Tony Jantschke - Bereit für die Champions League?

Eine Art Neuanfang

von von Marc Basten
Neuorientierung (Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Neuorientierung (Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Tony Jantschke hat eine echte Seuchensaison hinter sich. Üble Verletzungen legten ihn monatelang auf Eis, zudem musste er sich an die veränderten Anforderungen unter André Schubert gewöhnen. Jetzt startet er eine Art Neuanfang.

Im letzten Juni überschrieben wir den Artikel zu Tony Jantschke mit ›Jantschke spielt immer. Aber wo?‹. Damals gab es eigentlich nur zwei Fragen. Erstens: Wird Jantschke als Innenverteidiger oder Rechtsverteidiger Stammspieler in der ersten Champions-League-Saison? Zweitens: Kostet ihn seine Polyvalenz die Hoffnung auf eine Karriere in der Nationalmannschaft?

Ein Jahr später und angesichts der bevorstehenden Europameisterschaft kann die zweite Frage nur zu einem gequälten Lächeln führen. Die Nationalmannschaft ist für Tony Jantschke weiter entfernt denn je. Was nichts mit Jogi Löw zu tun hat, sondern mit dieser Seuchensaison, die hinter Jantschke liegt.

Zunächst wirkte alles normal, Jantschke stand in den ersten sieben Pflichtspielen unter Lucien Favre wie erwartet in der Startelf. Sechsmal führte er dabei die Mannschaft als Kapitän aufs Feld. Weniger normal war die Bilanz dieser Partien: Nur das Pokalspiel in St. Pauli wurde gewonnen, ansonsten hagelte es Niederlagen.

Positionswechsel spiegeln Favres Verzweiflung wider

Jantschke spielte im Pokal sowie in Dortmund, in Bremen und in Köln Rechtsverteidiger. Bei der schlimmen 0:3-Heimniederlage gegen den HSV, dem absoluten Tiefpunkt des Fehlstarts unter Favre, wurde er im defensiven Mittelfeld aufgeboten - und leitete mit einem krassen Fehlpass auf Lasogga die Pleite ein. In Sevilla beim 0:3 und der Niederlage daheim gegen Mainz in der Liga lief er als Innenverteidiger auf.

Selbst wenn Jantschke ein vielseitig verwendbarer Spieler ist, so spiegeln die ständigen Positionswechsel auch die Verzweiflung wider, von der Lucien Favre in dieser Phase heimgesucht wurde.

Just zum Zeitpunkt des Rücktritts seines Förderers Favre laborierte Jantschke an einer Prellung. Er fehlte in den ersten Spielen unter André Schubert und gab erst am 9. Spieltag in Frankfurt (5:1) ein halbstündiges Comeback auf der rechten Seite. Eine Woche später gegen Schalke feierte er seine Startelfpremiere unter Schubert als Innenverteidiger neben Andreas Christensen beim 3:1 über Schalke. Drei Tage später beim Pokalspiel in Gelsenkirchen spielte er ebenfalls 90 Minuten an der Seite von Christensen.

Eine Saison zum Vergessen

Alsdann setzte ihn eine Schulterverletzung außer Gefecht und er kam in der Folgezeit nur noch zu zwei Startelfeinsätzen (als Innenverteidiger) gegen Hannover und bei der 0:5-Klatsche am 12. Dezember in Leverkusen. Dort erlitt Jantschke einen Kreuzbandriss, der eine viermonatige Zwangspause nach sich zog. Anfang April gegen Hertha gab er sein Kurz-Comeback, in Ingolstadt spielte er eine Halbzeit. Doch die lange Ausfallzeit forderte ihren Tribut: Ein Muskelfaserriss im Adduktorenbereich bremste ihn bis zum letzten Spieltag aus, wo er in Darmstadt zumindest nochmal für sieben Minuten mitwirken konnte.

Auf lediglich 15 Pflichtspieleinsätze (1017 Minuten) beläuft sich seine Bilanz. In der Vorsaison waren es noch 45 Partien (4022 Minuten).

Es war eine Saison zum Vergessen für den 26-Jährigen. Doch mit der anstehenden Vorbereitungszeit kann Jantschke eine Art Neuanfang starten. Die körperlichen Voraussetzungen dürfte er planmäßig schaffen. Allerdings bleibt die unbeantwortete Frage, wie André Schubert mit ihm plant.

Jantschkes Einsatzgebiet wird eingeschränkt

Grundsätzlich muss sich Jantschke an den neuen Defensivstil gewöhnen, der unter Schubert gefordert ist. Das aktive Attackieren war Jantschke bislang nicht gewohnt. Im Gegenteil: Er war eigentlich das Musterbeispiel für das schlaue und eher passiv aggressive Abwehrverhalten unter Favre.

Nachdem sich unter Schubert die Dreierkette als 1A-Systemlösung etabliert hat, wird zudem Jantschkes Einsatzgebiet eingeschränkt. Für eine Rolle auf der Außenbahn fehlt ihm die offensive Dynamik, so dass zunächst nur eine Position in der Dreierkette bleibt. Möglicherweise könnte Schubert auch überlegen, Jantschke im defensiven Mittelfeld einzusetzen.

Vieles wird auch davon abhängen, wie die Neuverpflichtungen einschlagen, die es in Jantschkes potentiellem Betätigungsfeld definitiv geben wird. Zum jetzigen Zeitpunkt ist vieles in Bezug auf Tony Jantschke ungewiss. Klar ist nur, dass er den Nimbus des unumstrittenen Stammspielers nicht mehr innehat. Und das, ohne wirklich etwas dafür zu können.

 

In den nächsten Tagen und Wochen werden wir an dieser Stelle in loser Reihenfolge auf die Basisspieler der letzten Saison eingehen und die Prognose wagen: Sind sie bereit für die Champions League?

Copyright © 2019 TORfabrik.de [Marc Basten] Nachdruck und Weiterverbreitung,
auch auszugsweise, nur mit Genehmigung.

TORfabrik.de ist ein offiziell eingetragenes Magazin bei der
Deutschen Nationalbibliothek (ISSN 1610 - 4919)
Herausgegeben von Marc Basten, Altenkleusheimer Str. 12, 57462 Olpe

Unterstützt durch unseren Sponsor & Partner: tops.net GmbH & Co. KG