Einzelkritik 27. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Bayer Leverkusen 1:3 (0:1)

Zu wenig klare Lösungen gegen einen starken Gegner

von Einzelkritik 27. Spieltag: Borussia Mönchengladbach - Bayer Leverkusen 1:3 (0:1)

Auch Lars Stindl konnte Kai Havertz nicht stoppen (Foto: Poolfoto/Fohlenfoto/Norbert Jansen)

Borussia Mönchengladbach musste sich Bayer Leverkusen mit 1:3 geschlagen geben. Trotz einer Steigerung nach der Pause fanden die Borussen zu wenig klare Lösungen gegen einen starken Gegner. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Hielt den Schuss von Demirbay sicher und bekam dann beim 0:1 den Ball durch die Hosenträger. Kein Vorwurf insoweit - Sommer musste herauskommen und hatte Pech. Er klärte per Fußabwehr gegen Bellarabi und hatte dann das Glück des Tüchtigen, als Havertz nur die Latte traf. Der Elfmeter war durchaus haltbar und Sommer war auch mit den Händen dran. Später musste er nach einem Diaby-Schuss noch eingreifen, was ihm keine Probleme bereitete. Als mitspielender Torwart einige Male eingebunden - spektakulär dabei seine sichere ›Karate-Annahme‹ bei einem hohen Rückpass. Note 2,5.

Stefan Lainer: In der ersten Halbzeit in seinem Offensivdrang sehr eingeschränkt, nach dem Seitenwechsel und der höheren Positionierung besser im Spiel. Hinten hatte Lainer ein paar gute ›Stochereroberungen‹ und er leistete effektive Störarbeit gegen Sinkgraven. Ein schöner Zirkustrick, als er früh unter Druck gesetzt wurde, war brotlose Kunst, weil ein Ballverlust die Folge war. Schulbuchmäßig ein Klasse-Tackling gegen Sinkgraven. Im zweiten Durchgang mit einem prima Stecklupfer auf Thuram. Im Passspiel und bei einigen anderen Situationen agierte Lainer nicht immer glücklich, aber er blieb aktiv und unermüdlich. Note 3,5.

Matthias Ginter: Keine einfache Partie für die Innenverteidiger, weil Leverkusen früh draufging, das Aufbauspiel störte und nach Ballgewinnen blitzschnell mit mehreren Spielern umschaltete. So wurde Ginter mehrfach in brenzlige Duelle verwickelt. Beim Dribbling von Demirbay misslang ihm ein Versuch, per Sense zu klären. Vor dem 0:1 konnte er Havertz` Sprint in die Tiefe nicht unterbinden. Im Aufbauspiel mit einiger Streuung, was auch dem Pressing des Gegners geschuldet war. Nach der Pause zunächst rechts in der Dreierkette, wo er einige Male mit aufrückte, aber gleichzeitig in der Rückwärtsbewegung gegen die schnellen Konterstürmer mit dem Feuer spielte. Als Strobl rausmusste, übernahm er dessen Position zentral in der Kette. Note 3,5.

Nico Elvedi: Obwohl er mit einem Spitzenwert von 35,2 km/h als schnellster Spieler der Partie gemessen wurde, waren die Leverkusener Angreifer für ihn in der einen oder anderen Situation zu schnell. So wurde er von Demirbay getunnelt und reagierte beim Pass von Bellarabi zum 0:1 nicht. Elvedi ließ sich im Zweikampf von Havertz abschütteln, rettete dann aber kurz vor der Pause vor der Torlinie gegen Demirbay und verhinderte das sichere 0:2. Nach dem Wechsel links in der Dreierkette spielend, verursachte er den Strafstoß. Nach dem Weltklassepass von Havertz mit dem Außenrist in den Lauf von Bellarabi war der Klärungsversuch notwendig, doch Elvedi rutschte dem Leverkusener nach dessen Schuss deutlich in die Parade. In dieser Situation kein Vorwurf an Elvedi - wohl aber beim entscheidenden dritten Tor für Leverkusen. Da ließ er sich anfängerhaft von Bender abkochen. Note 4,5.

Ramy Bensebaini: Leistete sich im ersten Durchgang einige Ungenauigkeiten, u.a. das etwas missratene Anspiel auf Strobl vor dem 0:1. In einer Situation ließ er sich von Bellarabi aus dem Stand heraus überlaufen. Im Spiel nach vorne in der ersten Halbzeit war er kein Faktor, lediglich nach dem Neuhaus-Schuss war Bensebaini fast als Rebounder erfolgreich. Nach der Umstellung zur Pause war er weiter vorne positioniert und hatte mehr Aktionen. Zu wild und überhastet war sein Schuss, nachdem er zuvor einen Abschlag von Hradecky abgefangen hatte. Bensebaini spielte einen guten Steilpass auf Thuram und kam nach Standards zu zwei Kopfbällen, denen allerdings die Präzision fehlte. Sah Gelb für ein hohes ›Störfoul‹, wobei seine bissigen Aktionen (u.a. gegen Weiser) insgesamt wirkungsvoll waren. Nach der Einwechslung von Wendt rückte Bensebaini links in die Dreierkette. Dort mit einer ›Messergrätsche‹ am Rande der zweiten Karte gegen Bailey, woraus der Freistoß zum 1:3 resultierte. Note 3,5.

