Einzelkritik: Juventus Turin - Borussia Mönchengladbach 0:0

Eine reife Leistung

von Redaktion TORfabrik.de
Lars Stindl im Juventus Stadium (Foto: TORfabrik.de)

Lars Stindl im Juventus Stadium (Foto: TORfabrik.de)

Beim verdienten torlosen Remis bei Juventus Turin zeigte Borussia Mönchengladbach eine reife Leistung. Besonders die defensive Stabilität ist hervorzuheben. Alle Spieler stellten sich bedingungslos in den Dienst der Mannschaft.

Yann Sommer: Ein intensives Spiel für den Goalie, selbst wenn gar nicht so viele Bälle auf sein Tor kamen. Zunächst war er vor allem als Anspielstation für Rückpässe gefordert, wovon er manche gegen früh attackierende Angreifer so gerade noch weiterverarbeiten konnte. Sommer war sicher in der Luft bei hohen Bällen, zweimal faustete er nach Eckstößen. Nach der Pause mit starken Paraden bei einem Aufsetzer und dem scharf geschossenen Freistoß von Pogba. Vor dem Seitenwechsel hätte er in einer Situation möglicherweise energischer mit Christensen kommunizieren können, um ein ›Eigentor-Risiko‹ zu vermeiden. Note 1,5.

Julian Korb: Ein aufmerksames Spiel des Rechtsverteidigers, der lediglich einmal richtig aus- bzw. umspielt wurde. Ansonsten konnte er, mit Hilfe von Traoré, die Seite schließen. Blockte einmal gut einen Schuss von Pogba. Nach vorne war Korb wieder mit viel Engagement unterwegs. Klasse, wie er einen (zu) scharfen Xhaka-Pass noch vor der Seitenlinie rettete. Holte mit beherztem Dribbling eine Ecke heraus - das war fußballerisch durchaus ansprechend. Er spielt deutlich mutiger als früher, ohne dabei die Fehlerquote zu sehr zu erhöhen. Zwang allerdings mit einem Abspielfehler vorne Xhaka zu einem taktischen Foul. Note 2,5.

Andreas Christensen: Der ›dänische Deich‹ war gewappnet gegen italienische Wellen und Stürme. Mit bemerkenswerter Abgeklärtheit räumte Christensen ab und drosch den Ball auch mal trocken weg, wenn es nötig wurde. Darüber hinaus fing er mit ausgezeichnetem Stellungsspiel viele Bälle ab und klärte mehrfach im Strafraum. Einmal in Zusammenarbeit mit Traoré, dann vor Sommer, als kurz Eigentorgefahr entstand. Klasse, wie er sich innerhalb weniger Sekunden links und rechts vor dem Tor in Schüsse von Pogba und Morata warf und blockte. Bis in die Schlussphase hinein wachsam mit fehlerlosem Abwehrspiel. Auch am Ball sehr sicher, mit wenig Quer- oder Rückpässen. Note 1,5.

Álvaro Dominguez: Der italienische Boden scheint ihm nicht so zu liegen. Vor 2½ Jahren in Rom unterlief ihm ein folgenschwerer Fehler, jetzt hätte eine solche ›Lazio-Lässigkeit‹ gegen Morata einen Platzverweis nach sich ziehen können, ja eigentlich müssen. War viel beschäftigt und klärte ein paar Mal humorlos. Blieb gleich zweimal angeschlagen im eigenen Strafraum liegen. Im Passspiel solide, die Versuche, lang zu spielen, missrieten. Vorne wurde ein Kopfball des Spaniers nach Traoré-Ecke geblockt. In der absoluten Schlussphase, als Ballbesitz Gold wert war, konnte er einen hohen Ball nicht kontrollieren und schenkte einen Einwurf weg. Note 4,0.

Oscar Wendt: Defensiv ordentlich gefordert, was der Schwede konzentriert und fast immer mit sauberen Aktionen erledigte. Rettete mit langem Bein bei einer flachen Hereingabe und eroberte den Ball mit einer ›männlichen‹ Aktion gegen Cuadrado. Im Spiel nach vorne zurückhaltender als man ihn schon gesehen hat, was allerdings auch dem Gegner geschuldet war. Note 3,0.

Mo Dahoud: Sehr ballfest, was für Qualität und Selbstvertrauen spricht. Selbst unter Bedrängnis eine sichere Anspielstation, weil er sich mit technischem Können zu helfen wusste. Setzte sich sogar in einer Situation gegen drei intensiv zu Werke gehende Italiener durch. Dahoud ist im positiven Sinne unbekümmert. Er verrichtete wieder ungemein viel Laufarbeit und wusste, wann und wie er taktische Fouls einsetzen musste. Nur einmal von Marchisio ausgetanzt. Note 2,5.

