Einzelkritik: TSG Hoffenheim - Borussia Mönchengladbach 1:1 (0:1)

Ein Punkt, der den Sturzflug etwas abbremst

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Breel Embolo war nicht nur wegen des Tores Borussias auffälligster Feldspieler (Foto: Matthias Hangst / Getty Images)

Borussia Mönchengladbach konnte den ungebremsten Sturzflug mit dem Remis bei der TSG Hoffenheim zumindest etwas abbremsen. Die Borussen erarbeiteten sich diesen Punkt. Dass in allen Bereichen noch viel Luft nach oben ist, erklärt sich von selbst. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Borussias Mann des Spiels. Einen Tag nach seinem 33. Geburtstag rettete der Schweizer seine Mannschaft mit mehreren starken Paraden. Im ersten Durchgang u.a. gegen Rutter oder beim Schuss von Kadarebek aus spitzem Winkel. Nach der Pause lenkte er einen Kopfball von Rutter gerade noch so um den Pfosten und reagierte dann bei der Doppelchance von Posch und Baumgartner hervorragend. Auch bei hohen Bällen war Sommer auf dem Posten - einmal mit gelungener Faustabwehr. Beim Gegentor in der Nachspielzeit, das Akpoguma aus kurzer Distanz erzielte, war Sommer machtlos. Als mitspielender Keeper war er aufmerksam bei zwei langen Pässen, allerdings schlug er im Aufbau drei Bälle ins Seitenaus. Note 1,5.

Stefan Lainer: Nach dem misslungenen Startelfcomeback gegen Freiburg wagte der Österreicher in Sinsheim den nächsten Anlauf - diesmal als Rechtsverteidiger in der Viererkette. Hier zunächst mit einigen Schwierigkeiten gegen Kramaric und Raum. Lainer kam nicht richtig in die Duelle, steigerte sich aber mit zunehmendem Spielverlauf. Im Aufbau agierte er das eine oder andere mal überhastet, schlug aber auch ein paar gute lange Pässe - so zur Embolo-Chance kurz vor dem Führungstor. In der zweiten Halbzeit lieferte er sich einige Duelle mit Raum, der teilweise recht eklig zu Werke ging. Lainer ließ sich aber nicht schrecken und hielt dagegen. Grandios die Doppelgrätsche des 29-Jährigen gegen Kramaric und Raum in der 80. Minute. Vor dem Ausgleichstreffer wurde er im Strafraum festgehalten, was aber nicht geahndet wurde. Note 3,5.

Matthias Ginter: Wirkte als rechter Innenverteidiger in der Viererkette stabiler als zuletzt rechts in der Dreierreihe. Er fing einiges mit gutem Stellungsspiel ab und war präsent und schnörkellos in den Zweikämpfen. Im Aufbauspiel machte es der Nationalspieler solide, ohne dabei großes Risiko zu gehen. Unmittelbar nach dem Führungstor warf sich Ginter im eigenen Sechzehner in einen Schuss und blockte mit angelegtem Arm - korrekt, dass hier kein Handelfmeter gegegeben wurde. Vorne leitete er mit einer misslungenen Kopfballablage einen Gegenangriff für Hoffenheim ein. Als in der letzten halben Stunde fast nur noch verteidigt wurde, war der 27-Jährige meist auf der Höhe. Den Ausgleichstreffer konnte er nicht mehr verhindern, obwohl er es mit einem langen Schritt noch versuchte. Note 3,0.

Ramy Bensebaini: Diesmal in der Innenverteidigung gefordert, was der Algerier über weite Strecken vernünftig machte. Im Kopfballspiel war der 26-Jährige präsent und auch in den Zweikämpfen ging er resolut zur Sache. Probleme hatte er hier und da beim Positionsspiel und im Timing. Kurz nach der Pause spielte Bensebaini im Aufbau einen unbedrängten Fehlpass, später sah er Gelb wegen Ballwegschlagens und in der Schlussphase schenkte er bei einem missratenen Befreiungsschlag eine Ecke her. Sein Schuss aus dem Rückraum genau auf Baumann war einer der seltenen Abschlüsse im zweiten Durchgang (55.). Am Ende bei den vielen Hereingaben verlor Bensebaini etwas den Überblick. So beim Kopfballaufsetzer von Posch und leider auch vor dem Ausgleich, als er die Hereingabe von Vogt falsch einschätzte und sich Richtung Ball orientierte, anstatt bei Akpoguma zu bleiben. Als Bensebaini die Situation realisierte, war es zu spät. Note 3,5.

