Nachdreher aus dem Borussia-Park

»Die Leistung kann und muss besser werden«

von Nachdreher aus dem Borussia-Park

Bei einem etwas konzentrierteren Abschluss von Ibo Traoré & Co hätten es sich die Borussen wesentlich leichter machen können (Foto: TORfabrik.de)

Borussia Mönchengladbach setzte sich verdientermaßen gegen den FC Augsburg durch, auch wenn längst nicht alles rundlief. Die Gäste wälzten anschließend alle Schuld auf den Schiedsrichter ab, dabei enttäuschten sie selbst auf ganzer Linie.

Natürlich kann man Manuel Baum verstehen. Der Trainer des FC Augsburg war sichtlich um Fassung bemüht, als er die Schlüsselszene des Spiels kommentierte und die nach seinem Empfinden unfassbare Fehlentscheidung des Schiedsrichtergespanns anprangerte. »Aus seiner Sicht ist das verständlich«, befand Trainerkollege Dieter Hecking. Ganz sicher hätten sich die Borussen im umgekehrten Fall ebenfalls echauffiert - auch wenn die Frage, ob Stindl nun aktiv oder passiv im Abseits stand, nicht zweifelsfrei beantwortet werden konnte. Irgendwie blieben auch die Experteneinschätzungen letztlich im Graubereich hängen.

Es war fraglos eine entscheidende Szene, gleichwohl gab es im nasskalten Borussia-Park keine zwei Meinungen, dass der Spielausgang zugunsten der Fohlenelf korrekt war. »Der Sieg ist absolut verdient«, sagte Hecking und Sportdirektor Max Eberl ergänzte: »Es war bis zum Ende ein sehr hartes Stück Arbeit, aber der Sieg ist heute völlig verdient.«

Vor allem vor der Pause war Borussia drückend überlegen. »In der ersten Halbzeit haben wir uns gegen einen sehr tief stehenden Gegner fünf, sechs hochkarätige Torchancen erspielt«, so Hecking. »Die müssen wir einfach konsequenter nutzen. Das war unser Manko im ersten Durchgang.« Plea, Traoré und Neuhaus ließen beste Einschussmöglichkeiten ungenutzt. Der negative Höhepunkt war der verschossene Elfmeter von Jonas Hofmann. Kurios dabei, dass es der dritte Strafstoß war, den die Borussen in dieser Saison vor der Pause beim Stand von 0:0 verschossen - und alle drei Spiele (Leverkusen, Nürnberg und jetzt Augsburg) letztlich mit 2:0 gewannen.

»Normalerweise muss es zur Halbzeit schon 4:0 für Gladbach stehen«

»Wir hätten es uns etwas leichter machen können«, bemerkte Eberl zu der Chancenverwertung im ersten Durchgang. In der Halbzeitpause herrschte jedoch vor allem Verwunderung darüber, wie destruktiv Augsburg die Partie angegangen war. So extrem defensiv spielen die bayerischen Schwaben sonst nicht - und die Vielzahl der klaren Gladbacher Möglichkeiten machte deutlich, dass sie es eigentlich auch nicht wirklich können.

Der Ex-Borusse Martin Hinteregger fand anschließend deutliche Worte zur Spielweise seines Teams: »Es war einfach nur schlecht. Wir haben haushoch verdient verloren und normalerweise muss es zur Halbzeit schon 4:0 für Gladbach stehen. Gefühlt hatten wir keine 20 Prozent Ballbesitz. So macht Fußball keinen Spaß, wenn du immer nur dem Ball nachläufst und nur darum bettelst«. In ein einem Radiointerview teilte der Österreicher auch gegen seinen Trainer aus. »Ich kann nichts Positives über ihn sagen und werde auch nichts Negatives sagen.«

Immerhin steigerten sich die Augsburger nach dem Seitenwechsel etwas und die Einschätzung von Trainer Baum, dass seine Mannschaft die Gladbacher im Verlauf des zweiten Durchgangs »mürbe verteidigt« hätte, konnte man teilen. »So wie das Spiel in der zweiten Halbzeit lief, hätte ich auch damit leben können, wenn es 0:0 ausgegangen wäre«, gab Hecking zu.

»Der Schlüssel war, dass wir heute Steine klopfen und wirklich hart arbeiten mussten«

»Der Schlüssel war, dass wir heute Steine klopfen und wirklich hart arbeiten mussten«, sagte Eberl. Das Tor von Oscar Wendt fiel zum richtigen Zeitpunkt, wobei die Borussen es anschließend versäumten, die nun vorhandenen Räume früher zum entscheidenden zweiten Treffer zu nutzen. So wurden mehrere gute Konter verdaddelt, während hinten bis in die Nachspielzeit hinein die Gefahr bestand, dass doch noch einer durchrutschen könnte.

Nachdem Patrick Herrmann in der dritten Minute der Nachspielzeit mit seinem fulminanten Distanzkracher alle Zweifel beseitigt hatte, wurde die Partie gar nicht mehr angepfiffen. Saisonübergreifend war es der 12. Heimsieg in Serie, allein 27 Punkte hat Borussia in dieser Spielzeit zuhause gesammelt. »Es ist ein toller Rückrundenauftakt«, sagte Dieter Hecking, fügte aber sogleich an: »Es sieht gut aus, aber die Leistung kann und muss besser werden. Schon wenn wir nächste Woche auf Schalke punkten wollen.«

 


von Marc Basten und Nadine Basten

 

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