Einzelkritik: Fortuna Düsseldorf - Borussia Mönchengladbach 0:1 (0:0)

Die Pflicht erfüllt

von von Redaktion TORfabrik
Ab ins Achtelfinale (Foto: Lukas Schulze / Bongarts / Getty Images)

Ab ins Achtelfinale (Foto: Lukas Schulze / Bongarts / Getty Images)

Borussia Mönchengladbach erfüllte im Pokal-Derby bei Fortuna Düsseldorf die Pflicht und zog ins Achtelfinale ein. Die Leistung war solide, wobei vor allem der Einsatzwille hervorzuheben war.

Yann Sommer: Hatte in der ersten Halbzeit nichts Nennenswertes zu halten. Das änderte sich erst nach dem Führungstreffer. Er hielt den Kopfball von Hennings sicher und klärte nach einer Flanke mit einer ›Faust-Wisch-Abwehr‹. Die sah etwas eigenartig aus, war aber funktionell. Beim Elfmeter spekulierte er zwar auf die richtige Ecke und machte sich lang - zu erreichen war der Ball, der an den Pfosten klatschte, nicht mehr. Den zurückspringenden Ball fälschte er leicht ab, aber zum Glück nicht vor die Füße von Gießelmann. In der Schlussphase, als Fortuna lange Bälle reinpumpte, zeigte sich Sommer mehrfach. In einer Situation überließ er Ginter die Klärungsarbeit. Note 3,0.

Tony Jantschke: Erstes Pflichtspiel für den 27-Jährigen seit April. Dass da noch nicht alles rund laufen würde, war zu erwarten. Ein Fehlpass, der zu einem Konter führte, und zwei, drei Unachtsamkeiten waren mit der fehlenden Spielpraxis zu entschuldigen. Dennoch brachte Jantschke durchaus etwas an Stabilität auf die rechte Seite, Mit meist gutem Stellungsspiel besetzte er die Passwege des Gegners und ›fasste‹ auch mal zu. Vorne gab Jantschke nach einem Standard die Kopfballvorlage zur Stindl-Chance, zudem gelang ihm ein Hackenzuspiel auf Traoré und nach der Pause wurde seine Hereingabe im Anschluss an einen Doppelpass mit Raffael ans Außennetz abgefälscht. Geschmälert wurde Jantschkes Leistung durch das Verursachen des Elfmeters. In die Finte von Gießelmann zu tappen, war schon nicht schlau. Das anschließende Foul allerdings komplett überflüssig. Note 3,5.

Matthias Ginter: Machte eine souveräne und weitestgehend unauffällige Partie. Zwei, drei härtere Einsätze der Düsseldorfer musste er über sich ergehen lassen. Der Ex-Dortmunder hatte 109 Ballkontakte, wobei er sich im Spielaufbau größtenteils auf den kurzen Sicherheitspass beschränkte. In der Schlussphase, als es Fortuna mit langen Verzweiflungsschlägen versuchte, mit einigen wichtigen Kopfballklärungen. Note 3,0.

Nico Elvedi: Rückte von der Position des Rechtsverteidigers auf die des linken Innenverteidigers. Brachte so erhöhte Schnelligkeit ins Abwehrzentrum, was er einige Male ausspielen konnte. Allerdings kam er im Verbund mit Wendt gegen Zimmer zu spät. Etwas Mühe hatte er in den Situationen, in denen Hennings als Anspielstation mit dem Rücken zu Elvedi gesucht wurde. Vorne köpfte Elvedi nach einer Ecke über das Tor. In der Schlussphase wurde es noch einmal brenzlig, als er von Hennings im Strafraum überlupft wurde. Note 3,5.

Oscar Wendt: An seinem 32. Geburtstag kam er etwas holprig ins Spiel - ein Fehlpass und eine missratene Ecke waren zu Beginn zu notieren. Doch der Schwede fand die nötige Stabilität, auch wenn er beim ersten Abschluss von Zimmer etwas zu spät rausrückte und kurz darauf Glück hatte, dass sein Kontakt gegen Zimmer im Strafraum keinen Elfmeter zur Folge hatte. Im weiteren Verlauf löste er potentiell brenzlige Situationen in aller Ruhe, im Spiel nach vorne war er an vielen Ballstafetten beteiligt, wobei er ein paar mal übersehen wurde, als er sich vorne anbot. Note 3,5.

Mickaël Cuisance: Eindeutig nicht der Abend des Youngsters, dem gar nichts gelingen wollte. Er begann sehr fahrig und das zog sich wie ein roter Faden durch sein Spiel. Mehrfach war er hilflos unterlegen im Zweikampf, so ließ er sich von Neuhaus in einer Szene ganz einfach wegdrücken. Übermütige Dribblings führten zu einfachen Ballverlusten. Einerseits ging der junge Franzose nicht zum Ball, als er angespielt wurde, anderseits wollte er an jeder Aktion beteiligt sein und nahm besser postierten Kollegen den Raum, die wiederum Cuisances Ballverluste korrigieren mussten. Sah in der 58. Minute Gelb nach einem Scharmützel mit Zimmer und wurde in der 66. Minute ausgewechselt. Natürlich muss man einem jungen Spieler auch eine solche Partie zugestehen, doch gegen einen anderen Gegner wäre das ins Auge gegangen. Note 5,0.