Granit Xhaka: Im ersten Durchgang hatte der Kapitän ein paar Ungenauigkeiten im Repertoire. U.a. ein Rückpass auf Sommer wäre fast zu kurz geraten, dazu ließ er Pogba zu einfach wegdrehen und schießen. Hier und da übertrieb er die ›Ruhe-Ausstrahlung‹ am Ball, als er doch etwas trödelte und damit das Risiko eines Ballverlustes erhöhte. Klasse dagegen einige Pässe, u.a. der gute öffnende Steilpass auf Korb. Defensiv ein wichtiger Mann im eigenen Strafraum. Sowohl nach ruhenden Bällen mit seiner Kopfballstärke als auch als zusätzliche Hilfe für die Innenverteidiger. Sehr gut mitgesprintet bei Pogbas Lauf mittig vors Tor. Akzeptabel, weil nötig, sein ›Muss-Foul‹ nach Ballverlust von Korb & Co. Note 3,0.

Ibrahima Traoré: Dachte und machte ausgesprochen gut defensiv mit. Konnte mit seiner Schnelligkeit mehrfach den Gegner ablaufen oder stellen. Grätschte einmal beherzt zur Ecke und half Korb des Öfteren am und im eigenen Strafraum. Im Umschaltspiel gab er Doppelpassangebote schnell ab, indem er sich sofort freilief. Gut war die Aktion, als er von links auf Raffael am zweiten Pfosten flankte. In einigen 1:1-Situationen in der Offensive hätte er ruhig etwas mehr Risiko gehen können, als er fast immer den Weg nach innen wählte. Note 2,5.

Fabian Johnson: Ungemein fleißig mit weiten Wegen und klugem Positionsspiel. Er rückte gegen den Ball mehrfach frühzeitig mit ein und erschwerte Juve so den Spielaufbau durch die Zentrale. Mit dem Ball am Fuß lief er in einigen Situationen in hoch frequentierte Zonen, wo er relativ oft gut herausfand. Einige Aktionen verpufften, wie die Direktabnahme ohne Abnehmer oder der Pass auf den ›imaginären‹ Wendt, der gar nicht mitgelaufen war. Note 3,0.

Raffael: Sein Schuss in der Anfangsphase sorgte für ein Raunen im Juventus Stadium. Mit dieser ersten (An-)Drohung zeigte Borussia, dass sie auch da war. Insgesamt konnte Raffael nicht so oft zwischen den Linien etwas initiieren. Das lag zum einen an den fehlenden Abspieloptionen, zum anderen an den ungemein routiniert verteidigenden Italienern. Ein paar Mal prallte Raffael an den Gegenspielern richtiggehend ab. Als die sich einen der wenigen Fehler leisteten, vergaß Raffael den Ball und gab das Geschenk damit unausgepackt zurück. Lobenswert die Defensivarbeit des Brasilianers, der u.a. bei einem Konter von Juve Pogba den Ball sauber wegspitzelte. Note 3,0.

Lars Stindl: Offensiv etwas unglücklich agierend. Die eine oder andere Idee hinter seinen Aktionen erschloss sich nicht wirklich. Er konnte sich kaum behaupten, was allerdings erklärbar ist, wenn man bei jedem Versuch sofort einen Brocken wie Chiellini im Nacken hat. In der Rückwärtsbewegung mit unglaublichen Wegen, teilweise sprintete er bis tief in die eigene Hälfte zurück. Ein Musterbeispiel für mannschaftsdienliches Verhalten eines Offensivspieler. Zudem lief Stindl geduldig den Juve-Aufbau an, wobei sich die Italiener davon relativ unbeeindruckt zeigten. Note 3,5.

Thorgan Hazard: Kam für Raffael in die Partie und setzte sich in seiner ersten Aktion an der Seitenlinie erstaunlich robust durch. Danach jedoch zu zögerlich mit einem Ballverlust, der zu einem gefährlichen Gegenangriff führte. Sein defensives Mitdenken, vor allem beim schnellen Umschalten, bleibt verbesserungswürdig. Ohne Note.

André Hahn: Wurde für Traoré eingewechselt und brachte nochmal etwas frischen Optimismus und Brachialität rein. Die Italiener mussten sich jedenfalls mit ihm auseinandersetzen. Ohne Note.

Håvard Nordtveit: Ersetzte Dahoud in den Schlussminuten und half, das torlose Remis über die Zeit zu bringen. Ohne Note.

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