Einzelkritik: VfL Bochum - Borussia Mönchengladbach (offizielle Wertung steht noch aus)

Borussia mit den richtigen Mitteln im Abstiegskampf

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Gladbacher Jubel nach dem Tor von Breel Embolo zum 2:0 (Foto: Norbert Jansen / Fohlenfoto)

Borussia Mönchengladbach verdiente sich den Auswärtssieg in Bochum mit einer Leistung, wie man sie im Abstiegskampf zeigen muss. Dass der fußballerische Aspekt dabei etwas kurz kam, lag in der Natur der Sache. Die Einzelkritik der 70 Minuten im Ruhrstadion:

Yann Sommer: Borussias Keeper war auch in Bochum der wichtige Rückhalt und einmal mehr die Lebensversicherung für die Fohlenelf. Vor der Pause wehrte er stark den Schuss von Antwi-Adjei ab (14.) und parierte den Kopfball von Bella Kotchap (37.). Nach dem Seitenwechsel rettete Sommer zweimal gegen Polter (47./58.) und meisterte darüber hinaus die sonstigen Pflichtaufgaben souverän. Im Spielaufbau war der 33-Jährige mehrfach zu langen Schlägen genötigt, von denen die wenigsten ankamen. Das lag aber zumeist nicht an der fehlenden Präzision, sondern eher daran, dass die Adressaten die Bälle nicht festmachen konnten. Note 2,0.

Jordan Beyer: Übernahm durch die coronabedingten Umstellungen die rechte Position in der Dreierkette. Hier hatte Beyer zunächst kleinere Probleme, ehe er in der 14. Minute in höchster Not gegen Holtmann einen möglichen Rückstand verhinderte. Mit zunehmender Spieldauer stellte sich der 21-Jährige besser auf die robuste Herangehensweise der Bochumer ein und hielt in einigen Zweikämpfen richtig stabil dagegen. Schlecht sah er in der 47. Minute vor der Polter-Chance aus, als er sich auf der rechten Seite sehr einfach überspielen ließ. Dagegen machte es Beyer in der 60. Minute ganz stark gegen Holtmann bei einem Konter der Bochumer. Note 3,0.

Matthias Ginter: In Abwesenheit von Elvedi und Friedrich der zentrale Mann der Dreierkette. Der Nationalspieler lieferte sich einige Duelle mit Polter, der - vom schwachen Schiedsrichter übersehen oder geduldet - sehr hinterhältig agierte und Ginter einmal mit voller Absicht den Ellenbogen aufs Jochbein knallte. Ginter agierte diszipliniert und positionsgetreu. Im Spielaufbau war der 28-Jährige weitestgehend unauffällig und hatte die wenigsten Ballaktionen der ‘Kettenspieler’. Note 3,0.

Ramy Bensebaini: Nach seiner abgelaufenen Gelbsperre musste der Algerierer aufgrund der Personalsituation als linker Verteidiger in der Abwehrkette aushelfen. Er brachte Tempo, Kopfballstärke und die notwendige Wehrhaftigkeit mit ein, was sich in einigen Situationen sehr positiv bemerkbar machte. Dass er seine offensiven Qualitäten ganz weit hinten anstellen musste, war auch der Spielanlage mit vielen langen Bällen geschuldet. Kurz vor dem Seitenwechsel klärte der 26-Jährige nach einer Bochumer Freistoßflanke in höchster Not, später bereinigte er wichtig per Kopf nach einem weiteren ruhenden Ball (53.). Bei der ersten Polter-Chance nach der Pause ging er nicht mit der nötigen Konsequenz in den Zweikampf. Großes Glück hatte Bensebaini in der 58. Minute, als er Polter den Ball per Querschläger zum Rebound auflegte, aber Sommer stark reagierte. Dass es nach Bensebainis Gerangel im Strafraum mit Polter (berechtigterweise) keinen Elfmeter gab, dürfte dann der Auslöser für den ominösen Becherwurf gewesen sein. Note 3,0.

Stefan Lainer: Übernahm wieder die Position auf der rechten Seite, wo er gewohnt fleißig viele Meter zurücklegte. Das Positionsspiel des Österreichers war jedoch nicht immer ideal - einige Male lief er vergeblich hinter den Gegenspielern her, nachdem er sehr fatalistisch ganz weit vorne ein Ein-Mann-Offensivpressing aufziehen wollte. Am Ball wirkten einige Aktionen etwas unrund, was den einen oder anderen Stockfehler mit sich brachte. Dennoch tat die Bissigkeit des 29-Jährigen dem Gesamtkonstrukt gut. Lainer machte unbeirrt weiter seine Wege, schob mit an und bereitete mit seinem Querpass auf Embolo schließlich das 2:0 vor. Note 3,5.

Florian Neuhaus: Hatte zu Beginn einige Schwierigkeiten, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Bei der ersten Ecke der Bochumer klärte er nicht konsequent und auch danach fremdelte er in einigen Situationen mit der aggressiven Spielweise der Gastgeber. Aber Neuhaus arbeitete sich im wahrsten Sinne des Wortes ins Spiel, hielt im Zweikampf dagegen und agierte zunehmend stabiler. In der Offensive hatte er eine Schussgelenheit, als er den Ball mit links nicht richtig traf und weit vorbei schoss (11.). Nach einem Bochumer Standard machte seine Hüfte schmerzhafte Bekanntschaft mit dem Pfosten. An der Aktion, die zur Ecke vor dem 1:0 führte, war der 25-Jährige mit einem starken Lauf bis zur Grundlinie beteiligt - sein Schuss aus spitzem Winkel wurde zur Ecke geblockt. Auch beim Spielzug zum 2:0 war Neuhaus mit seinem Pass auf Plea involviert. Note 3,0.

