Einzelkritik: AC Florenz - Borussia Mönchengladbach 2:4 (2:1)

Ein grandioses Comeback

von Redaktion TORfabrik.de
Kommt der Matchwinner geflogen  (Foto: Vincenzo Pinto / AFP / Getty Images)

Kommt der Matchwinner geflogen (Foto: Vincenzo Pinto / AFP / Getty Images)

Nach einem 0:2 Rückstand mit 4:2 zu gewinnen, ist nicht alltäglich. Wenn das dann noch bei einer italienischen Mannschaft gelingt, ist es etwas ganz Besonderes. Borussia Mönchengladbach gelang in Florenz ein grandioses Comeback.

Yann Sommer: Überließ Christensen in der Anfangsphase eine flache Hereingabe, als er kurz überlegt hatte rauszulaufen. Beim 0:1 ohne Abwehrchance, danach rettete er innerhalb weniger Sekunden hervorragend mit Reflexen gegen Chiesa und Bernardeschi aus kurzer Distanz. Rutschte vor dem 0:2 kurz weg und konnte das Gegentor nicht verhindern. Nach der Pause mit starker Reaktion gegen Kalinić, als er den neuerlichen Rückstand verhinderte. Boxte einen Valero-Freistoß weg, obwohl er angegangen wurde. Diesmal verarbeitete er keinen Rückpass mit dem Außenrist. Note 2,0.

Tony Jantschke: Begann mit einer Fehlannahme bei langem Zuspiel von Vestergaard, danach war er jedoch im Spiel. Er setzte gut Druck beim Pressing, war beteiligt an Ballstaffetten und hatte Mut zum Vertikalpass. Ging auch selbst in die Gassen, wenn sie sich öffneten. In der ›Sammelphase‹ nach den Gegentoren mit zwei, drei unsauberen Aktionen. In der zweiten Hälfte zunächst vorne dabei, als er nach einem Lauf über rechts gefoult wurde. Aus dem Freistoß resultierte das 3:2. Danach hinten eine Bank: Jantschke machte seine Seite souverän zu und bis auf einen Kopfball zum Gegner klärte er mehrfach stark in der Luft. Note 2,5.

Andreas Christensen: War zu Beginn irritiert bei einer flachen Hereingabe, als er auf ein Eingreifen von Sommer wartete und dann etwas unkontrolliert zur Ecke klären musste. Beim ersten Gegentor mit dem entscheidenden Fehler, weil er rausrückte, so dass Kalinić in seinem Rücken freie Bahn hatte. Hielt danach den Laden zusammen, auch wenn er bei der Entstehung der Kalinić -Chance unmittelbar nach dem 2:2 keinen Zugriff bekam. Christensen stürmte beherzt mit Ball am Fuß weit nach vorne und schoss nach Doppelpass mit Drmić aufs Tor. Der Ball wurde zur Ecke abgefälscht, aus der das 4:2 resultierte, das Christensen mit kurzem Sprint, einem energischen Sprung und einem ebensolchen Kopfball selbst erzielte. Bei gegnerischen Standards und sonstigen Hereingaben wirkte er wie ein Magnet und köpfte gefühlt jeden gefährlichen Ball weg. Rauschte in der Endphase mit einem Gegenspieler zusammen und zog sich einen Cut über dem rechten Auge zu. Note 2,5.

Jannik Vestergaard: Hätte das Spiel bereits in der Anfangsphase in die richtige Richtung lenken können, als er nach seinem beherzten Kopfball in Kombination mit dem Kopf des Gegners den Pfosten traf. Danach mit Glück, dass Sommer die Doppelchance bereinigte, nachdem Vestergaards Abwehrversuch zu spät und unbeholfen kam. Die Situation vor dem 0:2 war unentschuldbar - das darf auf diesem Niveau nicht passieren. Darüber hinaus mit einigen misslungenen Pässen und verlorenen Zweikämpfen, wenn er rausrückte und vergeblich versuchte, vor dem Gegenspieler am Ball zu sein. Positiv, dass sich Vestergaard trotz des Riesenbocks weiter zeigte. Nach der Pause spielte er klarer und ging konzentrierter zu Werke. Ihm wird ein ziemlich großer Stein vom Herzen gefallen sein, dass am Ende alle über seinen Aussetzer lachen konnten. Note 4,0.

Oscar Wendt: Vor allem in der Anfangsphase ein echter ›Wirbel-Wendt‹. Der Schwede war an guten Kombinationen beteiligt und machte prima Laufwege. Mit seiner Flanke nach einer abgewehrten Ecke bereitete er den Vestergaard-Kopfball an den Pfosten vor. Hob beim 0:1 das Abseits auf, da hätte er einen schnellen Schritt nach vorne machen müssen. Nach der Pause im Spiel nach vorne weniger auffällig, dafür mit einer soliden Leistung hinten und sorgfältigem Passspiel. Insgesamt eine coole Darbietung. Note 2,5.

