Einzelkritik: Manchester City - Borussia Mönchengladbach

Eine Lehrstunde

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Agüreo wurde zum Gladbach-Schreck (Photo by Richard Heathcote/Getty Images)

Agüreo wurde zum Gladbach-Schreck (Photo by Richard Heathcote/Getty Images)

Das 0:4 in Manchester war eine Lehrstunde für die Gladbacher, die sich etwas weiter wähnten, als sie es in Wirklichkeit sind. Beim Versuch, mit fußballerischen Mitteln zum Erfolg zu kommen, holten sich die Borussen eine blutige Nase.

Yann Sommer: Stand im Etihad Stadium quasi unter Dauerbeschuss. Dass der Schweizer trotz vier Gegentoren der beste Gladbacher an diesem Abend war, sagt alles aus. Bei allen Treffern der Citizens war Sommer machtlos, wobei es langsam schon kurios wird, wie zielsicher er bei den Elfmetern stets in die falsche Ecke springt. Er verhinderte mit einem Reflex gegen Gündogan das noch frühere 2:0 und bewahrte im weiteren Verlauf sein Team mit Klasseparaden (Agüero, Gündogan, Sterling) vor einer noch höheren Niederlage. Zwei ›Nachfasser‹ und kleinere Wackler blieben ohne Folgen. Note 3,0.

Nico Elvedi: Eine saubere Grätsche gegen Sterling zu Beginn der Partie stimmte zunächst positiv, doch schon bald wurde deutlich, dass er gegen den schnellen Engländer ziemlich überfordert war. Da er kaum Unterstützung hatte, brannte es mehrfach lichterloh auf der rechten Seite. Nach Korbs Einwechslung rückte er ins linke Abwehrzentrum der neu formierten Viererkette, wo er etwas an Sicherheit gewann. Allerdings leitete er mit zwei Fehlern im Aufbau gefährliche Gegenangriffe ein und reagierte vor dem 0:4 gegen Sané viel zu langsam. Note 4,5.

Andreas Christensen: Hatte alle Hände voll zu tun, als er entweder auf der rechten Seite aushelfen oder aber schwierige Entscheidungen treffen musste, weil das zentrale Mittelfeld zu schnell überspielt wurde. Und dann war da Agüero, gegen den Christensen Lehrgeld bezahlte. Vor dem 0:1 reagierte er zwar noch schnell auf die erste Bewegung des Angreifers, nach dessen kleiner Richtungsänderung zum ersten Pfosten kam Christensen den entscheidenden Tick zu spät. Auch bei weiteren Großchancen von Agüero fehlte Christensen der letzte Schritt. Dennoch blieb er in den Drucksituationen noch einigermaßen ruhig. Nach Umstellung auf die Viererkette nicht ganz glücklich im Timing, wenn er rausrückte. So öffnete er Sterling ›die Tür‹ zum Pass auf Agüero zum 3:0. Auch beim letzten Gegentor involviert, als er gegen Sané an der Grundlinie zu früh grätschte und ihm die Gelegenheit zum Assist ermöglichte. Note 4,5.

Tobias Strobl: Als linker Mann der Dreierkette durch viele Steckpässe in mehrere Duelle verstrickt, die er so gerade noch bereinigen konnte. Zweimal rettete er beim Stand von 0:1 in höchster Not. Im Spielaufbau mit dem Handicap, dass der linke Fuß nicht sein starker ist. So wirkte es teilweise ungelenk, wenn er angespielt wurde und sich nicht ›linksnatürlich‹ öffnen konnte. Dadurch zwang er sich förmlich immer nach innen und nahm so dem Aufbau einen Weg. Nach der Umstellung rückte er auf die Sechserposition, wo es etwas besser lief. Strobl machte weite Wege, kam beim Umschaltspiel von City, u.a. vor dem 0:3, aber einige Male nicht hinterher. Gegen Ende ließen die Kräfte nach und er wusste sich einmal in zentraler Position nur mit einem Foul zu helfen. Note 4,0.

Christoph Kramer: Zahlte ein wenig die Zeche für die ›mutige‹ Aufstellung mit Dahoud an seiner Seite. Kramer versuchte zwar, die Räume zu bearbeiten, doch er bekam überhaupt keinen Zugriff auf die Art und Weise, wie sich die Citizens zwischen den Linien anboten und bewegten. Kramer konnte weder Pässe verhindern noch Annahmen erfolgreich stören, weil einfach zu schnell hineinkombiniert wurde. Bei eigenem Ballbesitz mit einigen fahrigen Ballverlusten und der unglücklichen Aktion beim Foulelfmeter gegen Gündogan. Sah dafür Gelb und wurde auch deswegen von Schubert noch vor der Pause ausgewechselt. Note 5,0.