Joe Scally: Durfte mal wieder als Linksverteidiger ran und dass sich der 18-Jährige insgesamt so problemlos mit den ständigen Rollenwechseln abfindet, verdient Respekt. Im ersten Durchgang war die linke Seite zeitweise eine Schwachstelle, was aber vor allem daran lag, dass Scally zunächst weder von Thuram noch von Zakaria die notwendige Unterstützung erhielt. Als die Staffelung insgesamt besser war, hatte der US-Amerikaner deutlich weniger Probleme. Er war sehr laufstark und suchte auch den Anschluss nach vorne, kam aber immer rechtzeitig wieder nach hinten. Im Passspiel machte er es weitestgehend ordentlich, wobei er sich klar auf Sicherheit fokussierte. Note 3,5.

Christoph Kramer: Stand erstmals seit Ende August (3. Spieltag gegen Union Berlin) wieder in der Startelf. Er zeigte sich, war gewohnt laufstark und strahlte gerade in der ersten Phase der Partie, als Borussia relativ viel Ballbesitz hatte, Ruhe aus. Als Balleroberer trat der 30-Jährige einige Male in Erscheinung und leitete so den Angriff zur ersten Schusschance von Stindl ein. Auch beim zweiten Abschluss des Kapitäns war Kramer mit seinem Zuspiel beteiligt. Spielerisch passte er sich der durchschnittlichen Darbietung der Kollegen an. Kramer lief unermüdlich die Räume zu, wobei er in der Endphase deutlich auf dem Zahnfleisch ging. Note 3,0.

Denis Zakaria: Nachdem er zuletzt in der Dreierkette ausgeholfen hatte, rückte er diesmal wieder ins defensive Mittelfeld vor. Dort konnte er in zwei, drei Situationen mit langen Schritten Hoffenheimer Pässe abfangen. Aber der Schweizer hatte auch einige Probleme im Zweikampf, so ließ er u.a. Rutter zu einfach davonkommen. Vor dessen Großchance in der 18. Minute spekulierte Zakaria vergeblich auf Abseits und Rutter lief in seinem Rücken auf und davon. Im Passspiel machte er es ordentlich - lediglich ein etwas panisch gespielter Ball landete beim Gegner. Was fehlte, waren Zakarias energische Antritte mit Ball am Fuß. So war er im Offensivspiel kaum ein Faktor und trotz einer ansprechenden Laufleistung von 11,3 Kilometern waren 37 Ballaktionen für einen zentralen Mittelfeldspieler vergleichsweise wenig. Note 3,5.

Patrick Herrmann: War auf der rechten Seite mit großem Engagement unterwegs und hatte am Ende 12,82 Kilometer abgerissen. Herrmann war sehr fleißig in der Rückwärtsbewegung und unterstützte Lainer aufmerksam. Im Spiel nach vorne unterlief ihm zwar der eine oder andere technische Fehler, aber er blieb emsig - auch beim Anlaufen des Hoffenheimer Aufbauspiels. Nach zwanzig Minuten setzte er sich gut durch und zog nach innen - Thuram wurde letztlich geblockt. Zehn Minuten später hatte Herrmann nach Doppelpass mit Stindl eine sehr gute Schussmöglichkeit von halbrechts, verzog aber deutlich und kassierte auch noch einen Anpfiff von Thuram, weil er nicht abgespielt hatte. Kurz vor der Pause wuselte Herrmann im Strafraum, als schlussendlich Embolo über das Tor schoss. Für Embolo bereitete er den Treffer mit seiner Ecke vor - ansonsten waren Herrmanns Standards weder richtig gut, noch richtig schlecht. Nach knapp einer Stunde versprang ihm bei einem aussichtsreichen Konter der Ball und auch darüber hinaus konnte er sich offensiv nicht mehr zeigen. Note 3,5.

