»Der Verein lebt von einer unfassbaren Zusammengehörigkeit«

»Ein grandioses und irres Spiel zum Abschluss«

Created by von Marc Basten und Jan van Leeuwen
Der Moment des Tages (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Der Moment des Tages (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Es war keine Überraschung, dass das intensive Fußballjahr 2015 für Borussia Mönchengladbach mit einem Spektakel endete. Das 3:2 gegen Darmstadt in Unterzahl wurde vor allem als Sinnbild des Zusammenhalts gewertet.

Spektakel und Emotionen – dafür steht Borussia Mönchengladbach in diesen Wochen und Monaten. Im letzten Spiel des Jahres wurde das im Borussia-Park nochmal ganz besonders deutlich. Die Symbiose zwischen der Willenskraft der Mannschaft und dem Publikum war grandios. Selbst Gästetrainer Dirk Schuster lobte die »überragende Stimmung im Stadion«.

Dabei lief es zunächst alles andere als erfreulich für die Fohlenelf. Zwar sei man »ganz gut reingekommen ins Spiel«, wie Trainer André Schubert sagte. Doch dann gab es den Gegentreffer, bei dem »wir den Bruchteil einer Sekunde schlafen und Darmstadt nutzt das eiskalt aus«. Elvedi bei der Kopfballverlängerung des Einwurfs und Korb beim Torschützen reagierten zu langsam.

Zu allem Überfluss handelte sich Granit Xhaka in der 39. Minute die Rote Karte ein. »Das war ein Fehler, völlig überflüssig und ein Bärendienst für die Mannschaft«, erklärte Schubert, der ankündigte, alles weitere mit seinem Kapitän intern behandeln zu wollen.

Dass etwas passieren muss, ist nach dem dritten Platzverweis für den Schweizer innerhalb einer Halbserie klar. Zumal er sich erneut hat provozieren lassen – ausgerechnet von Peter Niemeyer. Der ist für sein ‚fieses‘ Spiel ligaweit bekannt.

Im Januar 2014 traf Niemeyer im Trikot von Hertha in einem Testspiel während des Trainingslagers in Belek auf Borussia. Selbst da provozierte er ständig und geriet mehrfach mit Peniel Mlapa aneinander. Borussias damaliger Coach Lucien Favre brüllte lautstark über den Platz: »Peniel, geh weg da. Der ist dumm« …

Xhaka ließ sich von Niemeyer zur folgenschweren Kurzschlusshandlung hinreißen. »Eine halbe Sekunde später war ihm klar, dass es falsch war«, mutmaßte Havard Nordtveit. Doch es war zu spät – Borussia lag 0:1 hinten und musste über 50 Minuten in Unterzahl spielen. Und dass mit den schweren Beinen und zuletzt drei Niederlagen im Gepäck. »Ich glaube nicht, dass da wahnsinnig viele auf uns gesetzt hätten«, sagte Schubert.

Erstaunlicherweise bewirkte der Platzverweis bei den verbliebenen Borussen so etwas wie eine Trotzreaktion. »Dann hat Granit ja alles richtig gemacht«, sagte Nordtveit scherzhaft. Wichtig vor allem, dass Lars Stindl fast mit dem Pausenpfiff der Ausgleichstreffer gelang.

»Wir haben taktisch so weitergespielt wie vorher, eben nur mit einem zentralen Mann weniger«, sagte Schubert. »Stindl hatte die Aufgabe, bei gegnerischem Ballbesitz mit abzukippen. Aber wir wollten nicht grundsätzlich auf zwei Stürmer verzichten«.

Für die mutige Herangehensweise in Unterzahl wurden die Borussen mit dem Führungstreffer belohnt, als Nordtveit bei seinem Freistoß die schlecht postierte Darmstädter Mauer inklusive des Keepers düpierte.

Doch die Gladbacher schenkten den Ausgleich her und es entwickelte sich ein »heißer Kampf«, wie André Schubert sagte. »Es ging hin und her, beide Mannschaften wollten gewinnen«. »Beim 2:2 dachte ich, ein Punkt ist besser als keiner. Aber irgendwie habe ich bis zum Ende dran geglaubt, dass wir es noch gewinnen können«, sagte Max Eberl.

Dass es so kam, war Ausdruck des »unglaublichen Willens«, den nicht nur Torschütze Oscar Wendt an den Tag legte. Die ganze Mannschaft, ja das ganze Stadion trug diesen finalen Spielzug ins Darmstädter Tor.

»Der Verein lebt von einer unfassbaren Zusammengehörigkeit«, schwärmte Max Eberl. »Es ist einfach eine große Familie, jeder hat seinen Anteil daran«, bestätigte André Schubert. »Kaum ein Spiel hat so viel Zusammenhalt und Teamgeist demonstriert wie das heutige«. »Wir haben unglaublich dagegen gehalten und mit dem 3:2 das i-Tüpfelchen gesetzt. Es war ein krönender Abschluss – auch für die Zuschauer«, sagte Lars Stindl.

»Momentan geht nur Spektakel bei uns – leider«, so Stindl weiter. Derweil erläuterte André Schubert seine Definition für ‚Spektakel‘: »Eigentlich wollen wir vorne ganz viele Tore machen und hinten keine bekommen. Das hat auch über ein paar Spiele sehr gut funktioniert. Weil wir auf eine bestimmte Art und Weise gespielt haben, für die wir aber eine körperliche und geistige Frische brauchen, die uns irgendwann auch aufgrund der vielen Verletzten ein bisschen abhandengekommen ist. Und dann spielst du nicht mehr so gutes Gegenpressing, du lässt mehr zu und bekommst mehr Gegentore. Dadurch werden die Spiele offener und es gibt mehr Spektakel. Für die Zuschauer toll, für uns nicht. Unser Ziel für die Zukunft wird sein, dass der Gegner kein Tor schießt und wir möglichst viele. Aber es ist richtig: Wir wollen lieber 3:2 als 1:0 gewinnen«.

So wie an diesem denkwürdigen 4. Adventssonntag im Borussia-Park. »Es war ein grandioses und irres Spiel zum Abschluss. Es ist natürlich schön, mit einem Erfolgserlebnis in die Winterpause gehen zu können«, so Schubert. »Wir können jetzt mit einem guten Gefühl nach Hause gehen und Weihnachten feiern«, sagte Havard Nordtveit. »Und die Batterien wieder aufladen«.

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