Manu Koné: Sah bereits in der 9. Minute die Gelbe Karte für ein Allerweltsfoul, so dass in der Folgezeit stets eine latente Gelb-Rot-Gefahr bestand. Dies vor allem auch deshalb, weil sich der Franzose in seinen Zweikämpfen kaum zurücknahm. Bei mehreren - letztlich perfekt getimten - Zugriffen musste man kurz die Luft anhalten. Das war angesichts der aufgeheizten Stimmung im Stadion und dem unsicheren Schiedsrichter ein Spiel mit dem Feuer - aber es ging gut. Das stabile und fast schon stoisch gelassene Auftreten des 20-Jährigen war herausragend, weil er sich von der Hektik um ihn herum nicht beirren ließ. So stand er auch mit einer überragend kontrollierten Aktion an der Basis des Angriffs zum 2:0. Koné hatte die meisten Ballkontakte und war nicht von ungefähr der Borusse mit der besten Passquote. Erstmals trat er auch als Freistoßschütze in Erscheinung - allerdings zielte er in die Mauer. Note 2,5.

Luca Netz: Durfte wieder auf der linken Bahn beginnen, auch weil Bensebaini in der Dreierkette aushelfen musste. Der Youngster agierte teilweise hektisch und sorgte mit einem Flüchtigkeitsfehler für die erste Bochumer Großchance durch Antwi-Adjei (14.). Auch im weiteren Verlauf hatte Netz in der Defensive seine Probleme. Auf dem Weg nach vorne war der 18-Jährige engagiert - auch wenn er sich hier und da etwas einfach abdrängen ließ. Doch mit guten Weiterleitungen trieb er mit an, bereitete die Neuhaus-Chance vor und war mit seinem Zuspiel auf Thuram am Angriff zum 2:0 beteiligt. Eine gute Möglichkeit hatte Netz beim Rebound nach einem abgewehrten Thuram-Schuss, der im letzten Moment noch geblockt wurde (59.). Dass Luca Netz ein erstklassiger Standardschütze ist, stellte er mit der perfekten Ecke zum 1:0 durch Plea unter Beweis - die nächste kurz danach missriet ihm allerdings. Note 3,5.

Alassane Plea: Wenn es konstruktiv nach vorne ging, war Plea als Fixpunkt meist mit dabei. Das Problem war, dass es in diesem hektischen Spiel vor allem im ersten Durchgang nur ganz selten mal wirklich konstruktiv nach vorne ging. So wie bei der ersten Embolo-Chance nach 13 Minuten, die Plea mit einem Pass auf Thuram einleitete. Ansonsten musste der Franzose viel auf ‘zweite Bälle’ spekulieren, was nicht wirklich sein Spiel ist. Direkt nach der Pause verdaddelte Plea eine gute Kontermöglichkeit mit einer schlechten Ballannahme am gegnerischen Strafraum. Dafür war er zur Stelle nach dem Eckball von Netz, als er den Ball aus dem Rückraum präzise - wenn auch mit etwas Glück durch die Beine von Masovic - mit rechts flach ins Eck platzierte. Kurz darauf bereitete Plea mit einem feinen Steckpass die Thuram-Chance vor und auch beim Angriff zum 2:0 war er mit seinem Pass auf Netz beteiligt. Note 3,0.

Breel Embolo: Hatte die erste gute Gladbacher Chance, als er in der 13. Minute die flache Hereingabe von Thuram an der Strafraumgrenze klasse annahm und aus der Drehung abschloss - allerdings zentral genau auf den Torwart. Danach tat sich der Schweizer streckenweise sehr schwer, weil er lange Zuspiele nicht sichern konnte und ihm durch technische Fehler einige Bälle abhanden kamen. Nach der Pause, als es ein paar Mal zügig nach vorne ging, war Embolo beteiligt. Mit dem präzisen Schuss von der Strafraumgrenze markierte der 25-Jährige den Treffer zum 2:0. Note 3,5.

Marcus Thuram: Auch er litt darunter, dass das Offensivspiel der Borussen über weite Strecken hauptsächlich aus weiten Schlägen nach vorne bestand. Als Wandspieler ist Thuram trotz seiner körperlichen Präsenz weniger geeignet. Er muss seine Läufe starten, so wie in der 13. Minute, als er die Embolo-Chance mit einer flachen Hereingabe von der linken Seite vorbereitete. In der 35. Minute kam er im Strafraum nach einem Kontakt zu Fall, was aber richtigerweise nicht für einen Elfmeterpfiff reichte. Im zweiten Durchgang, als es geradliniger mit Kombinationen nach vorne ging, kam Thuram zu einem Abschluss von links im Strafraum und leitete schließlich mit seinem Antritt und dem anschließenden Querpass auf Lainer das 2:0 ein. Note 3,5.

 


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