Lars Stindl: Startete mit einer guten Balleroberung und war auch in der Folgezeit sehr ordentlich im Spiel. Stindl störte intensiv und war als Ballverteiler auffällig. So bereitete er die Chance für Herrmann vor und war an weiteren gefährlichen Angriffen ursächlich beteiligt. Stindl hatte den ersten Abschluss, doch seinem Flachschuss fehlten Wucht und Präzision (22.). Einen besseren Versuch des Kapitäns lenkte Baumann um den Pfosten (29.). Kurz vor der Pause schnappte er sich im Gewühl im gegnerischen Strafraum den Ball, den Embolo dann über den Kasten feuerte. Nach der Pause ging nur noch wenig konstruktiv nach vorne. Stindl rieb sich auf, indem er weite Wege in der eigenen Hälfte zurücklegte. Note 3,5.

Marcus Thuram: Kam über die linke Seite, wo er sich zunächst schwer tat - unter anderem versprang ihm der Ball nach der Annahme. Mit zu wenig Überzeugung beteiligte sich der 24-Jährige an der Defensivarbeit. Nachdem sich Herrmann durchsetzte, wurde ein Schussversuch von Thuram im Strafraum geblockt. Nach einer halben Stunde, als Borussia insgesamt die stärkste Phase in der Offensive hatte, konnte sich auch Thuram besser in Szene setzen. So war er an der Entstehung der zweiten Stindl-Chance beteiligt und sein Rebound im Anschluss an die Gelegenheit von Embolo wurde ausgerechnet von seinem ‘speziellen Freund’ Posch noch mit der Hacke am Tor vorbei gelenkt. Aus der Ecke resultierte dann der Führungstreffer. Anfang der zweiten Halbzeit startete der Franzose gut über links in den Sechzehner, seine Hereingabe wurde jedoch abgefangen. In der 73. Minute machte Thuram Platz für Netz. Note 4,0.

Breel Embolo: Präsentierte sich von Beginn an gefestigter und zielgerichteter als zuletzt. Schon in der zweiten Minute holte er einen Freistoß in guter Position heraus und fortan stellte er die Hoffenheimer Abwehrspieler immer wieder vor Herausforderungen. Embolos Timing war deutlich verbessert und er stürzte sich weniger kopflos in die Zweikämpfe. So setzte er sich wuchtig und überlegt gegen drei Gegenspieler durch - sein Außenristpass auf Thuram geriet allerdings etwas zu lang. Bei der ersten Stindl-Chance war Embolo als Passgeber involviert und dann hatte der Schweizer die Großchance, als er sich nach dem weiten Lainer-Pass ganz stark gegen Posch durchsetzte, im Fallen aber mit seinem Abschluss an Baumann scheiterte. Bei der folgenden Ecke stand er goldrichtig, nachdem er sich zuvor von seinem Gegenspieler gelöst hatte und drückte den Ball aus kurzer Distanz zur Führung über die Linie. Kurz vor der Pause kam der 24-Jährige nach Vorarbeit von Stindl im Strafraum aus spitzem Winkel zum Schuss - zielte aber knapp über das Tor. Auch nach dem Seitenwechsel war er zunächst stabil bei der Ballverarbeitung, was sich im Schlussdrittel änderte. Da wurden seine Aktionen unsauberer, u.a. musste Lainer seine ‘Doppelgrätsche’ auspacken, nachdem Embolo zuvor den Ball verloren hatte. In der 88. Minute wurde er von Plea abgelöst. Note 2,5.

Luca Netz (73. Minute für Thuram): Mit seiner Einwechslung wurde auf 4-4-2 umgestellt und Netz war vor allem als Unterstützung für Scally auf der linken Abwehrseite tätig. Dabei war er fleißig, aber nicht wirklich glücklich in seinen Aktionen. Vor dem Hoffenheimer Ausgleich in der Nachspielzeit ließ er Bebou entscheidend zum Kopfball kommen, weil er viel zu spät schaltete und selbst nicht mehr ins Duell kam. Ohne Note.

Alassane Plea (88. Minute für Embolo): Konnte sich in der kurzen Zeit nicht mehr in Szene setzen. Ohne Note.

 


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