Vor dem Spiel bei Borussia Dortmund

In Dortmund ist für die Fohlenelf etwas zu holen

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Roland Virkus und Adi Hütter am Freitag bei der Pressekonferenz (Fotos: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Borussia Mönchengladbach darf am Sonntag um 17.30 Uhr im Dortmunder Westfalenstadion antreten. Normalerweise sind die kurzen Dienstreisen nach Westfalen eher unschön, doch diesmal freut sich nicht nur der neue Sportdirektor Roland Virkus auf die Auswärtstour.

Am Freitagmittag saß das neue Duo der sportlich Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach auf dem Podium im Presseraum im Borussia-Park. Erstmals gaben Adi Hütter und der neue Sportdirektor Roland Virkus gemeinsam eine Pressekonferenz vor einem Bundesligaspiel. Das Resümee ist schnell gezogen: Es war spektakulär unspektakulär.

Virkus erklärte, dass seine ersten Tage »spannend« gewesen seien, er viel gesprochen habe - auch mit Spielern - und dass dieser Prozess andauert. Dass seine Inthronisierung nicht nur auf positive Resonanz gestoßen ist, tangiert den 55-Jährigen nach eigenen Worten nicht. »Was um mich herum passiert, kann ich nicht beeinflussen«, sagte Virkus. Das gilt auch für die mediale Aufmerksamkeit, die sein erstes Spiel als Sportdirektor auf der Bank der Borussia am Sonntag mit sich bringen wird. »Ich freue mich einfach auf das Spiel«, so Virkus.

Kramer in die Startelf oder alles wie gehabt?

Dass die Premiere von Virkus nicht gleich mit einer für Gladbach in Dortmund typischen Klatsche endet, dafür sind Trainer Adi Hütter und seine Mannen verantwortlich. Der Österreicher ist nun auch niemand, der auf Pressekonferenzen groß einen raushaut. Entsprechend war der Informationsgehalt der Veranstaltung am Freitagmittag wieder einmal sehr dünn. Gut, die Personalsituation ist relativ entspannt - lediglich Stindl und Beyer stehen aus dem inneren Kreis nicht zur Verfügung. Großartige Veränderungen sind weder vom System noch der Besetzung her zu erwarten, nachdem zuletzt ein leichter Aufwärtstrend zu verzeichnen war.

Die einzige offene Frage scheint die nach Christoph Kramer zu sein. Der Routinier ist wieder fit und die Überlegung, ihn zur Stabilisierung des defensiven Mittelfelds einzubauen, erscheint nicht abwegig. Hütter hielt sich derweil alle Türen offen: Er lobte einmal mehr Florian Neuhaus für sein verbessertes Lauf- und Zweikampfverhalten, was den Nationalspieler auch als Sechser qualifiziert - selbst wenn es nicht seine Idealposition ist. Gleichzeitig hob Hütter die Erfahrung und Wichtigkeit von Kramer hervor, schränkte aber ein, dass dieser in den letzten Wochen nicht viel trainieren konnte. Ein Comeback von Kramer scheint möglich, aber noch wahrscheinlicher ist, dass Hütter nichts verändert - sofern nicht kurzfristig noch etwas passiert.

In Gladbach kennt man die Dortmunder Probleme unter Rose zur Genüge

Wie dem auch sei - die Vorfreude von Roland Virkus auf das Spiel im Westfalenstadion hat durchaus ihre Berechtigung. Denn auch wenn die Borussia vom Niederrhein in dieser Saison allen Ansprüchen hinterher hechelt und mitten im Abstiegskampf steckt, gibt es schlechtere Gelegenheiten, sich mit dem BVB zu messen. Die Schwarz-Gelben stehen in der Liga zwar punktemäßig gut da, doch die Leistungsschwankungen sind extrem. In der Champions-League schied man in einer mehr als machbaren Gruppe aus, im DFB-Pokal war St. Pauli frühe Endstation. Und in der ‘Trostrunde’ der Europa-League gab es am Donnerstag eine schmerzhafte 2:4-Heimpleite gegen die Glasgow Rangers - nachdem man zuvor im Liga-Heimspiel gegen Leverkusen sogar fünf Gegentore kassiert hatte.

Die schwache Defensive und die insgesamt fehlende Balance sind in Dortmund unter Marco Rose ein Riesenproblem - in Mönchengladbach kennt man das zur Genüge. Rose wurde jetzt auch öffentlich erstmals angezählt und die Dortmunder Verantwortlichen sahen sich genötigt, ihm verbal den Rücken zu stärken. Torjäger Erling Haaland droht auch am Sonntag auszufallen und insgesamt sind in Dortmund alle schwer nervös. Zum Rückrundenbeginn haben die Fohlen die Gunst der Stunde in München genutzt und dreifach gepunktet und jetzt scheint die Gelegenheit günstig, das in Dortmund zu wiederholen. Natürlich ist es genauso gut möglich, dass der VfL seine verheerende Bilanz im Westfalenstadion weiter ausbaut und sich als Aufbaugegner für den BVB präsentiert. Auch das wäre nicht so überraschend - Roland Virkus als Ur-Borusse wird das wissen.

 


von Marc Basten

 

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