Erleichterung nach dem Sieg in Mainz

»Das gibt uns eine Perspektive«

von von Marc Basten
Geschlossene Teamleistung (Foto: Maja Hitij / Bongarts / Getty Images)

Geschlossene Teamleistung (Foto: Maja Hitij / Bongarts / Getty Images)

Siege sind die beste Therapie - dieses Motto nahm sich Borussia Mönchengladbach beim 2:1-Erfolg in Mainz zu Herzen. Die Reaktion nach dieser so unglücklichen Woche löste vor allem Erleichterung aus. Und das ›Strohhälmchen‹ ist immer noch da.

»Es war eine sehr schwierige Woche für uns«, sagte Lars Stindl nach dem Abpfiff der Partie in Mainz. »Wir wollten unbedingt eine Reaktion zeigen und das ist uns gelungen. Jeder hat sich voll und ganz eingebracht. Das zeigt, dass es einfach stimmt in der Mannschaft.«

Der befürchtete Zusammenbruch nach dem bitteren Ausscheiden in beiden Pokalwettbewerben blieb aus. »Wir sind in dieser Saison schon öfter nach Rückschlägen aufgestanden«, sagte Stindl. »Am Freitag hatten wir eine sehr gute Trainingseinheit wo ich gespürt habe, die Jungs sind ›on fire‹«, erzählte Dieter Hecking. »Sie wollen dieses kleine Strohhälmchen nutzen, was irgendwo noch in Richtung Europa da ist.«

In Mainz kam den Gladbachern zugute, dass die Gastgeber im ersten Durchgang überhaupt nicht in die Partie fanden. »Wir haben das Mainzer Pressing geschickt umspielt, sie kamen nie so richtig in eine Drucksituation«, lobte Hecking sein Team. Wobei das halbherzige Mainzer Anlaufen die Umschreibung ›Pressing‹ eigentlich nicht verdient hatte. Die Rheinhessen ließen die Borussen hinten in Ruhe aufbauen und wollten erst im Mittelfeld richtig attackieren. Doch daraus lösten sich die Gladbacher mit schnellen, halblangen Pässen. Nur selten verzettelten sie sich in der Zentrale und verursachten Umschaltmöglichkeiten für Mainz.

Der Führungstreffer fiel aus einer Kontersituation, als Nico Schulz seinen Schnelligkeitsvorteil ausnutze. »Ich muss gestehen, dass ich eigentlich selbst auf den Kasten zielen wollte«, sagte der 24-Jährige. »Zum Glück stand Lars goldrichtig.« Doch schon allein die Zielstrebigkeit von Schulz war äußerst bemerkenswert, weil der Ex-Berliner so ›Gladbachuntypisch‹ schnörkellos vorpreschte.

Die überlegenen Borussen hätten noch vor der Pause für klare Verhältnisse sorgen können, doch der Unparteiische verwehrte einem regulären Tor von Dahoud (das geahndete angebliche Foul von Hahn war keins) die Anerkennung. Zudem wurde ein Kopfballtreffer von Christensen nach einer Ecke nicht gegeben, weil der Ball nach Ausführung des Eckstoßes in der Luft vermeintlich im Toraus gewesen sein soll. Die Fernsehbilder konnten das nicht gänzlich auflösen, grenzwertig war es allemal.

Doch unmittelbar nach Wiederanpfiff gelang Nico Schulz das 2:0, was den Linksverteidiger zum ›Man of the match‹ beförderte. »Das Tor war genauso gewollt«, sagte er. »Ich habe die lange Ecke anvisiert und dort ist er auch eingeschlagen.« Der Glücksmoment für Schulz war gleichzeitig ein Wirkungstreffer für die Mainzer. »Das 2:0 hat uns natürlich in die Karten gespielt«, sagte Dieter Hecking. »Das hat uns Sicherheit gegeben und Mainz hat zu lange gebraucht, um nochmal zurückzukommen.«

Die Borussen verpassten es in dieser Phase, energischer auf den dritten und endgültig entscheidenden Treffer zu gehen. »Wir haben die Räume, die sich geboten haben, nicht genutzt und damit den Sack nicht zugemacht«, bestätigte Jonas Hofmann. »Deshalb sind wir am Ende nochmal in die Bredouille gekommen«.

»In der Schlussphase war Mainz da«, sagte Hecking. »Das war sicher auch dem geschuldet, dass bei uns die Beine etwas schwer geworden sind«. Das unterstrich Dauerläufer (12,29 km) Jonas Hofmann: »Man hat uns angemerkt, dass die Kraft allmählich nachließ.« So wurde es nochmal brenzlig, zumal Mainz in der 89. Minute der Anschlusstreffer gelang. »Die letzten Minuten haben wir mit etwas Glück überstanden«, sagte Hecking. »Unter dem Strich war es jedoch ein verdienter Auswärtssieg.«

»Es war sehr wichtig, dass wir hier gewonnen und so eine super Reaktion nach dem Pokalspiel am Dienstag gezeigt haben«, atmete Jonas Hofmann durch. »Mit 42 Punkten brauchen wir jetzt nicht mehr in Richtung Abstiegsplätze zu gucken«, ergänzte Nico Schulz. »Jetzt schauen wir, was in den nächsten drei Wochen nach oben noch möglich ist.«

Das von Dieter Hecking angesprochene ›Strohhälmchen‹ ist weiter vorhanden. »Wir sind heilfroh, dass wir die drei Punkte mitgenommen haben«, sagte der Coach. »Das gibt uns eine Perspektive für die letzten drei Spiele.« Und hilft bei der Verarbeitung der Enttäuschung vom Dienstag.

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