Michael Cuisance - Resümee und Ausblick

Cuisance - Ohne Ernsthaftigkeit funktioniert es nicht

von Michael Cuisance - Resümee und Ausblick

Der 'Lausbub' muss erwachsen werden - Michael Cuisance steht vor einer wichtigen Saison (Foto: TORfabrik.de)

Am Mittwoch hat Michael Cuisance die Vorbereitung auf die neue Saison aufgenommen. Er hat einiges zu tun. In seinem ersten Jahr in Mönchengladbach wurde Michael Cuisance als jugendlicher Senkrechtstarter gleich zum Spieler der Saison gekürt, im zweiten Jahr lernte der Franzose die Schattenseiten des Geschäfts kennen.

Als Michael Cuisance im Sommer 2017 nach Gladbach kam, war er gerade 17 Jahre alt. Angekündigt wurde er als ein Talent, das behutsam an den Erwachsenenfußball herangeführt werden sollte. Doch die Verletzungsmisere spülte den Youngster schneller in die erste Mannschaft, als es alle erwartet hatten. Mit Technik, Finesse und einer großen Portion Unbeschwertheit eroberte Cuisance die Herzen der Borussen-Fans im Sturm, die seinerzeit an der schwerfälligen Spielweise zu knabbern hatten und dankbar für den ‘Frischen Franzosen’ waren.

26 Profispiele wies die Statistik nach Cuisances erster Saison aus, die Fans wählten ihn sogar zum ‘Spieler der Saison’. Doch schon der Start ins zweite Jahr gestaltete sich für Cuisance holprig. Aufgrund der U19-Europameisterschaft mit Frankreich verpasste er den Großteil der Vorbereitung inklusive der Systemumstellung auf das 4-3-3. Die neue Rolle als ‘Achter’ war ungewohnt und da zudem die Konkurrenz groß war, pendelte er bis in den Dezember hinein zwischen Bank und Tribüne. Gerade einmal vier Kurzeinsätze hatte er bis zum 15. Spieltag, an dem er in Sinsheim zum ersten und letzten Mal in der Startelf stand. Empfehlen konnte sich Cuisance in den 90 Minuten allerdings nicht (Note 4,5). Laufbereitschaft (12,49 km) und Bemühen waren ihm nicht abzusprechen, aber die Mischung aus kindlichem Zweikampfverhalten, Ballverlusten und missglückten Tricksereien passte nicht.

Vielleicht findet Marco Rose den Zugang und bekommt Cuisance gepackt

Nach seiner Einwechslung gegen Nürnberg am folgenden Spieltag beendete er nach anfänglichen Schwierigkeiten den ‘Zirkus Cuisance’, spielte einfacher und prompt gelang ihm der sehenswerte Steilpass in Lauf von Plea, der zum 2:0-Endstand traf. Doch mit der Einfachheit hat Michael Cuisance so seine Schwierigkeiten. Das führte dazu, dass er in der Rückrunde lediglich auf vier Kurzeinsätze kam. 110 Spielminuten im Jahr 2019 sind eine sehr ernüchternde Bilanz. Wenn Cuisance auf dem Platz stand, übertrieb er es mit seinen Versuchen, etwas Besonderes zu machen. Dieter Hecking nahm ihn zwar in Schutz (»Wenn er das nicht mehr macht, ist er ein ganz gewöhnlicher Spieler – und den wollen wir doch alle nicht«), doch es gelang dem Trainer nicht, Cuisance auf Kurs zu bringen.

Auch neben dem Platz lief es für den mittlerweile 19-Jährigen nicht rund. Die Beteiligung an einem schweren Verkehrsunfall und Ermittlungen wegen Fahrens ohne Führerschein sorgten für Negativschlagzeilen. Dazu gesellten sich gewisse Aktivitäten in den sozialen Medien, die nicht ganz glücklich waren und dafür gesorgt haben, dass Cuisance mittlerweile ein Negativimage anhaftet. Der einstige Fan-Liebling hat einen schweren Stand. Wie es mit ihm in Mönchengladbach weitergeht, dürfte spannend werden. Von den fußballerischen Anlagen her, da sind sich nach wie vor alle einig, bringt Cuisance alles mit und die Borussen wären verrückt, den Youngster (Vertrag bis 2023) frühzeitig zu ‘verscherbeln’. Ein Modell könnte eine Ausleihe sein, damit Cuisance Spielpraxis erhält, was aktuell jedoch kein Thema ist. Oder aber - und diese Variante wäre deutlich schmackhafter - Marco Rose findet den richtigen Zugang zum Spieler und bekommt ihn gepackt. Unzweifelhaft benötigt Cuisance eine klare Ansprache und die Erkenntnis, dass es ohne Ernsthaftigkeit nicht funktioniert. Dass bei Borussia mit dem neuen Trainer vieles anders wird, sollte Cuisance als Chance für einen persönlichen Neustart nutzen.

 


von Marc Basten

 

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