Denis Zakaria: War der beste Spieler an diesem Abend. Unglaublich zweikampfstark, mit riesigem Aktionsradius und sich für keine Drecksarbeit zu schade. Assistierte auch auf den Außen, wenn es nötig wurde. Im Spielaufbau ließ er sich zeitweise zwischen die Innenverteidiger fallen, im Verlauf der zweiten Halbzeit gab er den perfekten Drahtzieher, wenn sich Borussia kontrolliert herausspielte. Mit einem unwiderstehlichen Solo überlief er das gesamte Spielfeld bis hin zu einem Linksschuss, bei dem die Kraft fehlte. Vor der Pause versuchte er es aus der Distanz, der Ball flog jedoch deutlich drüber. Als Cuisance sich mit Zimmer ›fetzte‹, schlichtete Zakaria. Note 2,0.

Thorgan Hazard: Diesmal nominell über links kommend, tauchte er mit ständigen Positionsrochaden oftmals zentral auf. Wie immer war er viel unterwegs und sorgte für Unruhe beim Gegner. Er holte Ecken heraus und bereitete einige der Halbchancen mit vor. Das goldene Tor erzielte Hazard mit einer Menge Glück, aber er suchte den Abschluss und hatte sich den Erfolg damit verdient. Ein riskanter Pass in die Mitte ermöglichte Fortuna eine Umschaltaktion. Bei einem Konter wurde er von Stindl bedient, knallte den Ball aber übers Tor. Der Einsatz des Belgiers war vorbildlich, am Ende plagten ihn Krämpfe. Note 3,0.

Ibrahima Traoré: War zu Beginn sehr unruhig, als er quasi alles in Grund und Boden rennen wollte. Er dirigierte und wedelte viel mit den Armen, am Ball war er sehr hektisch. Ein Verlagerungspass geriet zu weit und bei seinem Rechtsschuss kam er aus der Balance, weil er den linken Arm nicht ausstreckte. Einmal gelang sein typischer Move nach innen - doch der Ball ›kurvte in die Kurve‹. Nach dem Seitenwechsel tauchte er immer mehr ab und wurde eine Viertelstunde vor Schluss durch Johnson ersetzt. Note 4,0.

Lars Stindl: Startete mit viel Biss in die Partie, seine starke Balleroberung führte zur ersten Ecke. Der Kapitän hatte eine relativ gute Chance nach dem Kopfballzuspiel von Jantschke, doch der Schuss wurde geblockt. Ansonsten war er wieder viel in Zwischenräumen unterwegs und ließ sich fallen. Er rackerte und versuchte einiges, um Lücken im Düsseldorfer Defensivverbund aufzutun. Mit einer ›Kampf-Ablage‹ ebnete er den Weg zu Zakarias Solo. Kurz nach dem Führungstor hatte er die Möglichkeit zum vorentscheidenden 2:0, doch er säbelte im Strafraum über den Ball. Note 3,0.

Raffael: Nahm in der Anfangsphase überhaupt nicht am Spiel teil. Hazard drängte vermehrt nach innen, Raffael fand auf halblinks kaum Bindung. Erst nach und nach kam er besser zurecht, ein Distanzschuss flog am Tor vorbei. Hätte kurz vor der Pause einen Strafstoß bekommen müssen, als er nach Stindl-Pass zu Fall kam. Bediente Hazard mit einem perfekt getimten Zuspiel zum Tor des Tages. Hin und wieder wurde er zu einfach vom Ball getrennt. Meistens in den Situationen, wenn sich seitlich keine Anspielstationen ergaben. Note 3,5.

Jonas Hofmann: Ersetzte Cuisance und brachte am Ball etwas Stabilität ins Zentrum. Defensiv wie gehabt mit viel Laufarbeit, aber ohne dabei in die Zweikämpfe zu gehen. Offensiv setzte er sich bei einer Umschaltaktion in Szene, als er den Ball gut nach vorne trieb, sich dann aber am Sechzehner, trotz mehrerer Abspieloptionen, verzettelte. Ohne Note.

Fabian Johnson: Kam für Traoré und rückte auf die linke Seite, Hazard ging dafür auf rechts. Johnson spulte sein Programm in der letzten Viertelstunde routiniert ab. Ohne Note.

Patrick Herrmann: Mit seiner Einwechslung in der 90. Minute wurde etwas an der Uhr gedreht. Ohne Note.

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