Einzelkritik: Hannover 96 - Borussia Mönchengladbach 0:1 (0:0)

Ein Schritt aus der Krise

von 24. Spieltag: Hannover 96 - Borussia MG 0:1
Christoph Kramer mit viel Ballgefühl (Foto: Thomas Starke / Bongarts / Getty Images)

Christoph Kramer mit viel Ballgefühl (Foto: Thomas Starke / Bongarts / Getty Images)

Borussia Mönchengladbach machte mit dem 1:0-Erfolg in Hannover einen Schritt aus der Krise. Ausschlaggebend war eine geschlossene Mannschaftsleistung, wie auch die Einzelkritik belegt.

Yann Sommer: Wirkte im ersten Durchgang zweimal bei Ecken etwas zögerlich, lief dafür nach einem Steilpass gut raus und trat den Ball weg. Bei der Riesenchance von Bebou kurz nach dem Seitenwechsel blieb Sommer auf der Linie kleben, obwohl er definitiv rauskommen musste. Die Mitspieler rechneten auch damit, Vestergaards anschließende Reaktion sagte alles aus. Danach faustete Sommer einen Eckball ordentlich weg, hielt einen Bebou-Schuss im Nachfassen und zwei weitere Versuche der Hannoveraner. In der Schlussphase rettete er den Sieg mit einer starken Parade nach dem von Stindl abgefälschten Schuss von Julian Korb. Auch den Kopfball des Ex-Borussen in der Nachspielzeit hielt Sommer sicher fest. Note 3,0.

Reece Oxford: Trennte Fossum einmal stark vom Ball und wartete in mehreren Situationen mit gutem Kopfballspiel auf. Positionell war der Engländer nicht immer auf der Höhe, er hatte einen deutlichen Drang sich nach innen zu orientieren. In den Zweikämpfen hatte Oxford seine Probleme und bei seinen Versuchen, Flanken zu verhindern, strahlte er nur wenig Entschlossenheit aus. Im Passspiel mit Licht und Schatten, offensiv trat er kaum in Erscheinung. Als Zakaria rausmusste, übernahm er die Sechserposition. Note 3,5.

Matthias Ginter: In seinem Kerngeschäft – stochern, spitzeln, kämpfen, wegdrücken und köpfen – mit einer tadellosen Leistung. So stand Ginter mit einem gewonnenen Kopfballduell an der Basis des Treffers des Tages. Fußballerisch kam vom Nationalspieler nicht viel. Sein Passspiel war vergleichsweise bescheiden (nur eine Quote von 67%), allerdings ohne einen wirklich groben Schnitzer. Note 3,0.

Jannik Vestergaard: Ganz klar der Boss in der Abwehr mit großer Präsenz. Funkte öfter dazwischen, klärte aufmerksam und kam mehrfach im richtigen Moment vor den Mann und fing so Pässe in die Tiefe ab. Wie mittlerweile schon gewohnt, wartete der Däne mit guter Spieleröffnung und hoher Passqualität auf. In der Schlussphase blockte er wachsam einige Anspiele, die gefährlich hätten werden können. Vorne durfte er bei einem Freistoß aus der Distanz ran, heraus kam allerdings nur ein eigenartig anmutender Flatterball. Note 2,0.

Nico Elvedi: Wurde quasi auf den letzten Drücker spielfit und biss sich durch. Hinten aufmerksam mit einer sauberen Grätsche gegen Bebou. Im ersten Durchgang tauchte der Schweizer einige Male im gegnerischen Strafraum auf und hatte eine gute Möglichkeit, als Tschauner sich ihm entgegenwarf und Elvedi in die Mitte passte, wo Hofmann nicht reagierte. In der zweiten Halbzeit ließ er etwas nach und war bei der Bebou-Chance nur in der Zuschauerrolle. Im Passspiel wieder mit zwei, drei komplett verunglückten Bällen. Note 3,5.

Denis Zakaria: Ging wieder in der Rolle des Balleroberers auf. Klasse, wie Zakaria fast immer im richtigen Moment rausrückte und eine Vielzahl an Zweikämpfen gewann. Wenn das Gladbacher Mittelfeld überspielt war, setzte er mehrfach energisch nach und holte den Ball zurück. Spielerisch und gestalterisch hielt er sich weitestgehend zurück, seine raumgreifenden Antritte startete er nur ansatzweise. Es sieht so aus, dass Kramer mittlerweile die Rolle des offensiven Sechsers übernommen hat. Zehn Minuten vor dem Ende musste Zakaria nach einem Treffer im Gesicht ausgewechselt werden. Note 3,0.

Christoph Kramer: Knüpfte nahtlos an die gute Leistung im Dortmund-Spiel an. Ganz offensichtlich ist Kramer nach vielen Problemen jetzt auch körperlich wieder in der erforderlichen Verfassung. Er war ungemein zweikampfstark und bissig. Aber Kramer fühlte sich auch zunehmend zuständig für kreative Akzente, die er mehrfach setzte. Neben mehreren guten Pässen wurde das am sichtbarsten bei seinem tollen Solo an der Grundlinie, bei dem nur der krönende Abschluss fehlte. Den gab es dann beim Tor des Tages, als alles passte und auch das nötige Glück hinzukam. Fast wäre er nach einer abgewehrten Ecke aus dem Rückraum nochmals erfolgreich gewesen, doch der harte Schuss wurde noch irgendwie geblockt. Auffällig, dass er die Kollegen gestenreich pushte, als das Spiel auf der Kippe stand. Note 2,0.

