Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - FC Augsburg 2:0 (1:0)

Das bessere Ende

von 19. Spieltag: Borussia MG - FC Augsburg 2:0
French-Connection (Foto: TORfabrik.de)

French-Connection (Foto: TORfabrik.de)

Im Gegensatz zur Vorwoche hatte Borussia Mönchengladbach in der Partie gegen den FC Augsburg das bessere Ende für sich. Obwohl die Fohlenelf weniger Ballbesitz als der Gast hatte, war der Sieg verdient. Die Leistung der Borussen in der Einzelkritik.

Yann Sommer: Endlich mal wieder ein Spiel ohne Gegentor - das sollte dem Schweizer Auftrieb geben. Zumal Sommer dazu beitrug, dass er gegen Augsburg die weiße Weste behielt. Die Reaktion beim Kopfball von Gouweleeuw aus kurzer Distanz war wichtig, genauso wie das Festhalten eines Freistoßaufsetzers von Gregoritsch. Bei hohen Bällen zeigte Sommer eine größere Präsenz als zuletzt. Er pflückte gleich fünf Hereingaben sicher. Bei der Spielfortsetzung ordentlich, in der zweiten Halbzeit schoss er einen Ball unnötig ins Seitenaus. Irritierend, dass im Publikum deutliche Unruhe zu vernehmen war, wenn Sommer sich beim Abschlag vermeintlich zu viel Zeit ließ. Note 2,5.

Nico Elvedi: Diesmal mit deutlichem Fokus auf die Defensive und kaum mit nennenswerten Offensivaktionen. Er kam gegen Caiuby und den nachrückenden Max relativ gut zurecht und war stabil in den Zweikämpfen. Mehrfach klärte er im Strafraum per Kopf. In der Augsburger Drangperiode verlor er hier und da den Überblick. Eine Panikabwehr mit dem Fuß misslang und landete bei einem Gegenspieler, was zum Glück folgenlos blieb. In der zweiten Halbzeit mit zwei Stockfehlern bei der Ballverarbeitung. Note 3,5.

Matthias Ginter: Brachte Borussia mit seinem vierten Saisontreffer früh in Front. Bei der Ecke erkannte er den sich ergebenden Freiraum und setzte sich beim Kopfball konsequent durch. In der Abwehr mit gutem Stellungsspiel und wachsam. Auch in der Druckphase der Gäste auf der Höhe - einzig eine ›Kerze‹ war unnötig. Im Spielaufbau zurückhaltend und auf Sicherheit bedacht. Leitete mit seinem resoluten und energischen Ballgewinn gegen Khedira das Tor von Hazard hervorragend ein. Note 2,5.

Jannik Vestergaard: Gab mit einer über 90 Minuten konzentrierten und stabilen Vorstellung die richtige Antwort auf das misslungene Derby. Der Däne war aufmerksam und standhaft im Zweikampf, u.a. stark gegen Gregoritsch im Strafraum. Vorne kam er nach zwei Ecken zum Kopfball und hatte etwas Pech. Nach einem weiteren ruhenden Ball wurde er in Höhe des Fünfmeterraums zu Fall gebracht - für einen Elfmeterpfiff reichte das jedoch nicht. Im Spielaufbau war Vestergaard nicht so gegenwärtig wie in anderen Partien. Note 3,0.

Oscar Wendt: Auch diesmal beschränkte sich der Schwede auf dosierte Vorstöße und legte den Fokus auf die Sicherung der Außenbahn. Das löste er über weite Strecken der Partie zweckmäßig. Ein bissiger Zweikämpfer wird Wendt zwar nicht mehr, doch er war stets nahe am Gegenspieler, störte meist effektiv und schlug den Ball mehrmals energisch aus der Gefahrenzone. Im zweiten Durchgang schaltete er sich situativ bei den Kontern mit ein. Note 3,5.

Denis Zakaria: Nicht so präsent wie im Derby, was sicher auch daran lag, dass er den defensiven Part der Doppel-6 bekleidete. Zakaria gefiel mit mehreren Balleroberungen, war andererseits in einigen Zweikämpfen etwas zu ungezügelt. Das hatte zur Folge, dass die Schiedsrichterin 50:50-Duelle stets gegen ihn auslegte. Glück hatte er, dass das gestenreiche Fordern des Videobeweises nicht mit Gelb geahndet wurde. Note 3,5.

