Einzelkritik: Borussia Mönchengladbach - Werder Bremen 3:4 (1:0)

Clever geht anders

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Probleme für Xhaka mit Gebre Selassie (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Probleme für Xhaka mit Gebre Selassie (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Borussia Mönchengladbach scheitert nach einem abenteuerlichen Pokalspiel gegen Werder Bremen. Das 3:4 war ein Spektakel, aber nicht nur wegen des ausgebliebenen Happyends nicht sonderlich clever von Schubert und seinen Mannen. Wirklich enttäuscht hat niemand, doch im Kollektiv stimmte es nicht.

Yann Sommer: Hielt in der Anfangsphase mit starker Parade gegen Pizarro und beim Rebound von Gebre Selassie die Null. Nach der Pause beim Ausgleichstreffer ohne Chance. Beim Freistoß zum 1:2 wurde er überrascht. Er kam zwar noch rechtzeitig hin, konnte jedoch nicht mehr kontrolliert abwehren. Er hätte die Mauer etwas mehr nach links beordern müssen. Richtig unglücklich sah er beim 2:3 aus, als er Pizarros Schuss aus sieben Metern durch die Beine flippern ließ. Beim entscheidenden vierten Treffer machtlos. Darüber hinaus solide, auch als mitspielender Torwart. Note 4,0.

Julian Korb: Nachdem er zuletzt vorgeschoben im Mittelfeld agierte, spielte er diesmal wieder als Rechtsverteidiger in der gewohnten Viererabwehrkette. Auf dem Weg nach vorne erneut aktiv und mit ein paar guten Ansätzen im Kombinationsspiel. Problematischer war die Defensive, wo er ein paar Mal nicht schnell genug in die Ordnung fand. Mitbeteiligt beim 1:1, als er sich bei der langen Hereingabe verschätzte und Pizarro nicht nachdrücklich genug am Zuspiel in den Rückraum hinderte. Zudem leitete sein Ballverlust nach einem unnötigen Dribbling den vierten Bremer Treffer ein. Note 4,0.

Andreas Christensen: Über weite Strecken eine absolute Topleistung des Dänen. Herausragend sein Stellungsspiel, wodurch er viele Bälle abfing oder im richtigen Moment im Zweikampf zupacken konnte. Stark in den Luftduellen. Auffällig seine flüssige und selbstverständliche Ballverarbeitung – außergewöhnlich für einen Innenverteidiger. Mehrfach erntete Christensen zurecht Szenenapplaus für seine Aktionen. Bei zwei Gegentoren war er involviert: Beim 2:3 wurde er von der flachen Hereingabe auf dem falschen Fuß erwischt, reagierte noch richtig schnell, doch es fehlten wenige Zentimeter, um Pizarro die Annahme unmöglich zu machen. Beim 2:4 rückte er nach Korbs Fauxpas zunächst auf den ballführenden Grillitsch und öffnete damit Ujah rechts den Raum. Als der angespielt wurde, hetzte Christensen noch rechtzeitig hin, wurde jedoch von Ujahs Körpertäuschung ausmanövriert. Note 2,5.

Håvard Nordtveit: Wurde gleich zu Beginn bei der ersten Pizarro-Chance überrascht und reagierte zu spät. Danach wachsamer und im Verbund mit Christensen Herr der Lage. Wenn er im Spiel nach vorne das Risiko mied, kamen seine Pässe an. Versuche, lang zu spielen, versandeten. Als er sich einmal beherzt über die Mittellinie traute, blieb er hängen. Unmittelbar darauf schlug er den Ball unkontrolliert ins Mittelfeld. Nach der Pause mit einigen zügigen Pässen beim schnellen Aufbauspiel. Beim vierten Bremer Treffer war er zu zögerlich, hier hätte er Christensen helfen können bzw. müssen. Sein Freistoß in der Nachspielzeit wäre wohl weit vorbei gegangen, doch da er abgefälscht wurde, kam Nordtveit noch zu einer indirekten Torbeteiligung. Note 3,5.

Oscar Wendt: Bei Borussias Dauerbrenner wurde der Substanzverlust besonders deutlich. Es fehlte ihm an Spritzigkeit, was sich beim verlorenen Kopfallduell vor der ersten Pizarro-Chance und seinem verhaltenen Eingreifen beim Rebound von Gebre Selassie zeigte. Wendt hatte große Probleme mit der Dynamik von Öztunali, der sich mehrfach durchsetzte und von Wendt auch bei der Vorbereitung des 2:3 nicht gebremst werden konnte. Der Schwede legte öfter – vor allem nach der Pause – den Vorwärtsgang ein und zeigte einige gute Ansätze im Kombinationsspiel. Letztlich fehlte es ihm an den nötigen ‚Körnern‘. Note 3,5.

Mo Dahoud: Hatte seine beste Szene, als er sich bei der Vorbereitung des 1:0 erst gegen Fritz behauptete und dann klug in den Lauf von Hazard spielte. Dazu gelangen ihm im Kombinationsspiel ein paar gute Pässe. Im defensiven Umschaltspiel suchte er deutlich den Körperkontakt, was er sonst eher selten macht. Er war zwar öfter dran, foulte dabei verhältnismäßig oft (6x). Leider führte sein Einsteigen zum Freistoß, der das 1:2 einbrachte. Er lief wie gewohnt bis an die Grenze des Machbaren und wurde nach 63 Minuten gegen Hrgota ausgetauscht. Note 4,0.

