Einzelkritik: VfB Stuttgart - Borussia Mönchengladbach 3:2 (1:2)

Der nächste Tiefschlag für eine desolate Borussia

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Zu wenig Kontrolle für Neuhaus und Kollegen beim VfB (Foto: Christian Kaspar-Bartke / Getty Images)

Borussia Mönchengladbach lässt sich in Stuttgart hilflos einen Zwei-Tore-Vorsprung aus der Hand nehmen und stürzt weiter ungebremst in Richtung Abstieg. Auch in der Einzelkritik finden sich nur wenige Details, die Mut machen:

Yann Sommer: Einmal mehr der beste Gladbacher - trotz drei Gegentoren. Mit seinen starken Reflexen gegen Tiago Tomas (12./66.) bewahrte er sein Team vor weiteren Treffern. Einige ‘Pflichtbälle’ parierte der Schweizer sicher und diesmal setzte er sich auch bei einer Ecke im Fünfmeterraum durch. Den Anschlusstreffer von Endo hätte er vermutlich verhindert, wenn Elvedi nicht entscheidend abgefälscht hätte. Beim Ausgleich war er chancenlos, weil der Ball zuvor ebenfalls abgefälscht wurde und beim platzierten Schuss des freistehenden Kalajdzic zum Stuttgarter Siegtor hatte der 33-Jährige keine Abwehrmöglichkeit. Den Freistoß zuvor wehrte er zwar nach vorne ab, aber zum Mitspieler. Note 2,0.

Joe Scally: Rückte für den erkrankten Lainer als Rechtsverteidiger in die neu formierte Viererkette. Einem guten Dribbling zu Beginn und einer Rettungsaktion gegen Tiago Tomas - die letztlich aufgrund einer Abseitsposition nicht nötig gewesen wäre - standen viele Unzulänglichkeiten gegenüber. Der US-Amerikaner hatte überhaupt keinen Rhythmus, traf falsche Entscheidungen und war defensiv vor allem gegen Sosa hoffnungslos überfordert. Vor dem Freistoß, der letztlich das Stuttgarter Siegtor einleitete, stoppte Scally Sosa per Foul und sah dafür Gelb. All das muss man einem unerfahrenen 19-Jährigen zugestehen. Doch wenn ihm die Kollegen die Unterstützung verweigern und der Trainer ihn ungeschützt weiter ins offene Messer rennen lässt, dann wird es richtig bitter. Note 5,0.

Matthias Ginter: Als rechter Innenverteidiger der Viererkette mit einer dezenten Vorstellung. Dem Nationalspieler unterliefen keine folgenschweren Fehler, aber in letzter Instanz fehlte sowohl im Zweikampf, als auch bei den Klärungsaktionen die nötige Konsequenz. So vor dem Ausgleichstreffer, als Ginter den Ball zwar zunächst aus der Gefahrenzone beförderte, aber genau auf Assistgeber Kalajdzic spielte. Einsatzwillen war dem 28-Jährigen nicht abzusprechen - u.a. bei der gemeinsamen Rettungstat mit Neuhaus gegen Marmoush. Dafür gehörte er auch zu den Spielern, die beim dritten Gegentor nur auf den Ball schauten, so dass er den freistehenden Kalajdzic zu spät bemerkte, um den Schuss noch blocken zu können. Note 4,5.

Nico Elvedi: Hatte wieder zwei, drei Situationen, in denen er komplett abschaltete und zu spät bzw. gar nicht reagierte. Folgenschwer war das diesmal nicht, aber natürlich sind solche Verhaltensmuster nicht dazu angetan, einen wackeligen Defensivverbund zu stärken. Nur ganz selten ging Elvedi mit dem letzten Biss in die Zweikämpfe oder Laufduelle. Dass er den Ball beim Anschlusstreffer entscheidend abfälschte, war zwar Pech, aber hätte mit etwas mehr Körperspannung vielleicht auch vermieden werden können. Bei den beiden weiteren Gegentoren war der 25-Jährige nur Zuschauer. Elvedi spielte die meisten Pässe bei einer Erfolgsquote von fast 90 Prozent - doch bis auf einen wirklich gelungenen Steilpass waren das ausnahmslos langweilige Kurzpässe. Note 4,5.

