Jannik Vestergaard

Ein Fels in der Brandung

von von Marc Basten und Nadine Basten
Applaus für eine starke Saison (Foto: Andy Buchanan / AFP / Getty Images)

Applaus für eine starke Saison (Foto: Andy Buchanan / AFP / Getty Images)

Nach einem etwas schleppenden Start in Mönchengladbach entwickelte sich Jannik Vestergaard im Verlauf seiner ersten Saison bei Borussia im wahrsten Sinne zu einer festen Größe. Der Fauxpas in Florenz sorgte für einen Schub.

Die Verpflichtung von Jannik Vestergaard im letzten Sommer war von einigen Zweifeln begleitet. 10 Millionen Euro für einen Innenverteidiger, der in Bremen und Hoffenheim gegen den Abstieg gespielt hat und aufgrund seiner Größe von knapp zwei Metern etwas tapsig daherkommt? Dieser 24-Jährige sollte die buchstäblich große Lösung für Borussia sein?

Mit Abschluss der Saison sind die Zweifler weitestgehend verstummt. Jannik Vestergaard hat in Mönchengladbach definitiv Eindruck hinterlassen. Dabei war Trainer André Schubert zu Beginn nicht so wirklich von den Qualitäten des Dänen überzeugt. Mit Ausnahme der ersten Pokalrunde kam Vestergaard in den ersten sechs Pflichtspielen nur als Einwechselspieler zum Einsatz, in Manchester blieb er komplett außen vor.

Sein Startelfdebüt in der Bundesliga gab Vestergaard Mitte September gegen seinen Ex-Klub Werder Bremen. Mit einem weiten Ball auf Hazard bereitete er das vorentscheidende 2:0 vor. Vier Tage später in Leipzig durfte er wieder von Beginn an ran, danach gegen Ingolstadt kam er von der Bank und in der Champions League gegen Barcelona blieb ihm nur die Rolle des Zuschauers.

Ein würdiger Stranzl-Nachfolger

Am folgenden Wochenende beim Auswärtsspiel auf Schalke stand er als zentraler Mann in der Dreierkette auf dem Platz und machte ein ordentliches Spiel. Zur Pause wurde er jedoch aus taktischen Gründen ausgewechselt und Borussia ging im zweiten Durchgang mit 0:4 unter.

Beim unsäglichen 0:0 gegen Hamburg kam Vestergaard nur zu einem Kurzeinsatz, doch in dieser Partie verletzte sich Landsmann Christensen und fiel für die nächsten sechs Partien aus. Das spülte Vestergaard in die Startelf. Er machte es ordentlich und nach dem 1:1 daheim gegen Celtic hieß es in der Einzelkritik: Ein würdiger Stranzl-Nachfolger, wenn er weiterhin so kopfball- und zweikampfstark bleibt.

Durch seine Größe hatte Vestergaard natürlich Vorteile im Luftkampf, aber auch am Boden machte er keine so schlechte Figur. Probleme gab es zunächst meist in den Situationen, in denen er aufrückte und frühzeitig draufgehen wollte. Da stimmte das Timing mehrfach nicht.

Vestergaard verpasste 2017 keine Minute

Auch nach Christensens Genesung blieb Vestergaard (Ausnahme die Partien gegen Manchester und in Dortmund) in der Startelf. Es war allerdings die Phase, in der es bei Borussia im Sturzflug nach unten ging, wobei der Däne nie wirklich schlecht spielte.

Als Dieter Hecking das Traineramt übernahm, legte er sich direkt auf Christensen und Vestergaard als Innenverteidiger der Viererkette fest. Jannik Vestergaard war gesetzt und verpasste letztlich keine einzige Minute in den 24 Partien des Jahres 2017. Er avancierte im wörtlichen Sinn zu einer festen Größe.

Sein Timing beim Vorrücken verbesserte sich mit zunehmendem Spielrhythmus merklich, zudem wurde er immer mehr zum Fels in der Brandung, der gegnerische Angreifer reihenweise an sich abprallen ließ. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang, dass Vestergaard zwar sehr resolut zu Werke ging, jedoch wettbewerbsübergreifend lediglich zwei Gelbe Karten sah. Das spricht eindeutig für die Art der Zweikampfführung des dänischen Nationalspielers.

Nach dem Bock von Florenz stabiler denn je

Am 19. Februar gegen Leipzig konnte er zwar die 1:2-Heimniederlage nicht verhindern, aber immerhin gelang ihm endlich sein erster Treffer für die Borussia. Zigfach hatte er es zuvor bei Standards probiert, doch erst gegen RB platzte der Knoten. Drei weitere Treffer sollten bis zum Saisonende folgen.

Vier Tage nach dem ersten Tor erlebte Jannik Vestergaard einen weiteren Meilenstein. In der Europa League in Florenz unterlief ihm ein Riesenbock, als er über den Ball fiel und den Italienern den vermeintlich vorentscheidenden Treffer zum 2:0 ermöglichte.

Doch anstatt im Boden zu versinken, behielt er den Kopf oben. Borussia drehte das Spiel und am Ende war der Aussetzer nicht entscheidend. Vestergaard ging sogar gestärkt aus diesem Erlebnis hervor, in den nächsten Wochen lieferte er regelmäßig blitzsaubere Partien ab.

Im Hinblick auf die neue Saison ist es natürlich sehr bedauerlich, dass durch den Abgang von Christensen die dänische Innenverteidigung auseinandergerissen wird. Jannik Vestergaard wird aufgrund seiner starken zweiten Halbserie, mit welchem Nebenmann auch immer, ein fester Bestandteil auf dem Weg zurück nach Europa sein.

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