Viel Arbeit für den Sportdirektor

Eberl: »Die 50 Millionen sind völliger Quatsch«

von Viel Arbeit für den Sportdirektor

Max Eberl hat "Bock und Lust", eine 'neue' Mannschaft zu bauen (Foto: TORfabrik.de)

Die Sommerpause ist für Sportdirektor Max Eberl immer eine arbeitsintensive Zeit - in diesem Jahr besonders. Es steht zwar kein völliger Umbruch an, dennoch sind einige Veränderungen notwendig, damit der neue Trainer Marco Rose seine Vorstellungen umsetzen kann.

Max Eberl hat seinen Wunschtrainer bekommen. Die offizielle Vorstellung von Marco Rose am Mittwoch stieß durchweg auf positive Resonanz - auch beim Sportdirektor. »Fachlich, sachlich, klar«, charakterisierte Eberl später im Gespräch mit dem Lokalradio 90.1 den neuen Mann auf Borussias Trainerbank. »Energie und Kraft« strahle Rose aus, so Eberl. »Seine Überzeugung lebt er in einer angenehmen Art und Weise vor«.

Doch bevor die Lobeshymnen auf den neuen Coach zu überschwänglich werden konnten, grätschte Eberl in alter Verteidigermanier dazwischen. »Es sind extrem viele Vorschusslorbeeren. Marco muss der Sache auch erstmal gerecht werden.« Fakt ist, dass mit dem neuen Cheftrainer auch eine neue Art des Fußballs in Mönchengladbach eingeführt werden soll. »Die letzten sieben, acht Jahre haben wir in Gladbach guten Fußball gesehen, sehr gut und strukturiert gespielt, aber uns doch sehr weit zurückgezogen«, erläuterte Eberl. »Die Idee war, einen Trainer zu finden, der natürlich zu unserem Fußball passt, aber trotzdem einen anderen Ansatz hat, eine neue Spielidee und eine neue Ansprache.«

»Es wird Spieler geben, die das nicht so auf die Kette kriegen«

Doch wie passt das zusammen? Hier der kontrollierte Ballbesitzfußball bei moderatem Tempo, dort der neue Trainer, der für Extrem-Pressing steht? »Salzburg hat schon Fußball gespielt und nicht nur den Gegner totgepresst«, schränkte Eberl ein. »Aber wenn sie den Ball im letzten Drittel verlieren, starten sie sofort dieses Gegenpressing um sich den Ball mit Gier, mit Willen und Energie wieder zurückzuholen.« Und das soll künftig auch bei Borussia so sein.

Damit das fruchtet, muss der Kader ein neues Gesicht erhalten, auch wenn es keine Kompletterneuerung geben wird. »Nur weil man in den letzten Jahren nur mehr oder weniger diese eine Art des Fußballs gespielt hat, heißt es ja nicht, dass die Mannschaft das andere nicht kann«, so Eberl. »Natürlich wird es im Sommer keinen Umbruch geben, wir werden den Kader sukzessive anpassen. Aber wir haben genug gute Spieler, die das, was Marco möchte, auf den Platz bringen können. Es wird Spieler geben, die werden das lernen und es wird vielleicht auch Spieler geben, die das nicht so auf die Kette kriegen. Aber das ist bei jedem Trainerwechsel der Welt so«.

»Ein oder zwei Stürmer, die Verteidigung und die eine oder andere ›Nebenposition‹«

»Spieler werden aus Schubladen geholt und andere, die sich als uneingeschränkte Stammspieler gefühlt haben, müssen auf einmal richtig um ihren Platz kämpfen oder verlieren ihn sogar«, erwartet Eberl interne Veränderungsprozesse. Dazu sollen externe Impulse folgen. »Natürlich werden wir bei den Transfers darauf ein Augenmerk legen, um dem neuen Ansatz gerecht zu werden. Ich will einen Kader haben, wo der Trainer auswählen kann, um seine Idee des Fußballs umzusetzen«. Bislang wurde, bis auf die Position des dritten Torwarts, noch kein Neuzugang verkündet und vieles ist noch in der Schwebe. »Es ist schon so, dass wir ein oder zwei Stürmer gerne machen würden. Die Verteidigung ist auch ein Punkt, wo wir uns Gedanken machen und dann kann es noch die eine oder andere ›Nebenposition‹ sein«.

Dass Borussia durch die Hazard-Millionen und die garantierten Einnahmen aus der Europa League nun auf dem Transfermarkt locker flockig einkaufen kann, ist natürlich nicht der Fall. »Wir haben gutes Geld, da möchte ich mich gar nicht beschweren«, sagte Eberl. »Aber nicht die Summe, die da gehandelt wird. Die 50 Millionen sind völliger Quatsch«. Borussia muss weiter um jeden Euro feilschen und genau daran liegt es, warum aktuell auf der Transferschiene nur zähfließender Verkehr herrscht. »Mit den Ideen der Spieler sind wir relativ weit, da haben wir schon großteils eine gute Einigung erzielt. Aber die Problematik ist der abgebende Verein. So wie wir ja auch unangenehm sind, so sind die anderen Vereine auch unangenehm. Früher hat man sich in einem Reigen von vielleicht 10 - 15 Millionen Euro bewegt, heute sagt der eine 10 und der andere sagt 30 - also da ist man erstmal noch meilenweit auseinander. Das ist schon noch ein Prozess, den wir gehen müssen. Ich hoffe, dass es sich nicht zu lange zieht. Wir haben klare Vorstellungen, die wir umsetzen wollen, aber ich kann nicht versprechen, dass alles in den nächsten 2 - 3 Wochen passiert.«

»Mit Freude und Begeisterung dabei, weil ich einfach Bock und Lust habe, eine ›neue‹ Mannschaft zu bauen«

Das Beuteschema beinhaltet neben entwicklungsfähigen Talenten diesmal auch Spieler im mittleren Fußballeralter. »Wir werden den einen oder anderen Spieler dazunehmen, der auch diese Altersstruktur besetzt, die wir gerade nicht so haben«. Da der Kader quantitativ nicht aufgebläht werden soll, werden zwangsläufig Abgänge folgen. »Klar versuchen wir, im Kader Platz zu schaffen, um neue Spieler dazuzubekommen. Das ist auch meine Aufgabe, mit den betreffenden Spielern und ihren Beratern zu reden und ihnen das nahe zu bringen. Diese Puzzleteile zusammenzufügen, ist jetzt meine Aufgabe in den nächsten vier, sechs oder acht Wochen. Es ist eine Menge zu tun, aber ich bin mit Freude und Begeisterung dabei, weil ich einfach Bock und Lust habe, eine ›neue‹ Mannschaft zu bauen.«

 


von Marc Basten

 

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