Michael Cuisance: Ein wahrer Irrwisch, der bei fast allen statistischen Werten ganz oben dabei war. Der 18-Jährige hatte die meisten Ballkontakte auf Gladbacher Seite (78), gab die meisten Torschüsse ab (5), gewann die meisten Zweikämpfe (23), absolvierte die meisten intensiven Läufe (82) und spulte gemeinsam mit Hazard die meisten Kilometer (11,8) ab. Aber auch bei den Fehlpässen hatte der Franzose die Nase vorn (12). Vor allem vor der Pause war Cuisance der Spielmacher und auffälligster Borusse. Mit seinem Distanzschuss holte er die Ecke vor dem Führungstor heraus und darüber hinaus war er an nahezu jedem Gladbacher Angriff beteiligt. Lobenswert, dass er auch die Defensive im Auge behielt und Zakaria effektiv unterstützte. Trotzdem unterliefen ihm auch mehrere Ballverluste, weil er falsche Entscheidungen traf oder zu kompliziert spielte. Das kann berechtigterweise mit der jugendlichen Unbeschwertheit entschuldigt und aufgewogen werden, gleichwohl wird er aus solchen Erfahrungen lernen müssen. Note 2,5.

Patrick Herrmann: Konnte nicht ganz an die Leistungen aus den letzten Partien des alten Jahres anknüpfen. Auf der Außenbahn mit zu wenig Durchsetzungsvermögen und ohne den nötigen Zug zum Tor. Er kombinierte hier und da mit, blieb aber über weite Strecken unauffällig. In der Rückwärtsbewegung half er Elvedi gegen Max, wobei sich gute Aktionen wie eine Grätsche mit unzureichend geführten Zweikämpfen abwechselten. Machte eine Viertelstunde vor dem Ende Platz für Hofmann. Note 4,0.

Thorgan Hazard: Bereitete mit seinem Eckball das 1:0 durch Ginter vor und zeigte sich wie gewohnt auch defensiv sehr lauffreudig (wie Cuisance mit Topwert 11,8 km) und umtriebig. Dabei holte er sich auch schon mal den Ball weit in der eigenen Hälfte ab. Er lief sich zwar mehrfach fest oder traf bei Kontergelegenheiten in der zweiten Halbzeit die falschen Entscheidungen, doch er blieb ein ständiger Gefahrenherd. Bei seiner Großchance vor der Pause reagierte Hitz stark, beim erlösenden Treffer in der Schlussminute ließ Hazard dem Keeper keine Chance. Der trockene Flachschuss kam überraschend, weil doch eher untypisch für Hazard. Note 2,5.

Lars Stindl: Nicht das Spiel des Kapitäns, der zwar wie immer ein Vorbild an Einsatzwillen und Laufbereitschaft war (11,7 km), aber mehrfach sehr unglücklich agierte. Drei Fehlpässe ›mit Ansage‹ führten zu Gegenangriffen, die zum Glück folgenlos blieben. Stindl rieb sich auf, blieb aber im Direktspiel unpräzise. Er hatte seine beste Szene, als er nach einem gelungenen Antritt über halbrechts den Ball scharf vors Tor brachte, wo Hazard eine Fußspitze fehlte. Note 4,0.

Raffael: War im ersten Durchgang sehr aktiv und trat auch als fleißiger Balleroberer in Aktion. Hatte eine gute Abschlusschance, als Hitz den Ball zur Ecke klärte. Im weiteren Verlauf an mehreren sehenswerten Kombinationen beteiligt und auch in der Rückwärtsbewegung mit Biss. Nach ungefähr einer Stunde und zunehmendem Augsburger Druck nahm sich der Brasilianer die eine oder andere Auszeit. In der 81. Minute eroberte er in der eigenen Hälfte mit einem starken Tackling den Ball, drei Minuten später machte er Platz für Jantschke. Note 3,5.

Jonas Hofmann: Ersetzte Herrmann in der letzten Viertelstunde und in zwei, drei Situationen ging eine gewisse Drohung von ihm aus. Ohne Note.

Tony Jantschke: Sollte in den Schlussminuten das defensive Mittelfeld verstärken, was ihm durch die Besetzung des Raumes gelang. Am Ball konnte er sich nicht zeigen - er kam in den fünf Minuten plus Nachspielzeit nur zu einem Kontakt. Ohne Note.

Vincenzo Grifo: Der ›An-der-Uhr-Dreh-Wechsel‹ in der Nachspielzeit. 300 Meter und ein Ballkontakt sind auf seinem Arbeitsnachweis verzeichnet. Ohne Note.

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