Pokalspiel in Düsseldorf

»Ein schmaler Grat«

von von Marc Basten
Dieter Hecking auf der PK am Montag (Foto: TORfabrik.de)

Dieter Hecking auf der PK am Montag (Foto: TORfabrik.de)

Die Voraussetzungen aus Sicht von Borussia Mönchengladbach sind vor dem Pokal-Derby am Dienstag in Düsseldorf (18.30 Uhr) alles andere als perfekt. Gladbach spielt nicht nur gegen die Fortuna, sondern auch gegen die Folgen des Leverkusen-Debakels.

Innerhalb von 45 Minuten wurde am Samstag nicht nur ein sicher geglaubter Heimsieg für Borussia Mönchengladbach pulverisiert, sondern auch die blendenden Vorzeichen für die englische Woche ins Gegenteil verkehrt. Anstatt mit drei Siegen in Folge und ultrabreiter Brust rüber nach Düsseldorf zu fahren, schleppen die Gladbacher eine 1:5 Klatsche mit in die mit 51.000 Zuschauern restlos ausverkaufte Esprit-Arena.

Die Vorfreude auf ein emotionales Derby ist einer großen Portion Skepsis gewichen. Angesichts der vielen Fragezeichen, die der Zusammenbruch gegen Leverkusen hinterlassen hat, sollte eher eine differenzierte Aufarbeitung angesagt sein, als ein folkloristisch geprägtes Prestigeduell im Pokal.

Zumindest die heimischen Gazetten trommeln seit Wochen unablässig für das Pokalspiel, zumal die in den letzten Jahren fast in die Bedeutungslosigkeit abgetauchte Fortuna im Moment wieder ‚hip‘ ist. Die Brisanz ist seit dem Wochenende nochmals gestiegen: Hier der begeisternde Tabellenführer der 2. Liga, der sich so gerne als großer Klub sieht, dort der erniedrigte Bundesligist. Das riecht ja förmlich nach der nächsten Abreibung für Mönchengladbach.

Nachdem sich die Verantwortlichen beim VfL unter dem Eindruck des 1:5 am Samstag beim Blick auf das Pokalspiel sehr kleinlaut gaben, stellte Dieter Hecking am Montag bei der Pressekonferenz das eigene Licht nicht mehr ganz unter den Scheffel. »Es ist Quatsch, dass wir die Favoritenrolle abschieben wollen«, sagte er. »Natürlich ist der Bundesligist Favorit.«

Der 53-Jährige blieb allerdings auch bei seiner am Samstag getroffenen Aussage, dass »die Fortuna in der jetzigen Verfassung eine Mannschaft ist, die auch in der Bundesliga punkten würde.« »Sie schalten aus dem Pressingverhalten sehr gut nach vorne um, sind laufstark und haben Euphorie und Selbstvertrauen.«

Letzteres hat sein Team in der zweiten Halbzeit gegen Leverkusen komplett verloren. Für den Trainer ist es nicht einfach, die Mannschaft nach einer solchen Demütigung auf einen emotionalen Pokalfight vorzubereiten. »Es ist ein schmaler Grat«, gab Hecking zu. Einerseits ist da der Reflex, den Spielern ordentlich den Kopf zu waschen. Andererseits darf die Verunsicherung nicht noch vergrößert werden. »Ich habe deutliche Worte gefunden«, sagte Hecking. Dass es nach Dortmund bereits den zweiten Einbruch gab, »kann man intern nicht so stehen lassen.«

Wie sich die Mischung zwischen Zuckerbrot und Peitsche darstellt, wollte Hecking natürlich nicht näher erläutern. Denn dazu hätte er einige Spieler öffentlich anzählen müssen. »Nach außen werde ich meine Mannschaft immer schützen«, stellte er klar.

Man darf also gespannt sein, ob sich bei der Aufstellung am Dienstag personelle Konsequenzen ergeben. Klar ist jedenfalls, dass neben den Langzeitpatienten auch Raul Bobadilla (Schambeinreizung) weiter nicht zur Verfügung steht. Zudem ist ein Einsatz von Christoph Kramer (muskuläre Probleme im Oberschenkel) mehr als fraglich. »Wir werden alles probieren, ihn spielfit zu bekommen«, sagte Hecking. »Ob uns das gelingt, kann ich noch nicht abschätzen.« Um jeden Preis wird man Kramer jedenfalls nicht auf den Platz stellen. »Wir gehen kein Risiko ein.«

Trotz der erschwerten Umstände kann es für die Borussia am Dienstag nur ein Ziel geben: das Erreichen der nächsten Pokalrunde. Düsseldorf ist zwar nicht zu unterschätzen, aber kann der Fohlenelf qualitativ nicht annähernd das Wasser reichen. »Wir müssen das Gute aus der ersten Halbzeit gegen Leverkusen mitnehmen«, so Hecking. »Sie sind hinten auch nicht so sattelfest und lassen viele Torchancen zu. Da gilt es morgen an unserer Effizienz zu arbeiten.«

Ein Sieg in Düsseldorf kann zwar die Pleite gegen Leverkusen nicht wettmachen, würde aber zumindest die Gesamtlage etwas entschärfen. Von daher wird das Nachbarschaftsduell nicht nur ein brisantes K.o.-Spiel im Pokal, sondern gleichermaßen ein Charaktertest für die Mannschaft.

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