Max Eberl will um Granit Xhaka kämpfen

Ein nahezu perfekter Tag für Borussia

von von Marc Basten, Niklas Kirchhofer und Jan van Leeuwen
Freude nach dem Schlusspfiff (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Freude nach dem Schlusspfiff (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Borussia Mönchengladbach fährt nach Rückstand den ›Muss-Heimsieg‹ gegen Bayer Leverkusen ein und Berlin und Schalke patzen - es war ein perfekter Tag. Wären da nicht die Misstöne aus der Gerüchteküche, die Max Eberl erzürnen.

Das letzte Heimspiel der Saison im ausverkauften Borussia-Park bot nochmals alles Facetten dieser kuriosen und atemberaubenden Spielzeit. Zunächst die großen Emotionen bei der Verabschiedung der ›Borussen-Institutionen‹ Håvard Nordtveit, Martin Stranzl und Roel Brouwers. Da wurden viele Tränen verdrückt. »Von der zweiten Liga in die Champions League - ich bin sehr froh, dass ich meinen Teil zu dieser Geschichte beitragen konnte«, sagte Roel Brouwers mit zittriger Stimme.

Als die Partie dann begann, sah es so aus, als ob die Gladbacher Leverkusen überrennen wollten. Nach wenigen Sekunden traf Oscar Wendt den Pfosten. »Wir haben angefangen wie die Feuerwehr und eine Angriffswelle nach der anderen rollen lassen«, sagte André Schubert. Das ›Überfallkommando‹ wirbelte zwar gehörig, nutzte jedoch die Gelegenheiten nicht. »Wir hätten uns das Leben ein bisschen leichter machen können - da waren glasklare Chancen dabei«.

»Eigentlich hätten wir schon 2:0 oder 3:0 führen müssen«, bestätigte Granit Xhaka. Stattdessen fingen sich die Borussen das Gegentor. »Da musst du erstmal durchatmen«, konstatierte Schubert. Seine Mannschaft brauchte einige Zeit, um sich vom Rückschlag zu erholen. »Trotzdem sind wir wieder zurückgekommen«, freute sich Xhaka. »Die Mentalität der Mannschaft ist sehr stark«.

»Es war ein super Fußballspiel«

Der Treffer von André Hahn stellte die Partie zur zweiten Halbzeit quasi wieder auf Null. In den letzten 45 Minuten der Saison im Borussia-Park wurden auf beiden Seiten die meisten taktischen Überlegungen über Bord geworfen. »Das waren zwei Mannschaften mit offenem Visier, es sah fast aus wie ein Endspiel um den dritten Platz«, sagte Leverkusens Trainer Roger Schmidt. »Es war ein super Fußballspiel«.

»Leverkusen hat uns nichts geschenkt«, bestätige André Schubert. Doch Borussia hatte das bessere Ende für sich, weil ›Mentalitätsmonster‹ André Hahn nochmals zuschlug. Seine »eher brachiale Art des Fußballs« (O-Ton Max Eberl) macht im Saisonfinale den Unterschied.

Borussia brachte den knappen Vorsprung über die Zeit und auch Martin Stranzl durfte noch ein paar Minuten helfen. Als nach dem Schlusspfiff als ›Sahnhäubchen‹ zu einem nahezu perfekten Nachmittag bekannt wurde, dass Schalke gegen Augsburg noch den Ausgleich hinnehmen musste, gab es kein Halten mehr. Platz 4 ist der Borussia nach menschlichem Ermessen nicht mehr zu nehmen.

»Wir werden nicht reihenweise Top-Transfers tätigen«

»Es ist die pure Freude, an so einem großen Tag dabei zu sein«, strahlte Max Eberl. »Der Europapokal an sich - da kommt der alte Eberl wieder raus - ist für Gladbach schon was Großes. Doch nach dem Start in die Saison ist es jetzt mit der wahrscheinlichen Champions-League-Qualifikation etwas Großartiges«.

André Schubert gab seinen Mannen bis Mittwoch frei, was in der Kabine für einen weiteren Stimmungsschub sorgte. Derweil musste Max Eberl feststellen, dass ein Innehalten im Moment des Erfolgs nur schwer möglich ist. Die Fragen nach der Zukunft der Fohlenelf mussten beantwortet werden. »Fünf gestandene Spieler werden uns verlassen und das müssen wir aufarbeiten«, so Eberl. »Wir werden nicht reihenweise Top-Transfers tätigen können, sondern wir werden geschickt versuchen müssen zu ersetzen, was wir verlieren. Da haben wir schon ganz gute Ideen. Und dann werden wir vielleicht den einen oder anderen Überraschungsgast bei uns begrüßen. Der dann hoffentlich im Mai 2017, wie Andreas Christensen jetzt, als großartiger Spieler gesehen werden kann«.

Ein zentraler Punkt wird sein, ob Borussia weiter mit Granit Xhaka planen kann. Noch gibt es offiziell keine geänderte Sachlage. »Ich bin enorm glücklich hier und ich habe Vertrag«, sagte Xhaka. »Wenn etwas kommen sollte, dann schauen wir es uns gemeinsam mit dem Verein an«.

»Es ist bodenlos, was hier gerade passiert«

»Wir werden um Granit kämpfen, das ist klar«, kündigte Max Eberl an. Die Karten bei einem möglichen ›Top-Transfer‹ hat Borussia in der Hand. Endlos ausreizen will Eberl das Blatt aber nicht - einen Poker bis kurz vor Ende der Transferperiode schließt Eberl aus. »Für alle Beteiligten ist es sinnvoll, dass eine Entscheidung fällt, bevor die Saison anfängt«. Im Falle Xhaka sprach Eberl vom Zeitfenster ›Europamisterschaft‹. »Sobald bei uns der Pflichtspielbetrieb losgeht, werde ich keinen mehr verkaufen«, so die klare Ansage des Sportdirektors.

An einem eigentlich perfekten Nachmittag im Borussia-Park wurde die Stimmung des Sportdirektors erheblich getrübt, als er zum wiederholten Male auf das Gerücht angesprochen wurde, Markus Weinzierl würde André Schubert beerben. »Wir sind gerade Vierter geworden und ich kriege nur diese Fragen gestellt. Es ist bodenlos, was hier gerade passiert«, polterte Eberl. »Habt ihr den Christian Heidel gefragt, ob der Martin Schmidt nächste Saison in Mainz auf der Bank sitzt? Habt ihr sie gefragt: Sitzt Thomas Tuchel auf der Bank? Die Frage wird nur in Gladbach gestellt seit Wochen. Warum? Nicht ihr müsst mich fragen, ihr müsst euch fragen! Fragt eure Kollegen, fragt sie!«

Später erläuterte Eberl, er empfinde es zum einen gegenüber André Schubert als respektlos, zum anderen habe er auf der Mitgliederversammlung deutlich gesagt, dass es mit Schubert weitergeht. Auch Granit Xhaka versteht die Diskussionen nicht. »Schubert hat eine Mannschaft übernommen, die ganz tief am Boden war«, so der Schweizer. »Mit ihm sind wir aufgestanden, mit seiner Ansprache und seiner Mentalität, auch als Mensch. Das ist hervorragend«.

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