Dreimal einen Rückstand egalisiert

»Die Moral war überragend«

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Lars Stindl TORfabrik.de

Lars Stindl trifft per Innenrist (Foto: TORfabrik.de)

Borussia Mönchengladbach durfte sich beim 3:3 gegen Hoffenheim als moralischer Sieger fühlen. Für einen wirklichen Schritt nach oben war das Remis zu wenig, doch angesichts der Umstände zeigten sich die Protagonisten zufrieden.

Spektakuläre Spiele sind in der Bundesliga selten geworden, was auch für die meisten Partien im Borussia-Park gilt. Das 3:3 gegen Hoffenheim war da eine echte Ausnahme - trotz ekliger Minustemperaturen bekamen die Zuschauer ein heißes Spiel zu sehen.

»Das war ein tolles Fußballspiel«, sagte Dieter Hecking, schob aber gleich den wichtigen Aspekt hinterher: »Es war natürlich auch ein Fehlerspiel.« Borussias Trainer hatte seine ›Rumpftruppe‹ (elf Spieler aus dem Kader fehlten verletzt) in einer neuen Ausrichtung mit Dreierkette ins Rennen geschickt. »Wir hatten Gladbach in dieser Grundordnung nicht erwartet und hatten Probleme, Zugriff zu kriegen«, musste Gästetrainer Nagelsmann eingestehen.

Dennoch ging Hoffenheim früh in Führung - nach einem der angesprochenen Fehler. Im Anschluss an eine Ecke köpfte Hübner unbedrängt ein. Kurz darauf verabschiedete sich mit Raúl Bobadilla der nächste Gladbacher mit einem Muskelfaserriss. Dieter Hecking wollte anschließend das Thema nicht wieder aufgreifen. »Es wird kritisch analysiert werden müssen, ist jetzt aber nicht zu ändern.«

»Ein bisschen Bauchschmerzen hatte ich schon«

Die Einwechslung von Josip Drmić sollte sich als Glücksgriff herausstellen, erzielte der Schweizer doch nach zwei Jahren endlich mal wieder ein Tor für die Borussia. Nach dem tollen Pass von Cuisance markierte der Stürmer über den Umweg Baumann den Ausgleich, auf dessen endgültige Bestätigung nach Videobeweis anderthalb Minuten gewartet werden musste.

»Ich wünsche Josip, dass das jetzt der Startschuss war zu mehr«, sagte Hecking. Seine Mannschaft bekam deutlich Oberwasser und machte es im veränderten System sehr ordentlich. »Es hat sofort gepasst«, bestätigte Hecking. »Ein bisschen Bauchschmerzen hatte ich aber schon. Im inneren Mittelfeld waren mit Stindl, Cuisance und Hofmann drei spielstarke Leute, aber defensiv nicht gerade die Besten. Da bin ich schon froh, wenn Chris Kramer oder Zakaria den einen oder anderen wegräumen.«

Hofmann: »Ich treffe ihn auf jeden Fall«

Stindl machte in zurückgezogener Rolle ein gutes Spiel, Cuisance bekam sogar ein Extralob vom Trainer: »Ein Riesenkompliment, wie er mit seinen 18 Jahren das zentrale Mittelfeld bespielt hat.«

Jonas Hofmann dagegen musste sich Kritik gefallen lassen, weil seine Leistung mal wieder einer Achterbahnfahrt glich. Nach einigen richtig guten Szenen zu Beginn der zweiten Halbzeit verursachte er den Elfmeter zu neuerlichen Führung der Gäste. Gnabry nahm den ungeschickten Verteidigungsversuch von Hofmann dankbar an. »Ich treffe ihn auf jeden Fall«, schilderte Hofmann die fragliche Szene. »Aber nicht so, dass man unbedingt umfallen muss.«

»Großartig, wie Lars sich für die Mannschaft opfert«

Etwas später machte Hofmann seinen Fehler wieder gut, als er einen tollen Außenristpass auf Stindl spielte, der den Ausgleich erzielte. Nach 1416 Minuten Bundesligafußball traf der Nationalspieler wieder. »Natürlich habe ich mich über mein Tor gefreut«, sagte Stindl. Max Eberl stellte dagegen weniger Stindls Treffer in den Mittelpunkt, sondern vielmehr die Selbstlosigkeit des Kapitäns. »Ich finde es großartig, wie Lars sich für die Mannschaft opfert.«

Die Freude über das Tor-Comeback von Stindl dauerte allerdings nur wenige Augenblicke. Erneut war es Jonas Hofmann, der Hoffenheim den Weg zur neuerlichen Führung ebnete. Bei einer unbeholfenen Kollision mit dem Schiedsrichter verlor er den Ball und Grilltisch nutzte den Fauxpas zum 2:3. »Das war natürlich unglücklich«, sagte Hofmann. »Ich wollte das Spiel öffnen und hintenrum verlagern. Ich glaube, der Schiedsrichter hätte in der Situation auch gerne woanders gestanden. Aber das soll kein Vorwurf sein, es war unglücklich. Shit happens.«

Schiedsrichter das Opfer der Hofmann’schen Unzulänglichkeit

Auch wenn Schiedsrichter Martin Petersen in seinem erst sechsten Bundesligaspiel keinen wirklich souveränen Eindruck hinterließ, war er in dieser Situation nur das Opfer der Hofmann’schen Unzulänglichkeit. »Jonas hätte passen können, dribbelt aber in den Schiedsrichter rein«, sagte Dieter Hecking. »Dem Schiedsrichter kann man da keinen Vorwurf machen.«

Die Mannschaft ließ sich von dem neuerlichen Rückschlag nicht schocken und warf alles in die Waagschale. Auch Hoffenheim hatte noch Chancen - wie den Schuss an die Unterkante der Latte von Nico Schulz. »Macht er da das 4:2, dann ist das Spiel weg«, sagte Hecking.

»Hut ab, wie wir nochmal zurückgekommen sind«

Doch so kam es in der 90. Minute zum gerechten Ausgleich durch Matthias Ginter. »Hut ab, wie wir nochmal zurückgekommen sind«, sagte Lars Stindl. »Der Punkt ist absolut verdient, wenn man den kompletten Spielverlauf sieht.«

Vor zwei Wochen waren nach dem Remis gegen Werder alle tief enttäuscht, jetzt fühlten sich die Borussen als Sieger. »Es ist nicht einfach, nach dreimaligem Rückstand immer wieder zurückzukommen., vor allem in der jetzigen Phase«, sagte Jonas Hofmann. »Die Moral war heute überragend.«

von Marc Basten, Nadine Basten und Jan van Leeuwen

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