Christoph Kramer: Treibende Kraft beim Pressing in der Anfangsphase, mit mehreren gelungenen Balleroberungen und schnellen kurzen Pässen. Die defensive Abstimmung mit Dahoud passte nicht immer, u.a. vor dem 0:1. Kramer sah nach der Pause die Gelbe Karte, nachdem er einen etwas zu lässigen Pass spielte und den Gegenspieler anschließend festhalten musste. Als Verwalter des Vorsprungs sehr schlau unterwegs. Er fing vieles ab und beruhigte das Spiel. Note 3,0.

Mo Dahoud: Kam ordentlich in die Partie und spielte einige gute Bälle. So als er sich mit einer Körpertäuschung wegdrehte und Wendt anspielte. Auch mehrere Balleroberungen waren gelungen. Doch als Kramer vorne rechts draufging und Dahoud an der Mittellinie ohne Rückendeckung das Duell mit Bernadeschi verlor, war der Weg frei für den ersten Treffer der Fiorentina. Hatte später eine Chance, als er einen halben Schritt zu weit für das Zuspiel von Herrmann war, so dass der Schuss ohne die richtige Kontrolle über das Tor flog. Mit klugem Zuspiel bereitete Dahoud die Drmić-Chance vor der Pause vor. In der zweiten Halbzeit nach dem 4:2 hinten mit ein paar Sperenzchen, u.a. knallte er nach einer Pirouette Badelj den Ellenbogen ins Gesicht. Zehn Minuten vor Schluss wurde er durch Strobl ersetzt. Note 3,5.

Patrick Herrmann: Zu Beginn in der starken Phase mehrfach eingebunden. Später mit der flachen Hereingabe auf Dahoud von der Grundlinie. Als er kurzzeitig auf links war, spielte er einen eigenartigen Ball mit Außenrist ins Seitenaus. Der Assistent an der Torlinie erkannte, dass Herrmann nach der Hofmann-Flanke im Strafraum elfmeterreif umgerissen wurde. Nach der Pause bei den schnellen Angriffen involviert und als Doppelpasspartner für Hofmann nach der kurz ausgeführten Ecke. Hart, aber mit gestrecktem Fuß ging er in einen Zweikampf. Ansonsten mit Schwächen in den direkten Duellen, einmal ließ er sich leicht wegdrücken, als er eigentlich den Ballbesitz hätte weiterführen können. Note 3,5.

Jonas Hofmann: Startete mit einem ›Ausrutscherpass‹ und kurz darauf nach gelungenem Doppelpass mit einem eher harmlosen Schuss. Hofmann war sehr aktiv, stellte vorne gut zu und ging drauf, ohne übermotiviert zu wirken. Bei Umschaltmomenten des Gegners ist sein Timing noch verbesserungswürdig. Er spielte den Rückpass auf Verstergaard, der zwar in dieser Situation nicht zwingend notwendig, aber legitim war. Hofmann war an allen vier Treffern beteiligt: Er schlug die Flanke zum Elfmeter, trat die Ecke zum Ausgleich, spielte den hoppeligen Freistoß zur Führung und setzte sich nach der kurz ausgeführten Ecke stark durch und flankte fein auf Christensen. Machte in der 72. Minute Platz für die etwas defensivere Variante Johnson. Note 2,5.

Lars Stindl: Schon in der Anfangsphase der Architekt mehrerer Angriffe. Er holte sich viele Bälle, weil er sich geschickt ins Mittelfeld fallen ließ. Hechelte beim 0:1 noch lange hinter Bernardeschi her, kam aber nicht mehr hin. Stand nach seinem Fehlversuch zuletzt beim Elfmeter unter Druck und hielt dem Stand. In Abstaubermanier einer echten Nummer 13 (Müller) markierte er den Ausgleich. Mit einem typischen Stindl-Schuss traf er zum 3:2. Er war fraglos der Mann des Abends. Rackerte bis in die Schlussphase mit und sah noch Gelb, obwohl er den Ball spielte. Stindl akzeptierte die Entscheidung profihaft. Note 1,0.

Thorgan Hazard: War mit dabei in der schwungvollen Anfangsphase, u.a. mit einem schönen Steckpass auf Wendt. Ein Freistoß aus guter Position geriet zu niedrig und landete in der Mauer. Verletzte sich kurz darauf, spielte zunächst weiter und musste schließlich doch passen. Ohne Note.

Josip Drmić: Ersetzte bereits nach 27 Minuten den verletzten Hazard. Unmittelbar nach der Einwechslung fiel das 0:2. Doch Drmić zeigte sich und gab das erste offensive Signal, als er bei einem Schuss aufs lange Eck am Florenzer Keeper scheiterte. Vor dem Ausgleich bekam er den Ball aus kurzer Distanz nicht am Torwart vorbei, Stindl staubte zum Glück ab. Drmić gelangen gute Kopfballverlagerungen bzw. gewonnene Luftduelle bei reichlich Gegenwehr. Der Schweizer strahlte immer eine gewisse Drohung aus, wenn er sprintstark Räume öffnete. Note 2,5.

Fabian Johnson: Ersetzte Hofmann, um die defensive Kompaktheit zu erhöhen. Johnson hatte Möglichkeiten zu kontern, doch der Effet am Ball ist und bleibt sein Feind. Tauschte gegen Ende mit Herrmann die Seite. Ohne Note.

Tobias Strobl: Kam für Dahoud, um endgültig dicht zu machen. Ohne Note.

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