Tobias Strobl: Sah vor dem 0:1 nicht gut aus, als er das unpräzise Anspiel von Bensebaini falsch einschätzte und den Ball nicht mehr kontrollieren konnte. Angesichts der hoch störenden Leverkusener hatte Strobl weder Zeit noch Raum, die Bälle in Ruhe zu verteilen. Wenn schnelles Direktspiel gefragt war, unterliefen ihm einige schwache Pässe. Nach einer gelungenen Balleroberung schob er sich mit einer flotten Einzelaktion nach vorne, lief sich aber letztlich fest. Ein Schuss aus der Distanz verfehlte das Tor deutlich. Nach der Pause rückte er in die Dreierkette zurück und kam dort besser zurecht, als zuvor als Sechser. Hier und da wurden zwar Schnelligkeitsdefizite deutlich, aber er klärte auch einige Male aufmerksam (u.a. vor Havertz). Nachdem er Diaby in einem Sprintduell ziehen lassen musste, wurde er angeschlagen ausgewechselt. Note 4,0.

Florian Neuhaus: Startete mit einer recht albernen Schwalbe in die Partie, fing dann aufmerksam einen Ball ab, setzte das Spiel aber mit einem Steilpass zum Gegner fort. Bei einer Umschaltaktion spielte er einen Pass ins Nichts. Neuhaus hatte den ersten Torabschluss, als er gut nach innen zog und mit dem Innenrist abschloss - Hradecky hatte Probleme. Nach der Pause zwar etwas besser und mit einigen guten Pässen (u.a. auf Plea), aber auch immer wieder mit Ungenauigkeiten. Neuhaus hatte die Großchance zum Ausgleich nach Hackenzuspiel von Thuram, doch er legte sich den Ball etwas zu weit vor. Note 4,0.

Jonas Hofmann: Vor einer Woche in Frankfurt noch sehr auffällig und mit einer starken Leistung, tauchte er diesmal komplett ab und war trotz eines großen Laufpensums nahezu unsichtbar. Lasche Pässe, eine ganz schwache Ecke und mehrere halbherzige Zweikampfaktionen - vor allem im ersten Durchgang enttäuschte Hofmann auf ganzer Linie. Nach der Pause wurde es zwar etwas besser, dennoch blieb er vieles schuldig. Als er in einer Szene klar gefoult wurde und sich deshalb im Liegen den Ball mit der Hand zu sich holte, bekam er unverständlicherweise keinen Freistoß, sondern ein Handspiel gegen sich gepfiffen. Note 4,5.

Breel Embolo: Störte gut gegen Havertz bei dessen Schussversuch, bekam jedoch vom Leverkusener dabei unabsichtlich einen Tritt auf die Ferse ab. Wenig später musste Embolo aufgrund dieser Blessur ausgewechselt werden. Ohne Note.

Marcus Thuram: Wirkte im ersten Durchgang auf der linken Seite sehr schwerfällig, konnte sich kaum lösen und lief sich bei seinen Dribblingversuchen meist fest. Auch defensiv keine allzugroße Hilfe für Bensebaini. Nach der Pause im Dreiersturm auf rechts deutlich besser im Spiel. Er startete mit einem schönen Solo und erzielte dann mit einem trockenen und technisch sauberen Schuss den Ausgleich. Zuvor hatte er den Angriff mit einer Brustablage auf Stindl selbst mit eingeleitet. Kurz nach dem Treffer lief er unter Bedrängnis auf den Torwart zu, konnte diesen aber nicht überwinden. Bei dieser Aktion wurde er von Dragovic gehalten und gezogen - was weder der Schiedsrichter vor Ort noch die Kollegen im Kölner Keller als Foul interpretierten. Mit einem überlegten Hackenzuspiel bereitete Thuram die Großchance für Neuhaus vor. In der 78. Minute machte er Platz für Wendt. Note 3,5.

Alassane Plea: War über die gesamte Spielzeit nicht so präsent wie gewohnt, lediglich 25 Ballaktionen sind für einen Fixpunkt im Gladbacher Offensivspiel sehr wenig (in Frankfurt waren es 47). Pleas beste Aktion war der wunderbare Pass auf Thuram vor dem 1:1. Danach erzielte er noch ein Abseitstor (wo der Assistent entgegen der üblichen Gepflogenheit noch vor dem Schuss die Fahne hob) und nach dem 1:3 hatte Plea noch zwei große Torchancen. Zunächst köpfte er nach Wendt-Flanke freistehend neben das Tor, dann scheiterte er mit einem wuchtigen Schuss an Hradecky. Note 4,0.

Lars Stindl: Kam bereits nach 12 Minuten für Embolo. Er war aktiv und hielt das Kombinationsspiel vor allem nach der Pause mit einigen gelungenen Pässen am Laufen. So setzte er Plea vor dem Ausgleich in Szene. Ein Schussversuch landete im Rücken von Sinkgraven. Überhaupt kam Stindl nicht wirklich in Abschlussposition. Er lieferte sich einige ›Kleinkämpfe‹ mit den Leverkusenern, konnte dem Spiel aber letztlich keine entscheidenden Impulse geben. Note 3,5.

Laszlo Bénes: Kam eine Viertelstunde vor Schluss für Strobl in die Partie. Einen Freistoß zirkelte Bénes ans Außennetz, kurz darauf war die Partie durch den dritten Leverkusener Treffer entschieden. Bénes wirkte umtriebig und könnte durchaus in Bremen eine Alternative für die Startformation sein. Ohne Note.

Oscar Wendt: Löste in der 78. Minute Thuram ab und sortierte sich im linken Mittelfeld ein, wo zuvor Bensebaini spielte, der wiederum in die Dreierkette rückte. Mit einer mustergültigen Flanke bereitete Wendt die Kopfballchance für Plea vor. Ohne Note.

 


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