Nachdreher aus dem Borussia-Park

»Drei Punkte – nicht mehr und nicht weniger«

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Ein Bild mit Symbolcharakter (Foto: Dean Mouhtaropoulos - Getty Images)

Borussia Mönchengladbach hat das wichtige Heimspiel gegen St. Pauli mit 2:0 gewonnen und damit einen Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht. Die Leistung gegen den direkten Konkurrenten aus Hamburg war dabei wenig glanzvoll – aber darum ging es an diesem Abend im Borussia-Park auch nicht.

Wer am Freitagabend als neutraler Fußballfan ein unterhaltsames Bundesligaspiel erwartet hatte, der wurde ganz gewiss enttäuscht. Was Borussia und der FC St. Pauli da auf den Rasen des Borussia-Parks brachten, war über weite Strecken biederer Anti-Fußball. Es passte zum unangenehm nasskalten Wetter an diesem Märzabend.

Doch zum Glück hat man sich in Gladbach mittlerweile von dem Irrglauben verabschiedet, über eine Mannschaft zu verfügen, deren Stärken im spielerischen Bereich liegen und die deshalb einen Gegner wie St. Pauli dominieren müsste. Stattdessen befindet man sich mit St. Pauli & Co. nicht nur tabellarisch auf Augenhöhe, sondern auch fußballerisch. So ist es nicht verwunderlich, dass die Borussen nach einer ordentlichen Anfangsviertelstunde gegen einen sehr passiven Gegner schrittweise an Spielanteilen verloren, als die Hamburger aktiver wurden.

Nicht attraktiv, aber legitim

Über weite Phasen war das Gladbacher „Spiel" nicht mehr als Kick and Rush. Die Bälle hinten raushauen und vorne – oft vergeblich – darauf hoffen, dass Tabaković einen Ball festmachen und weiterleiten kann. Wie nach dem Spiel zu hören war, gab es die konkrete Ansage, lieber lang und weit zu spielen, als sich in engen Situationen zu verheddern. Genau so, wie es eine Mannschaft machen muss, deren fußballerische Qualität allenfalls durchschnittlich ist.

Eine solche Herangehensweise ist nicht attraktiv, aber sie ist legitim. Vor allem, wenn der Gegner ebenfalls nicht die Klasse besitzt, gegen eine konzentriert arbeitende Defensive Lösungen zu finden. So war es ein Spiel, bei dem sich beide Teams irgendwie nicht trauten – weil sie wussten, dass sie es auch nicht wirklich können. In einer solchen Konstellation entscheiden zwei, drei Momente über Verlauf und Ausgang einer Partie.

Arango-Vibes nach Stögers Traumtor

Ein erster solcher Moment war die 28. Minute, als St. Pauli die Riesenchance zur Führung hatte, Fujita mit seinem schwachen Abschluss jedoch an Nicolas scheiterte. Neun Minuten später folgte der zweite Moment: Kevin Stöger zirkelte diesen wunderbaren Freistoß in den Winkel. Endlich mal wieder ein direktes Freistoßtor – da schwappten Arango-Vibes durch den Borussia-Park und erinnerten für einige Augenblicke an bessere Zeiten. »Das war ein überragendes Tor«, freute sich Sportchef Rouven Schröder. »Danach haben wir gut verteidigt.«

St. Pauli musste nun zwangsläufig noch mehr fürs Spiel tun, aber die Hamburger taten sich damit schwer. Die Borussen standen zwar sehr tief und hatten kaum nennenswerten Ballbesitz, gerieten aber nie so unter Druck, dass es wirklich gefährlich wurde. Stattdessen sorgte der dritte besondere Moment des Abends für die Entscheidung: Der abgefälschte Schuss des gerade eingewechselten Franck Honorat brachte in der 62. Minute das 2:0. Dieser Treffer lag wahrlich nicht in der Luft, raubte den Gästen aber das Zutrauen, noch zurückkommen zu können. Trainer Alexander Blessin bestätigte anschließend, dass auch er zu keiner Zeit das Gefühl hatte, dass seine Mannschaft das Spiel drehen könnte.

»Dafür müssen wir uns nicht entschuldigen«

»Wir haben zum richtigen Zeitpunkt nachgelegt«, sagte Rouven Schröder. »Natürlich war das heute nicht unser bestes Spiel, aber wir waren das effektivere Team – und dafür müssen wir uns nicht entschuldigen.« Gerade im Abstiegskampf heiligt der Zweck mehr denn je die Mittel. Oder um aus unserem Vorbericht zu zitieren: Dabei ist es zweitrangig, ob dieser Sieg mit begeisterndem Fußball oder einer eklig dreckigen Spielweise erreicht wird. In Mönchengladbach zählt die B-Note im zu Ende gehenden Winter längst nicht mehr.

Die nunmehr 28 Punkte nehmen ein wenig die Dramatik aus der Gemengelage. Doch Schröder hob direkt den Zeigefinger: »Es war kein Befreiungsschlag, sondern drei Punkte – nicht mehr und nicht weniger. Wir wissen, dass wir weiter punkten müssen – und das schon im Derby nächste Woche. Wir fahren da hin, um zu gewinnen.«


von Marc Basten

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