Jonas Hofmann: War erneut der Akteur, bei dem Aufwand und Ertrag am weitesten auseinanderklafften. Wieder machte Hofmann die meisten Kilometer, abermals war er überall unterwegs und sich nicht zu schade, auch vergebliche Wege zu gehen. Ihn hielt es kaum auf der rechten Seite, er zog sehr oft in die Mitte, wo er durchaus für Verwirrung sorgte. Pech hatte Hofmann mit dem Lattenschuss in der zweiten Halbzeit, wo er allerdings noch zwei Abspieloptionen hatte. Bei allem Eifer unterliefen Hofmann einige Annahmefehler und es gab immer wieder Momente, in denen er nicht reagierte. Besonders auffällig vor der Pause nach dem Elvedi-Querpass im Strafraum, als er in aussichtsreicher Situation einfach stehen blieb. Auch am Ende hätte er mit etwas mehr Entschlossenheit das 2:0 machen können. Note 3,5.

Thorgan Hazard: Hatte schon früh eine gute Gelegenheit, als er in den Strafraum lief und dann mit dem Abschluss zögerte. Vor ein paar Monaten hätte Hazard den Ball über den Torwart geschlenzt. Jetzt legte er gerade noch für Stindl ab, der dann scheiterte. Kurz darauf schoss Hazard von rechts nach Doppelpass mit Bobadilla am Tor vorbei, alsdann wurde ein Versuch des Belgiers in aussichtsreicher Position geblockt. Insgesamt war Hazard gewohnt quirlig. Eine Freistoßflanke von halblinks geriet zu flach. In der zweiten Halbzeit nicht mehr ganz so auffällig. In einigen Situationen auf sich alleine gestellt, als er sich gegen mehrere Hannoveraner behaupten musste. Machte in der 84. Minute Platz für Herrmann. Note 3,0.

Lars Stindl: Hatte zu Beginn nach der Hazard-Ablage die Chance, an alter Wirkungsstätte früh den Knoten zu lösen. Doch sein Schuss wurde noch vor der Linie geklärt. Stindl war aktiv und bissig, bediente zweimal Hazard und einmal Elvedi mustergültig. Nur beim eigenen Abschluss haperte es – wie beim Rebound nach dem Querpass von Elvedi. Dennoch holte er sich durch die vielen Balleroberungen und -sicherungen Selbstvertrauen. Das zeigte sich beim Pass auf Hofmann beim Konter nach der Pause oder dem Assist zum Tor. Sané sah Gelb, als Stindl nur durch ein Foul zu stoppen war. Je länger das Spiel dauerte, umso mehr sah man den ‚alten‘ (im positiven Sinne) Stindl. Note 2,5.

Raul Bobadilla: Bot eine gute Leistung, weil er sauber blockte, Wege freimachte, Bälle sorgfältig ablegte und vor allem sich selbst im Zaum hielt, wodurch er eben diese einfachen aber zielgerichteten Abspiele machen konnte. Wenn Bobadilla so Fußball spielt, statt den hyperaktiven Eishockeyspieler zu mimen, ist er durchaus ein Gewinn. Er setzte Hazard per Doppelpass in Szene, schirmte einen langen Ball von Stindl gut ab und leitete auf Hofmann weiter. Bobadilla gelangen mehrere gute Annahmen, so als er danach wegdrehte und in den Lauf von Hazard spielte. Sein Torschuss aus dem Lauf heraus war auch nicht schlecht. Sah in der Schlussphase Gelb für ein Störfoul mit Ankündigung, was zu diesem Zeitpunkt nicht unnötig war. In der Schlussminute wurde er gegen Grifo ausgewechselt. Note 2,5.

Mandela Egbo: Kam bei seinem Bundesligadebüt für Zakaria, übernahm aber die rechte Verteidigerposition von Oxford. Eine Annahme im eigenen Sechzehner misslang und wurde fast zu einer unfreiwilligen Vorlage. Ohne Note.

Patrick Herrmann: Ersetzte Hazard in der 84. Minute und spielte auf rechts, während Hofmann nach links wechselte. In einer Situation konnte er ein Zuspiel nicht verarbeiten und ließ den Ball vom Oberschenkel abprallen. In der Summe hatte er nur drei Ballaktionen. Ohne Note.

Vincenzo Grifo: Kam in der 90. Minute für Bobadilla ins Spiel und brachte in der Nachspielzeit mit einem intelligenten Zuspiel fast noch Hofmann frei vors Tor, dann schloss er etwas überhastet ab. Ohne Note.

Copyright © 2018 TORfabrik.de [Marc Basten] Nachdruck und Weiterverbreitung,
auch auszugsweise, nur mit Genehmigung.

TORfabrik.de ist ein offiziell eingetragenes Magazin bei der
Deutschen Nationalbibliothek (ISSN 1610 - 4919)
Herausgegeben von Marc Basten, Altenkleusheimer Str. 12, 57462 Olpe

Unterstützt durch unseren Sponsor & Partner: tops.net GmbH & Co. KG