Granit Xhaka: Der leere Akku bereitete dem Kapitän größere Schwierigkeiten als die Bremer Gegenspieler. Xhaka musste sichtlich beißen und wirkte einige Male sehr schwerfällig. Als einige Pässe verpufften, drehte er resigniert ab. Beim Freistoß zum 1:2 war er bei Vestergaard, doch nach dem Schuss aufs kurze Eck blieb Xhaka überrascht stehen und Vestergaard konnte dem Ball ungestört über die Linie drücken. Im ersten Durchgang spielte er den Pass zur Raffael-Chance, in den wilden ‚Sturm-und-Drang-Phasen‘ nach der Pause bekam er die zweite Luft und leitete einige Angriffe gut mit ein. Unter anderem gelang ihm ein präziser Pass zu einer Hazard-Chance. Mit seinem überhastet ausgeführten Freistoß im Mittelfeld leitete er das 2:3 ein - das war eine Schlüsselszene der Partie. Note 4,0.

Thorgan Hazard: Als einzig ausgeruhter Akteur in der Startelf war der Belgier auffällig aktiv. Er wollte offensichtlich die Gelegenheit nutzen, sich zu zeigen. Und das gelang. Richtig stark sein Assist zum 1:0 auf Stindl, als er unter Bedrängnis blitzschnell passte. Nach der Pause hätte Hazard zum Pokalhelden werden können, vielleicht müssen. Er hatte großes Pech bei seinem Schuss an den Innenpfosten, dann schoss er aus der Drehung haarscharf vorbei und bei seiner nächsten Großchance bekam er den Ball nicht durch die Hosenträger des Bremer Keepers. In der Rückwärtsbewegung noch nicht ideal, aber deutlich griffiger als zuletzt. Mit etwas mehr Ruhe im Abschluss und besseren Standards (zu flach) hat er sich weitere Bewährungschancen verdient. Note 3,0.

Fabian Johnson: Wurde zuletzt schmerzlich vermisst und unterstrich in der ersten Halbzeit mehrfach durch unspektakuläre, aber eminent wertvolle Ballgewinne seine Wichtigkeit. Nach vorne mit zwei, drei guten Antritten. Einer erinnerte an das Bayern-Spiel, doch Johnson bekam den Ball diesmal nicht unter Kontrolle. Nach der Pause immer auf dem Weg mit nach vorne. In der Schlussphase mit einer starken Aktion im Strafraum, als er letztlich den richtigen Moment für den Abschluss verpasste und hängenblieb. Note 3,0.

Raffael: Hatte die erste Chance der Borussia, als er aus der eigenen Hälfte startete, jedoch mit einem zu schwachen Schlenzer an Wiedwald scheiterte. Beim Führungstreffer ließ er den Ball durch eine bewusste Körpertäuschung für Dahoud durch. Kurz vor dem Seitenwechsel noch mit einem Schuss am langen Pfosten vorbei. Nach der Pause drehte Raffael richtig auf und machte ein ganz starkes Spiel. Unzählige Male trat er aus der Tiefe an und trieb den Ball nach vorne. Mit einer solchen Aktion bereitete er den Pfostenschuss von Hazard vor. Und auch seinem Assist zum Ausgleichstreffer ging eine tolle Balleroberung inklusive des Abschüttelns des Gegenspielers voraus. Bis in die Schlussminuten hinein sehr agil. Note 2,0.

Lars Stindl: Ließ sich zu Beginn sehr oft ganz weit zurückfallen, um sich den Ball zu holen. Bei einem solchen Vorhaben unterlief ihm ein Fehlpass in der eigenen Hälfte, aus der die große Chance für Clemens Fritz resultierte. Vorne ist Stindl definitiv besser aufgehoben, wie sein trockener und humorloser Abschluss zum 1:0 zeigte. Ansonsten ackerte und rackerte er wie gewohnt, nach Dahouds Auswechslung verstärkt im Mittelfeld. Gegen die sperrigen Bremer war das nicht einfach, doch Stindl hielt dagegen. Note 3,5.

Branimir Hrgota: Der (trotz aller Warnungen) fast schon vergessene Hrgota kam in der 63. Minute für Dahoud. Der Schwede hatte eine erste gute Chance, als er den Ball erst stark mitnahm und ihn sich dann einen Tick zu weit vorlegte. Bewies danach zweimal seine Knipserqualitäten. Das 2:2 war ein präziser Schuss, beim 3:4 staubte er in wachsamer Stürmermanier ab. Ohne Note.

Nico Elvedi: Wurde in der 88. Minute eingewechselt. In Erinnerung geblieben ist eine Aktion an der rechten Außenlinie, als er den Ball nach draußen rutschen ließ. Ohne Note.

Josip Drmić: Zwei Minuten plus Nachspielzeit. Ein Torschuss und ein Foul. Ohne Note.

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