhaus voraus. Er ackerte im Mittelfeld, hielt im Zweikampf dagegen und teilte auch mal aus. Unmittelbar nach dem Ausgleich musste er einstecken - der Tritt von Hünemeier brachte den Elfmeter, den Stindl - wie schon im Hinspiel gegen Paderborn - sicher verwandelte. Kurz darauf hatte er Pech, als er im Strafraum den Ball nicht kontrollieren konnte, worüber er sich sichtlich ärgerte. Mit einem Kopfball am kurzen Pfosten nach einer Ecke scheiterte er an Paderborns Keeper, dem er kurz darauf jedoch keine Chance ließ. Beim 3:1 vollendete Stindl konsequent. Das war nicht ganz so einfach, denn die Reaktionszeit war kurz, nachdem Neuhaus den Ball verpasst hatte. Unmittelbar nach seinem Treffer machte Stindl Platz für Bénes. Note 2,0.

Jonas Hofmann: Sehr agil und gewohnt laufstark (11,17 km). Hofmann war viel in Aktion, leistete sich dabei jedoch die eine oder andere Unsauberkeit. Dadurch brachte er sich in der Anfangsphase um eine gute Chance, etwas später ‘killte’ er einen vielversprechenden Konter mit einem missglückten Anspiel in Richtung Neuhaus oder übertrieb es mit einem Hackentrick an der Außenlinie. Einige Assists hätte Hofmann dennoch sammeln können, u.a. bediente er Embolo vor dessen Großchance im ersten Durchgang, seine gute scharfe Hereingabe nach der Pause verwertete Embolo ebenfalls nicht und der Pass auf den Schweizer vor der Szene, die zur Gelb-Roten Karte führte, war Weltklasse. Dazu war Hofmann als emsiger und intuitiver Balleroberer wertvoll. Bemerkenswert sein Vollsprint in den Strafraum beim Elfmeter von Stindl - einen möglichen Abpraller hätte Hofmann erwischt. Richtig stark war sein direkter Freistoß nach 15 Minuten, bei seinem Kunstschuss in der Schlussphase fehlte dagegen einiges. Note 2,5.

Breel Embolo: Begann mit einem Annahmefehler in guter Position, wenig später war er nach Stindl-Pass auf dem Weg zum 1:0. Doch mit seinem Rechtsschuss scheiterte Embolo am Keeper - zum Glück verwertete Herrmann den Rebound. Bei seiner Großchance in der 25. Minute nach Zuspiel von Hofmann wollte es Embolo zu schön machen und den Ball in den Winkel zirkeln - ein Querpass auf Stindl wäre eine Option gewesen. Der Schweizer brachte zwar viel Wucht auf den Platz, beim Abschluss fehlte jedoch der Punch. So war seine Direktabnahme nach der scharfen Hereingabe von Hofmann kurz nach dem Seitenwechsel nicht platziert genug, in der Schlussphase brachte sich Embolo durch eine falsche Bewegung im Sechzehner selbst um eine Großchance. Herausragend jedoch die Aktion, als Hünemeier ihn im Laufduell zu Boden riss und er blitzschnell wieder auf den Beinen war und abschloss. Diese Dynamik war klasse - leider hatte der Torwart noch die Finger am Ball und verhinderte das Tor. Immerhin sah Hünemeier in dieser Szene Gelb-Rot. In der Schlussminute ging Embolo für Müsel vom Platz. Note 3,5.

Ibrahima Traoré: Kam in der 74. Minute für Herrmann in die Partie. Er hatte noch ein paar Dribblingansätze und spielte einige ordentliche Pässe, ohne sich nachdrücklich in Szene setzen zu können. Ohne Note.

László Bénes: Löste Stindl in der 74. Minute ab, brachte seine Pässe zum Mitspieler und erzielte ein wunderschönes Tor, das leider wegen einer Millimeter-Abseitsstellung nicht gegeben wurde. Ohne Note.

Oscar Wendt: Wurde sechs Minuten vor dem Ende für Bensebaini eingewechselt. Der Schwede brachte die punktgenaue Flanke zum Abseitstreffer von Bénes. Ohne Note.

Torben Müsel: Gab in der Schlussminute sein Kurzdebüt in der Bundesliga, als er für Embolo aufs Feld kam. Immerhin reichte es noch zu einer Ballberührung für den 20-Jährigen. Ohne Note.

 


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