Nachdreher zum Auswärtssieg in Ingolstadt

»Den Sieg hart, aber redlich verdient«

von von Marc Basten und Nadine Basten
Deckel drauf - André Hahn nach dem 2:0 (Photo by Lennart Preiss / Bongarts / Getty Images)

Deckel drauf - André Hahn nach dem 2:0 (Photo by Lennart Preiss / Bongarts / Getty Images)

Nach dem Schlusspfiff gab es nur ein Thema bei den Beteiligten, doch die von viel Physis geprägte Auseinandersetzung zwischen dem FC Ingolstadt und Borussia Mönchengladbach hatte noch mehr zu bieten als das Handtor von Lars Stindl.

Dieter Hecking atmete nach dem neuerlichen Auswärtssieg kräftig durch. »Man hat heute gemerkt, dass die Frische und nötige Konzentration gefehlt hat«, sagte er. »In der ersten Halbzeit war es ein unruhiges Spiel, wir haben viele Fehler gemacht und Zweikämpfe verloren«, ergänzte Max Eberl. Fußballerisch kam äußerst wenig von Seiten der Fohlenelf. »Viele Angriffe haben wir nicht sauber zu Ende gespielt«, sagte Hecking.

Doch die Borussen schafften es, die Müdigkeit aus den Beinen zu laufen. »Man hat gesehen, dass die Mannschaft in dieses Spiel rein wollte«, so Eberl. Am Ende stand eine Teamlaufleistung von 120 Kilometern. »Das war heute wieder phänomenal«, lobte Hecking.

Obwohl die Gladbacher in den direkten Duellen mit den aggressiven Ingolstädtern öfter den Kürzeren zogen, bereinigten sie aufkommende Gefahr rechtzeitig bzw. konnten sich darauf verlassen, dass die Schanzer sich nicht sonderlich geschickt anstellten. So war es ein offenes Spiel, auch weil Yann Sommer beim Matip-Kopfball bärenstark reagierte und kurz vor Schluss den Cohen-Schuss bravourös meisterte. »Yann hat uns mit den tollen Paraden im Spiel gehalten«, bedankte sich Oscar Wendt beim Goalie. »Es ist sehr schwer, in Ingolstadt zu bestehen, aber wir haben den Kampf angenommen«.

»Unglücklich, aber auf jeden Fall keine Absicht«

Der Knackpunkt der Partie war sicherlich die Szene, die im Nachlauf für aufgeregte Diskussionen sorgte. Lars Stindl hatte den Ball zum 1:0 mit der Hand über die Linie befördert, nachdem der zuvor abgefälschte Ball von der Brust an seine Hand gesprungen war. »Es war sicher nicht ganz astrein, aber auch kein Regelverstoß«, sagte Stindl anschließend. »Die Situation war unglücklich, aber auf jeden Fall keine Absicht.«

»An meiner Reaktion nach dem Tor hat man gesehen, dass ich nicht genau wusste, was der Schiedsrichter pfeifen wird«, so Stindl weiter. »Ich bin glücklich, dass das Tor gezählt hat.« Die Absicht ist und bleibt das entscheidende Kriterium, die Auslegung bietet viel Interpretationsspielraum für den Schiedsrichter. »Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn es abgepfiffen wird«, meinte Dieter Hecking. »Aber die Regel ist so, denn es war keine Absicht von Lars. Daher hat er das Tor regelkonform erzielt.«

Max Eberl verwehrte sich gegen die Anschuldigen von Ingolstadts Manager Thomas Linke, der Stindls Aktion mit dem Handspiel von Andreasen in Köln verglich. »Das war etwas völlig anderes«, so Eberl. »Ich möchte auf jeden Fall weg von dieser Betrugsdiskussion. Es ist scheiße als Mannschaft, die das Tor bekommt. Aber es war keine Absicht und das Tor wurde gegeben«.

»Wir müssen jetzt gut regenerieren«

Ingolstadt hatte nach dem Rückstand noch eine halbe Stunde Zeit, das Ergebnis zu egalisieren. Die Borussen verteidigten leidenschaftlich und bis auf den von Sommer brillant parierten Cohen-Schuss ließ man nichts durchrutschen. In der Nachspielzeit sorgten die drei eingewechselten Spieler Raffael, Dahoud und Hahn mit dem 2:0 für die endgültige Entscheidung.

»Ich finde, wir haben uns diesen Sieg hart, aber redlich verdient«, resümierte Max Eberl. »Wir waren die bessere Mannschaft und können uns jetzt auf das Pokalspiel beim HSV freuen. Das wird eine schwere Aufgabe, weil der HSV so wie er in München gespielt hat, zu 100 Prozent am Mittwoch nicht auf dem Platz stehen wird. Sie sind zuhause sehr aggressiv und es wird wieder ein sehr intensives Spiel werden.«

Auf Borussia kommen noch einige Herausforderungen zu. »Deshalb müssen wir jetzt gut regenerieren«, sagte Lars Stindl. Und das Theater um das Hand-Tor in Ingolstadt ganz schnell abhaken.

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