Ramy Bensebaini: Ein völlig vermurkster Abend für den Linksverteidiger, dem von Beginn an fast alles misslang. So ermöglichte er Tiago Tomas die erste Großchance, als er erst den falschen Laufweg wählte und dann ins Leere grätschte. Alsdann sah er für ein Einsteigen mit offener Sohle seine 5. Gelbe Karte und wird damit gegen Hertha gesperrt fehlen. Mehrmals war Bensebaini hoffnungslos unterlegen in Kopfballduellen mit Kalajdzic - u.a. vor der Megachance von Tiago Tomas (67.). Den Anschlusstreffer für den VfB bereitete der 26-Jährige unfreiwillig vor, indem sein Klärungsversuch zum Querschläger geriet und vor den Füßen von Endo landete. Unmittelbar vor dem Ausgleich wurde Bensebaini erst an der Außenlinie überlaufen, ehe er letztlich in der Mitte den Kalajdzic-Schuss unglücklich mit der Hacke so abfälschte, dass er zur perfekten Vorlage für Führich wurde. In der Offensive hatte er direkt zu Beginn eine Möglichkeit, als er sich nach Thuram-Flanke am Elfmeterpunkt selbst anschoss. Nach der Pause bereitete er immerhin die Chance von Neuhaus mit einem guten Lauf über die linke Seite vor. Note 5,0.

Christoph Kramer: Als alleiniger Sechser als ordnende Hand gefragt, was ihm schon im ersten Durchgang, als die Mannschaft insgesamt recht tief stand, nicht wirklich gelang. Stuttgart konnte relativ einfach die Räume bespielen und Kramer lief viel hinterher. Nach der Pause, als die beiden Achter rausrückten, wurde es für den 31-Jährigen noch komplizierter, die Lücken zu schließen. Ein paar Bälle konnte er ablaufen oder Anspiele blocken, aber es rutschte auch einiges durch. Spielerisch kam von Kramer solide Hausmannskost. Immer dann, wenn es schnell gehen musste, wurden seine Aktionen ungenau. Note 4,0.

Florian Neuhaus: Als rechter Achter in der neuen Grundordnung aufgeboten, tauschte Neuhaus bereits nach knapp drei Minuten die Seite mit Koné und blieb im weiteren Verlauf auch auf halblinks. Neuhaus hatte ein paar sehenswerte Szenen in der Offensive. Sein Doppelpass aus dem Fußgelenk zum Führungstor durch Plea war ein Glanzstück und auch der öffnende Pass auf Hofmann vor dem 2:0 war klasse. Allerdings hatte er auch einige Larifari-Aktionen im Repertoire. Defensiv fehlte Neuhaus in mehreren Situationen der Biss - u.a. bei der Entstehung des Ausgleichs, als er links an der Mittellinie nur alibimäßig verteidigte und den Pass die Linie entlang zuließ. In der zweiten Halbzeit rückten die beiden Achter sehr weit raus um das Aufbauspiel zu stören, wodurch sie in ihrem Rücken aber Räume öffneten, in welche die Stuttgarter mehrfach spielten. In der 70. Minute hatte Neuhaus die einzige Gladbacher Torchance in der zweiten Halbzeit, als er aus spitzem Winkel scheiterte. Danach hätte er mit einer zu kurzen Kopfballrückgabe in Richtung Sommer fast einen unfreiwilligen Assist geliefert, doch gemeinsam mit Ginter bereinigte er die Gefahr in höchster Not. Note 4,0.

