Nachdreher aus Leipzig

»Das zweite Gegentor ist saudumm und naiv von uns«

von Nachdreher aus Leipzig

Bei strömendem Regen ging es in Leipzig zwischen RB und Borussia hoch her (Foto: Boris Streubel / Bongarts / Getty Images)

Es war kein schöner erster Adventssonntag in Leipzig, was nicht nur am ekligen Dauerregen lag. Das 0:2 gegen RB war für Borussia Mönchengladbach aufgrund der Entstehungsgeschichte richtig ärgerlich.

Am vierten Spieltag stand Tony Jantschke zuletzt in der Startelf - damals gab es das ernüchternde 2:4 in Berlin, Jantschke wurde zur Pause ausgewechselt. Am Sonntag in Leipzig stand Jantschke wieder von Beginn an auf dem Platz und es schien nahtlos so weiterzugehen, wie es seinerzeit in Berlin für ihn aufgehört hatte. Schon nach drei Minuten klingelte es im Gladbacher Kasten, weder Jantschke noch ein anderer Borusse konnte Poulsen, Sabitzer und Werner stoppen.

»Das Tor kann passieren, sollte aber nicht zu so einem frühen Zeitpunkt fallen«, sagte Jantschke. Damit war der Gladbacher Matchplan gleich über den Haufen geworfen und Leipzig bekam direkt Oberwasser. »Man weiß um die Qualität von RB und sie waren in den ersten zwanzig Minuten die klar bessere Mannschaft«, sagte Trainer Dieter Hecking. »Mit der Führung hatten sie eine Zusatzmotivation.« Dass sich seine Mannschaft erneut so zeitig ein Gegentor fing, ist auch für Hecking ein Rätsel. »Warum uns das passiert, kann ich auch nicht erklären. Das ist einfach im Moment so. Das werden wir auch wieder abstellen.«

In Leipzig dauerte es gut zwanzig Minuten, bis Borussia richtig Zugriff aufs Spiel bekam. »Es ist nicht einfach gegen Leipzig, die laufen mit einem hohen Tempo an«, so Jantschke. »Trotzdem glaube ich, dass wir die erste Linie ganz gut überspielt haben. Aber dann hatten wir heute nicht so viele Lösungen.«

»Das 0:2 war dann schon fast der Genickbruch«

»Wir haben das Pressing einige Male ganz gut überspielt«, bestätigte Hecking. »In der Phase musst du das Tor natürlich machen. Wenn du mit 1:1 in die Halbzeit gehst, sieht es schon anders aus. Aber es darf nicht passieren, dass dann mit 0:2 in die Halbzeit gehst. In der Nachspielzeit in der Vorwärtsbewegung so einen Fehlpass zu spielen, das darf einfach nicht sein«. Lang hatte den Ball zu Hazard passen wollen, Kampl ging dazwischen und Leipzig schaltete blitzschnell um.

»Das zweite Gegentor ist natürlich saudumm und naiv von uns«, ärgerte sich Jantschke. Er hatte mit einer Grätsche gegen Poulsen noch zu retten versucht, doch er kam den berühmten Tick zu spät, so dass plötzlich die Tür für den Dänen sperrangelweit offenstand. »Das 0:2 war dann schon fast der Genickbruch.«

Die Herangehensweise an die zweite Halbzeit war kompliziert. »Wir haben gesagt, dass wir jetzt Hurra-Fußball spielen können und dann das dritte oder vierte Gegentor einfangen«, sagte Hecking. Doch eine richtige Klatsche wollten die Borussen nicht riskieren. »Wir wollten es kontrolliert weiterspielen und das ist uns in der Phase auch gut gelungen.« Zumindest defensiv passte es, wobei die Gladbacher es nicht schafften, den überaus starken Defensivverbund von RB vor ernsthafte Probleme zu stellen. »Leipzig hat sehr gut verteidigt«, stellte Jantschke anerkennend fest.

»Es ging uns darum, nicht das dritte Gegentor zu kassieren«

Hecking wechselte zunächst vorsichtig, brachte Traoré für Neuhaus und Stindl spielte fortan als Achter. »Du musst immer gucken, mit welchen Wechseln du die Statik des Spiels veränderst. Es ging uns darum, nicht das dritte Gegentor zu kassieren. Dann wäre das Spiel ganz weg gewesen. Nach hinten raus wollten wir dann noch einmal mit frischen Kräften Druck aufbauen«. Es wurde auf Dreierkette umgestellt, Cuisance und Raffael kamen für die beiden Außenverteidiger. Ein wenig brachte das die Leipziger durcheinander - aber nicht mehr entscheidend. »Wir müssen die Niederlage heute akzeptieren«, sagte Hecking. »Unter dem Strich war es ein verdienter Sieg für Leipzig. Bei uns haben drei wichtige Spieler gefehlt, die können wir nicht mal eben so ersetzen. Dafür war es heute trotzdem ein gutes Spiel von uns.«

Dass Gladbach mit der Niederlage Boden auf Spitzenreiter Dortmund verloren hat, sieht Hecking nicht kritisch. »Wir brauchen uns nicht mit Dortmund zu vergleichen.«, sagte er. »Borussia Dortmund spielt im Moment einen sehr guten Fußball. Die Spiele, in denen wir Punkte liegen lassen, gewinnen sie. Das ist einerseits Qualität, andererseits auch Glück. Im Moment ist Borussia Dortmund die beste Mannschaft, wie es dann in zehn Spieltagen aussieht, muss man abwarten. Auch ob wir dann da oben noch dabei sind ...«


von Marc Basten, Jan van Leeuwen und Nadine Basten

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