Der Kapitän geht endgültig von Bord

Die Ära Stranzl endet

Created by von Nadine Basten
Abschied mit Tränen in den Augen (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Abschied mit Tränen in den Augen (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Als Borussia eine Pressekonferenz mit Martin Stranzl ankündigte, hatten viele bereits geahnt, dass der Routinier sein Karriereende bekannt geben würde. Und sie sollten Recht behalten.

»Es ist keine einfache Entscheidung aber es ist leider so, dass im Sommer für mich Schluss sein wird«, verkündete Stranzl sichtlich getroffen. Der 35-Jährige, der seit 2011 für die Borussia spielt, war in dieser Saison vom Verletzungspech verfolgt. Nach einem Bruch des Augenhöhlenbogens, einigen Problemen mit Oberschenkel und Knie, kam auch noch ein Muskelfaserriss hinzu. »So, wie es in den letzten Wochen und Monaten gelaufen ist, das sind Zeichen vom Körper, die man richtig interpretieren muss«.

Auch Max Eberl zeigte sich betroffen. »Es war eine unfassbar intensive Zeit, die wir zusammen erlebt haben. Ich schätze Martin sehr als Fußballer, aber ich schätze ihn über die Maßen als Mensch und das tut noch mehr weh«.

2011 kam Stranzl in der Winterpause nach Mönchengladbach, um den drohenden Abstieg abzuwenden und der Abwehr Stabilität zu geben. »Wir sind damals durch ein tiefes Tal gegangen«, sagte Eberl weiter. »Er hat der Mannschaft so viel Halt gegeben, dass du die Relegation schaffst und dann mit der Mannschaft einen so überragenden Weg gehst. Ein Martin Stranzl wird immer über Jungs wie Reus, ter Stegen oder Dante stehen, weil er mit seiner Art als Führungsspieler die Jungs dahin gebracht hat, wo sie heute sind«.

Bevor er jedoch in den Ruhestand treten wird, hat Stranzl noch ein paar Monate vor sich, die er auch sinnvoll nutzen soll: »Er soll dem ein oder anderen in der Kabine in den Arsch treten, damit wir unsere Ziele erreichen«, scherzte der Sportdirektor.

Vom Ende seiner aktiven Karriere und den Gründen dafür zu sprechen, fiel Stranzl sichtlich schwer. Besonders empfindlich zeigte sich der Österreicher, als er von seiner Familie sprach. »Ich bin jemand, der alles mit 100 Prozent machen will. Wenn etwas nicht so läuft, dann habe ich eine innere Unruhe. Das ist etwas, das speziell die Familie mitbekommen hat und das ist nicht gut«. Mit Tränen in den Augen berichtete er weiter, dass er sich auch freue, wieder mehr Zeit mit seiner Frau und seinen Kindern verbringen zu können.

Ob Stranzl der Borussia in einer anderen Position weiterhin erhalten bleibt, steht noch offen. Sicher ist, dass die Verantwortlichen es gerne sehen würden, wenn der 35-jährige eine Aufgabe innerhalb des Klubs übernehmen würde. »Dass er bei uns im Verein etwas machen soll und darf, das ist unbestritten. Aber da hat er sich ein bisschen Bedenkzeit gewünscht«, sagte Max Eberl. »Ich habe schon Sorge, dass er meinen Posten haben möchte«, scherzte er.

Auch Martin Stranzl äußerte sich zu einem möglichen Karrierewechsel im Verein: »Es ist schwierig, jetzt schon zu sagen, für welche Aufgaben man geeignet wäre. Aber ich bin sehr stolz, dass die Türen für mich immer offen bleiben werden«.

Eine Entscheidung dahingehend könnte es zum Saisonende geben. Bis dahin hat der Innenverteidiger noch ein paar Monate, um sich ein letztes Mal auf dem Platz präsentieren zu können. In der nächsten Woche stehen für ihn jedoch erst einmal individuelle Übungen an, um in der darauffolgenden Woche wieder ins Mannschaftstraining einzusteigen, wenn alles optimal läuft.

»Ich würde gerne nochmal auf dem Platz stehen, dafür werde ich in den nächsten Monaten alles tun«, sagte Stranzl. Es bleibt zu hoffen, dass er dieses Ziel erreicht, damit der Ära Stranzl ein gebührender Abschied bereitet werden kann.

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