Manu Koné: Begann links im Mittelfeld, ehe er schnell die Seite mit Neuhaus tauschte. Der Franzose war umtriebig, aber konnte sich nur selten richtig in Szene setzen. Er spielte ein paar ordentliche Verbindungspässe, mehr allerdings nicht. In den direkten Duellen wirkte Koné zurückhaltender als üblich. Nach der Pause lief er gemeinsam mit Neuhaus höher an, was den Stuttgarter Aufbau jedoch nicht sonderlich beeinträchtigte - dafür aber Räume öffnete, die auch Koné nicht zulaufen konnte. Nach 71 Minuten wurde er von Embolo abgelöst. Note 4,5.

Jonas Hofmann: In der Rolle vorne rechts ohne die gewohnte Bindung zum Spiel, auch wenn er wieder viel unterwegs war. Seine Läufe in die Tiefe verpufften und wenn er sich etwas zurückfallen ließ und sich am Kombinationsspiel beteiligen wollte, blieb vieles Stückwerk. Wirklich gelungen war der kluge Pass auf Plea vor dem 0:2. Ansonsten unterliefen dem 29-Jährigen ungewohnte Fehler im Passspiel. Da er weisungsgemäß nicht hoch attackierte, wurden seine Probleme deutlich, wenn der Gegner mit Ball am Fuß auf ihn zuläuft. Hier war mehrfach der ‘alte’ Hofmann zu sehen, der einfach dem Zweikampf auswich und den Gegner locker vorbeilaufen ließ. Auch an Hofmann lag es, dass Sosa so viel Freiraum hatte - u.a. beim Assist zum Siegtreffer, als Hofmann die Hereingabe nicht verhinderte. Note 4,5.

Alassane Plea: Auf der linken Seite hinter Thuram aufgeboten, wurde der Franzose wieder zum gefährlichsten Gladbacher Offensivspieler. Sein Antritt vor dem Führungstor war klasse und der direkte Abschluss war noch ausreichend gut, so dass der Ball einschlug, obwohl der Torwart noch dran war. Die Vorbereitung zum Treffer von Thuram war perfekt. Nach hinten arbeitete Plea seriös mit. In der zweiten Halbzeit blieb er zweimal im Mittelfeld hängen, was Gegenangriffe zur Folge hatte. Dennoch war es äußerst verwunderlich, dass ausgerechnet Plea in der 84. Minute ausgewechselt wurde, als gerade das 2:3 gefallen war. Note 3,5.

Marcus Thuram: Knüpfte von seiner Körpersprache und Präsenz her an das Spiel gegen Wolfsburg an. In Ansätzen war da die Gefährlichkeit von Thuram zu erkennen, wie er sie in seiner ersten Zeit in Gladbach an Tag gelegt hatte. Bensebainis frühe Chance bereitete er mit einer Flanke von rechts vor. An der Entstehung des Führungstreffers war Thuram beteiligt und sein Tor zum 2:0 resultierte aus einer Willensleistung - und dem nötigen Glück, dass der Ball über den Fuß des Torwarts rutschte. Nach der Pause konnte sich der 24-Jährige nicht mehr durchsetzen. Er schleppte sich mehr oder weniger über den Platz, was sich besonders beim Stuttgarter Siegtor zeigte, als er nach dem abgewehrten Freistoß gegen Sosa nicht mehr mitkam und ihn ziehen ließ. Note 4,0.

Breel Embolo (72. Minute für Koné): Mit seiner Einwechslung wurde auf 4-4-2 umgestellt, was aber ebenso verpuffte, wie die Aktionen des Schweizers. Eine schlechte Ballannahme kostete einen möglichen Konterangriff und ansonsten kam von Embolo nichts. Ohne Note.

Luca Netz (84. Minute für Plea): Kam unmittelbar nach dem 2:3 ins Spiel. Das war eine Maßnahme, deren Sinn nicht erkennbar war - aber natürlich kein Vorwurf an den Youngster. Der bemühte sich und wäre in der Nachspielzeit fast einmal auf der Seite durchgekommen, blieb dann aber doch hängen. Ohne Note.


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