Mo Dahoud: Vor der Pause war er gar nicht im Spiel. Lief hinterher, kam zu spät in die Zweikämpfe und spielte unklar. In der Arbeit gegen den Ball mit teils eigenartiger Positionierung, worunter vor allem Kramer litt. Nach der Pause ließ er hin wieder sein Können aufblitzen, als er in der einen oder anderen Situation mit Körpertäuschungen richtig wegdrehte. Als er dann dadurch etwas an Selbstvertrauen gewonnen hatte, unterlief ihm ein lascher und zu kurzer Verlagerungspass, der den Konter zum 0:3 einleitete. Note 4,5.

Fabian Johnson: Hatte auf links die undankbare Aufgabe, im Gebiet zwischen Kolarov und Sterling spielen zu müssen. Dort mit großen Problemen, u.a. konnte er Kolarovs flache Hereingabe zum 0:1 nicht verhindern. Schon vor der endgültigen Umstellung auf Viererkette auf die linke Seite gerückt, wo es etwas besser lief. Im Spiel nach vorne lief er sich oft fest, im Verlauf der zweiten Halbzeit auch mal zentral unterwegs, jedoch ohne Durchschlagskraft. Note 4,5.

Oscar Wendt: Im Offensivspiel kam der Schwede ein paar mal über links durch, in einer Situation ging er nicht entschieden genug in den Strafraum und wurde noch geblockt. Mit einer flachen Direkthereingabe bereitete er Raffaels Chance vor. In der Rückwärtsbewegung mit großen Problemen, woran auch die spätere Umstellung auf Viererkette und Wendts neue Rolle als Linksverteidiger nichts änderte. Er interpretierte diese nämlich unverändert offen und konnte entsprechend bei den zahlreichen Konterangriffen nur hinterherlaufen. Mehrere gefährliche Aktionen der Citizens im ›Kerngebiet‹ eines Linksverteidigers beobachtete Wendt aus der Ferne. Note 4,5.

Lars Stindl: Eigentlich komplett abgetaucht, bis er vor der Pause nach einer flachen Raffael-Ecke per Direktabnahme fast den Anschlusstreffer markierte. Ansonsten mit einigen verlorenen Bällen im Zentrum. Nach der Umstellung auf 4-4-2 in der Interpretation seiner Rolle nicht immer auf einer Wellenlänge mit seinem Trainer. Die Kommunikation mit Schubert bzw. das Verständnis für dessen Anweisungen war nicht optimal. Knapp zehn Minuten vor Schluss wurde er für Traoré ausgewechselt. Note 4,5.

Raffael: Eine ›variable‹ Darbietung des Brasilianers mit sehr unterschiedlichen Aktionen. Ballgewinne, gelungene Antritte nach vorne, aber auch Abspielfehler, geistige Abwesenheit und halbherziges Hinterhergehen. Eine Ecke holte er in der ersten Halbzeit raus, weil er dranblieb und alleine Druck aufbaute. Seine Eckstöße waren gefährlich, sowohl von links, als auch von rechts. Eine dieser Ecken - flach geschlagen - erreichte Stindl vor Borussias bester Chance. Raffael selbst hatte im Verlauf der ersten Halbzeit eine gute Gelegenheit, als sein Schuss im Strafraum noch geblockt wurde. Nach der Pause war Raffael deutlich weniger zu sehen. Note 4,0.

André Hahn: Reagierte zögerlich, als er im Strafraum die Wahl hatte zwischen Annahme und Volley, da entschied er sich für die halbgare Lösung. Er kam nie so richtig zu zwingenden Aktionen, lediglich zweimal drang er über rechts bis zum Strafraum vor. Einmal prüfte er Bravo mit einem abgefälschten Schuss, ein anders Mal holte er mit viel Einsatzoptimismus eine Ecke raus. Nach einer Stunde durch Hazard ersetzt. Note 4,5.

Julian Korb: Kam bereits in der 38. Minute für Kramer aufs Feld und rückte auf die Position des Rechtsverteidigers in der neu formierten Viererkette. Er spielte einen guten Pass auf Hahn und rückte auch sonst immer wieder mit auf. Das führte dazu, dass er im Umkehrspiel in hoffnungslose Laufduelle gegen Sterling musste. Überdeutlich wurde das vor dem 3:0, als er zunächst erfolglos aus der gegnerischen Hälfte hinter Sterling her rannte, und letztlich von Sterlings Pass auf Agüero ausgehebelt wurde. Note 4,5.

Thorgan Hazard: Ersetzte Hahn nach einer Stunde und versuchte das eine oder andere auf eigene Faust, scheiterte am fehlenden Raum und der Klasse der Gegenspieler. Als Traoré kam, ging Hazard zentral in die Spitze. Ohne Note.

Ibrahima Traoré: Nach dem 0:3 eingewechselt, blieb er auf rechts ohne nennenswerte Aktion. Ohne Note.

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